Gesundheit

  • Zwei Jahre Schweinepest in Hessen

    Zwei Jahre Schweinepest in Hessen

    Vor zwei Jahren wurde das erste Schwein in Hessen positiv auf die Afrikanische Schweinepest getestet. Die Folgen sind gravierend: Mittlerweile sind weit über 2.000 Schweine an der Tierseuche gestorben, Bauern bangen um Ihre Existenz. und ein Ende der Afrikanischen Schweinepest ist in Hessen weiterhin nicht in Sicht. Es ist der 15. Juni 2024. Der Start für die Afrikanische Schweinepest in Hessen: Bei Rüsselsheim wird hier das erste Schwein auf die Tierseuche positiv getestet. Nur wenige Wochen später meldet ein Mastbetrieb in Stockstadt am Rhein weitere Fälle. Die Folgen gravierend: Über 1.000 Schweine müssen hier getötet werden, um die Verbreitung des Virus zu verhindern. Weitere Maßnahmen folgen schnell: Über 400 Kilometer lange Zäune gegen die Ausweitung in Südhessen, das Schießen und Sperrzonen, die teils bis heute noch greifen: Von Rüsselsheim bis nach Mannheim, im sogenannten „Kerngebiet Alpha“ ist heute immer noch mit weiteren Fällen zu rechnen. Im Kreis Groß-Gerau geht die Zahl der Wildschweine um 67 Prozent zurück – innerhalb nur eines Jahres. Einige Bauern bangen um Ihre Existenz. Für die Tiere verläuft eine Erkrankung oft schmerzvoll. Sie leiden zum Beispiel an Fieber, Fressunlust und Atemproblemen. Eine Erkrankung führt – fast immer – schon innerhalb einer Woche zum Tod. Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich. Er kann das Virus allerdings weitertragen. Zum Beispiel über kontaminierte Lebensmittel oder Kleidung. Bisher wurden laut hessischem Umweltministerium fast 7.000 Kadaver gefunden, von denen mehr als 2.300  positiv getestet wurden. Ein Ende der Afrikanischen Schweinepest liegt nicht in Sicht: Zumal das Virus rund zwei Jahre lang überleben kann.

  • Schaltgespräch mit Landwirtschaftsminister Ingmar Jung zur Schweinepest

    Schaltgespräch mit Landwirtschaftsminister Ingmar Jung zur Schweinepest

    Vor zwei Jahren wurde in Hessen der erst Fall der Afrikanischen Schweinepest in Hessen bestätigt. Eva Dieterle spricht mit dem zuständigen Minister über den Stand der Dinge. Eva Dieterle, Moderatorin: Zwei Jahre ist der erst bestätigte Fall der Afrikanischen Schweinepest jetzt her. Ich bin deshalb jetzt verbunden mit dem hessischen Landwirtschafts- und Umweltminister – Ingmar Jung. Guten Tag. Ingmar Jung (CDU), Landwirtschaftsminister Hessen: Guten Abend, Frau Dieterle. Dieterle: Sie haben immer gesagt, die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest sei kein Sprint, sondern ein Marathon. Wo befinden wir uns denn gerade auf der Marathon-Strecke? Jung: Na ja, wir befinden uns schon noch mitten im Marathon drin. Es hat sich ja bestätigt, dass das alles kein Sprint ist. Aber wir können heute sagen, dass wir unser Geschehen eingedämmt haben, dass wir die Ausbreitung der Schweinepest insbesondere in Südhessen gestoppt haben, dass sie sich nicht nach Nordhessen ausgebreitet hat. Aber inzwischen wissen wir natürlich auch, dass wir ein weiteres Geschehen aus Nordrhein-Westfalen haben, das uns von Norden ein wenig bedroht. Und dort machen wir ähnliche Maßnahmen, wie sie es vor zwei Jahren in Südhessen begonnen haben, und hoffen natürlich, dass am Ende dort auch so ausgeht, dass wir das Schlimmste verhindern können. Dieterle: Ein großes Problem sind ja die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Betriebe in den Sperr-Zonen. Können Sie als Land das überhaupt ausgleichen? Jung: Der große Aufwand, den wir betreiben, hat ja vor allem den Hintergrund, dass wir wirtschaftliche Schäden so gering wie möglich halten wollen. Wir wollen Schweinehaltung in Hessen weiter ermöglichen. Was auch im Moment der Fall ist. Und wir versuchen natürlich dann, wenn wirtschaftliche Schäden entstehen, sie so gut wie möglich auszugleichen. Wir haben die Transportkosten zu den sogenannten „benannten Schlachthöfen“ unterstützt. Wir haben bei denen Betrieben, die es dann auch tatsächlich getroffen hat, unterstützt. Bei dem Auffangen der Schäden, […]

  • Bürokratie im Krankenhaus

    Bürokratie im Krankenhaus

    Der Ruf nach weniger Vorschriften und Formularen kommt inzwischen aus nahezu allen politischen Lagern. Doch vielen geht der Abbau viel zu langsam. Die Kritik an ausufernder Bürokratie wächst – auch im Gesundheitssystem. Wir haben am Krankenhaus in Neuwied nachgefragt. „Das kommt ein bisschen auf die Wunde an. Ich habe heute den Verband noch nicht gemacht. Also sobald ich da drunter geguckt habe, kann ich das genauer sagen. Aber ich rufe einfach gleich nochmal zurück.“ Assistenzärztin Victoria Wünsche sitzt am Schreibtisch und dokumentiert ihre Arbeit. Der Verbandswechsel muss warten. Keine Ausnahme, im Gegenteil. Das Dokumentieren der Behandlungen nimmt oft mehr Zeit in Anspruch als die Behandlung selbst. Dr. Victoria Wünsche, Assistenzärztin „Es gibt eben viel Anteil, wie eben diese ganzen Reha-Anträge, Kurzzeitpflegeanträge, die jetzt nicht unbedingt ärztlich sind. Wenn die wegfallen würden, hätten wir einfach mehr Zeit am Patienten, mehr Zeit im OP, mehr Zeit uns auf wirklich ärztliche Tätigkeit zu konzentrieren.“ Laut einer Studie des deutschen Krankenhausinstituts verbringen Ärzte und Pflegekräfte mehr als ein Drittel ihrer Tagesarbeitszeit mit Dokumentationsaufgaben. Prof. Dr. Christoph Wölfl, Chefarzt am Marienhaus Klinikum Neuwied „Das sind sicherlich Dokumentationen für den medizinischen Dienst der Krankenkasse, Stellungnahmen, die wir schreiben müssen, ob unser medizinisches Behandlungsregime das Richtige war. Unendliche Schriftverkehre wegen ein oder zwei Behandlungstagen mehr, die entstehen.“ Wichtig ist den Ärzten und Pflegekräften dabei: Nicht die Dokumentation der Behandlungen selbst ist das Problem:. Die gehört zum Alltag dazu und kann nur von Ärzten erledigt werden. Die weiteren Verwaltungsaufgaben könnten aber auch von anderen Fachkräften erledigt werden. Prof. Dr. Christoph Wölfl, Chefarzt am Marienhaus Klinikum Neuwied „Dokumentationsassistenten, Study Nurses – das gibt es ja auch zum Teil schon. Aber da gibt es natürlich das Problem: Personal kostet. Und wenn Sie mehr in diese Personalgruppe shiften, haben Sie weniger Budget für ärztliche Mitarbeitende. Die brauchen sie aber, um die […]

  • Haltestelle ohne Busverkehr

    Haltestelle ohne Busverkehr

    Unsere Gesellschaft wird immer älter. Immer mehr Senioren verbringen ihren Lebensabend im Pflegeheim – oder auch im Krankenhaus. Das Gefühl, allein gelassen zu werden, treibt viele von ihnen um. Sie haben den Wunsch, einfach wieder „nach Hause“ zu wollen – und immer wieder versuchen sie das auch auf eigene Faust. Besonders ausgeprägt ist das bei Demenzpatienten. Im Stations-Alltag sorgt das häufig für Schwierigkeiten. Das Klinikum Ludwigshafen hat sich deshalb jetzt etwas Spezielles einfallen lassen. Gestatten: Agatha, Luise, Alfons und Emmi. Sie alle warten an der Haltestelle. Allerdings wird hier niemals ein Bus oder eine Bahn abfahren. Die Phantomhaltestelle hat das Klinikum Ludwigshafen für seine Demenzpatienten eingerichtet. Denn nicht selten kommt es vor, dass verwirrte Menschen mit dem Verlangen, nach Hause zu wollen, das Krankenhaus einfach verlassen, die nächstgelegene – echte – Haltestelle aufsuchen, einsteigen und erst mal weg sind. Sabina Funke, Direktorin Geriatrie Klinikum Ludwigshafen „Das haben wir in der Tat erlebt, dass die Patienten zur Bushaltestelle gehen. Und die sind dann auch mit dem Bus gefahren. Wir haben die Patienten dann mit der Polizei zurückgeholt, in der Tat. Haben dann die Angehörigen informiert und es ist zum Glück alles gutgegangen. Aber in der Tat: die gehen zur Bushaltestelle.“ Und damit der Weg dorthin nun nicht mehr so weit ist, ist die Haltestelle direkt am Stations-Ausgang feierlich eingeweiht worden. Vorteil: Dort kann das Pflegepersonal die vermissten Patienten schnell wieder einsammeln. Es soll aber auch ein Ort der Gemeinschaft werden. Alexandra Gräfin von Rex, Pflegedirektorin Klinikum Ludwigshafen „Also es ist nicht so, dass ein Patient alleine an der Bushaltestelle sitzt und dort wartet, sondern wir integrieren das in Gespräche. Wir wollen darüber auch einen Zugang zu den Patienten bekommen, um ihnen letztendlich ein Wohlgefühl zu geben.“ Die Phantomhaltestelle – kein bloßer Jux, sondern therapeutisches Konzept. In anderen europäischen Ländern bereits durch […]

  • Umweltfreundliche Medizinprodukte

    Umweltfreundliche Medizinprodukte

    Wenn Medizinische Produkte, wie Spritzen, verwendet wurden, sind sie oft kontaminiert mit Blut oder Viren. In der Regel wird der Abfall deshalb verbrannt. Durch den hohen Plastikanteil für die Umwelt eine große Belastung. Mit Biovox haben drei junge Unternehmer ein Start-Up in Darmstadt gegründet, das dieses Problem lösen soll. Klein, rund und krümelig. Man möchte sich am liebsten hineinlegen. Doch dafür stellt Biovox sein Biokunststoffgranulat nicht her. Julian Lotz, Carmen Rommel und Vinzenz Nienhaus haben ihr Start-Up gegründet, damit Spritzen, Blister oder Schwangerschaftstests wie diese nachhaltig hergestellt werden können. Julian Lotz, Gründer Biovox: Wir haben ursprünglich mal Implantate für die Reparatur von Knochenbrüchen entwickelt und dann gesehen, wie viel Müll im Krankenhaus am Ende ja auch entsteht bei Operationen beispielsweise durch Einmalprodukte, Verpackungen etc. Und sind auch diverse Kunststoffe in Verwendung, die nicht so wahnsinnig gesund für die Patienten unbedingt sind. Das wollten die drei Unternehmer ändern. Indem sie nachhaltiges Material für Hersteller von Medizintechnik produzieren: das Granulat. Statt Erdöl, wie bei klassischem Kunststoff, nutzen sie biobasierte Polymer-Typen, also pflanzliche Kunststoffe, etwa aus Zucker oder Stärke. Daraus macht Biovox das Granulat, das für die Medizintechnik gebraucht wird. Hier kommt der Doppelschneckenextruder zum Einsatz. Vinzenz Nienhaus, Gründer Biovox: Damit kann man Kunststoffe untereinander mischen oder auch Additive einbringen. Zum Beispiel Farbe, man will ja, dass Farbe nicht nur an manchen Punkten ist, sondern schön gleichmäßig verteilt über den Kunststoff. Und das können wir hiermit erreichen. Das sind zwei Schnecken, die ganz nah aneinander laufen und dann eben die Sachen ineinander einkneten. Oben kommen die Biopolymere rein, gemischt mit den Substanzen, die passgenau für das jeweilige Medizinprodukt sind. Zum Beispiel Gleitmittel für Insulinspritzen. Die Zutaten schmelzen und werden miteinander verknetet. Vorne kommt die homogene Masse raus. Die langen Spaghetti werden abgekühlt, in kleine Stückchen gehackt und am Ende gesiebt. Julian Lotz, Gründer Biovox: Im Medizinbereich […]

  • Kostendruck bei der Luftrettung

    Kostendruck bei der Luftrettung

    Wenn bei der Menschenrettung jede Sekunde zählt, ist er da. Der Rettungshubschrauber Christoph 10 aus dem rheinland-pfälzischen Bernkastel-Wittlich. Die Retter  aus der Luft klagen aber zunehmend über schwierigerer Rahmenbedingungen. Grund dafür ist der aktuelle Gesetzentwurf zur Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung. Deutsche Luftrettungsorganisationen warnen vor gravierenden Folgen einer möglichen Kostendeckelung. Wenn für „Christoph 10“ der Alarm losgeht, zählt jede Sekunde. Nach einem kurzen Check hebt der Rettungshubschrauber ab. Der Einsatz diesmal: ein bewusstloser Mann mit akuter Atemnot. Lebensgefahr. Simon Hübenthal, Notfallsanitäter: „Das kann ein Krampfanfall gewesen sein. Das kann durchaus ein Schlaganfall gewesen sein, wenn man jetzt neurologisch überlegt. Es kann eine Aspiration gewesen sein.“ (9) Dem Mann wird noch vor Ort ein Beatmungsschlauch gelegt. Dann gehts mit dem Rettungswagen ins nächste Krankenhaus. Die Luftretter aus Bernkastel-Wittlich fliegen Einsätze in einem Radius von bis zu 70 Kilometern — bei fast jedem Wetter. Gut 1750 Einsätze waren es allein im vergangenen Jahr. An Bord: Pilot, Notfallsanitäter und Notarzt. Genau diese hochqualifizierten Fachkräfte stehen im Zentrum der aktuellen Diskussion. Martin Schiffarth, Regionalleiter ADAC Luftrettung: „Die Luftrettung ist ein Teil der kritischen Infrastruktur. Wir sind ein Teil, natürlich auch im Katastrophenschutz aktiv, wenn wir gefordert sind, üblicherweise aber in der Notfallrettung von Menschenleben. Das heißt wir sind da und wir sind permanent da und das braucht natürlich auch eine finanzielle Basis.“ (17) Diese finanzielle Basis ist durch den aktuellen Gesetzentwurf der gesetzlichen Krankenkassen jetzt aber in Gefahr. Denn die Kosten steigen, für Treibstoff, Material, Technik, Personal: Frédéric Bruder, Geschäftsführer ADAC Luftrettung: „Die steigenden Kosten, die wir jährlich alle erleben aus vielerlei Beweggründen heraus, würden zukünftig nicht mehr in Gänze refinanziert werden können und das hat den doppelt negativen Effekt, dass die Finanzierung sich immer auf das Vorjahr bezieht. Das heißt wenn ich in einem Jahr in der Unterdeckung bin, im nächsten Jahr diese Unterdeckung […]

  • Neues Konzept für Pflegeausbildung

    Neues Konzept für Pflegeausbildung

    Der Pflegenotstand in Deutschland verschärft sich weiter. Immer mehr ältere Pflegekräfte gehen in den Ruhestand, während gleichzeitig der Bedarf an Betreuung steigt. Umso wichtiger ist es, junge Menschen frühzeitig für den Beruf zu begeistern und sie praxisnah auszubilden. Im Klinikum Hersfeld-Rotenburg setzt man dafür auf ein besonderes Konzept: eine Schulstation, in der Auszubildende schon früh eigenständig Verantwortung im Klinikalltag übernehmen.   Medikamente vorbereiten, Pflegemaßnahmen dokumentieren oder Patienten versorgen – eigentlich sind das Aufgaben einer Pflegefachkraft. Hier in der Geriatrie, also der Station für Altersmedizin, übernehmen das allerdings Auszubildende – unter Aufsicht der Praxisanleiter. Mariell Barite ist eine von ihnen. Auf der Schulstation organisiert sie gemeinsam mit den anderen Azubis den Alltag weitgehend eigenständig. Mariell Barite, Auszubildende im 2. Lehrjahr  „Ich kann mich viel mehr entfalten auf einer Schulstation, weil hier wird halt explizit drauf geachtet, dass die Auszubildenden viel was machen, ihr Wissen zeigen können. Auf einer normalen Station ist das halt eher nicht so. Dann sind all die examinierten Fachkräfte vor Ort und übernehmen vieles. Also auf einer Schulstation kann ich wirklich sagen, dass man halt sein Wissen wirklich überprüfen kann und schauen, ob man das alles weiß und wo halt die Defizite sind.“ Die Schulstation ist fester Bestandteil des Klinikalltags. Dort werden insgesamt sieben Patienten betreut. Je nach Schicht sind ein bis fünf Auszubildende im Einsatz. Das Pilotprojekt startet vor einem Jahr in der Unfallchirurgie und wird seit Februar auch in der Geriatrie umgesetzt. Steven Bruder leitet das Projekt des Klinikum Hersfeld-Rotenburg und tauscht sich regelmäßig mit seinen Schülern aus. Steven Bruder, Berufspädagoge für Pflege- und Gesundheitsberufe  „Also sie können wirklich Theorie und Praxis super verknüpfen, indem sie später den ganzen Pflegeprozess begleiten, von der Aufnahme bis über das Ausarbeiten von Kurven, bis hin zum Stellen von Medikation und in den normalen Einsätzen bekommen sie diesbezüglich immer nur kurze Einblick. Hier haben sie wirklich […]

  • Bilanz des Hausarztprojekts HÄPPI

    Bilanz des Hausarztprojekts HÄPPI

    Ein neues Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz soll Hausarztpraxen stärken. „HÄPPI“ heißt es, entlastet Ärzte und gestaltet den Praxisbetrieb durch digitale Hilfe effizienter. Dadurch soll die Versorgung vor allem auf dem Land sichergestellt werden. Hier sind heute wirklich alle happy. Denn das Pilotprojekt „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung interprofessionell“ kurz „HÄPPI“, ist laut Hausärzteverband Rheinland-Pfalz ein voller Erfolg. Sieben Pilotpraxen gibt es, eine davon:  Die Hausarztpraxis von Dr. Verena Gall in Mommenheim. Durch das neue Projekt konnte die Praxis ganze 250 zusätzliche Patienten aufnehmen. Der Schlüssel: Arbeitsteilung. Dr. Verena Gall, Hausärztin „Der Patient der merkt, er sieht nicht jedes Mal den Arzt, sondern er sieht eben auch das ein oder andere mal – solange es unproblematisch ist –  eine akademische nicht-ärztliche Gesundheitsfachkraft. Also der Patient mit Bluthochdruck, der gut eingestellt ist und zur Kontrolle kommt, muss ja nicht unbedingt den Arzt sehen.“ In der Praxis von Verena Gall haben sich mehrere Mitarbeiter zu solchen qualifizierten Fachkräften weiterbilden lassen. Ein KI-gestützter Assistent übernimmt jetzt den Telefondienst. Weiterbildungen für Fachkräfte hat das Gesundheitsministerium während des Pilotprojektes mit 280.000 Euro gefördert. Clemens Hoch (SPD),Gesundheitsminister RLP „Jetzt das Projekt hat gezeigt. Es kann wirklich funktionieren, wenn wir auf mehr KI setzen, wenn wir auf multiprofessionelle Teams setzen, wenn wir die Patientinnen und Patienten wieder in den Mittelpunkt rücken in ihrer Ansprache. Es muss nicht immer alles ein Arzt machen. Dann ist das eine gute Bandbreite wie wir medizinische Versorgung bei einer älter werdenden Bevölkerung sicherstellen.“ Damit das Projekt auch nach der Testphase von anderen Praxen übernommen werden kann, müssen die Krankenkassen mitspielen. Denn aktuell gibt es nur Geld, wenn Patienten von einem Arzt untersucht werden. In Zukunft dürfe man aber nicht mehr vom Arzt, sondern von der Praxis sprechen. Barbara Römer, Hausärztinnen- und Hausärzteverband RLP „Das soll für alle ein Startpunkt sein damit wir jetzt gerade im ländlichen […]

  • Schauspielerin mimt Patientin an Uniklinik

    Schauspielerin mimt Patientin an Uniklinik

    Zu Gunsten der Medizin schlüpfen Schauspieler manchmal auch in eher ungewöhnliche Rollen. Abseits von Theater, Film oder Werbung spielen einige von ihnen in der sogenannten Lernklinik der Unimedizin Mainz Patient. So helfen sie beispielsweise angehenden Zahnärzten, echte Behandlungssituationen zu üben. Wir haben Patientendarstellerin Julia Himmelsbach einen Tag lang bei ihrem Schauspieljob der anderen Art begleitet. Paula Hell hat heute einen Zahnarzttermin. Sie hat eine Zahnfleischentzündung und wird über die folgenden Behandlungen von ihrer Zahnärztin aufgeklärt. Doch der Termin ist nicht echt – Paula Hell ist nur eine Rolle. Gespielt wird sie von Julia Himmelsbach. Die 35-jährige Schauspielerin stellt heute eine ängstliche Patientin dar. Julia Himmelsbach, Patientendarstellerin „Es ist natürlich schon was ganz anderes, weil es natürlich immer live ist und immer anders. Natürlich habe ich ein Skript und ich weiß ungefähr, was das für eine Person ist. Ich kenne die Eckdaten, Beruf und natürlich das Krankheitsbild. Aber dadurch, dass es halt Gespräche sind ist es immer auch ein großer Teil Improvisation.“ Seit sechs Jahren ist Julia Himmelsbach Patientendarstellerin. Durch einen Kollegen wird sie damals auf den Job aufmerksam. Die Ingelheimerin steht auch im Theater auf der Bühne und für Filme vor der Kamera. Vor allem die Interaktion mit den Studierenden begeistert sie an dieser Rolle. Julia Himmelsbach, Patiendarstellerin „Ich finde die echt toll, weil ich tatsächlich in dem Bereich hier das Gefühl habe, dass ich wirklich was zurückgeben kann, also dass ich wirklich jemanden helfen kann. Ich habe auch schon häufig mitbekommen, dass die Studierenden da sehr froh und dankbar drüber waren, dass sie so schwierige Situationen mal üben konnten.“ Im siebten Semester behandeln Zahnmedizinstudenten erstmals echte Patienten. Zuvor trainieren sie in einer Simulation mit unterschiedlichen Patiententypen – vom redseligen Rentner bis zum stillen Informatiker. Eine Simulation dauert zehn Minuten, danach gibt es Feedback von Kommilitonen, Dozenten und Patientendarstellern. Für […]

  • Gesundheitsministerin Warken besucht Gemeindepflege

    Gesundheitsministerin Warken besucht Gemeindepflege

    Mehr als 86 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Hessen, werden zuhause gepflegt. Für die Angehörigen eine sehr zeit- und kraft-intensive Aufgabe. Heute – am internationalen Tag der Pflege – wird vielerorts in Hessen darauf hingewiesen, wie wichtig diese Arbeit in einer immer älter werdenden Gesellschaft ist. Doch wer hilft, wenn die Pflegenden selbst irgendwann nicht mehr können? Hans Fettel hat Demenz. Seit Jahren schon wird er von seiner Frau Brigitte zuhause im hessischen Bürstadt gepflegt. Sie sagt, ihm geht es gut. Er ist hier ruhig und zufrieden. Doch als es zuletzt mit ihrer eigenen Gesundheit bergab geht, hat Brigitte Fettel Angst, dass ihr Mann in ein Altenheim muss. Ohne die ehrenamtliche Hilfe von Alaa Alshamy wäre es wahrscheinlich längst so weit gekommen. Brigitte Fettel, pflegt ihren dementen Mann „Wo es mir nicht so gut ging, wo ich also wirklich nichts machen konnte, da ist der Alaa gekommen und hat eingekauft, der hat die Wäsche gemacht. Ich konnte ja nicht mal mehr meinen eigenen Abfall rausbringen. Das hat alles der Alaa gemacht. Und wenn man dann da liegt und nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll, ist das eine sehr große Hilfe.“ Den Kontakt zu Alaa hat damals Christine Adler-Schäfer hergestellt. Sie ist eine „psychosoziale Fachkraft auf dem Land“, kurz PauLa und unterstützt pflegende Angehörige vor allem im Kreis Bergstraße. Christine Adler-Schäfer, Psychosoziale Fachkraft auf dem Land (PauLa) „Pflegende Angehörige stehen unter einem enormen Druck und unter einer sehr hohen Die soziale Teilhabe, wie hat der Kontakte, wie ist er eingebunden in soziale Strukturen? Das sind ja auch Punkte, die für die Gesundheitserhaltung total wichtig sind. Und diese Aspekte berücksichtigt die Arbeit der psychosozialen Fachkraft auf dem Land.“ Die Idee für die PauLas kam von der Hessischen Gesundheitsministerin Diana Stolz, die das Konzept 2018 damals noch als stellvertretende Landrätin zunächst an […]

  • Pflegerin des Jahres kommt aus Ludwigshafen

    Pflegerin des Jahres kommt aus Ludwigshafen

    Bei schweren Verletzungen, zum Beispiel nach Autounfällen, sind Patienten auch auf stationäre Pflege angewiesen. Manja Bergmann aus Ludwigshafen betreut genau solche Menschen – und wurde jetzt zur Pflegerin des Jahres gekürt. Das Querschnittszentrum der BG Klinik in Ludwigshafen. Für Pflegerin Manja Bergmann ist heute der zehnte Tag in Folge Frühdienst: Das heißt Arbeitsbeginn um 06:00 Uhr morgens. Manja Bergmann, Pflegerin „Kommst du mal schnell in meine Arme. Hast ja einen so anstrengenden Vormittag gehabt.“ Die 48-Jährige pflegt hier Menschen, deren  Leben sich von einen auf den anderen Tag schlagartig geändert hat. Patient Chris hatte im November einen Mountainbikeunfall, seitdem ist er querschnittsgelähmt. Er schätzt die Arbeit seiner Pflegerin sehr. Chris, Patient „Immer gute Laune, egal wie, wenn es draußen regnet immer gute Laune. Wenn man halt wie in unserem Fall Querschnitt ist, ist gute Laune die beste Medizin eigentlich. Dann vergisst man schon mal, dass man eingeschränkt ist.“ Und schon geht’s weiter zum nächsten Patienten. Berthold Sczesniok hatte einen Autounfall, liegt  seit Februar wegen einer schwerwiegenden Rückenmarksverletzung hier. Für ihn ist Manja Bergmann nicht nur eine Pflegerin, sondern auch eine Lebensretterin. Denn die Schmerzen waren für ihn kaum auszuhalten. Berthold Sczesniok, Patient Querschnittszentrum BG Klinik „Ich habe für mich entschieden, dass ich am 13.03. sterben will. Und habe mich am 13.02. mich von meinen Bekannten verabschiedet. Dann habe ich aus dem Handy die Nummern genommen und habe die Manja angerufen, mich bei ihr verabschiedet. Und Manja meinte, sei doch nicht blöd, komm zu uns.“ Für ihre Arbeit wählt  sie die Initiative Herz & Mut zur Pflegerin des Jahres 2026. Die Oggersheimerin setzt sich im bundesweiten Pflege-Preis gegen 1.000 Pflegekräfte durch. Berthold Sczesniok, Patient Querschnittszentrum BG Klinik „Sie kommt rein und als wenn die Sonne aufgeht. Und wenn sie keine Zeit hat, kommt sie nur kurz rein und sagt hallo. Und […]

  • Scharfe Kritik an Gesundheitsreform

    Scharfe Kritik an Gesundheitsreform

    Die gesetzlichen Krankenkassen machen Jahr für Jahr ein dickes Minus, geben weit mehr aus als sie über die Gebühren der Beitragszahler einnehmen. Das muss sich ändern, sagt die Bundesregierung. Heute hat das Kabinett in Berlin deshalb für einen Gesetzentwurf gestimmt, der ab 2027 Kosten in Höhe von rund 16 Milliarden Euro einsparen soll. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen, aber der Sparkurs ist angestoßen. Und die gesetzlich Versicherten werden ihn zu spüren bekommen. Zum Beispiel in ihrer örtlichen Apotheke.   Es geht um bis zu 5 Euro mehr. Für jedes vom Arzt verschriebene Medikament müssen gesetzlich Versicherte künftig bis zu 15 Euro zuzahlen. Bislang sind es maximal 10 Euro. Das trifft vor allem Menschen, die chronisch krank sind und viele Medikamente nehmen müssen, erleben wir in der Wormser Luther Apotheke. Anton Tutorovic: „Man kann sich manchmal die Medikamente auch nicht leisten. Das war jetzt letzte Woche, da musste ich 22 Euro bezahlen und ich habe nur eine Rente von 600 Euro. Und das ist schon Wucher. Und ich war jetzt aus dem Krankenhaus gekommen und dann musste ich in Reha. Und das kostet ja auch Zuzahlung und das hab ich abgelehnt, weil ich das Geld nicht hatte. Und das ist schon traurig.“ Für Inhaberin Petra Engel-Djabarian bedeutet die geplante Gesetzesänderung vor allem mehr Aufklärungsarbeit. Das kostet Zeit, die ihr an anderer Stelle fehlt. Petra Engel-Djabarian, Apothekerin in Worms: „Wir müssen erklären, dass eine gesetzliche Grundlage hat, dass wir höhere Zuzahlungen einziehen und das für die Krankenkassen. Dass wir letztendlich keinerlei Vorteil dadurch haben, einfach nur die letzte Stelle sind, wo man feststellt, man muss jetzt einfach mehr bezahlen.“ Mehr zahlen muss man künftig beispielsweise auch beim Zahnarzt, denn die Zuschüsse für Zahnersatz werden reduziert. Der Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums sieht außerdem vor, die kostenfreie Mitversicherung von Ehepartnern abzuschaffen. Der größte Einzelposten […]

  • Prof. Thomas Kolb zu Gesundheitsreform: „Trifft die Patienten schon merklich“

    Prof. Thomas Kolb zu Gesundheitsreform: „Trifft die Patienten schon merklich“

    Welche Folgen hat die Gesundheitsreform der Bundesregierung für Patienten, Apotheken und Kliniken? Gesundheitsökonom Prof. Thomas Kolb von der Hochschule RheinMain ordnet ein.

  • Tanzen gegen die Parkinson-Erkrankung

    Tanzen gegen die Parkinson-Erkrankung

    Morgen ist Welt-Parkinson-Tag! Dieser Tag soll auf eine neurologische Krankheit aufmerksam machen, die vor allem zu Bewegungsstörungen führt. Dabei ist es für die Betroffenen besonders wichtig, sich ausreichend zu bewegen. Das können sie zum Beispiel in der Tanzgruppe „Connect“ in Frankfurt. Einmal pro Woche trifft sie sich im Museum für Kommunikation, um gegen die Krankheit anzutanzen. Wenn sie tanzt, dann fühlt sich Dorothea Warns-Ventulett frei, befreit von den Symptomen ihrer Krankheit. Seit sieben Jahren hat sie Parkinson. Dorothea Warns-Ventulett, Parkinson-Patientin „Es ist ein freies Tanzen, frei nach Intuition und eröffnet Bewegungsräume, die sich manchmal durch Parkinson verschließen. Finger einzeln kontrolliert öffnen und schließen, weiche Bewegungen, kontinuierliche Bewegungen. Oft ruckelt das oder sperrt oder es gibt so einen Rigor oder so spastische Elemente durch Parkinson.“ Tanzen in der Gruppe macht ihr Mut. Weil sich hier jeder genauso bewegen kann wie es eben noch geht. Ohne Druck in einem geschützten Raum. Christian Rietschel und  Gerhild Frasch haben die Tanzgruppe „Connect“ vor etwa einem halben Jahr gegründet. Christian Rietschel hat selbst seit 20 Jahren Parkinson. In Zürich hat sich das Paar eine ähnliche Tanzgruppe angeschaut und beschlossen: So ein Projekt soll es auch in Frankfurt geben. Christian Rietschel, Gründer der Tanzgruppe „Tanzen ist neurologisch gesehen die beste Medizin für Parkinsonkranke. Weil sich die Synapsen, also die Verbindungen im Gehirn, dadurch wieder erneuern und weniger absterben. Von daher ist es ne Tätigkeit, die sehr heilsam ist.“ Jede Woche gibt es Livemusik von Musikern aus dem Opernorchester. Tanztherapeutinnen leiten die Gruppe an. Mitmachen kann jeder, der neurologisch erkrankt ist. Gerhild Frasch, Organisatorin „Connect“ „Manche können einfach noch ganz fantastisch frei tanzen, das haben Sie gesehen, springen sogar und andere sind doch mehr oder weniger am Stuhl gefesselt. Probieren aber aufzustehen mit der Lockerheit und bewegen sich dann eben mit dem Rollator oder wenn sie jemand […]

  • Bilanz: Zwei Jahre Cannabisgesetz

    Bilanz: Zwei Jahre Cannabisgesetz

    Vor zwei Jahren trat die Teillegalisierung von Cannabis in Kraft. Wir ziehen mit einem Cannabis-Club in Butzbach und dem hessischen Innenminister Bilanz. Cannabis-Anbau unter Laborbedingungen – mit Lizenz in Deutschland seit zwei Jahren legal. Club-Mitglieder bauen gemeinsam an und profitieren von der Ernte. Klingt einfach, kommt aber trotzdem nicht so recht in Schwung. Phillip Deiters hat den Club „Utopia“ mitgegründet. Wegen großer bürokratischer Hürden sei das nicht einfach gewesen. Hinzu kommen strenge Regelungen wie ein Verbot von Außenwerbung am Club-Haus. Deiters hätte sich gewünscht, dass… Phillip Deiters, Gründer Cannabis-Club „Utopia“ „… die Behörden eine einzige Behörde für ganz Deutschland ist. Und dementsprechend die Auslegung von den Behörden nicht strikter oder weniger strikt ausfallen. Als Beispiel Bayern, kein einziger Club baut dort an. Hessen war jetzt auch nicht grade einfach, eine Lizenz zu bekommen, wir haben acht Monate gebraucht, um eine Lizenz zu bekommen.“ Nur etwa 70 Mitglieder zählt der Club aktuell. Zu wenige, um die laufenden Kosten zu decken. Das Werbeverbot macht es zudem schwer, Interessierte zu erreichen. Viele, die von dem Club wissen, schrecken vor einer festen Mitgliedschaft zurück. Die Folge: Viele Gelegenheitskonsumenten kaufen sich ihr Gras nach wie vor beim Dealer. Dabei war eines der zentralen Ziele des Gesetzes, den Schwarzmarkt einzudämmen. „Gescheitert“, sagt Hessens Innenminister Roman Poseck. Roman Poseck (CDU), Innenminister Hessen „Der Konsum kann nicht über legale Wege abgedeckt werden. Der Konsum ist angestiegen, weil das Signal gesendet wurde, dass Cannabis-Konsum jetzt legal ist. Die Anbauvereinigungen, die es gibt, aber auch die Möglichkeit, zuhause anzubauen reichen bei Weitem nicht aus, um den Markt abzudecken.“ Eine Einschätzung, die auch Phillip Deiters teilt. Ihm geht das Gesetz deshalb nicht weit genug. Wenn Legalisieren, dann richtig. Phillip Deiters, Gründer Cannabis-Club „Utopia“ „Um einen Schwarzmarkt richtig austrocknen zu können braucht es legale Geschäfte, wo die Leute unproblematisch reingehen können, ihr […]