Gesundheit

  • Diagnose ADHS - wenn das Leben überfordert

    Diagnose ADHS – wenn das Leben überfordert

    Über diese Krankheit wird in den letzten Jahren viel gesprochen: das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom, kurz ADHS. Die Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigungen Hessen zeigen, dass sich 2024 deshalb mehr als doppelt so viele Menschen haben untersuchen lassen als noch 2014. Das liegt auch an einem regelrechten Hype in den Sozialen Medien. Seriöse Informationen finden sich dort genauso wie unseriöse Selbstdiagnose-Tipps. Wir haben eine Frau getroffen, für die ihr Leben seit der ADHS-Diagnose nicht mehr dasselbe ist. Mails checken, Termine vereinbaren, den Alltag organisieren. Aufgaben, die scheinbar normal sind, überfordern Teresa Metzger aus Wiesbaden  ihr gesamtes Leben. Selbstzweifel begleiten sie, ihre finanziellen Probleme bekommt sie lange Zeit nicht in den Griff. Auch auf der Arbeit ist die 34-Jährige zu abgelenkt. Chaos in jedem Lebensbereich – Für Teresa Metzger vor ihrer Diagnose Normalität. Teresa Metzger „Ich habe verschiedenste Fenster offen, irgendwelche Aufgaben, E-Mails, tausend Dinge, die ich anfange und dann schießt mir irgendein Gedanke rein oder es klingelt das Telefon, es kommt ein Kollege, irgendwer will irgendwas. Und es schießt sofort aus meinem Kopf raus und ich geh sofort auf was anderes. Und das ergibt sich bei mir auf der Arbeit, aber auch im gesamten Leben, vorher zumindest hat es das getan, zum völligen Chaos.“ Unkonzentriert sein, Gedanken impulsiv folgen – typisch für ADHS. Teresa Metzger geht auf Ursachenforschung und lässt sich untersuchen. Vor einem Jahr dann die Diagnose. Wie sich ihr Leben seitdem gewandelt hat: Kaum in Worte zu fassen. Teresa Metzger „Das ist eigentlich sehr leicht zu sagen und trotzdem ist es das nicht. Weil es so groß ist. Und ich auch jetzt noch schnell sehr emotional werde dabei, weil es mich einfach so packt. Es ist eine riesige Veränderung passiert tatsächlich, von der ich nicht gedacht hätte, dass sie möglich gewesen wäre.“ Das passende Medikament hilft ihr jetzt, Struktur in ihr Leben […]

  • Chirurg hilft junger Frau aus der Ukraine

    Chirurg hilft junger Frau aus der Ukraine

    Er schenkt Kindern ein neues Gesicht: Dr. André Borsche ist plastischer Chirurg aus Bad Kreuznach – eigentlich im Ruhestand – aber immer wieder fliegt er mit der Vereinigung Interplast Deutschland in ferne Länder, um Kindern zu helfen. Kindern wie Bogdana aus der Ukraine. Sie hatte ein auffälliges Geschwulst im Gesicht. Erst gestern wurde sie in Bad Kreuznach operiert. Die Gefühle fahren an diesem Mittwochmorgen Achterbahn. In einer Stunde wird Bogdana in den Diakonie Kliniken Bad Kreuznach im Gesicht operiert. Freude und Angst wechseln sich ab. Ganz groß ist aber die Hoffnung der Ukrainerin: Bogdana Trubiuk, Patientin: „Weil ich so einen guten Arzt habe.“  Die Narben an Bogdanas Kinn zeigen, wie lang ihr Leidensweg schon ist. Die heute 18-Jährige wird mit einem Hämangiom geboren, einer Wucherung aus Blutgefäßen im Gesicht.   Dr. André Borsche, Plastischer Chirurg: „Das war eine angeborene Sache. Das fängt ganz winzig an und wird immer größer, immer größer. Und jeder denkt, oh. Als wenn das Krebs wäre. Es ist gutartig, aber es entstellt natürlich die Kinder ganz fürchterlich und da ist man dann natürlich auch extrem beunruhigt.“  Kinn, Unterlippe und Wangen sind so entstellt, dass das Mädchen nicht richtig essen kann. In der Ukraine wissen die Ärzte nicht weiter. Über Umwege gelangt Bogdana an André Borsche. Vor zwölf Jahren operiert er sie zum ersten Mal. Da sie aber in den letzten Jahren gewachsen ist, muss ein neues Hautimplantat eingesetzt werden. Dr. André Borsche, Plastischer Chirurg: „Wir wollen die Vernarbung an der Unterlippe und am Kinn beseitigen. Und sie hat ja die ganze Zeit die nach außen gezogene Lippe. Und die wollen wir so aufrichten, dass sie ihre Spange tragen kann und die Zähne schön bedeckt sind. Und vor allem essen, trinken kann, ohne dass die Spucke runterläuft.“ Dafür entnimmt der Chirurg Haut an Bogdanas Bauch und transplantiert diese […]

  • Zu Gast im Studio: der plastische Chirurg Dr. André Borsche

    Zu Gast im Studio: der plastische Chirurg Dr. André Borsche

    Der Mann mit den besonderen Händen, Dr. André Borsche sitzt bei uns im Studio. Guten Abend. Dr. André Borsche: Guten Abend. Markus Appelmann: Herr Borsche. Die wichtigste Frage zuerst. Wie geht es Bogdana heute? Gestern war ja die OP. Dr. André Borsche: Ja, ich war gerade bei ihr vor der Sendung gewesen. Und sie strahlt zwar noch nicht, aber sie hat die beiden Daumen nach oben gezeigt und es geht ihr sehr gut. Sie darf wahrscheinlich morgen schon nach Hause, aber noch nicht ganz in die Heimat. Und wir schauen, dass es dann auch mit den Transplantaten gut angehalten werden wird. Markus Appelmann: Sie sind ja fast das ganze Jahr unterwegs. Sie kommen jetzt gerade am Montag zurück aus einem der ärmsten Länder der Welt, aus Mosambik. Wir schauen uns mal ein Bild an, da sehen wir sie am Flughafen und vor ihnen ganz viel Gepäck. Da sind aber keine Klamotten drin. Dr. André Borsche: Nein, da sind ganz viele Medikamente, Verbandsmaterial, Instrumente. Wir haben wirklich 35 Koffer dabei gehabt, weil es so eine arme Region war, wo die Not so offensichtlich war, dass wir wirklich alles mitbringen müssen, um hochqualifizierte Hilfe leisten zu können. Markus Appelmann: Und das Material lassen sie dann auch vor Ort? Dr. André Borsche: Richtig, nicht? Wir haben davon wirklich 15 Koffer dort lassen können und waren glücklich, dass die sie auch vernünftig verwenden können. Nicht? In den zwei Wochen wollen wir ja nicht nur den Kindern und anderen Menschen helfen, sondern wir wollen ja auch, dass die in unseren Fertigkeiten was mitkriegen. Und dazu brauchen sie natürlich auch das Material. Markus Appelmann: Um mal ein Gefühl für diesen Einsatz in Mosambik zu bekommen, haben Sie uns auch Videomaterial mitgebracht. Ist das hier ein ganz normales Krankenhauszimmer in Mosambik? Dr. André Borsche: Ja, das kann […]

  • Mitarbeiter gekündigt, Patienten entlassen - Krankenhaus in Remagen schließt

    Mitarbeiter gekündigt, Patienten entlassen – Krankenhaus in Remagen schließt

    Monatelang gab es Hoffnung, doch jetzt das Aus. Das insolvente Krankenhaus Maria Stern im Kreis Ahrweiler muss schließen. Die letzte Verhandlungsrunde mit einem Investor war am Montagabend gescheitert. Ein Schock für die Mitarbeiter und die Menschen in der Region. Die Türen des insolventen Krankenhauses Maria Stern in Remagen – sie werden womöglich für immer geschlossen bleiben. Der Betrieb – nach über 130 Jahren eingestellt. Die letzten Patienten wurden vor zwei Tagen entlassen, den verbleibenden 118 Mitarbeitern gekündigt. Nicole Scharfenstein „Keiner wusste genau, was passiert. Trotzdem hat man immer noch die Hoffnung gehabt, wir bleiben. Es wird was, es wird was Neues kommen.“ Bettina Harth „Das Team hier in Remagen ist eine Familie und das gibt‘s nirgendwo. Und das ist das, was uns am meisten wehtut. Dass wir alle auseinander gerissen werden.“ Günter Weber „Wenn heute diese Abschiedsfeier oder Abschiedsparty ist… Ich denke schon mit Grausen dran, wenn heute Abend der erste anfängt zu weinen, dann geht das da reihum.“ Ende März meldet das Verbundkrankenhaus Linz-Remagen Insolvenz an. Für die Klinik in Linz wird Anfang Oktober eine Lösung gefunden. In Remagen ist der Investor nun kurzfristig abgesprungen. Größter Streitpunkt soll eine vom Bonner Investor IGPmed geforderte Mehrheit am Standort Linz gewesen sein. Der Insolvenzverwalter sieht sich in der Folge zur Schließung gezwungen. Illusionen macht sich hier keiner mehr. Thomas Werner, Geschäftsführer Krankenhaus Maria Stern Remagen „Als Krankenhausstandort ist es schwer, wenn jemand käme, um wieder ein Krankenhaus aufzubauen. Weil, er würde mit null Mitarbeitern starten. Wir kennen die Situation der Fachkräfte, auch im Gesundheitswesen, gerade Krankenschwestern. Es ist eine Schande, auf gut Deutsch. Weil hier steht eine komplette Infrastruktur dann leer und wird irgendwie verwertet.“ Gestiegene Energie- und Personalkosten und im Schnitt nur zur Hälfte ausgelastete Betten hatten das Krankenhaus in eine finanzielle Schieflage gebracht. Für die Remagener ist die Schließung […]

  • Gesundheitsminister Hoch ruft zur Grippeimpfung auf

    Gesundheitsminister Hoch ruft zur Grippeimpfung auf

    Es wird wieder geniest und gehustet. Die Temperaturen sinken und damit steigt das Risiko krank zu werden. Passend dazu haben die Landesregierung und Landesärztekammer Rheinland-Pfalz heute zur rechtzeitigen Grippeimpfung aufgerufen. In Mainz haben heute einige Mitglieder des Landtags die Mittagspause genutzt, um sich gegen Influenza Viren zu schützen. Laut Robert-Koch-Institut ist eine Grippeimpfung zwischen Oktober und Dezember am sinnvollsten, um zum Höhepunkt der Grippewelle zum Jahreswechsel vorbereitet zu sein. Die Impfung sei die beste Art, sich und andere zu schützen, sagt der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch. Clemens Hoch, Gesundheitsminister Rheinland-Pfalz „Impfen ist wichtig und Impfen ist die größte Errungenschaft des medizinischen Fortschritts und wir sehen auf der Südhalbkugel, wo die Menschen schon Winter hatten, dass es dieses Jahr eine ganz heftige Grippesaison gab. Deswegen ist es total wichtig, dass man der Impfempfehlung  folgt, vor allem wenn man über 60 ist.“

  • Künstliche Intelligenz hilft bei Gewebe-Untersuchungen

    Künstliche Intelligenz hilft bei Gewebe-Untersuchungen

    Pathologie ist die Lehre von Krankheiten. Viele verwechseln sie mit der Rechtsmedizin. Doch während Gerichtsmediziner nach Todesursachen suchen, arbeiten Pathologen für die Lebenden. Sie untersuchen Zellen und Gewebe auf Krankheiten wie zum Beispiel Krebs und liefern damit die Grundlage vielleicht irgendwann den Krebs zu besiegen. Um Befunde noch schneller liefern zu können, wird die Pathologie an der Universitätsklinik Frankfurt schrittweise digitalisiert – auch mit Künstlicher Intelligenz. Hier ist filigrane Handarbeit gefragt. Im Labor der Pathologie im Uniklinikum Frankfurt werden Gewebeproben von Patienten aufbereitet. Die Proben werden dazu in Wachs gegossen, dann hauchdünn geschnitten und schließlich ganz vorsichtig auf einen Objektträger gelegt. Arbeitsschritte, die man automatisieren könnte. Aber: Prof. Peter Wild, Leiter Pathologie Frankfurt „Wenn Sie bei A Brustkrebs haben und Probe B ist eine Brustbiopsie einer Patientin ohne Krebs. Und bei der diagnostiziert man Krebs und das aber gar nicht echt ist, sondern eine Verschleppung von Material. Und das darf nicht passieren und darum sind Menschen da noch besser.“ Beim nächsten Schritt darf dann die Maschine ran. Die Proben auf den Objektträgern werden eingefärbt, wodurch die Gewebebestandteile sichtbar werden. Jetzt beginnt die Arbeit des Pathologen. Unterm Mikroskop muss er erkennen, ob es veränderte Zellen gibt und was das bedeutet. Und er muss das Verhältnis von kranken zu gesunden Zellen bestimmen. Denn davon hängt ab, ob eine Therapie nötig ist und welche. Bei über einer Million Zellkerne hier im Bild kann Peter Wild nur schätzen. Prof. Peter Wild, Leiter Pathologie Frankfurt „Und ich muss schätzen, sind es zehn Prozent, zwanzig Prozent, dreißig Prozent. Und es gibt für alles Cutoffs, also Grenzwerte. Und wenn ich über diesen Cutoff komme, dann gibt es eine Chemotherapie. Und es gibt – und da gibt es sehr schöne Vergleiche – auch zwischen Pathologen halt leider eine Streuung bei dem, was Menschen schätzen.“ Die KI hingegen kann […]

  • Mainzer Kinderpalliativteam droht das Aus

    Mainzer Kinderpalliativteam droht das Aus

    Vor einigen Wochen haben wir über die so wichtige Arbeit des ambulanten Kinderpalliativteams aus Mainz berichtet. Der traurige Anlass für den Beitrag: Das Team findet keine neuen Pflegefachkräfte und steht vor dem Aus. Für die jungen Patienten und ihre Familien wäre das ein schwerer Verlust. Darüber sprechen wir gleich mit der Leiterin hier bei uns im Studio – vorher werfen wir noch einen kurzen Blick in den Arbeitsalltag des Teams. Das ambulante Kinderpalliativteam aus Mainz betreut Familien wie die des zweijährigen Marlo. Bei der Geburt  wird sein Hirn schwer geschädigt. Seitdem braucht Marlo Pflege – Jeden Tag, rund um die Uhr. Eine große Belastung für seine Familie. Tanja, Marlos Mutter „Der Alltag ist eigentlich nicht mehr wirklich vergleichbar mit dem Leben, das man vorher geführt hat. Weil man einfach jede Minute vor viele neue Situationen geworfen wird. Der Kleine kann in der einen Minute stabil sein, in der anderen Minute ist er schon wieder in einer kritischen Situation.“ Die Mitarbeiter des Palliativteams betreuen Marlos Familie, führen Hausbesuche durch, stehen auch psychologisch zur Seite. Das sechsköpfige Team kennt Marlo genau und ist telefonisch immer erreichbar – Auch in Notfällen. Tanja,  Marlos Mama „Es ist auch schon häufiger passiert, dass wir morgens um drei telefoniert haben. Und jedes Mal nimmt jemand ab an der anderen Leitung, hat eine positive Grundeinstellung, gibt uns wieder Ruhe und Sicherheit. Weil wir sind hier manchmal total Land unter. (…). Dann kommen die auch nach Hause. Innerhalb von einer halben Stunde waren sie auch mal nachts um Mitternacht dagestanden als wir hier nicht mehr weiterkamen. Und das ist halt etwas, was sonst niemand leisten kann.“ Doch das Mainzer Kinderpalliativteam  steht nun vor dem Aus. Es findet keine neuen Pflege-Fachkräfte. Ändert sich das nicht, müsste es zum Ende des Jahres schließen. Für Marlos Eltern wäre das eine Katastrophe. […]

  • Zu Gast im Studio: Dr. Carola Weber, Leiterin Kinderpalliativteam Mainz

    Zu Gast im Studio: Dr. Carola Weber, Leiterin Kinderpalliativteam Mainz

    Das ambulante Kinderpalliativteam steht vor dem Aus. Markus Appelmann, Moderator Wir sprechen jetzt darüber mit der Leiterin, Dr. Carola Weber. Guten Abend. Dr. Carola Weber, Leiterin: Guten Abend. Vielen Dank für die Einladung. Appelmann: Frau Weber, was machen denn die betroffenen Kinder, was machen die Eltern, wenn es dieses Palliativteam nicht mehr gibt? Weber: Also natürlich kommen große Einschränkungen auf die Eltern hinzu. Aber man muss sagen, die spezialisierte ambulante Palliativversorgung, was wir ja machen, ist sozusagen ein Add-on zur Regelversorgung. Das heißt, die Kolleginnen in den Kliniken, in den Fachpraxen, auch in den Spezialambulanzen, die werden sich natürlich weiter um diese Kinder kümmern. Aber was natürlich nicht mehr so einfach umsetzbar ist, wenn nachts ein Problem ist, dass jemand nach Hause kommt oder auch die ganzen Besuche am Wochenende, wenn mal einer notwendig ist. Das fällt natürlich weg. Wenn die Eltern da wieder ein Problem haben, müssen sie dann in die Klinik. Und das ist natürlich für eine Familie eine schwierige Situation. Appelmann: Sie schenken ja gerade den schwerstkranken Kindern und den Eltern Lebensqualität, indem sie zu Hause pflegen, dass sie in den eigenen vier Wänden bleiben können. Weber: Genau das ist ja unser Motto auch, das selbstständige Leben im eigenen Zuhause. Und da hat die Mutter ja in dem Beitrag auch darauf hingewiesen, dass sie eben davon ausgeht, dass das Kind dann nicht mehr so viel Lebensqualität hat. Und gerade in der Kinder-Palliativmedizin, aber generell auch in der Palliativmedizin geht es ja um Leben und Lebensqualität. Und das versuchen wir den Eltern zu schenken. Wir versuchen ihnen zu vermitteln, ihr Kind gut zu lesen. Versuchen sie zu schulen, die Fragen zu beantworten, die sind, damit sie gute Entscheidungen auch für Ihr Kind treffen können. Appelmann: Jetzt hat es aber seit der Ausstrahlung unseres Beitrags vor ungefähr drei Wochen […]

  • Verfassungsbeschwerde wegen Notfallversorgung

    Verfassungsbeschwerde wegen Notfallversorgung

    In den vergangenen 30 Jahren ist die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland um 30 Prozent gesunken. Besonders stark trifft das die Menschen in ländlichen Regionen – auch hier bei uns in Hessen und Rheinland. Jürgen Adler aus dem Kreis Cochem-Zell will das nicht länger hinnehmen. Der pensionierte Notarzt hält die medizinische Versorgung in der Region für massiv gefährdet und hat deshalb Klage beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht. Ruhe in Frieden, Klinikum Mittelmosel. Fast 40 Jahre lang hat Notarzt Jürgen Adler seine Patienten hierher nach Zell gefahren. Doch seit Juli ist das Krankenhaus geschlossen. Die Räumlichkeiten werden jetzt als ambulantes Versorgungszentrum genutzt. Jürgen Adler hat dafür kein Verständnis. Jürgen Adler, war Notarzt in Cochem-Zell „Weil jetzt die Transporte deutlich länger sind. Wenn man bedenkt, wir brauchen nach Wittlich von hier aus zwischen 40-50 Minuten. Vorgegeben sind 30 Minuten. Da brauch man bei manchen Patienten erst gar nicht mehr loszufahren, sondern kann stattdessen direkt den Bestatter rufen.“ Jürgen Adler hält die Notfallversorgung im Kreis für unzureichend und hat Klage eingereicht. Zunächst beim Verwaltungsgericht Koblenz sowie in nächster Instanz beim Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz. Beide Gerichte haben die Klage abgewiesen. Verweisen darauf, dass es noch Krankenhäuser in Simmern, Cochem und Wittlich gibt. Simmern und Cochem seien aber nicht für eine umfangreiche Behandlung von Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Patienten ausgestattet, bemängelt der Mediziner. Und Wittlich sei für viele im Landkreis deutlich über eine halbe Stunde entfernt. Von Blankenrath, wo er selbst wohnt, fährt man nach Wittlich beispielsweise eine gute Dreiviertelstunde. Für den ehemaligen Notarzt und seine Unterstützer steht fest: Wer in Cochem-Zell wohnt, habe im Ernstfall aktuell schlechtere Chancen auf Genesung. Frank Klaus, Initiative Notfallversorgung Mosel-Eifel-Hunsrück „Es hilft nicht, dass er in ein Krankenhaus gebracht wird, sondern in ein geeignetes, das so ausgerüstet ist, dass bei diesen schweren Fällen das Krankenhaus auch adäquate Hilfe leisten kann. Und 28 […]

  • E-Roller werden für Blinde zum Hindernis

    E-Roller werden für Blinde zum Hindernis

    Seit 2019 prägen sie das Bild in vielen größeren Städten – die E-Roller. Für die einen sind sie ein praktisches Fortbewegungsmittel, für andere ein echtes Ärgernis. Besonders Menschen mit Sehbehinderung geraten durch achtlos abgestellte E-Roller immer wieder in gefährliche Situationen. Wir zeigen, was sich in den Innenstädten getan hat und wie die aktuelle Lage für Blinde ist. Karl Matthias Schäfer,  Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen „Ich war mit dem Stock auf der Seite und bin dann tatsächlich mit dem Fuß hier drunter. Daran sieht man jetzt, dass wir nicht übertreiben. Wäre ich jetzt nicht so fit, wäre die Gefahr bestanden, dass ich jetzt mich gerade so darüber lege.“ Situationen wie diese hat Karl Matthias Schäfer schon häufiger erlebt. Seit 20 Jahren läuft er denselben Weg zur Arbeit – zehn Minuten von der Haltestelle bis ins Büro. Mit den Jahren stehen immer mehr E-Roller im Weg – oft achtlos abgestellt. Von einem Sturz hat der 58-jährige eine Narbe am Bein. Was ihn besonders ärgert: Es tut sich immer noch zu wenig. Karl Matthias Schäfer,  Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen „Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, warum. Man erkennt die Gefahr. Man hat auch wahrgenommen, dass die Verletzungszahlen steigen. Für mich ist es völlig unverständlich, dass man einfach auf so was nicht reagiert.“ Karl Matthias Schäfer ist seit seiner Geburt blind. Mit dem Blindenstock ist er sicher unterwegs. Doch E-Roller können trotzdem immer zur Gefahr werden – vor allem wegen ihrer starren Bauweise. Karl Matthias Schäfer,  Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen „Peng – dann habe ich ihn praktisch genau hier im Ellenbogen. Wenn man halt richtig blöd kommt, dann kann man sich hier richtig aushebeln und dann auch stürzen.“ In vielen Innenstädten sollen feste Stellplätze für Ordnung sorgen.  Doch weil die Parkzonen oft  überfüllt sind, stehen […]

  • Vogelgrippe breitet sich in Hessen aus

    Vogelgrippe breitet sich in Hessen aus

    Geflügelhalter machen sich aktuell große Sorgen. Denn die Vogelgrippe breitet sich auch in Hessen und Rheinland-Pfalz immer weiter aus. Nach Angaben des Friedrich-Löffler-Instituts sind deshalb in Deutschland bislang etwa 400.000 Tiere getötet worden. Grund für die rasante Ausbreitung sei der Kot von Zugvögeln. Auch Hessen trifft es hart – alleine dort werden für die Eier- und Fleisch-Produktion in über 3.000 Betrieben rund 2,8 Millionen Hühner gehalten. Viehlandwirte kämpfen nun nach der Schweinepest mit einer weiteren Seuche, die ihren gesamten Bestand bedrohen könnte. Zum Schutz werden Forderungen nach einer bundesweiten Stallpflicht lauter. Das Infektionsgeschehen dürfte sich nach Ansicht der Behörden noch weiter ausdehnen. Eva Dieterle, Moderatorin: Über diese rasante Ausbreitung der Vogelgrippe  spreche ich jetzt mit dem Staatssekretär im hessischen Landwirtschaftsministerium, Michael Ruhl. Guten Abend. Michael Ruhl (CDU), Staatssekretär Landwirtschaftsministerium Hessen: Guten Abend, Frau Dieterle. Dieterle: Herr Ruhl, welche Maßnahmen müssen Geflügelhalter jetzt ergreifen? Wie stehen Sie zu einer bundesweiten Stallpflicht? Ruhl: Geflügelhalter sind jetzt vor allen Dingen dazu aufgerufen, ihre Biosicherheitsmaßnahmen streng einzuhalten. Das bedeutet, dass Sie besonders auf die Hygiene achten, aber auch darauf achten, dass sie zum Beispiel Einstreu- oder Futtermittel so lagern, dass Wildvögel dazu keinen Zugang haben. Wir rufen auch dazu auf, dass bei Gefährdungslagen auch Tiere aufgestallt werden. Zu einer bundesweiten Ausstallungspflicht stehen wir momentan noch skeptisch gegenüber. Das liegt vor allem daran, dass wir in Hessen einen bestätigten Fall und mehrere Verdachtsfälle haben, aber noch kein flächendeckendes Ausbruchsgeschehen und wir deshalb gemeinsam mit den Veterinärbehörden die Situation vor Ort konkret begutachten und dann eben auch individuell abgestimmte Vorgehen in den Regionen vorsehen. Dieterle: Besteht denn durch die Vogelgrippe eine Gefahr für die Bevölkerung? Und wie sollen die Menschen sich verhalten, zum Beispiel, wenn Sie einen geschwächten Vogel sehen? Ruhl: Für die Bevölkerung besteht weitestgehend keine Gefahr. Wenn Menschen einen kranken oder verendeten Vogel sehen, […]

  • Tag der Menschen mit Behinderung im hessischen Landtag

    Tag der Menschen mit Behinderung im hessischen Landtag

    Auf dem Spielplatz, beim Sport, im Töpferkurs: Noch oft verbringen Menschen mit und ohne Einschränkung ihre Freizeit nicht gemeinsam. Das können wir doch eigentlich besser, sagen die hessische Landesregierung und das Parlament. Sie haben heute zum 12. Tag der Menschen mit Behinderung in den Landtag nach Wiesbaden eingeladen. Rund 30 Musikbegeisterte stimmen sich hier in Rüsselsheim auf den Herbst ein. All inklusive – so das Motto des neu gegründeten Freizeitchors. Hemmungen hat keiner, die gute Stimmung steckt an. Christine Hodauer „Gut.“ – „Und was hat Ihnen heute so Spaß gemacht?“ – „Das Singen und alles.“ Gerd Bockert „So singen halt. War gut.“ Jochen Fuhrmann „Es macht Spaß, Geräusche zu machen. Zu singen. Und mit so Übungen da so reinzukommen, das fand ich ganz schön.“ Fatma Yildiz „Finde ich sehr menschlich. In der Welt sind wir sowieso oft gespalten. Klein, groß, alt, jung. Musik verbindet halt.“ Verbindungen schaffen – genau das will die Museumsleitung erreichen: Mit diesem Chor, aber auch mit anderen Projekten wie einer Museumsführung in Gebärdensprache. Cornelia Röhlke, stellv. Museumsleiterin Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim „Inklusion ist ja eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und gerade der Kulturbereich, die Museen eignen sich besonders für Inklusion durch die kreativen Angebote, die man hier machen kann.“ Das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Handicap müsse ihrer Meinung nach  selbstverständlicher werden. Auf dem Arbeitsmarkt, aber auch in der  Freizeit . Wie in diesem Chor. Oder unter Wasser: Eine Tauchschule in Baunatal bietet Tauchkurse für Menschen mit und ohne Behinderung an. Insgesamt sechs Projekte zeigen heute im hessischen Landtag, wie Inklusion in der Freizeit gelingen kann. Cornelia Röhlke, stellv. Museumsleiterin Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim „Es gibt eben auch noch eine gewisse Scheu und es gibt Berührungsängste bei den Menschen ohne Beeinträchtigung. Es muss einfach im Alltag fest integriert sein. Die Schule hat ja schon damit begonnen und […]

  • Hebammen wehren sich gegen neues Honorarsystem

    Hebammen wehren sich gegen neues Honorarsystem

    Nirgendwo sonst kommen in Rheinland-Pfalz so viele Kinder zur Welt, wie dort im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer: 3.700 Babys waren es im vergangenen Jahr. Das Krankenhaus arbeitet ausschließlich mit freiberuflichen Hebammen – also Beleg-Hebammen – zusammen. Und für genau die ändert sich ab dem kommenden Monat das Vergütungs-System. Und zwar nicht zu ihrem Vorteil, sagen die Hebammen in Speyer. Lautstark betritt die kleine Leona diese Welt. Wie kalt und fremd alles ist. Einer der ersten Momente in ihrem Leben gehört Hebamme Anna. Zehn Finger, zehn Zehen, wie schwer ist das Neugeborene? Ein Beruf, den die Beleghebammen in Speyer über alles lieben. Ein Beruf mit viel Verantwortung. Und einer, von dem sie nicht wissen, ob sie ihn bald noch ausüben können. Charline Gorzolla, Beleghebamme Hebammengemeinschaft Speyer „Wir gehen im Moment von 25 bis 30 Prozent weniger Verdienst aus ab November. Es gibt Kolleginnen, die sagen, sie wissen nicht, ob sie sich ihren Beruf noch leisten können. Und das ist natürlich schwierig. Wir können unseren Stundenlohn nicht selbst gestalten. Und sie da einfach den Vorgaben des Hebammenhilfevertrags ausgeliefert letztendlich.“ Denn bezahlt werden Beleghebammen von den gesetzlichen Krankenkassen. Der Spitzenverband der gesetzlichen  Krankenkassen,  GKV, hat einen neuen Vergütungsvertrag ausgehandelt. In diesem soll die 1-zu-1-Betreuung  von Schwangeren während der Geburt deutlich gestärkt werden. Also dass sich eine Hebamme um nur eine werdende Mutter  kümmert. Ein eigentlich guter Vorschlag, finden die Beleghebammen in Speyer. Christiane Warta, Beleghebamme Hebammengemeinschaft Speyer „Aber das ist so definiert, dass es nicht mit der Realität übereinstimmt. Wenn eine Frau kürzer als zwei Stunden vor der Geburt da ist, bekommen wir diese Pauschale nicht. Wenn ich einen Schichtwechsel habe und die Frau wurde von mir 1:1 betreut und wird dann weiter von meiner Kollegin 1:1 betreut, ist es so, dass die Leistung auch nicht bezahlt wird, obwohl die Frau eine 1:1-Betreuung hatte.“ Die […]

  • Semesterstart an Mainzer Universität

    Semesterstart an Mainzer Universität

    Für Erstsemester in Mainz geht es ab heute zur Sache. Das Wintersemester beginnt und damit der Start in ihr Studentenleben. Die größte Universität in Rheinland-Pfalz begrüßt heute die klugen Köpfe zur Einführungswoche. Ein neuer Lebensabschnitt – mit altbekannten Problemen. Sich bewegen und sich für die kommende lernintensive Zeit ganz locker machen: Die rund 3.500 neuen Studierenden starten hier an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz in ihr erstes Semester. Der Uni-Campus ist voll. Jule Pahl, 1. Semester Geografie „Ein bisschen überwältigt von diesen Mengen an Menschen. Also ich habe gewusst, dass sind viele aber es ist schon krass. Aber ja, ich freue mich.“ Ava Zirke, 1. Semester Medizin „Ich bin sehr aufgeregt aber ich freue mich auch total drauf.“ Julia Tatarinowitsch 1. Semester Medizin „Ja, ich freue mich schon. Ich habe ein bisschen Angst, weil es ist alles so neu. Und ich bin das erste Mal alleine von Zuhause so weit weg.“ Für viele heißt zum ersten Mal studieren, auch zum ersten Mal von Zuhause ausziehen. Nicht so einfach: Die Wohnkosten waren noch nie so hoch wie jetzt. Bundesweit kostet ein WG-Zimmer durchschnittlich 505 Euro und überschreitet erstmals die 500 Euro Marke. In Hessen liegen die Preise sogar darüber, in Rheinland-Pfalz knapp drunter. Hier in Mainz kostet ein Zimmer durchschnittlich 530,- Euro. 40 Euro mehr, als noch vor einem Jahr. Spitzenreiter ist nach München Frankfurt am Main mit 650,- Euro. Konstantin Schenke, 1. Semester Wirtschaftswissenschaften „Also die Preise sind natürlich ein Ding. Also wenn man jetzt für 20 Quadratmeter, 500, 550 Euro warm haben möchte, das kann ein Student ohne elterliche Hilfe, ohne BaFöG, kann das nicht stemmen.“ Katja, 1. Semester Erziehungswissenschaften und Soziologie „Ich habe immer noch keine Wohnung, bin noch auf der Suche. Bisschen schwierig hier alles.“ Ava Zirke, 1. Semester Medizin „Ich bin heute mit dem Auto […]

  • Prozess um schwere Vergewaltigungen in Frankfurt

    Prozess um schwere Vergewaltigungen in Frankfurt

    Über Jahre hinweg soll ein heute 44-jähriger chinesischer Staatsbürger Frauen betäubt und missbraucht haben. Die Taten soll er gefilmt und die Aufnahmen dann verbreitet haben. Die Anklage lautet auf versuchten Mord. Zehn junge chinesische Frauen sollen ihm zum Opfer gefallen sein, dem 44-jährigen Angeklagten. 22 Fälle verliest die Staatsanwaltschaft heute Morgen im Frankfurter Landgericht. Immer wieder soll der Beschuldigte Frauen ohne deren Wissen verschreibungspflichtige Medikamente gegeben haben, die sie bewusstlos machten. In diesem Zustand soll er sie vergewaltigt und die Opfer sowie sich selbst dabei gefilmt haben. Katharina Schreiber, Staatsanwältin „In mehreren Fällen soll die Dosierung so stark gewesen sein, dass die Geschädigten sich in Folge der Verabreichung der Medikamente in konkreter Lebensgefahr befunden haben sollen, sodass ihr Überleben nur noch vom Zufall abhing. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten deshalb vor, dass er den potenziellen Tod der Opfer, die zum Glück alle überlebt haben, billigend in Kauf genommen hat, weshalb er sich auch versuchten Mordes hier verantworten muss.“ Wenn der Angeklagte, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, wegen versuchten Mordes verurteilt wird, droht ihm eine lange Haftstrafe und die Anordnung einer Sicherheitsverwahrung. Eine Stunde dauert es, bis alle vorgeworfenen Fälle verlesen sind. Einige der betroffenen Frauen seien bis heute psychisch und physisch geschädigt und hätten Suizidgedanken geäußert. Bei einer der Vergewaltigungen soll das Baby des Opfers im gleichen Raum gewesen sein. Zudem soll der Beschuldigte in 25 Chatgruppen vernetzt gewesen sein und dort die Fotos und Videos sowie Anleitungen und Ratschläge mit anderen geteilt haben. Tabea Laier, Reporterin in Frankfurt „Der Angeklagte zeigt während der Verhandlung keine Regung und blickt durchgehend auf den Tisch vor sich. Selbst bei den pikantesten Details reagiert er emotionslos.“ Am Ende der Verhandlung räumt der Angeklagte alle Tatvorwürfe bis auf einen ein. Sein Verteidiger hat angekündigt, dass der Angeklagte an einem der kommenden Tage ausführlich aussagen […]