Gesundheit

  • Neues Konzept für Pflegeausbildung

    Neues Konzept für Pflegeausbildung

    Der Pflegenotstand in Deutschland verschärft sich weiter. Immer mehr ältere Pflegekräfte gehen in den Ruhestand, während gleichzeitig der Bedarf an Betreuung steigt. Umso wichtiger ist es, junge Menschen frühzeitig für den Beruf zu begeistern und sie praxisnah auszubilden. Im Klinikum Hersfeld-Rotenburg setzt man dafür auf ein besonderes Konzept: eine Schulstation, in der Auszubildende schon früh eigenständig Verantwortung im Klinikalltag übernehmen.   Medikamente vorbereiten, Pflegemaßnahmen dokumentieren oder Patienten versorgen – eigentlich sind das Aufgaben einer Pflegefachkraft. Hier in der Geriatrie, also der Station für Altersmedizin, übernehmen das allerdings Auszubildende – unter Aufsicht der Praxisanleiter. Mariell Barite ist eine von ihnen. Auf der Schulstation organisiert sie gemeinsam mit den anderen Azubis den Alltag weitgehend eigenständig. Mariell Barite, Auszubildende im 2. Lehrjahr  „Ich kann mich viel mehr entfalten auf einer Schulstation, weil hier wird halt explizit drauf geachtet, dass die Auszubildenden viel was machen, ihr Wissen zeigen können. Auf einer normalen Station ist das halt eher nicht so. Dann sind all die examinierten Fachkräfte vor Ort und übernehmen vieles. Also auf einer Schulstation kann ich wirklich sagen, dass man halt sein Wissen wirklich überprüfen kann und schauen, ob man das alles weiß und wo halt die Defizite sind.“ Die Schulstation ist fester Bestandteil des Klinikalltags. Dort werden insgesamt sieben Patienten betreut. Je nach Schicht sind ein bis fünf Auszubildende im Einsatz. Das Pilotprojekt startet vor einem Jahr in der Unfallchirurgie und wird seit Februar auch in der Geriatrie umgesetzt. Steven Bruder leitet das Projekt des Klinikum Hersfeld-Rotenburg und tauscht sich regelmäßig mit seinen Schülern aus. Steven Bruder, Berufspädagoge für Pflege- und Gesundheitsberufe  „Also sie können wirklich Theorie und Praxis super verknüpfen, indem sie später den ganzen Pflegeprozess begleiten, von der Aufnahme bis über das Ausarbeiten von Kurven, bis hin zum Stellen von Medikation und in den normalen Einsätzen bekommen sie diesbezüglich immer nur kurze Einblick. Hier haben sie wirklich […]

  • Bilanz des Hausarztprojekts HÄPPI

    Bilanz des Hausarztprojekts HÄPPI

    Ein neues Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz soll Hausarztpraxen stärken. „HÄPPI“ heißt es, entlastet Ärzte und gestaltet den Praxisbetrieb durch digitale Hilfe effizienter. Dadurch soll die Versorgung vor allem auf dem Land sichergestellt werden. Hier sind heute wirklich alle happy. Denn das Pilotprojekt „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung interprofessionell“ kurz „HÄPPI“, ist laut Hausärzteverband Rheinland-Pfalz ein voller Erfolg. Sieben Pilotpraxen gibt es, eine davon:  Die Hausarztpraxis von Dr. Verena Gall in Mommenheim. Durch das neue Projekt konnte die Praxis ganze 250 zusätzliche Patienten aufnehmen. Der Schlüssel: Arbeitsteilung. Dr. Verena Gall, Hausärztin „Der Patient der merkt, er sieht nicht jedes Mal den Arzt, sondern er sieht eben auch das ein oder andere mal – solange es unproblematisch ist –  eine akademische nicht-ärztliche Gesundheitsfachkraft. Also der Patient mit Bluthochdruck, der gut eingestellt ist und zur Kontrolle kommt, muss ja nicht unbedingt den Arzt sehen.“ In der Praxis von Verena Gall haben sich mehrere Mitarbeiter zu solchen qualifizierten Fachkräften weiterbilden lassen. Ein KI-gestützter Assistent übernimmt jetzt den Telefondienst. Weiterbildungen für Fachkräfte hat das Gesundheitsministerium während des Pilotprojektes mit 280.000 Euro gefördert. Clemens Hoch (SPD),Gesundheitsminister RLP „Jetzt das Projekt hat gezeigt. Es kann wirklich funktionieren, wenn wir auf mehr KI setzen, wenn wir auf multiprofessionelle Teams setzen, wenn wir die Patientinnen und Patienten wieder in den Mittelpunkt rücken in ihrer Ansprache. Es muss nicht immer alles ein Arzt machen. Dann ist das eine gute Bandbreite wie wir medizinische Versorgung bei einer älter werdenden Bevölkerung sicherstellen.“ Damit das Projekt auch nach der Testphase von anderen Praxen übernommen werden kann, müssen die Krankenkassen mitspielen. Denn aktuell gibt es nur Geld, wenn Patienten von einem Arzt untersucht werden. In Zukunft dürfe man aber nicht mehr vom Arzt, sondern von der Praxis sprechen. Barbara Römer, Hausärztinnen- und Hausärzteverband RLP „Das soll für alle ein Startpunkt sein damit wir jetzt gerade im ländlichen […]

  • Schauspielerin mimt Patientin an Uniklinik

    Schauspielerin mimt Patientin an Uniklinik

    Zu Gunsten der Medizin schlüpfen Schauspieler manchmal auch in eher ungewöhnliche Rollen. Abseits von Theater, Film oder Werbung spielen einige von ihnen in der sogenannten Lernklinik der Unimedizin Mainz Patient. So helfen sie beispielsweise angehenden Zahnärzten, echte Behandlungssituationen zu üben. Wir haben Patientendarstellerin Julia Himmelsbach einen Tag lang bei ihrem Schauspieljob der anderen Art begleitet. Paula Hell hat heute einen Zahnarzttermin. Sie hat eine Zahnfleischentzündung und wird über die folgenden Behandlungen von ihrer Zahnärztin aufgeklärt. Doch der Termin ist nicht echt – Paula Hell ist nur eine Rolle. Gespielt wird sie von Julia Himmelsbach. Die 35-jährige Schauspielerin stellt heute eine ängstliche Patientin dar. Julia Himmelsbach, Patientendarstellerin „Es ist natürlich schon was ganz anderes, weil es natürlich immer live ist und immer anders. Natürlich habe ich ein Skript und ich weiß ungefähr, was das für eine Person ist. Ich kenne die Eckdaten, Beruf und natürlich das Krankheitsbild. Aber dadurch, dass es halt Gespräche sind ist es immer auch ein großer Teil Improvisation.“ Seit sechs Jahren ist Julia Himmelsbach Patientendarstellerin. Durch einen Kollegen wird sie damals auf den Job aufmerksam. Die Ingelheimerin steht auch im Theater auf der Bühne und für Filme vor der Kamera. Vor allem die Interaktion mit den Studierenden begeistert sie an dieser Rolle. Julia Himmelsbach, Patiendarstellerin „Ich finde die echt toll, weil ich tatsächlich in dem Bereich hier das Gefühl habe, dass ich wirklich was zurückgeben kann, also dass ich wirklich jemanden helfen kann. Ich habe auch schon häufig mitbekommen, dass die Studierenden da sehr froh und dankbar drüber waren, dass sie so schwierige Situationen mal üben konnten.“ Im siebten Semester behandeln Zahnmedizinstudenten erstmals echte Patienten. Zuvor trainieren sie in einer Simulation mit unterschiedlichen Patiententypen – vom redseligen Rentner bis zum stillen Informatiker. Eine Simulation dauert zehn Minuten, danach gibt es Feedback von Kommilitonen, Dozenten und Patientendarstellern. Für […]

  • Gesundheitsministerin Warken besucht Gemeindepflege

    Gesundheitsministerin Warken besucht Gemeindepflege

    Mehr als 86 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Hessen, werden zuhause gepflegt. Für die Angehörigen eine sehr zeit- und kraft-intensive Aufgabe. Heute – am internationalen Tag der Pflege – wird vielerorts in Hessen darauf hingewiesen, wie wichtig diese Arbeit in einer immer älter werdenden Gesellschaft ist. Doch wer hilft, wenn die Pflegenden selbst irgendwann nicht mehr können? Hans Fettel hat Demenz. Seit Jahren schon wird er von seiner Frau Brigitte zuhause im hessischen Bürstadt gepflegt. Sie sagt, ihm geht es gut. Er ist hier ruhig und zufrieden. Doch als es zuletzt mit ihrer eigenen Gesundheit bergab geht, hat Brigitte Fettel Angst, dass ihr Mann in ein Altenheim muss. Ohne die ehrenamtliche Hilfe von Alaa Alshamy wäre es wahrscheinlich längst so weit gekommen. Brigitte Fettel, pflegt ihren dementen Mann „Wo es mir nicht so gut ging, wo ich also wirklich nichts machen konnte, da ist der Alaa gekommen und hat eingekauft, der hat die Wäsche gemacht. Ich konnte ja nicht mal mehr meinen eigenen Abfall rausbringen. Das hat alles der Alaa gemacht. Und wenn man dann da liegt und nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll, ist das eine sehr große Hilfe.“ Den Kontakt zu Alaa hat damals Christine Adler-Schäfer hergestellt. Sie ist eine „psychosoziale Fachkraft auf dem Land“, kurz PauLa und unterstützt pflegende Angehörige vor allem im Kreis Bergstraße. Christine Adler-Schäfer, Psychosoziale Fachkraft auf dem Land (PauLa) „Pflegende Angehörige stehen unter einem enormen Druck und unter einer sehr hohen Die soziale Teilhabe, wie hat der Kontakte, wie ist er eingebunden in soziale Strukturen? Das sind ja auch Punkte, die für die Gesundheitserhaltung total wichtig sind. Und diese Aspekte berücksichtigt die Arbeit der psychosozialen Fachkraft auf dem Land.“ Die Idee für die PauLas kam von der Hessischen Gesundheitsministerin Diana Stolz, die das Konzept 2018 damals noch als stellvertretende Landrätin zunächst an […]

  • Pflegerin des Jahres kommt aus Ludwigshafen

    Pflegerin des Jahres kommt aus Ludwigshafen

    Bei schweren Verletzungen, zum Beispiel nach Autounfällen, sind Patienten auch auf stationäre Pflege angewiesen. Manja Bergmann aus Ludwigshafen betreut genau solche Menschen – und wurde jetzt zur Pflegerin des Jahres gekürt. Das Querschnittszentrum der BG Klinik in Ludwigshafen. Für Pflegerin Manja Bergmann ist heute der zehnte Tag in Folge Frühdienst: Das heißt Arbeitsbeginn um 06:00 Uhr morgens. Manja Bergmann, Pflegerin „Kommst du mal schnell in meine Arme. Hast ja einen so anstrengenden Vormittag gehabt.“ Die 48-Jährige pflegt hier Menschen, deren  Leben sich von einen auf den anderen Tag schlagartig geändert hat. Patient Chris hatte im November einen Mountainbikeunfall, seitdem ist er querschnittsgelähmt. Er schätzt die Arbeit seiner Pflegerin sehr. Chris, Patient „Immer gute Laune, egal wie, wenn es draußen regnet immer gute Laune. Wenn man halt wie in unserem Fall Querschnitt ist, ist gute Laune die beste Medizin eigentlich. Dann vergisst man schon mal, dass man eingeschränkt ist.“ Und schon geht’s weiter zum nächsten Patienten. Berthold Sczesniok hatte einen Autounfall, liegt  seit Februar wegen einer schwerwiegenden Rückenmarksverletzung hier. Für ihn ist Manja Bergmann nicht nur eine Pflegerin, sondern auch eine Lebensretterin. Denn die Schmerzen waren für ihn kaum auszuhalten. Berthold Sczesniok, Patient Querschnittszentrum BG Klinik „Ich habe für mich entschieden, dass ich am 13.03. sterben will. Und habe mich am 13.02. mich von meinen Bekannten verabschiedet. Dann habe ich aus dem Handy die Nummern genommen und habe die Manja angerufen, mich bei ihr verabschiedet. Und Manja meinte, sei doch nicht blöd, komm zu uns.“ Für ihre Arbeit wählt  sie die Initiative Herz & Mut zur Pflegerin des Jahres 2026. Die Oggersheimerin setzt sich im bundesweiten Pflege-Preis gegen 1.000 Pflegekräfte durch. Berthold Sczesniok, Patient Querschnittszentrum BG Klinik „Sie kommt rein und als wenn die Sonne aufgeht. Und wenn sie keine Zeit hat, kommt sie nur kurz rein und sagt hallo. Und […]

  • Scharfe Kritik an Gesundheitsreform

    Scharfe Kritik an Gesundheitsreform

    Die gesetzlichen Krankenkassen machen Jahr für Jahr ein dickes Minus, geben weit mehr aus als sie über die Gebühren der Beitragszahler einnehmen. Das muss sich ändern, sagt die Bundesregierung. Heute hat das Kabinett in Berlin deshalb für einen Gesetzentwurf gestimmt, der ab 2027 Kosten in Höhe von rund 16 Milliarden Euro einsparen soll. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen, aber der Sparkurs ist angestoßen. Und die gesetzlich Versicherten werden ihn zu spüren bekommen. Zum Beispiel in ihrer örtlichen Apotheke.   Es geht um bis zu 5 Euro mehr. Für jedes vom Arzt verschriebene Medikament müssen gesetzlich Versicherte künftig bis zu 15 Euro zuzahlen. Bislang sind es maximal 10 Euro. Das trifft vor allem Menschen, die chronisch krank sind und viele Medikamente nehmen müssen, erleben wir in der Wormser Luther Apotheke. Anton Tutorovic: „Man kann sich manchmal die Medikamente auch nicht leisten. Das war jetzt letzte Woche, da musste ich 22 Euro bezahlen und ich habe nur eine Rente von 600 Euro. Und das ist schon Wucher. Und ich war jetzt aus dem Krankenhaus gekommen und dann musste ich in Reha. Und das kostet ja auch Zuzahlung und das hab ich abgelehnt, weil ich das Geld nicht hatte. Und das ist schon traurig.“ Für Inhaberin Petra Engel-Djabarian bedeutet die geplante Gesetzesänderung vor allem mehr Aufklärungsarbeit. Das kostet Zeit, die ihr an anderer Stelle fehlt. Petra Engel-Djabarian, Apothekerin in Worms: „Wir müssen erklären, dass eine gesetzliche Grundlage hat, dass wir höhere Zuzahlungen einziehen und das für die Krankenkassen. Dass wir letztendlich keinerlei Vorteil dadurch haben, einfach nur die letzte Stelle sind, wo man feststellt, man muss jetzt einfach mehr bezahlen.“ Mehr zahlen muss man künftig beispielsweise auch beim Zahnarzt, denn die Zuschüsse für Zahnersatz werden reduziert. Der Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums sieht außerdem vor, die kostenfreie Mitversicherung von Ehepartnern abzuschaffen. Der größte Einzelposten […]

  • Prof. Thomas Kolb zu Gesundheitsreform: „Trifft die Patienten schon merklich“

    Prof. Thomas Kolb zu Gesundheitsreform: „Trifft die Patienten schon merklich“

    Welche Folgen hat die Gesundheitsreform der Bundesregierung für Patienten, Apotheken und Kliniken? Gesundheitsökonom Prof. Thomas Kolb von der Hochschule RheinMain ordnet ein.

  • Tanzen gegen die Parkinson-Erkrankung

    Tanzen gegen die Parkinson-Erkrankung

    Morgen ist Welt-Parkinson-Tag! Dieser Tag soll auf eine neurologische Krankheit aufmerksam machen, die vor allem zu Bewegungsstörungen führt. Dabei ist es für die Betroffenen besonders wichtig, sich ausreichend zu bewegen. Das können sie zum Beispiel in der Tanzgruppe „Connect“ in Frankfurt. Einmal pro Woche trifft sie sich im Museum für Kommunikation, um gegen die Krankheit anzutanzen. Wenn sie tanzt, dann fühlt sich Dorothea Warns-Ventulett frei, befreit von den Symptomen ihrer Krankheit. Seit sieben Jahren hat sie Parkinson. Dorothea Warns-Ventulett, Parkinson-Patientin „Es ist ein freies Tanzen, frei nach Intuition und eröffnet Bewegungsräume, die sich manchmal durch Parkinson verschließen. Finger einzeln kontrolliert öffnen und schließen, weiche Bewegungen, kontinuierliche Bewegungen. Oft ruckelt das oder sperrt oder es gibt so einen Rigor oder so spastische Elemente durch Parkinson.“ Tanzen in der Gruppe macht ihr Mut. Weil sich hier jeder genauso bewegen kann wie es eben noch geht. Ohne Druck in einem geschützten Raum. Christian Rietschel und  Gerhild Frasch haben die Tanzgruppe „Connect“ vor etwa einem halben Jahr gegründet. Christian Rietschel hat selbst seit 20 Jahren Parkinson. In Zürich hat sich das Paar eine ähnliche Tanzgruppe angeschaut und beschlossen: So ein Projekt soll es auch in Frankfurt geben. Christian Rietschel, Gründer der Tanzgruppe „Tanzen ist neurologisch gesehen die beste Medizin für Parkinsonkranke. Weil sich die Synapsen, also die Verbindungen im Gehirn, dadurch wieder erneuern und weniger absterben. Von daher ist es ne Tätigkeit, die sehr heilsam ist.“ Jede Woche gibt es Livemusik von Musikern aus dem Opernorchester. Tanztherapeutinnen leiten die Gruppe an. Mitmachen kann jeder, der neurologisch erkrankt ist. Gerhild Frasch, Organisatorin „Connect“ „Manche können einfach noch ganz fantastisch frei tanzen, das haben Sie gesehen, springen sogar und andere sind doch mehr oder weniger am Stuhl gefesselt. Probieren aber aufzustehen mit der Lockerheit und bewegen sich dann eben mit dem Rollator oder wenn sie jemand […]

  • Bilanz: Zwei Jahre Cannabisgesetz

    Bilanz: Zwei Jahre Cannabisgesetz

    Vor zwei Jahren trat die Teillegalisierung von Cannabis in Kraft. Wir ziehen mit einem Cannabis-Club in Butzbach und dem hessischen Innenminister Bilanz. Cannabis-Anbau unter Laborbedingungen – mit Lizenz in Deutschland seit zwei Jahren legal. Club-Mitglieder bauen gemeinsam an und profitieren von der Ernte. Klingt einfach, kommt aber trotzdem nicht so recht in Schwung. Phillip Deiters hat den Club „Utopia“ mitgegründet. Wegen großer bürokratischer Hürden sei das nicht einfach gewesen. Hinzu kommen strenge Regelungen wie ein Verbot von Außenwerbung am Club-Haus. Deiters hätte sich gewünscht, dass… Phillip Deiters, Gründer Cannabis-Club „Utopia“ „… die Behörden eine einzige Behörde für ganz Deutschland ist. Und dementsprechend die Auslegung von den Behörden nicht strikter oder weniger strikt ausfallen. Als Beispiel Bayern, kein einziger Club baut dort an. Hessen war jetzt auch nicht grade einfach, eine Lizenz zu bekommen, wir haben acht Monate gebraucht, um eine Lizenz zu bekommen.“ Nur etwa 70 Mitglieder zählt der Club aktuell. Zu wenige, um die laufenden Kosten zu decken. Das Werbeverbot macht es zudem schwer, Interessierte zu erreichen. Viele, die von dem Club wissen, schrecken vor einer festen Mitgliedschaft zurück. Die Folge: Viele Gelegenheitskonsumenten kaufen sich ihr Gras nach wie vor beim Dealer. Dabei war eines der zentralen Ziele des Gesetzes, den Schwarzmarkt einzudämmen. „Gescheitert“, sagt Hessens Innenminister Roman Poseck. Roman Poseck (CDU), Innenminister Hessen „Der Konsum kann nicht über legale Wege abgedeckt werden. Der Konsum ist angestiegen, weil das Signal gesendet wurde, dass Cannabis-Konsum jetzt legal ist. Die Anbauvereinigungen, die es gibt, aber auch die Möglichkeit, zuhause anzubauen reichen bei Weitem nicht aus, um den Markt abzudecken.“ Eine Einschätzung, die auch Phillip Deiters teilt. Ihm geht das Gesetz deshalb nicht weit genug. Wenn Legalisieren, dann richtig. Phillip Deiters, Gründer Cannabis-Club „Utopia“ „Um einen Schwarzmarkt richtig austrocknen zu können braucht es legale Geschäfte, wo die Leute unproblematisch reingehen können, ihr […]

  • Intelligente Nabelklemme überwacht Gesundheit von Neugeborenen

    Intelligente Nabelklemme überwacht Gesundheit von Neugeborenen

    Wenn ein Baby auf die Welt kommt, werden nicht nur Größe und Gewicht, sondern auch Vitalwerte wie Herzschlag und Atmung gecheckt. Dauerhaft überwacht werden diese allerdings nur, wenn es einen Anlass gibt. Doch auch bei Kindern, die auf den ersten Blick gesund wirken, gibt es immer mal wieder Komplikationen nach der Geburt. Forscher aus Fulda und Friedberg haben für diese Herausforderung nun eine intelligente Lösung. Die kleine Leona hat gerade das Licht der Welt erblickt. Noch hängt sie an der Nabelschnur. Die klemmt die Ärztin zuerst mit einer Nabelklemme ab, bevor sie sie durchschneidet. Wenn es nach Forschern der Hochschule Fulda und der Technischen Hochschule Mittelhessen in Friedberg geht, soll eine Nabelklemme künftig nicht nur den Blutfluss stoppen, sondern gleichzeitig auch die Gesundheit des Neugeborenen kontrollieren. Jannos Siaplaouras, Kinderkardiologe Hochschule Fulda „Ziel unseres Projektes ist, dass wir Vitalparameter, also Atmung und Puls, anders als bisher über Elektrik oder wie hier mittels Licht, hier über mechanische Daten, also über Beschleunigungsmessung übermitteln wollen. Das wäre eine dritte Möglichkeit, Atmung und Puls zur Überwachung zu verwenden. Und ein Beispiel, wie so etwas aussehen kann, sehen Sie hier: Die Bauchdecke hebt und senkt sich an unserem Dummy so wie die Atemfrequenz ist. Und was Sie jetzt hier nicht sehen, wäre der Puls, der dann eine kleine Kurve, ein kleines Zittern, bei dieser Box erzeugen würde, die wir aber erfassen würden.“ Hört das Baby auf zu Atmen oder bleibt das Herz stehen, senden die Sensoren einen Alarm ans System. Ein Algorithmus kann die Bewegungen durch Atmung und Puls von anderen Bewegungen des Babys unterscheiden. Auch plötzliche Krämpfe können die Sensoren erkennen. Noch befindet sich die Technik in einem zu großen Kästchen. Ziel ist es, sie zu verkleinern, sodass sie in eine normal große Nabelklemme passt. In der Nabelklemme verbaut sind die Sensoren fest am Baby dran, […]

  • Kommission stellt GKV-Sparpläne vor

    Kommission stellt GKV-Sparpläne vor

    90% der Menschen in Deutschland sind gesetzlich krankenversichert. In den vergangenen Jahren sind die Kassenbeiträge immer weiter angehoben worden und trotzdem reicht es nicht, um die steigenden Ausgaben der Kassen zu decken. Wie also lassen sich die Milliardenlöcher bei den Krankenkassen stopfen? Es muss gespart werden und zwar drastisch – sagt eine Reformkommission, die heute ihre Vorschläge präsentiert hat. Es sind 66 Maßnahmen, die den gesetzlichen Krankenkassen im nächsten Jahr über 42 Milliarden Euro einsparen sollen. So sollen beispielsweise die Zuzahlungen für Medikamenten in der Apotheke erhöht werden. Homöopathie soll aus dem Leistungskatalog gestrichen, die beitragsfreie Familienversicherung für Ehepartner eingeschränkt sowie das Krankengeld reduziert werden. Die Kommission empfiehlt außerdem, die Steuern auf Tabak und Alkohol zu erhöhen sowie eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke einzuführen. Die Sparmaßnahmen sind notwendig, sagt der Wiesbadener Gesundheitsökonom Thomas Kolb. Und sie werden spürbar sein. Prof. Thomas Kolb, Gesundheitsökonom Hochschule RheinMain „Wir müssen zunächst einmal festhalten, dass die Patienten in Deutschland sehr, sehr verwöhnt aus dem Gesundheitssystem sind. Das heißt, wir haben einen sehr weitreichenden Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Darüber hinaus haben wir relativ geringe Anteile der Selbstbeteiligung. Das heißt, auch die Versicherten müssen damit rechnen, dass deren eigene Belastung steigen wird.“ Welche der 66 Empfehlungen tatsächlich umgesetzt werden, darüber wird die Bundesregierung nun beraten. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will die Maßnahmen heute nicht einzeln bewerten, rechnet aber mit einer hitzigen Debatte. Auch die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz blickt heute nicht auf einzelne Vorschläge. Diana Stolz (CDU), Gesundheitsministerin Hessen „Ich bin erstmal froh, dass die Vorschläge jetzt auf dem Tisch liegen, dass wir sie uns anschauen können. Und wir haben geplant, dass wir dann in den Austausch treten mit den anderen Ländern, aber auch mit dem Bund, entsprechende Termine habe ich auch schon vereinbart. Und für mich ist ganz wichtig und für Hessen insgesamt, dass wir das Ziel verfolgen, […]

  • Eisbaden in Gernsheim

    Eisbaden in Gernsheim

    Menschen steigen freiwillig in Wasser, das kälter ist als ihr Kühlschrank. Manche nennen es Wahnsinn – andere nennen es Gesundheit. Das Thermometer zeigt: Nur 8 Grad Wassertemperatur. Für die meisten viel zu kalt –  für diese Schwimmer nicht. Sie steigen in den See, Woche für Woche, bei jedem Wetter. Eisbaden gehört für sie einfach dazu. Entscheidend ist die richtige Vorbereitung. Monika Thurner, Eisschwimmerin „In die Atmung einzutauchen, also schon außerhalb in so eine entspannte vier auf vier einatmen, bisschen die Atmung halten, auf acht ausatmen, da kann ich den Parasympathikus beruhigen.“ Der sogenannte Parasympathikus – auch „Ruhenerv“ genannt – sorgt dafür, dass der Körper herunterfährt und neue Energie aufbaut. Die Durchblutung wird angeregt, das Immunsystem aktiviert und Entzündungen können gehemmt werden. Adrenalin und Endorphine schießen in die Höhe – viele berichten von einem regelrechten Glücksgefühl nach dem Bad. Monika Thurner, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Eisschwimmerin „Der Körper reguliert die Stresshormone mit Glückshormone. Das ist ein Vorgang das macht der ganz automatisch, wenn du eben nicht in dieser Schockgeschichte hängen bleibst, sondern aus eigener Kraft diesen Zustand bewältigst, du bist nicht mehr ohnmächtig. Das Gehirn merkt sich diesen Vorgang und kann sich auch in anderen Situationen regulieren.“ Wie weit man ins Wasser geht, entscheidet jeder selbst. Manche schwimmen ein paar Meter und bleiben in Bewegung, andere verharren ruhig im Wasser. Hände und Kopf bleiben dabei oft über Wasser, denn hier verliert der Körper besonders schnell Wärme. Eisbaden ist längst mehr als ein Nischensport. Die Community wächst stetig – sogar international. Bei der Weltmeisterschaft in Finnland wagen sich rund 1700 Teilnehmer aus 50 Ländern ins eiskalte Wasser – bei minus 1 Grad, ohne Neoprenanzug. Mit dabei: Simone und Saimir aus Hessen. Saimir Karaj, Eisschwimmer „Freistil war da 50m und da hab ich unerwartet Platz 1 gemacht in meinem Rennen.“ Simone Flügge, Eisschwimmerin […]

  • Hospizverein Kaiserslautern bietet Letzte-Hilfe-Kurse an

    Hospizverein Kaiserslautern bietet Letzte-Hilfe-Kurse an

    Fast sechs Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Die meisten von ihnen werden zuhause versorgt – von Angehörigen. Aber wie pflege ich richtig? Und die wohl schwierigste Frage: Wie kümmere ich mich um einen Menschen, wenn er im Sterben liegt? Antworten gibt jetzt der Hospizverein Kaiserslautern im Letzte-Hilfe-Kurs. Seit 13 Jahren pflegt Sabine Johannsen Ihre Mutter. Gemeinsam mit ihrem Bruder teilt sie sich die Aufgaben. Heute hat sie Frühschicht: Hilft ihrer demenzkranken Mutter aus dem Bett, wäscht sie, hilft ihr beim Frühstück. Sabine Johannsen „Das war für mich am Anfang auch eine Überwindung, weil man hat seine Mutter ja nie von Kopf bis Fuß geduscht. Aber sie hat mir dann gesagt: Das tut gut.“ Mittlerweile ist die Pflege für sie Routine geworden. Stolze 102 Jahre ist Sabine Johannsens Mutter – die alle nur liebevoll Winnie Puh nennen – alt. Das Thema Tod und Sterben hat die Familie lange verdrängt. Sabine Johannsen „Als jetzt unsere Mutter die Lungenentzündung und dieses Jahr diesen Infekt hatte und es wirklich ein schmaler Grat war, ob sie es schafft oder nicht, da wird man immer noch mitten ins Herz getroffen. Und trotzdem möchte man, dass es der Person so geht, wie sie es möchte.“ Ihre Mutter wünscht sich, zu Hause zu sterben. Sabine Johannsen möchte ihr diesen Wunsch erfüllen, stellt sich aber viele Fragen. Antworten findet die 72-Jährige beim Hospizverein Kaiserslautern. Dieser bietet einen sogenannten Letzte Hilfe Kurs an, der Angehörigen Orientierung geben soll im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer. Anette Borchers, Hospizverein Kaiserslautern „Unruhe, veränderte Atmung, rasselnde Atmung, das ist das, was, man oft sieht am Ende des Lebens. Allein schon die Aufklärung darüber, was passiert in den letzten drei Tagen. Wann beginnt überhaupt das Lebensende, wann beginnt das aktive Sterben? Wann fängt man an zu sterben? Drei Monate vorher oder nur in […]

  • Psychotherapeuten kämpfen gegen Honorarkürzung

    Psychotherapeuten kämpfen gegen Honorarkürzung

    In Mainz sind heute Nachmittag Psychotherapeuten auf die Straße gegangen. Denn das Honorar der niedergelassenen Therapeuten wird ab dem 1. April um 4,5 Prozent gekürzt. Das hat der ‚Gemeinsame Bundesausschuss‘ beschlossen – also das Gremium, das darüber entscheidet, wie viel Geld die gesetzlichen Krankenkassen für welche medizinischen Leistungen bezahlen müssen. Aus Sicht der Therapeuten: ein Unding! Und auch für die Patienten könnte die Entscheidung Folgen haben. Wir sind im pfälzischen Grünstadt. Piraten im Sand. Mittels der Figuren können Kinder spielerisch ausdrücken, wie sie beispielsweise mit Konfliktsituationen umgehen. Eine Methode, die Judith Hagen oft anwendet. Seit 10 Jahren ist sie Kinder- und Jugendpsychotherapeutin. Dass sie für eine Therapiestunde bald 4,5 Prozent weniger Geld bekommen soll, ein Schlag ins Gesicht. Judith Hagen, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin „Es macht mich fassungslos zu sehen, dass wir der einzige Berufsstand sind, von dem ich bisher gehört habe, wo das Honorar zurück geschraubt wird. Also, dass es mal stehen bleibt, das kann man in schwierigen Zeiten – das gestehe ich zu – kann man das mal ertragen.  Aber dass man sozusagen den Rückwärtsgang einlegt. Und es wird alles teurer, also ich als Therapeutin muss auch meine Kosten tragen.“ Für eine Therapiestunde bekommt Judith Hagen künftig 114 statt wie bislang 119 Euro. Von den Einnahmen muss sie dann unter anderem die Praxismiete, ihre Kranken- und Rentenversicherung bezahlen. Die Krankenkassen begründen die Kürzung damit, dass die Honorare der Psychotherapeuten in den vergangenen Jahren stärker gestiegen seien als in anderen Arztgruppen. Zudem hätten sich die Wartezeiten nicht verkürzt, obwohl die Zahl der Behandler gestiegen sei. Peter Staub, selbst Psychotherapeut, hält diese Argumentation für Unfug. Peter Staub, Vorstand Kassenärztliche Vereinigung RLP „Alle Zahlen der Kassen zeigen, dass es mehr psychische Störungen gibt als je zuvor. Und es liegt doch nicht an den vielen Psychotherapeutinnen, die zu wenig arbeiten. Das wäre genauso, […]

  • Neuartiger Notfallwagen in Gießen

    Neuartiger Notfallwagen in Gießen

    Wenn Sie schnelle medizinische Versorgung brauchen, rufen Sie selbstverständlich den Notarzt. Der fährt so schnell wie möglich an und kann in den meisten Fällen eine ausreichende Erstversorgung leisten. Doch nicht alle Krankenwagen sind für jeden Notfall ausgestattet. In Gießen gibt es jetzt ein neues Fahrzeug, das genau solche Versorgungslücken schließen soll. Wenn das Gießener „Medical Intervention Car“ ausrückt, geht es um besonders kritische Notfälle. Stationiert am Universitätsklinikum Gießen bringt das sogenannte MIC hochspezialisierte Notfallmedizin direkt zum Einsatzort. Jon Magnus, Notfallsanitäter „Das besondere an unserem Medical Intervention Car sind zum einen unsere Transfusionsbox, die Notfallblutkonserven mitführt. Das ist etwas was der normale Regelrettungsdienst nicht dabei hat. Des weiteren haben wir ein Kinderbeatmungsgerät dabei oder auch einen REBOA-Katheter, der Patienten die eine sehr schwere Verletzung erlitten haben das Leben retten kann.“ Dazu kommen noch jede Menge weiterer Gerätschaften, um unter anderem auch Notfälle bei kleinen Kindern behandeln zu können. Und auch die Besatzung des Fahrzeugs ist speziell. Dr. Alexander Schlier, Sektionsleiter Notfallmedizin „Bei uns werden nur Fachärzte auf dem Auto eingeteilt. Das sind alles Kollegen, die jahrelang in der Notfallmedizin tätig sind und auch spezielle Maßnahmen in der Klinik durchführen. Also das sind Kollegen, die dort im Schockraum arbeiten, dort die Maßnahmen erlernt haben und dann diese Maßnahmen auf der Straße durchführen.“ Medical Cars kommen eigentlich aus dem Motorsport. Im Zuge eines Pilotprojektes kommt es jetzt aber auch im Landkreis Gießen zum Einsatz. Zu welchen Einsätzen es ausrückt, bewertet die Leitstelle bei jedem Notruf neu. Anita Schneider (SPD), Landrätin Gießen „Es gibt ja eine standardisierte Abfrage in der Leitstelle und in diese Abfrage wurden eben auch nochmal Punkte übernommen, die dazu dienen können eine Entscheidung herbeizuführen das Medical Intervention Car einzusetzen.“ Das Johanniter-Fahrzeug kam im vergangenen Jahr über 50 mal zum Einsatz. In nicht wenigen Fällen konnten so Leben gerettet werden. Deshalb […]