Unglück

  • Das Ahrtal wählt einen neuen Landrat

    Das Ahrtal wählt einen neuen Landrat

    Selten hat eine Landratswahl in Deutschland für so viel Aufmerksamkeit gesorgt wie die am Sonntag im Ahrtal. Der ehemalige Landrat war zurückgetreten, weil direkt nach der Flutkatastrophe Kritik am Krisenmanagement laut wurde. Jetzt am Sonntag – ein halbes Jahr später – steht die Wahl eines neuen Landrats an. Als Favorit gilt vielen der erste Kreisbeigeordnete Horst Gies, der den ehemaligen Landrat bereits seit August in seinen Aufgaben vertritt. Gies ist hier geboren und nicht nur im Ahrtal gut vernetzt. Bereits seit 2011 repräsentiert er den Kreis auch im Rheinland-Pfälzischen Landtag. Horst Gies, CDU, Erster Kreisbeigeordneter Landkreis Ahrweiler „Ich habe immer gesagt, das ist meine Heimat, das ist unser kleines Paradies. Und das ist eben am 14. 07. zerstört worden. Und ich sehe darin jetzt wirklich die Verpflichtung und wirklich die Aufgabe und den Antrieb vom innersten her, das jetzt wieder aufzubauen, was unsere Vorfahren, unsere Eltern und Großeltern nach dem Krieg wieder aufgebaut haben. Und jetzt ist es unsere Aufgabe wieder aufzubauen, für die nach uns kommenden Generationen.“ Auch Cornelia Weigand will ihr Augenmerk auf den Wiederaufbau legen. Die 50-Jährige, die seit 2019 parteilose Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr ist, beklagt vor allem die langsame Auszahlung der Hilfsgelder und die mangelnde Koordination der wichtigsten Aufgaben. Doch sie stellt sich auch zur Wahl, um die Region für die Zukunft fit zu machen. Cornelia Weigand, parteilos, Bürgermeisterin Verbandsgemeinde Altenahr „Wir werden auf dem Land auch immer weiter Probleme bekommen in der medizinischen Versorgung, da werden wir weitere Konzepte brauchen. Und natürlich ist auch nach der Katastrophe das Thema Nachhaltigkeit ein ganz wichtiges: Wie sieht bei uns tatsächlich die Energiewende aus, wie können wir es schaffen, auch die dazugehörige Mobilitätswende hinzubekommen? Ganz viele verschiedene Themen; einige sind vielen Landkreisen bekannt, andere sind eine Besonderheit aufgrund der Tatsache, dass wir hier auch heilen müssen und […]

  • CDU: Hilfen für Flutopfer fließen zu langsam

    CDU: Hilfen für Flutopfer fließen zu langsam

    Ziemlich genau ein halbes Jahr ist das verheerende Hochwasser im Ahrtal und anderen Teilen des Landes her. Eine Naturkatastrophe, die viele Menschen das Leben gekostet und Sachschäden in Milliardenhöhe verursacht hat. Letzte Woche schon hat die Landesregierung sich die Situation vor Ort angeschaut und auf die vielen kleinen Erfolge hingewiesen. Heute zieht die CDU-Opposition Bilanz. Sie vermisst das Gesamtkonzept für den Aufbau an der Ahr. Es fließt wieder Gas. Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren. Die Ahrtalbahn fährt wieder – zumindest auf einem kleinen Streckenabschnitt. Es tut sich was im Ahrtal. Allerdings zu wenig, findet die rheinland-pfälzische CDU. Christian Baldauf, CDU, Fraktionsvorsitzender Landtag Rheinland-Pfalz „Es gibt viele Dinge, die erledigt werden, ja, es gibt viel Unterstützung. Das Problem ist, es sind jetzt sechs Monate und man merkt, es ist nicht alles umgesetzt, was umgesetzt werden müsste. Zum Beispiel gibt es einen Spendentopf von viereinhalb Millionen Euro für die Winzer, der nicht einfach ausgezahlt werden kann.“ Das geltende Spendenrecht sei schuld daran – und die Landesregierung, die zu wenig dafür tue, dass die Gelder die Menschen vor Ort erreichen. Dasselbe gelte für die Auszahlung von Wirtschaftshilfen und die Erteilung von Baugenehmigungen. Vieles gehe zu langsam, viele Fragen seien nach wie vor offen. Das bestätigt auch Hotelier Michael Lentz aus Bad Neuenahr, der heute digital zugeschaltet ist. Nicht nur Keller und Erdgeschoss seines Hotels hat die Flut unter Wasser gesetzt, das gesamte Inventar sei hin. Rechnungen und Unterlagen hätten die Wassermassen mitgerissen. Michel Lentz, Inhaber Hotel Central Bad Neuenahr „Wer ersetzt uns das? Wie wird das angesetzt? Der Steuerberater auch: Ich kann mich jetzt hinsetzen und sagen, schau mal bei eBay nach, du weißt ja, ich habe achtzig Stühle gehabt, ich habe fünfzig Tische gehabt, schau mal nach, was die heute noch wert sind und gib mir darüber ein Gutachten. Da stehen wir […]

  • Ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe

    Ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe

    Heute vor sechs Monaten kam die Flut. Die Wassermassen waren nicht aufzuhalten. Brücken wurden weggerissen, Häuser weggeschwemmt. Mehr als 180 Menschen verloren ihr Leben. Das Ahrtal im Norden von Rheinland-Pfalz traf es besonders hart. Orte wie Schuld, Mayschoß oder Rech erlangten traurige Bekanntheit. Wie geht es den Menschen im Ahrtal ein halbes Jahr später? Eine Reportage aus dem Katastrophengebiet. Das Ahrtal – immer noch eine Baustelle. Rech an der Ahr. Hier hat es die berühmte Nepomuk-Brücke weggerissen. Hier standen mal Sportanlagen. Die Bewohner rühren Beton an. Peter Schatz hängt dauernd am Telefon. Er arbeitet 13, 14 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, um seine Gaststätte wieder auf Vordermann zu bringen. Peter Schatz, Gaststättenbetreiber aus Rech „Handwerker koordinieren, Material besorgen, gucken, dass die Lieferungen rechtzeitig klar kommen, an Land kommen, weil das momentan schon ein Riesenproblem ist. Materialverknappung auch schon vor der Flut hier ein allseits bekanntes Thema und jetzt wird es nochmal ein bisschen dramatischer.“ So sah es vor einem halben Jahr hier aus. Draußen Verwüstung, drinnen Zerstörung. In der Flutnacht wurde das Haus von den Wassermassen umspült. Peter Schatz und seine Familie konnten sich ins Obergeschoss retten. Peter Schatz, Gaststättenbetreiber aus Rech am 21.07.2021 „War die schlimmste Nacht meines Lebens. Das würde ich meinem ärgsten Feind nicht wünschen. Also, das war…wir sind froh, dass wir hier stehen. Haben zwar die komplette Lebensgrundlage verloren,a aber wir gucken nach vorne und versuchen es irgendwie wieder aufzubauen.“ Dazu warten Peter Schatz und viele andere im Ahrtal weiterhin auf die angekündigten Hilfen vom Staat. Schnell und unbürokratisch sollten sie fließen. Aber: Die seitenlangen Anträge sind kompliziert, die Bearbeitung zieht sich hin. Peter Schatz, Gaststättenbetreiber aus Rech „Ist schon schwierig. Aber wir haben ja die Erfahrung mit den Corona-Hilfen schon gemacht. Das war auch schnell und unbürokratisch angekündigt, und relativ lange drauf gewartet. […]

  • Im Interview: Andreas Geron, Bürgermeister von Sinzig

    Im Interview: Andreas Geron, Bürgermeister von Sinzig

    Eva Dieterle spricht mit einem, der selbst unmittelbar betroffen war, über das Horrorszenario und die Folgen. Eva Dieterle, Moderatorin: Guten Tag. Andreas Geron, parteilos, Bürgermeister Sinzig: Guten Tag. Dieterle: Herr Geron, Sie haben engen Kontakt zu vielen anderen Betroffenen. Wie traumatisiert ist Ihre Stadt ein halbes Jahr danach? Geron: Ja, also eine Frage, auf die man schwer pauschal und generell eine Antwort geben kann. Die Menschen, viele Menschen waren stark in den ersten Tagen, Wochen und Monaten, haben sich quasi in einem Hamsterrad befunden, haben gearbeitet, die Flut Folgen beseitigt, und jetzt, im Laufe der dunkleren Monate, merkt man, wie sehr es die Menschen in unserer Region betroffen hat. Ich merke das auch an mir selbst. Wir haben in den vergangenen Wochen praktisch jeden Tag auch privat über die Folgen der Flut gesprochen und die Zerstörung ist einfach einfach gigantisch. Wenn man vor Ort ist. Man wird immer wieder erinnert an das, was geschehen ist. Die persönliche Verarbeitung ist noch lange nicht abgeschlossen. Dieterle: Versetzen wir uns zeitlich nochmal zurück. Es hat Warnungen vor dem Hochwasser gegeben, auch eine Krisensitzung in Sinzig in der Nacht davor. Wie konnte diese Katastrophe in diesem Ausmaß trotzdem passieren? Stellen Sie sich diese quälende Frage auch heute noch? Geron: Ja, auf jeden Fall, und es gibt ja dann auch die entsprechenden Gremien auf Landesebene, die die Ereignisse der Nacht aufarbeiten. Ich muss Ihnen sagen, wir hatten kaum Informationen im Ort, das Handynetz ist dann zusammengebrochen, es gab keinen Strom, kein Internet. Wir wussten nicht, was flussaufwärts passiert. Und es sei auch mal klar gesagt: Es gab auch keine Modellberechnungen, was bedeuten sechs, sieben Meter Pegel ahraufwärts für Sinzig, wo das Tal wieder breiter wird? Welche Regionen werden dann überflutet? Da gab es keine Erfahrungswerte. Hinzu kommt dann, dass das Szenario mit den Brücken, den […]

  • Ministerpräsidentin Dreyer besucht das Ahrtal

    Ministerpräsidentin Dreyer besucht das Ahrtal

    Ein halbes Jahr ist es nun her, dass eine gewaltige Flutwelle das Ahrtal erfasste – und eine Schneise der Verwüstung hinterließ. In Rheinland-Pfalz verloren dabei 135 Menschen ihr Leben. Rund 8.800 Gebäude wurden teilweise stark beschädigt. Heute hat sich die Landesregierung in Schuld über den Stand der Wiederaufbauarbeiten informiert. Der kleine Ort an der Ahr wurde von der Flut besonders stark getroffen. Schuld am 14. Juli vergangenen Jahres. Die 660-Einwohner-Gemeinde droht geradezu in den Wassermassen zu versinken. In den Tagen danach zeigt sich: Viele Häuser sind zerstört, manche wurden einfach weggespült. Aufgerissene Straßen und Berge von Trümmern. Nur wie durch ein Wunder kommt hier in Schuld niemand ums Leben. Nach den Aufräumarbeiten beginnt der Wiederaufbau der Ortsgemeinde im Landkreis Ahrweiler. Doch auch ein halbes Jahr nach der Flut gibt es hier viel zu tun. Hotels, Restaurants und Geschäfte bleiben geschlossen. Wo einst diese Bäckerei stand, herrscht nun gähnende Leere. „Ja, ist ja kein Geschäft mehr da. Ist ja alles weg. Bäckerei ist weg, Metzgerei, der Laden ist weg. Nichts mehr da. Die Pizzeria ist nicht mehr da. Also, wo soll man noch hingehen? Wir müssen für alles nach Adenau fahren.“ „Gut, ich bin seit 20 Jahren Rentner und mache jeden Abend meinen Spaziergang durchs Dorf. Und seit einem halben Jahr mache ich das auch weiter. Nur, es ist jedes Mal, wenn ich heimkomme, richtig deprimierend.“ „Wir wären ja schon froh, wenn jetzt die Straßen ein bisschen gemacht werden. Jetzt in der Matsche, wir stehen ja nur noch hier in der Matsche rum.“ Ministerpräsidentin Malu Dreyer macht sich heute vor Ort ein Bild der Lage. Und gibt sich betont optimistisch. Malu Dreyer, SPD, Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz „Wie das hier aussah, das ist ja gar nicht zu beschreiben. Und was inzwischen geleistet worden ist, das ist ganz wunderbar. Und ich glaube, ich darf […]

  • Vermutlich alkoholisierter Geisterfahrer verursacht Unfall im Rheingau

    Vermutlich alkoholisierter Geisterfahrer verursacht Unfall im Rheingau

    Es ist eine Horror-Vorstellung. Sie sind auf der Straße unterwegs, sehen die Lichter eines entgegenkommenden Wagens und können nicht mehr ausweichen. So geschehen gestern Abend auf der B42 bei Eltville. Ein Geisterfahrer knallt frontal in ein entgegenkommendes Auto – dessen Fahrer wird dabei schwer verletzt. Es ist das jähe Ende einer Geisterfahrt. Gestern Abend um kurz vor 18 Uhr fährt ein Mann aus Wiesbaden mit seinem Auto in falscher Fahrtrichtung auf der B42. Der 51jährige streift einen PKW – doch die Insassen haben Glück: Der Fahrer wird gar nicht, seine Beifahrerin nur leicht verletzt. Kurz darauf kommt es dann zum Frontalzusammenstoß mit einem weiteren Auto. Andreas Graf, Sprecher Feuerwehr Eltville: „Der Fahrer konnte sich selbst befreien, während der Fahrer in dem weißen Fahrzeug schwer eingeklemmt war und wir von der Feuerwehr hier mit schwerem Gerät ranmussten, (…) Ja, wir waren mit insgesamt 16 Mann hier vor Ort und wir hatten alle Hände voll zu tun, den jungen Mann aus dem Fahrzeug zu befreien, da er doch massiv eingeklemmt war durch diesen Aufprall. Man muss sich ja vorstellen, wenn zwei Fahrzeuge frontal aufeinander knallen, da waren die Fahrzeuge beide mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs – hier darf man 100 fahren, vielleicht waren beide auch mit 100 unterwegs.“ Nachdem der 23jährige befreit werden konnte, wurde er mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Der Unfallverursacher selbst wird leicht verletzt. Laut Polizei war er sichtbar betrunken – er musste im Krankenhaus eine Blutprobe abgeben. Die Staatsanwaltschaft hat einen Gutachter mit der Rekonstruktion des Unfalls beauftragt. Die B42 war für mehrere Stunden gesperrt.

  • Im Interview: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer

    Im Interview: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer

    Die Zeit zwischen den Jahren ist wie gemacht, um mit etwas Abstand auf das Jahr zurückzublicken. Ein zweites Jahr, das durch die Corona Krise geprägt wurde. Die Welt ist aus dem Takt geraten. Was macht Politik da? Sie fährt auf Sicht. Aber wohin? Sicherlich ist diese Zeit für Politiker keine einfache. Unter anderem darüber sprechen wir mit Malu Dreyer, der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin. Markus Appelmann: Wir haben so kurz vor dem Jahreswechsel die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz heute zu Gast. Malu Dreyer. Herzlich willkommen! Schön, dass Sie da sind. Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz: Ich grüße Sie, Herr Appelmann. Markus Appelmann: Frau Dreyer, bevor wir zu den Themen kommen, gab es ein Jahr in Ihrem politischen Leben, dass Sie mehr gefordert hat als dieses Jahr 2021. Malu Dreyer: Nein, das war mit Sicherheit das herausfordernde Jahr, was ich in der Politik erlebt habe. Und ich habe schon sehr, sehr viel erlebt, muss man sagen. Aber natürlich die Pandemie, die uns ja alle wirklich im Atem hält, dann die schreckliche Naturkatastrophe. Dann war es auch ein Jahr, wo wir dann natürlich auch zweimal im Wahlkampf waren. Also es war ein extrem anstrengendes Jahr, aber es war auch ein schweres Jahr. Markus Appelmann: Stimmen Sie zu, dass die Herausforderungen – Sie haben sie gerade eben genannt – wie Pandemien und Naturkatastrophen nicht durch Koalitionsverträge erfasst werden können. Dass also hier politische Führung mit den Aufgaben wächst oder scheitert. Malu Dreyer: Ja, das gilt sehr, sehr grundsätzlich. Man kann ja auch weiter zurückblicken, als die vielen Flüchtlinge zu uns kamen. Es gibt immer wieder Herausforderungen, die kann man nicht in einem Koalitionsvertrag festlegen, sondern sie sind einfach nicht vorhersehbar. Und deshalb ist es so wichtig, dass man vertrauensvoll miteinander zusammenarbeitet, um eben auch aktuelle Krisen gut miteinander bewältigen zu können. Neben den vielen Zielen, die […]

  • Untersuchungsausschuss reist ins Ahrtal

    Untersuchungsausschuss reist ins Ahrtal

    Fünf Monate ist es jetzt her, dass die Ahr nach tagelangem Starkregen zu einem reißenden Strom anwuchs und die Dörfer im Tal zerstörte. 134 Menschen starben. Schon kurz danach stellte sich heraus: Viele Anwohner sind nicht rechtzeitig und nicht ausreichend gewarnt worden. In der Kritik stehen insbesondere Innenminister Roger Lewentz, die damalige Umweltministerin Anne Spiegel und der Landrat des Kreises Ahrweiler Jürgen Pföhler. Gegen letzteren ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Der daran angelehnte Untersuchungsausschuss im rheinland-pfälzischen Landtag hat heute mit der öffentlichen Beweisaufnahme begonnen. Schuld am 15. Juli. Das Hochwasser hat große Teile des Dorfes weggerissen. Heute sind die Trümmer weitestgehend beseitigt. Doch was bleibt, ist die Frage: Hätte die Katastrophe verhindert und Menschenleben gerettet werden können? Die Antwort soll der Untersuchungsausschuss „Flutkatastrophe“ liefern. Dafür ist er heute zu mehreren Ortschaften ins Ahrtal gereist. Martin Haller, SPD, Vorsitzender des Untersuchungsausschusses „Fragestellung heute und Gegenstand des Beweisantrages ist, inwieweit Geologie und Topographie des Ahrtals eine Rolle bei dieser Flutkatastrophe gespielt haben. Das gilt es heute zu erhellen, dem wird der Ausschuss heute nachgehen mithilfe des Sachverständigen Herr Professor Wieber.“ Der Sachverständige vom Landesamt für Geologie hatte dem Ausschuss zuvor ein Gutachten vorgelegt. Demnach sei das Gestein im Tal nur sehr wenig aufnahmefähig für Wasser. Der darauf liegende Boden sei feinkörnig und könne nur sehr langsam und ebenfalls nur geringe Mengen Wasser aufnehmen. So habe sich der viele Regen im Juli in der Ahr angestaut. Auch aufgeschüttete Böden wie unter diesem Haus seien sehr anfällig dafür, weggespült zu werden. Ziel des Ausschusses ist es nun, herauszufinden, ob solche möglichen Gefahren vor der Katastrophe bekannt waren. Gordon Schnieder, CDU, Obmann der CDU-Landtagsfraktion „Wir wollen ja schauen, ob es Hinweise dafür gibt, dass es politische Verantwortung gibt, dass menschliche Fehler aufgetreten sind, dass organisatorische Fehler aufgetreten sind und dazu werden […]

  • Tiny Houses für das Ahrtal

    Tiny Houses für das Ahrtal

    Neben der politischen Aufarbeitung gehen natürlich auch die Wiederaufbauarbeiten im Ahrtal weiter. Viele von der Flut Betroffene kamen anfangs in Behelfsunterkünften oder bei Famile, Freunden oder Bekannten unter. Doch viele sehnen sich wieder nach einem eigenen Dach über dem Kopf und in das können jetzt immer mehr Menschen einziehen. Nämlich in extra bereitgestellte kleine Häuser, sogenannte Tiny Houses. Martha Weiberg hat in der Flutnacht fast alles verloren. Seitdem lebt die 66-Jährige mit Tochter, Sohn und zwei Enkelkindern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Sie sehnt sich wieder nach einem eigenen Zuhause. Martha Weiberg „Wenigstens eine Überbrückung, dass ich irgendwo hin kann und nicht immer bei meiner Tochter wohnen kann. Weil ich möchte mein eigenes Reich haben, meine eigene Wohnung haben. Und mich selber bewegen können, mein Sohn und ich.“ Bald schon kann Martha Weiberg in ein Tiny House einziehen, ausgestattet mit Küche, Bad, Schlafzimmer, Internet und Wohnraum für bis zu fünf Personen. An mehreren Orten im Ahrtal entstehen gerade solche Wohnsiedlungen wie hier in Sinzig. Finanziert werden sie unter anderem von der „Aktion Deutschland hilft“, die seit der Flut rund 270 Millionen Euro an Spenden erhalten hat. Manuela Roßbach, Vorstand „Aktion Deutschland hilft“ „Ich finde, es ist eine schöne Art der Anordnung. Es gibt noch eine kleine Terrasse, das heißt, wenn Sommer kommt, kann man sich auch mal nach draußen setzen mit seinem Tisch. Und ich glaube, die Leute können hier überbrücken.“ Bis zu drei Jahre sollen die Tiny Houses den Flutopfern ein Zuhause auf rund 35 Quadratmetern geben. Anschließend sollen sie verkauft und die Erlöse dann wieder für die Fluthilfe eingesetzt werden. Die Häuser verschaffen Zeit beim Projekt Wiederaufbau, sagt Sozialminister Alexander Schweitzer bei der Übergabe der Sinziger Tiny-House-Siedlung. Alexander Schweitzer, SPD, Sozialminister Rheinland-Pfalz „Realistischerweise ist es: Es wird alles auch noch eine Weile dauern, bis tatsächlich die Aufbauarbeiten komplett abgeschlossen sind. […]

  • Weitere Nachrichten im Überblick

    Weitere Nachrichten im Überblick

    War Tod von Behinderten in Sinzig vermeidbar? — Salzbachtalbrücke hatte laut Gutachten von Anfang an Mängel — Verteidigung fordert Freispruch für Marcus Held War Tod von Behinderten vermeidbar? Laut Medienberichten hat die Sinziger Feuerwehr die Nachtwache der Behinderteneinrichtung „Lebenshilfehaus“ am 14. Juli gegen 23.30 Uhr vor dem drohenden Hochwasser im Ahrtal gewarnt. Sie habe darauf hingewiesen, dass man mit Evakuierungen rechnen müsse. Die Nachtwache dagegen habe bei einer Befragung ausgesagt, sie sei erst gegen 2.40 Uhr konkret von der Feuerwehr gewarnt worden. Zu diesem Zeitpunkt habe die Flutwelle die Einrichtung bereits überschwemmt. Für eine Evakuierung der Behindertengruppe aus dem Erdgeschoss sei es zu spät gewesen. Zwölf Menschen starben. Jahrzehntealte Mängel an der Brücke Die Salzbachtalbrücke in Wiesbaden hatte schon bei ihrer Inbetriebnahme im Jahr 1963 große Konstruktionsschwächen und ein hohes Gefährdungspotenzial. Das geht aus einem Gutachten hervor, dass die Autobahn GmbH nun veröffentlicht hat. Wegen des zu weichen Untergrunds sei die östliche Seite der Brücke im Lauf der Jahre immer weiter abgesunken. An der südlichen Seite seien die veralteten Rollenlager nicht ausgetauscht worden. Am 18. Juni habe sich dann das Tragwerk wegen Hitze so weit ausgedehnt, dass eine Lagerwalze aus ihrer Schale herausrollte. Der Überbau sei abgesackt. Die Autobahnbrücke war einsturzgefährdet und musste am 6. November gesprengt werden. Verteidigung fordert Freispruch für Held Im Korruptionsprozess gegen den ehemaligen Bürgermeister von Oppenheim, Marcus Held, hat die Verteidigung heute für einen Freispruch plädiert. Der 44-Jährige habe uneigennützig im Interesse der Stadt Oppenheim gehandelt. Held sagte in seinem Schlusswort, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Gestern hatte die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten gefordert. Held muss sich unter anderem wegen Untreue und Bestechlichkeit im Zusammenhang mit diversen Grundstücksgeschäften vor dem Landgericht Mainz verantworten.

  • Uferlichter zaubern Weihnachtsstimmung ins Ahrtal

    Uferlichter zaubern Weihnachtsstimmung ins Ahrtal

    Die Uferlichter – seit Jahren leuchten sie immer in der Weihnachtszeit rund um Bad Neuenahr. Skulpturen in allen Formen, umrankt von Lichterketten, beleuchten dann den Kurpark und die Ahr. Doch der Fluss trat im Juli über seine Ufer. Auch fünf Monate nach der Flut sind die Schäden noch deutlich zu erkennen, hier am Ufer der Ahr. Eine geschmückte und beleuchtete Kurgartenbrücke gibt es dieses Jahr zwar nicht – das Wasser hat sie fortgerissen -, aber der Katastrophe zum Trotz leuchten die Uferlichter in diesem Jahr. Geschmückt wurde auch eine Behelfsbrücke. Christian Lersch, Verein Uferlichter Kultur „Es hat dann zwei Tage gedauert, bis ich hier an die Ahr gekommen bin und erstmal verstanden habe, dass die Kurgartenbrücke weg war und ja – dass so ein Bauwerk einfach verschwinden kann, das war für mich schon irgendwie ein Zusammenbruch. Und mir wurde schnell klar, dass ich gedacht habe, irgendwas müssen wir diesen Winter mit Uferlichtern machen.“ Christian Lersch und sein Kollege Frank Mies sind die Köpfe hinter den Uferlichtern. Zu tun gab es dieses Jahr viel. Denn die Gerüste, Kabel und die geflochtenen Konstruktionen sind dem Wasser zum Opfer gefallen. Rund 100 ehrenamtliche Helfer machten sich an die Arbeit. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Lichter seit dem zweiten Advent wieder leuchten. Dazu gehört auch ein kleiner Weihnachtsmarkt. Handwerker verkaufen ihre Schnitzereien, an den Ständen können Besucher essen – und natürlich Glühwein trinken. Auch Kinder haben ihren Spaß – etwa beim Schlittschaulaufen auf der Eisbahn. Mit dem Start der Uferlichter ist Lersch sehr zufrieden. Christian Lersch, Verein Uferlichter Kultur „Gerade in diesem Jahr ist es einfach ein unglaubliches Gefühl, man ist sehr glücklich, das man so was realisiert bekommen hat, gerade weil man dachte, wir werden dieses Jahr gar nichts haben und dann hat man sowas geschaffen.“ Begeistert sind auch die Besucher […]

  • Weihnachtspakete für das Ahrtal

    Weihnachtspakete für das Ahrtal

    Weihnachten, das ist die Zeit für Besinnlichkeit, Frieden und Gemeinschaft. Doch für einige Menschen ist es auch eine besonders schwere Zeit – zeigt unser „17:30 SAT.1 LIVE Adventskalender“ heute. Wir sind bei den Betroffenen der Flutkatastrophe im Ahrtal. Dank vieler engagierter Helfer müssen sie trotzdem nicht auf Weihnachtsstimmung verzichten. Der Nikolaus ist da! Für den Weihnachtsmarkt in Mayschoß haben seine Helfer Geschenke im Gepäck. Rund 1.000 gespendete Präsente sind zusammengekommen, gesammelt von mehreren Hilfsorganisationen. Eine davon ist die Obdachlosenhilfe von Markus Machens aus Gießen. Markus Machens, „Markus und seine Freunde auf der Straße“ „Ich stehe hier mit Kulleraugen, aber die Menschen, die brauchen alle Kraft. Viele haben alles verloren und sind mit 70, 80 total nervlich am Ende, die haben keine Kinder mehr, es gibt ältere Menschen, die haben ihre Frau verloren oder ihren Mann verloren. Die brauchen jetzt zu Weihnachten hier die geile Dekoration oder brauchen mal wieder eine Freude, dass es wieder aufwärts geht.“ Die Hilfsorganisation „Wir Hessen helfen“ hat den Weihnachtsmarkt aufgebaut. Ina Lotz, Hilfsorganisation „Wir Hessen helfen“: „Es ist schon so teilweise so, dass viele, ja, sich vielleicht sich noch so ein bisschen schämen, also die Hilfe auch nicht so annehmen. Sie zögern immer noch so ein bisschen, aber die nimmt man dann an die Hand, ja, oder die Nachbarn sind halt auch da und sagen: Komm, wir gehen wir mal da hin, ja, trinken mal einen Glühwein und dann ist alles schön.“ Vergangenen Freitag in Gießen. Hier betreibt Markus Machens ein Möbelgeschäft. Das Büro quillt vor Geschenken fast über. Und noch immer kommen Lieferungen. Zwei Grundschullehrerinnen haben mit ihren Klassen über 80 Päckchen gepackt. Franziska Caysa und Rosa Maria Garcia Garcia, Grundschule Annerod in Fernwald „Wir haben das auch in der Klasse natürlich besprochen, dass es auch Leute gibt, denen es an Weihnachten nicht ganz […]

  • Jahres-Gedenken an die Opfer der Amokfahrt Trier

    Jahres-Gedenken an die Opfer der Amokfahrt Trier

    Genau ein Jahr ist es her, als ein Mann mit 80 Stundenkilometern durch die Trierer Fußgängerzone gerast ist und für unsägliches Leid sorgte. Es sterben sechs Menschen, Dutzende werden verletzt. Unter den Todesopfern ist auch ein Baby. Heute steht in Trier das Gedenken im Vordergrund. Ein gemeinsames Gedenken an die Opfer einer Tragödie, die sich niemand hätte vorstellen können. Es sind viereinhalb Minuten, in denen ganz Trier heute inne hält. Denn es waren viereinhalb Minuten die die Stadt für immer verändert haben. Heute ist die Erinnerung an den Tag wieder ganz präsent. Hildegard Düro-Johannes „Es ist jeden Tag da, es betrifft mich jeden Tag. Und ich denke jeden Tag an die Opfer und an die Angehörigen. Und das wird sicher noch ganz ganz lange bleiben.“ Fabio Krieglstein „Man wird irgendwie unterbewusst viel vorsichtiger. Und das ist gar nicht mehr … Es wirkt gar nicht mehr so unwahrscheinlich, dass so etwas passieren kann. Man rechnet viel eher mit sowas, wenn man weiß: Okay, es ist hier auch passiert.“ Roger Döring „Abschließen kann man nicht so, weil es ist halt … ich war live dabei und das ist halt Scheiße dann auf Deutsch gesagt.“ Zentraler Gedenkort ist heute der Trierer Dom. Opfer, Hinterbliebene, Vertreter der Einsatzkräfte und Politiker kommen um 13:46 zu einem ökumenischen Gottesdienst zusammen, der Zeitpunkt an dem die Tragödie begann. Sie wollen gemeinsam erinnern, das Leid teilen und zusammenhalten. Malu Dreyer, SPD, Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz „Es ist natürlich ein großer Trost, dass die Menschen hier sofort hilfsbereit waren und solidarisch Zusammengehalten haben. Auch jetzt in der Folge der schrecklichen Amokfahrt. Und trotzdem, wenn man sich an die Bilder erinnert, ist es einfach erschütternd bis zum heutigen Tag.“ Eine Erschütterung, die auch durch Tonfiguren von Saarburger Schülern ausgedrückt wird. Sie sollen an einen Gedenkort im Trierer Dom stehen. An der Porta […]

  • „Es war doch nur Regen!?“ – ein Buch über die Flutkatastrophe

    „Es war doch nur Regen!?“ – ein Buch über die Flutkatastrophe

    „Es war doch nur Regen!?“ hat es in die Spiegel-Bestsellerliste geschafft hat. Die fünfte Auflage ist vergriffen, eine sechste erscheint jetzt. Ein Taschenbuch über die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal vor gut vier Monaten, geschrieben von einem BKA-Beamten, der mittendrin war in der Katastrophe, deren Folgen die rund 100.000 Bewohner des Ahrtals noch Jahrzehnte beschäftigen wird. Das Ahrtal kurz nach der Flut. Eine Zerstörung, deren Ausmaß immer noch unfassbar ist. Die Nacht zum 15. Juli 2021 macht Tausende Obdachlos. 134 Menschen sterben, mehr als die Hälfte stammen aus Bad-Neuenahr-Ahrweiler. Andy Neumann, BKA-Beamter „Am Morgen nach der Flut war das ein totales Chaos. Das kann man sich ganz gut vorstellen. Da waren knapp zweo Meter oder über zwei Meter Wasser und da schwamm alles Mögliche drin. Das lag am nächsten Morgen überall – auf der Straße, auf den Gehwegen, alles war voller Schlamm. Die Straßenlaternen lagen auf der Straße und waren im Weg. Das war schon Kriegsszenario Andy Neumann lebt in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Irgendwo im Stadtteil Ahrweiler. Wo genau sein Haus steht, sollen wir nicht verraten. Der BKA-Beamte war viele Jahre als Ermittler im Terrorismusbereich tätig. Als Mitte Juli das Wasser kommt, ist er mit seiner Frau und seinen Kindern im ersten Stock. Alle überleben. Andy Neumann, Buchautor „Ich habe das Buch ja nicht schreiben wollen, sondern wollte Protokolle auf Facebook schreiben. Also, um mich selbst damit ein Stück weit zu therapieren und um das, was ich erlebt hatte, einfach niederzuschreiben. Das haben sehr viele Menschen gelesen. Und dann kam mir die Idee, ich könnte ein Buch draus machen. Das habe ich meinem Verlag dann vorgeschlagen, und der Verlag ist sofort mitgegangen, auch bei meiner Idee daraus ein karitatives Projekt zu machen. Und dann habe ich mir die Zeit einfach genommen, um das zu schreiben.“ Aus einem Protokoll auf Facebook wird ein Buch. […]

  • Totes Kind bei Hausbrand

    Totes Kind bei Hausbrand

    Wohnhausbrand gestern Abend in Griesheim bei Darmstadt: Die Feuerwehr rückte schnell mit einem Großaufgebot aus und konnte doch vor Ort diese dramatischen Bilder nicht verhindern. Nach bisherigen Erkenntnissen soll dabei auch ein 13-jähriges Mädchen ums Leben gekommen sein. Weitere Personen wurden teilweise schwer verletzt. Rauchschwaden steigen in den Himmel. In der Wohnung brennt es lichterloh. Es ist 17:40 Uhr als gestern der Notruf „Wohnungsbrand mit Menschenrettung“ bei der Feuerwehr in Griesheim eingeht. Beim Eintreffen des Löschzugs steht die Wohnung bereits in Vollbrand. Eine Person wird vor dem Familienhaus gefunden – ein Mann mit schwersten Brandverletzungen, der sich offenbar durch einen Sprung vom Balkon vor den Flammen retten wollte. Er wird sofort in eine Spezialklinik für Brandopfer gebracht. Im Haus finden die Feuerwehrleute einen Leichnam. Christiane Hansmann, Polizeipräsidium Südhessen „Wir haben in dem Haus acht Personen, die dort leben. Nach dem derzeitigen Stand ist es so, dass die Feuerwehr nach dem Löschen oder währenddessen eine leblose Person bergen konnte. Nach den bisherigen Erkenntnissen könnte es sich dabei um ein 13-jähriges Mädchen handeln.“ Mehrere Notfallseelsorger sind im Einsatz. Warum der Brand sich so schnell ausbreiten konnte, ist derzeit noch nicht klar. Erste Hinweise deuten auf eine Fehlbedienung beim Umgang mit einer Gasflasche und somit auf einen tragischen Unglücksfall hin. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.