Kultur

  • Meinungsfreiheit in Krisenzeiten – Interview mit LPR-Direktor Joachim Becker

    Meinungsfreiheit in Krisenzeiten – Interview mit LPR-Direktor Joachim Becker

    Die Welt von gestern – sie scheint nicht mehr zu existieren: Wohin man blickt, welche Nachrichten man schaut: Überall herrscht Krisenstimmung. Was macht das mit uns – und wie müssen freie Gesellschaften darauf reagieren? Darüber spreche ich gleich mit Joachim Becker, dem Direktor der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien. Doch wir starten mit einem Blick auf die Lage. Massive Krisen reißen Deutschland spätestens seit 2015 mit dem Aufkommen der gewaltigen Flüchtlingsbewegung aus seinem Dornröschenschlaf.  2020 startete das Coronavirus seinen Lauf um die Welt – die Pandemie stellte das gewohnte Leben von uns allen auf den Kopf. Die Maske war das sichtbare Zeichen dieser Virusherrschaft – doch viel massiver wirkten die gewaltigen Lockdowns mit Schulschließungen und scharfen Ausgangssperren. Corona legt wie stets im Frühling eine kleine Pause ein – doch zum Atemholen kommen die westlichen Gesellschaften nicht: Am 24. Februar startet Putins Russland die Invasion in die Ukraine – mit unbeschreiblichem Terror und lange nicht mehr gekannter Gewalt. Ob sie das Zeug zum dritten Weltkrieg hat – wer weiß. Und der gefürchtete Klimawandel ist medial wie tatsächlich weiterhin präsent und bedroht alte Modelle, wie wir leben und wirtschaften. Fest steht: Die geballte Ansammlung von Krisen kann unübersehbare Folgen haben. In ihrem Gefolge drohen Demokratien instabil zu werden. Denn: Krisen bringen verengte Weltbilder hervor. Meinungen werden radikaler und lassen Gegenmeinungen nicht mehr zu. Hier kommen vor allem auf die Medien wichtige Aufgaben zu, wie ein Forum der LPR unlängst in Frankfurt konstatierte. Prof. Viktor Mayer-Schönberger, Internet Governance and Regulation, University of Oxford: „Als Journalist oder als Journalistin kann ich den anderen die Bühne geben für ihre Meinungen. Für ihre Informationen. Aber das erlaubt mir auch, danach zu sagen, was ich davon halte.“ Auch Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, CDU,  ist es sehr wichtig, dass die Presse vor allem in der […]

  • Probenauftakt bei den Bad Hersfelder Festspielen

    Probenauftakt bei den Bad Hersfelder Festspielen

    Und nun gehen wir nach Osthessen, genauer gesagt nach Bad Hersfeld. Ein Name, bei dem das Herz von Theaterfans höher schlägt. Zum 71. Mal finden dort die berühmten Festspiele statt. Heute war Probenbeginn und wieder einmal hat der Intendant bekannte Gesichter in sein Ensemble geholt. Und er bringt wieder einmal ein Stück Weltliteratur auf die Bühne. Die Stimmung ist gut beim Probenauftakt in Bad Hersfeld. Wohl auch deshalb, weil nach zwei Jahren Corona-Einschränkungen endlich wieder normale Festspiele erwartet werden. Intendant Joern Hinkel wird die Stiftsruine zur Kathedrale machen. Er inszeniert Victor Hugos Roman „Der Glöckner von Notre Dame“. Joern Hinkel, Intendant Bad Hersfelder Festspiele: „Es ist vor allem ein Plädoyer gegen jede Art von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Und es ist eine sehr, sehr große Liebesgeschichte. Viele Menschen kennen nur den Film, kennen vielleicht auch eine Theaterfassung, aber der Roman hat viel, viel mehr zu bieten, ist sehr viel vielschichtiger. Deshalb haben wir bestimmt auch an die siebzig Rollen auf der Bühne.“ Die siebzig Rollen werden von gut einem Dutzend Schauspielern dargestellt. Eine der Hauptrollen übernimmt Richy Müller. Er spielt den frommen Geistlichen Claude Frollo, der aus Liebe wahnsinnig wird und eine Kette von Unglücken auslöst. Richy Müller, „Claude Frollo“: Meine Aufgabe ist es eben, ihn nicht nur finster dastehen z lassen. Sondern, dass man auch etwas in ihm erkennt, dass er auch Mensch ist und nicht nur wie so’n Dämon durch’s Stück läuft. Er wird wahrscheinlich die finstere Figur sein, aber ich hoffe mir gelingt es, dass man auch den Mensch dahinter sieht.“ Erstmals ist Fernsehstar Walter Plathe in Bad Hersfeld mit dabei. Wer sechzehn Jahre lang im Fernsehen einen immer freundlichen Landarzt gespielt hat, freut sich auch mal über eine andere Rolle. Walter Plathe, „Ludwig XI.“: „Diese Rolle, also Ludwig der Elfte, ist ja ein kleines Mistvieh. Also, der […]

  • Schwertransport: Römerkopf zieht um

    Schwertransport: Römerkopf zieht um

    Einen spektakulären Transport gab es heute Vormittag im Mainzer Landesmuseum. Es geht um diesen 360 Kilo schweren Römerkopf. Noch steht er auf einem Schwerlast-Regal in der Steinhalle des Museums. Per extra angemietetem Spezialkran wird der Steinkoloss aus einer Höhe von zirka 3 Metern 50 heruntergehoben. Der bärtige Mann der Antike kommt unversehrt auf dem Boden an. Zum Glück, denn der dargestellte Römer ist wohl ein echter Promi. Ein Neffe Konstantin des Großen, der im Jahre 357 die Germanen aus Mainz vertrieben hat. Dr. Birgit Heide, Direktorin Landesmuseum Mainz: „Wir vermuten auf Grund der Darstellung, dass es ein Kaiserportrait ist und aufgrund des Bartes und der Haardarstellungen, gibt es gute Vergleiche zu Kaiser Julian. So dass wir davon ausgehen, dass er hier wahrscheinlich auch dargestellt worden ist.“ Roger Lewentz (SPD), Innenminister Rheinland-Pfalz: „Der Kopf geht in eine Ausstellung, die am 10. Juni hier im Landesmuseum eröffnet wird, die sich mit der Spätantike in Mainz und in Köln beschäftigt. Eine Epoche, von der man nicht viel Überreste an denen man dokumentieren Könnte, deshalb ist es immer sehr intensiv die Aufarbeitung zu betreiben.“ Die Ausstellung Mainz und Köln zwischen Antike und Mittelalter ist bis Ende Januar 2023 im Mainzer Landesmuseum zu sehen.  

  • Zeitzeugen des Holocaust sprechen mit Schülern

    Zeitzeugen des Holocaust sprechen mit Schülern

    „Fragt uns, wir sind die letzten“ – unter diesem Motto sprechen Schüler aus Rheinland-Pfalz diese Woche mit Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts. Die zentrale Frage dabei ist: Wie geht es weiter mit der Erinnerungskultur in Deutschland und dem Gedenken an die NS-Vergangenheit, wenn keine Zeitzeugen mehr am Leben sind?   Alodia Witaszek-Napierala: „Als der Zweite Weltkrieg angefangen hat, habe ich in unserem Haus gewohnt mit meiner Mama, mit meinem Vater und meinen zwei Geschwistern.“   Die Deutschen ermorden den Vater und deportieren die Mutter nach Auschwitz. Alodia Witaszek und ihre Schwester aber werden verschleppt – wegen ihrer blonden Haare und blauen Augen. Dann … Alodia Witaszek-Napierala: „… haben Sie gesagt, dass wir beide Kinder der arischen Rasse sind.“   Alodia soll wegen ihrer „arischen Rasse“ in ein sogenanntes „Lebensborn“-Heim: In diesen Heimen erzieht die SS hunderttausende Kinder zu Deutschen um  – damit Familien aus dem Reich sie adoptieren. Aus Alodia Witaszek wird Alice Wittke. Als einer der wenigen Lebensborn-Kinder kehrt sie später wieder zurück zu ihrer Familie – denn ihre Mutter überlebt Auschwitz. Das Interesse der Schüler ist groß. Schülerin: „Ich wollte fragen, ob sie sich mehr ihrer deutschen oder ihrer polnischen Familie zugehörig fühlen.“ Schülerin: „Sie haben ja gesagt, dass Sie nach Hause gekommen sind und ihre polnische Mutter nicht mehr erkannt haben. Wie haben Sie sich dabei gefühlt?“ Noch können Überlebende Fragen beantworten. Überlebende wie auch Henriette Kretz. Der Regisseur Edmund Bohr hat einen Film über sie gedreht. Für die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig eine Möglichkeit, für Zeitzeugenarbeit nach den Zeitzeugen. Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin Rheinland-Pfalz: „Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bei uns werden älter und sind schon sehr betagte Leute und wir müssen gucken, dass wir ihre Aussagen konservieren, dass wir sie behalten können und deshalb gibt es diese Filme, damit auch spätere Generationen unmittelbar hören und […]

  • Freibäder öffnen früher als geplant

    Freibäder öffnen früher als geplant

    „Pankraz, Servaz und Bonifaz machen erst dem Sommer Platz“ – das ist eine Bauernregel über die Eisheiligen, die dieses Jahr so gar nicht stimmt. Denn heute zum Start der Eisheiligen haben wir Temperaturen um die 30 Grad gemessen. Da ließ es sich auch manches Freibad nicht nehmen, die Badesaison etwas früher als sonst zu eröffnen. Wie zum Beispiel in Frankfurt. Heute Morgen um 9 Uhr: Das Silobad in Frankfurt-Höchst öffnet seine Pforten. Karmen Crecelius ist die erste an der Kasse. Die 72-Jährige will sich gleich den besten Platz sichern. Schnell rein in die Badeklamotten und dann ab ins Wasser – die erste Bahn der neuen Badesaison schwimmen. Karmen Crecelius, Rentnerin „Jch gehe normalerweise früher und ich hab eigentlich noch ein bisschen was vor heute. Deswegen musste ich schon sehen, dass ich auch gleich zu Anfang reinkomme.“ Dann wollen wir die aktive Rentnerin mal nicht länger aufhalten. Ab morgen öffnet das Silobad dann auch schon um sieben. Normalerweise beginnt die Saison im Stadtteil Höchst frühestens eine Woche später, doch in diesem Jahr ging alles ganz schnell. Boris Zielinski, Geschäftsführer Bäderbetriebe Frankfurt „Aufgrund der Wettervorhersagen von 30 Grad und vor allem auch aufgrund der vielen Nachfragen, die wir haben – wann wir denn die nächsten Freibäder öffnen? -, deshalb haben wir uns entschieden und gesagt: Wir kriegen’s hin. Ab heute hat auch das Silobad im Frankfurter Westen auf.“ Während auf der Liegewiese nebenan noch die letzten Bretter festgezogen werden, füllt sich das Freibad langsam. Die Beweggründe, gleich am ersten Tag in der Frühe herzukommen, sind ganz unterschiedlich. Svenja Ulrich „Ich war als Kind sehr oft hier mit meiner Familie. Und jetzt mit meiner besten Freundin heute mal hergekommen. Wir haben gesagt, wir wollen heute ins Freibad, den ersten Tag schönes Wetter genießen. Und da haben wir uns das hier ausgesucht, so ein […]

  • Evangelische Kirche in Hessen und Nassau bereitet Jugendkirchentag vor

    Evangelische Kirche in Hessen und Nassau bereitet Jugendkirchentag vor

    Erstmals seit Pandemie-Beginn soll an Fronleichnam wieder der Jugendkirchentag der Evangelischen Kirche Hessen Nassau stattfinden. Im südhessischen Gernsheim werden vom 16. bis 19. Juni bis zu 4.000 Jugendliche erwartet. 230 Programmpunkte stehen auf dem Plan, u.a. Konzerte, Workshops und Jugendgottesdienste. Heute haben sich die Organisatoren in Gernsheim schon mal eingestimmt. Dieser Flashmob soll ein zentrales Element des Festivals werden. Volker Jung, Präsident Evangelische Kirche Hessen Nassau „Das ist jetzt natürlich ganz wunderbar, dass wir einen Jugendkirchentag wieder erleben können, wo wir zusammenkommen. Vor zwei Jahren gab’s den Versuch, einen digitalen Jugendkirchentag zu veranstalten. Das war eine Brücke. Aber es ist natürlich nicht das, was man erlebt, wenn man sich begegnet. Menschen kennenzulernen, zusammenzukommen und viel miteinander zu reden. Auch miteinander zu feiern.“ Und erstmals können die Jugendlichen neben zwei Schulen auch in einem Zeltcamp übernachten. Das klingt tatsächlich nach Festivalfeeling.

  • Schiefer als der schiefe Turm von Pisa

    Schiefer als der schiefe Turm von Pisa

    Jeden Tag um 18 Uhr läuten die Glocken des Gemeindeturms im rheinhessischen Gau-Weinheim. Für die Bauern und Winzer hieß das früher: Ab in den Feierabend! Heute ist das „Bürgerliche Läuten“ nur noch dafür da, die Tradition zu erhalten. Das wirklich Besondere an dem alten Turm aber ist etwas anderes – und bald vielleicht schon im Guinnessbuch der Rekorde. Ein kleines Experiment zeigt: Hier ist was schief. Sehr schief sogar. Der Gemeindeturm von Gau-Weinheim ist der wohl schiefste Turm der Welt. Erwin Gottschlich, Ortschronist von Gau-Weinheim: „Das Besondere ist, dass er unterschiedlich schief ist. Alle seine Ecken sind unterschiedlich schief. Und die eine Ecke, die sieht man jetzt von vorn, das ist die linke Ecke, die ist am schiefsten, die hat 5,38 Grad.“ … und ist damit schiefer als jeder andere Turm. Auch der berühmte Schiefe Turm von Pisa kommt mit seiner Neigung von 3,97 Grad bei Weitem nicht an den Gau-Weinheimer Turm heran. Warum das so ist – ob er schon so gebaut wurde oder der Boden sich im Laufe der Jahrhunderte gesenkt hat – ist nicht bekannt. Und auch aus historischen Daten nicht abzuleiten. Erwin Gottschlich, Ortschronist von Gau-Weinheim: „Unser Archiv ist bei einem Bombenangriff verloren gegangen in Darmstadt, es wurde zerbombt, also gab es nichts von Gau-Weinheim. Dann habe ich mich auf die Suche gemacht nach alten Dokumenten, in Fachbüchern, Chroniken, Festbüchern und habe versucht dann wieder die Chronik herzustellen.“ Das Ergebnis: 400 Seiten Gau-Weinheimer Geschichte. Über den Gemeindeturm konnte Erwin Gottschlich herausfinden, dass er aus dem Mittelalter stammt und früher einmal als Wehrturm gedient hat. 1749 wurde er zum Glockenturm umgebaut. Heute steht er unter Denkmalschutz und ist das Wahrzeichen der 600-Einwohner-Gemeinde. Gottschlich wollte der Chronik des Turms ein weiteres Kapitel hinzuzufügen: Den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. Aber das ist richtig teuer. Erwin Gottschlich, Ortschronist von […]

  • Nibelungen-Festspiele erschreckend aktuell

    Nibelungen-Festspiele erschreckend aktuell

    Nachdem es im vergangenen Jahr vor dem Wormser Kaiserdom mal nicht um die Nibelungen, sondern um Luther ging, ist dieses Jahr wieder alles beim Alten. Diesmal sind die Königinnen die Hauptfiguren. Premiere der Festspiele ist zwar erst am 15. Juli – heute gab es aber schon mal erste Details. Noch lässt sich der Wormser Kaiserdom trockenen Fußes erreichen. Bald wird es hier aber ziemlich nass werden! Eine riesige Wasserlandschaft soll vor dem Dom entstehen. Dazu viele Lichteffekte. Die Bühne: mal ziemlich großer Swimmingpool, mal verzauberter Wald mit Spiegeleffekt! Roger Vontobel, Regisseur von „hildensaga.“ „Diese beiden Aggregatszustände des Wassers, die haben uns sehr interessiert, weil es in dem Stück auch oft um Wahrnehmung, Wirklichkeit und die Sicht auf eine Wirklichkeit porträtiert wird und daraus sozusagen Handlungsaspekte entstehen.“ Roger Vontobel hat schon 2018 „Siegfrieds Erben“ inszeniert. Damals waren die Männer die Hauptakteure, diesmal geht es um die Königinnen. Autor Ferdinand Schmalz legt den Fokus auf die Frauen. Ferdinand Schmalz, Autor von „hildensaga.“ „Ja, ich hatte das Gefühl, das ist eigentlich das, was den Stoff von anderen mittelalterlichen Stoffen unterscheidet, dass die Frauen eben handlungsendscheidende Rollen haben. Diese Fokussiering auf die männlichen Helden, dass ist eher dann in den nationalistischen Lesweisen in den Vordergrund gekommen.“ Die Frauen sind Genija Rykova und Gina Haller. Als Brünhild und Kriemhild sollen sie die Frage beantworten, ob die Welt von Frauen gelenkt, eine bessere wäre. Genija Rykova, spielt Brünhild „Es ist mir schon bewusst, dass dieses Jahr das Augenmerk so auf die Frauen gelegt ist und uns da sehr viel Verantwortung übergeben wird, aber das ist die Verantwortung des gesamten Teams, auch der Männer, diese Geschichte neu zu erzählen.“ Einer dieser Männer wird von Werner Wölbern gespielt, Schauspieler und Professor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Er freut sich darauf, in diesem Jahr […]

  • Internationale Tage in Ingelheim

    Internationale Tage in Ingelheim

    Jedes Jahr werden auf dem Internationale Tagen in Ingelheim Werke von herausragenden, weltberühmten Künstlern vorgestellt. In diesem Jahr geht es um dem Vorreiter der Moderne schlechthin. Bis zum 10. Juli sind Im Kunstforum Altes Rathaus Grafiken des norwegischen Malers Edvard Munch zu sehen. Ein Mensch der schreit. Ein Motiv das wohl wirklich fast jeder auf der Welt kennt. „Der Schrei“ – verewigt in vier Gemälden und einer Grafik. Der Beginn des Expressionismus. Dargestellt hat Edvard Munch sich selbst. Auf einem abendlichen Spaziergang erleidet der Maler eine Angstattacke. Dr. Ulrich Luckhardt, Leiter Internationale Tage Ingelheim „Die Bildkomposition ‚Der Schrei‘ ist die Ikone schlechthin von Edvard Munch. Wie kein anderes Motiv zeigt ‚Der Schrei‘ den menschlichen Seelenausdruck, den Ausbruch von Angst, von Schrecken, und es gib eigentlich kaum ein Bild der Kunstgeschichte in dem dieser Schrecken, diese Angst so deutlich für jedermann auch erkennbar dargestellt ist.“ Oft schauen die Menschen, die Edvard Munch darstellt, einen an, frontal, so als ob sie den Betrachter mit ihren Blicken verfolgen. Seine erste Ausstellung in Deutschland 1892: ein Skandal. Die Kunst sei eine Schweinerei, eine Gemeinheit. Edvard Munch war seiner Zeit voraus. Dr. Ulrich Luckhardt, Leiter Internationale Tage Ingelheim „In der Zeit, in der Munch seinen eigenen Stil entwickelt, wird auch in Europa die Psychoanalyse zum Beispiel entwickelt. Sigmund Freund spielt da die entscheidende Rolle. Und Munch hat in seiner Kunst, wie er es selber mal gesagt hat, das moderne Seelenleben wiedergespiegelt.“ Vor allem auch sein eigenes Seelenleben. Edvard Munchs Mutter und Schwester sterben früh. Nach einem Streit mit einer seiner Lebensgefährtinnen schießt er sich betrunken den halben Finger ab. Zur Erholung reist der Maler zur Kur, auch nach Wiesbaden. Dort entsteht 1920 diese Zeichnung eines Kurkonzerts. Dass der große Norweger in Ingelheim ausgestellt wird, war so nicht geplant. Ein anderes Thema – welches will Ulrich […]

  • Neue Herausforderung: Integration ukrainischer Schüler in rheinland-pfälzischen Schulen

    Neue Herausforderung: Integration ukrainischer Schüler in rheinland-pfälzischen Schulen

    Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind schon hunderttausende Kriegsflüchtlinge nach Deutschland gekommen. Vor allem Frauen und Kinder. Mittlerweile dürfen letztere auch zur Schule gehen. In Rheinland-Pfalz sind bereits 5.500 Schüler aus der Ukraine aufgenommen worden. Doch der Neustart ist schwierig. Um ihre Integration zu erleichtern, hat sich eine Schule aus Mainz ein ganz besonderes Konzept überlegt. Gerade mal zwei Monate ist es her, dass Hermann und Oleg nach Deutschland gekommen sind. Hermann kommt eigentlich aus Kiew. Als der Krieg begonnen hat, ist er zusammen mit seinem Bruder und seiner Mutter im Auto geflohen. Er hatte nur ein paar Minuten um seine Sachen zu packen. Jetzt besucht er das Mainzer Schlossgymnasium. Hier hat die Schule das sogenannte Schlosspatenprojekt organisiert. Hermann, Schüler aus Kiew: „Wir haben tolle Lehrer und ein super Programm. Wir haben Partner bekommen, also Paten, die uns helfen können Kontakte zu knüpfen. Und wir können mit denen alles unternehmen was wir wollen, weil sie wie Freunde sind. Wir können in den Park gehen, Basketball spielen, was auch immer. Es ist echt toll.“ Schon bei der letzten Flüchtlingswelle 2015 gab es an der Schule ein Paten Programm. Jetzt hat die Schülersprecherin das Projekt wiederbelebt. Schnell haben sich Schüler bereit erklärt den 22 Geflüchteten zu helfen und sie kennenzulernen. Für Siri Prüßner eine interessante Erfahrung. Einerseits selbst die Fluchtgeschichten zu hören: Siri Prüßner, Organisatorin Projekt Schlosspaten: „Andererseits finde ich es ihnen auch super denen zu helfen sich hier zu integrieren und viele haben auch super viele Interessen und sind super motiviert neue Sachen zu lernen. Das macht dann einfach total viel Spaß mit denen zusammen Projekte zu machen.“ Neben den Freizeitaktivitäten lernen Hermann und Oleg noch vier Stunden pro Tag Deutsch. Jedoch sind die Bedürfnisse der Kinder unterschiedlich. Manche machen nur den Sprachkurs, andere können an Laptops noch online […]

  • Auf Deutschlandtour: Kyiv Symphonie Orchestra in Wiesbaden

    Auf Deutschlandtour: Kyiv Symphonie Orchestra in Wiesbaden

    Das „Kyiv Symphonie Orchestra“ ist auf Tournee in Deutschland. Eine Tournee, die auf einen Hilferuf des Orchesters entstanden ist. Verschiedene deutsche Konzertveranstalter haben daraufhin die Musiker eingeladen, die männlichen Musiker hätten sonst in der Ukraine an der Front kämpfen müssen. Das Kiew Symphonie Orchester hätte nach 40 Jahren aufgelöst werden müssen. Gestern fand ein Konzert im Wiesbadener Kurhaus statt.   Das Kiew Symphonie Orchester ist auf Tournee in Deutschland. Eine Tournee, die auf einen Hilferuf des Orchesters entstanden ist. Verschiedene deutsche Konzertveranstalter haben daraufhin die Musiker eingeladen, die männlichen Musiker hätten sonst in der Ukraine an der Front  kämpfen müssen. Das Kiew Symphonie Orchester hätte nach 40 Jahren aufgelöst werden müssen. Gestern fand ein Konzert im Wiesbadener Kurhaus statt. Luigi Gaggero, Dirigent Kyiv Symphony Orchestra: „Ich denke, dieser Alptraum macht irgendwie unser Spielen mehr wahr, also mehr wahrhaftig irgendwie. Und ich hoffe, man kann das in unseren Klängen spüren. Also diese Wahrheit, diese menschliche Präsenz. Wir durften in Warschau proben, da sind wir 10 Tage geblieben. Aber schon bei dem allerersten Ton gab es so eine Intensität, die ich kaum in meinem Leben gehört habe.“ Viele Wochen konnten die Musiker nicht zusammen spielen. Erst als klar war, die Deutschland-Tournee klappt, durften alle nach Polen ausreisen und endlich wieder proben.  Das Konzert im Wiesbaden ist das vierte in Deutschland. Der Erlös geht an junge ukrainische Nachwuchsmusiker. Den Auftritt im Kurhaus haben die Macher des Rheingau Musik Festivals arrangiert. Marsilius Graf von Ingelheim, Geschäftsführer Rheingau Musik Festival: „Das Orchester hat eine vierzig Jährige Tradition. Und ich denke, gerade in dieser ganz schwierigen Zeit, ist es wichtig, dass die ukrainische Kultur weiter erhalten bleibt und so ein Klangkörper, der ja schon sehr bemerkenswert auf dem Maidan Platz in Kiew gespielt hat vor kurzem, ist glaube ich ein Aushängeschild für diese Kultur Tradition in […]

  • Veranstaltungsbranche will wieder durchstarten

    Veranstaltungsbranche will wieder durchstarten

    Keine Konzerte, Messen oder Feste – zwei Jahre lang hat die Corona-Pandemie die gesamte Veranstaltungsbranche nahezu lahmgelegt. Durch die Lockerungen will nun ein ganzer Wirtschaftszweig endlich wieder durchstarten. Beim ersten großen Branchentreff, der „Prolight + Sound“-Messe in Frankfurt, werden aber auch Probleme deutlich. Endlich wieder Action auf der Bühne. Mit noch spektakuläreren Lichteffekten, aufwendigeren Bühnen und vor allem Publikum will die Event-Familie wieder durchstarten. Nach zwei Jahren fast durchgängigem Veranstaltungs-Lockdown gibt es beim Neustart allerdings gemischte Gefühle. Nicole Behr, Vorstand Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft „Wir wissen, was diese Saison bringen kann. Man weiß es noch nicht so hundertprozentig, aber man hat ein gutes Gefühl. Aber man muss das alles jetzt auch erst wieder ausgleichen und auch wieder an den Markt bringen.“ Vor der Pandemie setzte die Veranstaltungsbranche in Deutschland 130 Milliarden Euro im Jahr um, dann brachen die Umsätze um 80 Prozent ein. Das ging auch an den rund 14.000 Firmen in Hessen und Rheinland-Pfalz nicht spurlos vorbei. Noch lässt sich gar nicht genau abschätzen, wie viel Personal die Branche verlassen und sich andere Jobs gesucht hat. Nicole Behr, Vorstand Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft „Wir haben unfassbaren Fachkräftemangel. Aber wir haben auch einen ganz großen Mangel an Helfern, die bei großen Festivals und Open Airs aufbauen oder Catering machen. Die Leute sind einfach nicht mehr da und das wird der große Gamechanger werden dieses Jahr.“ Wir treffen Christian Sommer auf der Messe. Seine Kasseler Firma für Veranstaltungstechnik hatte vor Corona 350 Angestellte, inzwischen sind es 100 weniger. Die Auftragsbücher sind voll, Mitarbeiter aber rar. Nach den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre hat Christian Sommer eine klare Forderung: Auch über diesen Sommer hinaus keinen weiteren Lockdown. Christian Sommer, Geschäftsführer Ambion GmbH „Wenn man jetzt in den Herbst guckt – wir haben eine unklare Pandemiesituation –, dann ist die Aufgabe der Politik, eine Perspektive zu schaffen, […]

  • LPR-Forum Medienzukunft

    LPR-Forum Medienzukunft

    Eine starke Demokratie braucht unabhängigen Journalismus. Ohne freie Presse bleibt nur Propaganda – wie man zurzeit am Beispiel Russland deutlich sehen kann. Doch auch bei uns haben es Journalisten schwer: etwa, wenn sie von Corona-Leugnern und anderen als „Lügenpresse“ beschimpft werden. Umso wichtiger, Lügen, Desinformation und Hetze etwas entgegenzusetzen – durch klaren, aufrichtigen Journalismus. Aber wie kann das in Zeiten der Krise am besten gelingen? Was muss guter Journalismus leisten, um nicht nur wahr-, sondern auch ernst genommen zu werden? Diese und andere Fragen standen beim „Forum Medienzukunft“ der hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien in Frankfurt im Mittelpunkt. Für die Journalistin Alexandra Borchardt steht fest: Um sich im Sturm gegen Lügen, Fake-News und Anfeindungen zu behaupten, brauche guter Journalismus vor allem eines – und zwar Haltung. Prof. Alexandra Borchardt, TUM School of Management München „Wir müssen ja mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Demokratie stehen. Und das alleine ist schon die Haltung, die Erdung, die wir brauchen. Denn wenn wir nicht die Demokratie vertreten, dann sägen wir ja auch den Ast ab, auf dem wir sitzen, auf dem unsere ganze Mission beruht, unser ganzes Geschäftsmodell. Wir brauchen eine Haltung gegenüber Menschenrechten. Das ist einfach unsere Aufgabe, auch die Stimmen von denen hörbar zu machen, die sonst nicht so oft gehört werden.“ Viele Menschen suchen sich ihre Wahrheiten in oft dubiosen Internetforen und nicht mehr in den klassischen Medien. Deshalb müsse sich guter Journalismus umso mehr auf seine Kernkompetenzen konzentrieren: gründliche Recherche, die saubere Trennung von Fakten und Meinung – und vor allem die Verpflichtung zur Wahrheit ohne Wenn und Aber. Joachim Becker, Direktor der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien „Wenn das eingehalten wird, dann ist eigentlich im Wesentlichen der Kern der journalistischen Arbeit schon erfüllt. Es gibt allerdings auch viele Dinge, auf […]

  • Flößerei soll Weltkulturerbe werden

    Flößerei soll Weltkulturerbe werden

    Schönes Wetter gab es heute auch am Rhein. Dort ist übrigens seit letztem Freitag ein Floß unterwegs. Mit ihrem selbstgebauten Floß schippern die Schiltacher Flößer von Rastatt bis nach Leverkusen. Und legen so 360 Kilometer zurück. Unterwegs halten sie auch in Rheinland-Pfalz und Hessen. So wie heute in Koblenz. Mit der Aktion wollen die Flößer den internationalen Antrag auf Anerkennung der Flößerei als immaterielles Kulturerbe der Menschheit unterstützen. Thomas Kipp, Floßmeister Schiltacher Flößer e.V.: „Da geht’s drum, das Wissen und die Praktiken um die Flößerei zu erhalten und vor allem auch an die nächsten Generationen weiterzugeben. Dieses Floßprojekt ist hier ein sehr gutes Beispiel. Weil man hier sehr viel Handwerkliches beitragen muss. Zum einen. Und zum anderen ist die Flößerei, also der Holztransport auf dem Rhein, ja über Jahrhunderte nachgewiesen.“ Ja, und war einst sogar von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Auch für die Entwicklung der Städte entlang des Rheins. Ende diesen Jahres will die Pariser UNESCO-Kommission über den Welterbe-Antrag entscheiden. Wenn alles nach Plan läuft, erreichen die Schiltacher Flößer ihr Ziel in der Nähe von Leverkusen diesen Freitag.

  • Klangwelle wird Dankwelle

    Klangwelle wird Dankwelle

    Bad Neuenahr-Ahrweiler – eine Stadt, in der seit der Hochwasserkatastrophe im letzten Sommer nichts mehr ist, wie es war. Und dennoch versucht man hier, positive Signal zu senden; wie jetzt mit der ersten Großveranstaltung nach der Flut.. Die „Klangwelle“ ist eine Show aus Wasser, Feuer, Lasern und Licht. Ein Event, das es seit acht Jahren gibt, und das nun für dieses Jahr mit einem neuen Namen zurückkommt. Die Klangwelle wird zur Dankwelle. Denn die Veranstaltung dreht sich in diesem Jahr vor allem um die Flutnacht und die vielen Menschen, die danach beim Wiederaufbau geholfen haben. Guido Orthen, CDU, Bürgermeister Bad Neuenahr-Ahrweiler „Wir wollen Danke sagen, erinnern an das, was geschehen ist, aber auch erinnern an die großartige Hilfe, die uns zuteilwurde, die Welle der Hilfsbereitschaft. Und wir wollen heute die Welle des Dankes machen.“ An insgesamt acht Abenden wird den Helfern Danke gesagt. Mit der Veranstaltung im Herzen der Stadt will man einen Schritt in Richtung Normalität gehen. Christian Senk, Veranstalter „Das wichtigste heute ist, glaube ich, Spaß zu haben, uns hier ein Stück weit so kennenzulernen wie wir das vor der Flut gewohnt waren und wie wir es hoffentlich auch irgendwann wieder erleben dürfen. Das wird ein harter Weg bis dahin, aber er braucht Veranstaltungen wie diese, damit der Weg leichter wird.“ Im Kurpark ist am Eröffnungsabend von der Flut kaum noch etwas zu sehen. Doch in der Stadt haben die Einwohner mit den Folgen immer noch zu kämpfen. Der Wiederaufbau ist im vollen Gange. Veranstalter Christian Senk ist sich sicher: Die Dankwelle ist für die Region von großer Bedeutung. Christian Senk, Veranstalter „Ich will nicht sagen: ‚ Wir sind wieder da‘. Das wird dauern. Aber wir sind da und ich glaube, wenn man sich heute Abend hier umguckt, dann ist das einfach zwar ein kleiner Punkt, in dem […]