Wirtschaft

  • Zwei Jahre Schweinepest in Hessen

    Zwei Jahre Schweinepest in Hessen

    Vor zwei Jahren wurde das erste Schwein in Hessen positiv auf die Afrikanische Schweinepest getestet. Die Folgen sind gravierend: Mittlerweile sind weit über 2.000 Schweine an der Tierseuche gestorben, Bauern bangen um Ihre Existenz. und ein Ende der Afrikanischen Schweinepest ist in Hessen weiterhin nicht in Sicht. Es ist der 15. Juni 2024. Der Start für die Afrikanische Schweinepest in Hessen: Bei Rüsselsheim wird hier das erste Schwein auf die Tierseuche positiv getestet. Nur wenige Wochen später meldet ein Mastbetrieb in Stockstadt am Rhein weitere Fälle. Die Folgen gravierend: Über 1.000 Schweine müssen hier getötet werden, um die Verbreitung des Virus zu verhindern. Weitere Maßnahmen folgen schnell: Über 400 Kilometer lange Zäune gegen die Ausweitung in Südhessen, das Schießen und Sperrzonen, die teils bis heute noch greifen: Von Rüsselsheim bis nach Mannheim, im sogenannten „Kerngebiet Alpha“ ist heute immer noch mit weiteren Fällen zu rechnen. Im Kreis Groß-Gerau geht die Zahl der Wildschweine um 67 Prozent zurück – innerhalb nur eines Jahres. Einige Bauern bangen um Ihre Existenz. Für die Tiere verläuft eine Erkrankung oft schmerzvoll. Sie leiden zum Beispiel an Fieber, Fressunlust und Atemproblemen. Eine Erkrankung führt – fast immer – schon innerhalb einer Woche zum Tod. Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich. Er kann das Virus allerdings weitertragen. Zum Beispiel über kontaminierte Lebensmittel oder Kleidung. Bisher wurden laut hessischem Umweltministerium fast 7.000 Kadaver gefunden, von denen mehr als 2.300  positiv getestet wurden. Ein Ende der Afrikanischen Schweinepest liegt nicht in Sicht: Zumal das Virus rund zwei Jahre lang überleben kann.

  • Schaltgespräch mit Landwirtschaftsminister Ingmar Jung zur Schweinepest

    Schaltgespräch mit Landwirtschaftsminister Ingmar Jung zur Schweinepest

    Vor zwei Jahren wurde in Hessen der erst Fall der Afrikanischen Schweinepest in Hessen bestätigt. Eva Dieterle spricht mit dem zuständigen Minister über den Stand der Dinge. Eva Dieterle, Moderatorin: Zwei Jahre ist der erst bestätigte Fall der Afrikanischen Schweinepest jetzt her. Ich bin deshalb jetzt verbunden mit dem hessischen Landwirtschafts- und Umweltminister – Ingmar Jung. Guten Tag. Ingmar Jung (CDU), Landwirtschaftsminister Hessen: Guten Abend, Frau Dieterle. Dieterle: Sie haben immer gesagt, die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest sei kein Sprint, sondern ein Marathon. Wo befinden wir uns denn gerade auf der Marathon-Strecke? Jung: Na ja, wir befinden uns schon noch mitten im Marathon drin. Es hat sich ja bestätigt, dass das alles kein Sprint ist. Aber wir können heute sagen, dass wir unser Geschehen eingedämmt haben, dass wir die Ausbreitung der Schweinepest insbesondere in Südhessen gestoppt haben, dass sie sich nicht nach Nordhessen ausgebreitet hat. Aber inzwischen wissen wir natürlich auch, dass wir ein weiteres Geschehen aus Nordrhein-Westfalen haben, das uns von Norden ein wenig bedroht. Und dort machen wir ähnliche Maßnahmen, wie sie es vor zwei Jahren in Südhessen begonnen haben, und hoffen natürlich, dass am Ende dort auch so ausgeht, dass wir das Schlimmste verhindern können. Dieterle: Ein großes Problem sind ja die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Betriebe in den Sperr-Zonen. Können Sie als Land das überhaupt ausgleichen? Jung: Der große Aufwand, den wir betreiben, hat ja vor allem den Hintergrund, dass wir wirtschaftliche Schäden so gering wie möglich halten wollen. Wir wollen Schweinehaltung in Hessen weiter ermöglichen. Was auch im Moment der Fall ist. Und wir versuchen natürlich dann, wenn wirtschaftliche Schäden entstehen, sie so gut wie möglich auszugleichen. Wir haben die Transportkosten zu den sogenannten „benannten Schlachthöfen“ unterstützt. Wir haben bei denen Betrieben, die es dann auch tatsächlich getroffen hat, unterstützt. Bei dem Auffangen der Schäden, […]

  • Weitere Nachrichten im Überblick

    Weitere Nachrichten im Überblick

    Wetzlar: Hoher Sachschaden nach Brand —  Bund lehnt UniCredit-Angebot ab — Ende der Grenzkontrollen gefordert Hoher Sachschaden nach Brand Nachdem in der Nacht ein Feuer das Gebäude einer Pizzeria in Wetzlar zerstört hat, hat die Kriminalpolizei jetzt die Ermittlungen zur Ursache aufgenommen. Die Feuerwehr geht davon aus, dass der Brand durch eine Explosion im Inneren des Restaurants ausgelöst wurde. Laut Polizei waren zu diesem Zeitpunkt keine Personen in dem Gebäude, sodass niemand verletzt wurde. Der Schaden beläuft sich nach ihrer aktuellen Schätzung auf etwa eine Million Euro. Bund lehnt UniCredit-Angebot ab Der deutsche Staat hat die Übernahmeofferte der italienischen Großbank Unicredit für die Commerzbank in Frankfurt abgelehnt. Der Bund unterstütze die Strategie der Commerzbank, eigenständig zu bleiben. Sie spiele eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft. Außerdem sei die Bank als bedeutender Arbeitgeber zentral für den Finanzstandort Frankfurt. Der Bund ist der zweitgrößte Aktionär der Commerzbank. Er hält 12 Prozent der Anteile. Damit kann er eine Übernahme durch die UniCredit  allerdings nicht verhindern. Ende der Grenzkontrollen gefordert: Mit dem Inkrafttreten der neuen verschärften EU-Asylregeln gibt es nach Ansicht des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministers Michael Ebling keinen Grund mehr für die Grenzkontrollen in Rheinland-Pfalz. Sie sollten jetzt eingestellt werden, zumal sie zu wirtschaftlichen Einbußen bei den Betrieben in den Grenzregionen von Rheinland-Pfalz, Luxemburg, Frankreich und Belgien führten. Das Bundesinnenministerium will die Kontrollen zunächst fortsetzen, bis klar ist, wie effektiv die strengeren EU-Regeln illegale Migration verhindern.

  • Spatenstich für Rechenzentrum in Rosbach

    Spatenstich für Rechenzentrum in Rosbach

    Jede Frage, die wir der KI stellen und jedes Bild, dass wir in der Cloud speichern, braucht Rechen-Kapazität. Und dafür braucht es riesige Serverparks. Im hessischen Rosbach hat heute der Bau eines neuen Rechenzentrums begonnen. Ende 2027 soll es in Betrieb gehen, doch der Weg dorthin war alles andere als einfach. Glückliche Gesichter heute beim Spatenstich in Rosbach. 250 Millionen Euro investiert hier das Frankfurter Unternehmen firstcolo. Auf einer Fläche so groß wie 16 Fußballfelder entsteht Infrastruktur für Hochleistungsrechner, die firstcolo an KI- und Cloudanbieter vermieten will. Kristina Sinemus (CDU), Digitalministerin Hessen „Dieses Projekt ist nicht nur die Stärkung des europäischen Rechenzentrums-Standorts, sondern es ist auch ein Stück weiterer Investition in die digitale Souveränität.“ Digitale Souveränität heißt: Weniger Abhängigkeit von Tech-Konzernen in den USA und China. Doch das Problem: Der Strom in Deutschland gehört zu den  teuersten weltweit. Für Rechenzentren, die so viel Energie wie eine Kleinstadt verbrauchen, ein entscheidender Nachteil. Und: Die Stromnetze sind überlastet. Eigentlich wollte firstcolo in Frankfurt bauen. Ausreichend Strom wäre dort aber frühestens 2035 verfügbar gewesen. Jerome Evans, Gründer und Geschäftsführer firstcolo „Grundstücke für Rechenzentren zu finden ist enorm schwierig geworden. Strom ist im Prinzip Mangelware und es gibt aktuell fast keine Flächen mehr, die über genügend Strom verfügen. Wir müssen so schnell wie möglich so viel wie möglich digitale Infrastruktur ausbauen und da brauchen wir natürlich auch Unterstützung von der Politik und von den Kommunen vor Ort.“ Doch für die Kommunen sind Rechenzentren oft unattraktiv. Sie bringen wenig Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, verbrauchen viel Fläche und Strom. In Groß-Gerau war der Bau eines Rechenzentrums für 2,5 Milliarden Euro unter anderem deswegen gescheitert. Das Land Hessen will die Kommunen besser unterstützen. Kristina Sinemus (CDU), Digitalministerin Hessen „Indem wir beispielsweise ein Rechenzentrumsbüro eingerichtet haben, was hier hilft vor Ort zu unterstützen.“ In Rosbach bekommt die Stadt von […]

  • Produktion von Opel Astra bleibt in Rüsselsheim

    Produktion von Opel Astra bleibt in Rüsselsheim

    Seit letzter Woche ist klar: Die Produktion des Opel Astra bleibt im Stammwerk in Rüsselsheim. Ein positives Signal in schwierigen Zeiten – denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Automobilproduktion in Deutschland haben Opel stark zugesetzt. Es geht weiter bei Opel in Rüsselsheim. Denn auch die nächste Generation des Opel Astra soll im Stammwerk des Autoherstellers produziert werden. Die Entwicklung und Fertigung der künftigen  Modelle soll 1350 Arbeitsplätzen in der Produktion sichern. Gute Nachrichten – beim Autobauer aus Hessen zuletzt Mangelware. Denn erst im April verkündet der Opel-Mutterkonzern Stellantis, dass von den insgesamt 1650 Ingenieursstellen im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim 650 Stellen abgebaut werden. Wenige Meter von dort entfernt will  sich das Unternehmen mit seinem neuen, gerade noch im Bau befindlichen Firmensitz – dem „Green Campus“ – für die Zukunft aufstellen. Rund um den Campus will die Stadt Rüsselsheim einen neuen Industriepark bauen und so gleich mitprofitieren. Patrick Burghardt (CDU), Oberbürgermeister Rüsselsheim „Die Entscheidung jetzt, dass die Produktion mit dem neuen Astra hier stattfindet ist für uns eine sehr sehr gute Entscheidung. Es ist eine sehr wichtige Entscheidung gewesen. Man hat auch das Aufatmen richtig gespürt in der Stadt. Nichtsdestotrotz geht der Wandel weiter. Opel schrumpft auch in den Flächen. Das wird ja weitergehen. Ist für uns aber eine ganz, ganz große Chance. Und wir als Stadt sind natürlich auch als Automobilstadt im Wandel, wie jede anderen Kommune auch, die eine Automobilstandort ist. Von daher aber bin ich sehr optimistisch, dass wir jetzt gute Entscheidungen treffen werden uns diverser aufzustellen. Das ist natürlich auch eine große Chance für uns und die werden wir nutzen.“ Insgesamt plant Opel in Deutschland bis 2030 Investitionen von rund einer Milliarde Euro, darunter in den Standort Rüsselsheim.  

  • Studiogespäch mit Opel-Chef Florian Huettl

    Studiogespäch mit Opel-Chef Florian Huettl

    Eva Dieterle spricht mit ihm über die Lage von Opel in Rüsselsheim und Kaiserslautern. Eva Dieterle: Über all das spreche ich jetzt mit Opel-Geschäftsführer Florian Huettl. Guten Abend. Herr Huettl, viele Hersteller haben sich ja entschieden dazu, Produktion ins Ausland zu verlagern, weil die Rahmenbedingungen hier in Deutschland eben doch durchaus anspruchsvoll sind. Trotzdem haben Sie gesagt, die neue Generation des Astra, die entsteht am Standort in Rüsselsheim. Wie schwer ist diese Entscheidung gefallen angesichts der Herausforderungen? Florian Huettl, Geschäftsführer Opel Ja, Sie haben recht. Autos zu produzieren am Standort Deutschland ist mit gewissen Herausforderungen verbunden. Wir reden über im internationalen Vergleich sehr hohe Energiepreise. Wir reden über hohe Lohnkosten, wir reden über einen vergleichsweise hohen administrativen Aufwand. Das heißt, hier in Deutschland zu produzieren, muss man auch ein gewisses in gewissem Maß kompensieren durch die Vorteile, die wir hier finden. Und auch da gibt es einige. Wir haben ein hohes Maß an Qualifikation, gute Schulausbildung, eine hohe Automobilkultur. Wir sind in der Lage, beste Qualität zu produzieren. Und wir haben auch zusammen mit unseren Sozialpartnern es immer geschafft, ein Produktionssystem aufzubauen, das auch flexibel mit den Herausforderungen unserer Industrie umgehen kann. Ja, und insofern sind wir auch sehr froh, dass es uns gelungen ist, aus all diesen Rahmenbedingungen und diesen Herausforderungen, ja, ein Paket im Grunde zu bauen in unserem Stammwerk in Rüsselsheim, das es uns am Ende erlaubt hat zu sagen, dass wir hier produzieren, dass auch der nächste Astra hier bei uns in unserem Stammwerk angesiedelt sein wird. Darüber freuen wir uns. Und auf das Auto freuen wir uns auch. Dieterle: Das ist wirtschaftlich nicht immer alles ganz berechenbar ist, zeigt ja auch, dass Sie mal ausgerufen hatten, bis 2028 vollelektrisch zu werden. Das Ganze wurde im Prinzip wieder kassiert, denn inzwischen ist klar: Die Verbraucher wollen […]

  • Weitere Nachrichten im Überblick

    Weitere Nachrichten im Überblick

    Daimler Truck baut Rüstungsgeschäft aus — Poseck fordert: Mehr Abschiebungen ermöglichen — Flughafen Frankfurt: SkyLine-Bahn fährt wieder Daimler Truck baut Rüstungsgeschäft aus Der Konzern will künftig noch mehr Fahrzeuge für militärische Zwecke anbieten. Sie werden hauptsächlich in seinem größten Werk im rheinland-pfälzischen Wörth produziert. Das Team an dem Standort soll um 100 neue Mitarbeiter erweitert werden. Bis 2028 will der Konzern im Rüstungsbereich einen Umsatz von einer Milliarde Euro erzielen. Mehr Abschiebungen ermöglichen Der hessische Innenminister Roman Poseck besteht darauf, Handyortungen vor Abschiebungen künftig zu erlauben. Hessen werde bei der am Mittwoch beginnenden Innenministerkonferenz eine entsprechende gesetzliche Regelung fordern. Viele Abschiebungen scheiterten, weil ausreisepflichtige Flüchtlinge untergetaucht sind. SkyLine-Bahn fährt wieder Nach diversen technischen Anpassungen hat die neue SkyLine-Bahn am Frankfurter Flughafen heute ihren Betrieb mit zunächst reduzierter Geschwindigkeit wieder aufgenommen. Ende Mai mussten die Fahrten wegen technischer Schwierigkeiten zunächst eingestellt werden. Die fahrerlosen Züge verbinden das neue Terminal 3 mit den übrigen Bereichen des Flughafens.

  • Bürokratie im Krankenhaus

    Bürokratie im Krankenhaus

    Der Ruf nach weniger Vorschriften und Formularen kommt inzwischen aus nahezu allen politischen Lagern. Doch vielen geht der Abbau viel zu langsam. Die Kritik an ausufernder Bürokratie wächst – auch im Gesundheitssystem. Wir haben am Krankenhaus in Neuwied nachgefragt. „Das kommt ein bisschen auf die Wunde an. Ich habe heute den Verband noch nicht gemacht. Also sobald ich da drunter geguckt habe, kann ich das genauer sagen. Aber ich rufe einfach gleich nochmal zurück.“ Assistenzärztin Victoria Wünsche sitzt am Schreibtisch und dokumentiert ihre Arbeit. Der Verbandswechsel muss warten. Keine Ausnahme, im Gegenteil. Das Dokumentieren der Behandlungen nimmt oft mehr Zeit in Anspruch als die Behandlung selbst. Dr. Victoria Wünsche, Assistenzärztin „Es gibt eben viel Anteil, wie eben diese ganzen Reha-Anträge, Kurzzeitpflegeanträge, die jetzt nicht unbedingt ärztlich sind. Wenn die wegfallen würden, hätten wir einfach mehr Zeit am Patienten, mehr Zeit im OP, mehr Zeit uns auf wirklich ärztliche Tätigkeit zu konzentrieren.“ Laut einer Studie des deutschen Krankenhausinstituts verbringen Ärzte und Pflegekräfte mehr als ein Drittel ihrer Tagesarbeitszeit mit Dokumentationsaufgaben. Prof. Dr. Christoph Wölfl, Chefarzt am Marienhaus Klinikum Neuwied „Das sind sicherlich Dokumentationen für den medizinischen Dienst der Krankenkasse, Stellungnahmen, die wir schreiben müssen, ob unser medizinisches Behandlungsregime das Richtige war. Unendliche Schriftverkehre wegen ein oder zwei Behandlungstagen mehr, die entstehen.“ Wichtig ist den Ärzten und Pflegekräften dabei: Nicht die Dokumentation der Behandlungen selbst ist das Problem:. Die gehört zum Alltag dazu und kann nur von Ärzten erledigt werden. Die weiteren Verwaltungsaufgaben könnten aber auch von anderen Fachkräften erledigt werden. Prof. Dr. Christoph Wölfl, Chefarzt am Marienhaus Klinikum Neuwied „Dokumentationsassistenten, Study Nurses – das gibt es ja auch zum Teil schon. Aber da gibt es natürlich das Problem: Personal kostet. Und wenn Sie mehr in diese Personalgruppe shiften, haben Sie weniger Budget für ärztliche Mitarbeitende. Die brauchen sie aber, um die […]

  • US-Pharmakonzern Lilly stoppt Investitionen

    US-Pharmakonzern Lilly stoppt Investitionen

    Es ist eine weitere Hiobsbotschaft für die neue schwarz-rote Landesregierung in Rheinland-Pfalz. Erst hat der Pharmakonzern Boehringer in Ingelheim angekündigt, seine geplanten Investitionen in Rheinland-Pfalz zu kürzen. Jetzt will das auch der US-Pharmakonzern Lilly in Alzey tun. Die Landesregierung muss bereits wenige Wochen nach ihrer Vereidigung die erste große Krise meistern. Mai 2025: Beste Laune auf der Baustelle des US-Pharmakonzerns Lilly in Alzey. Vorstandschef David Ricks zeigt sich begeistert, wie schnell und unbürokratisch der Bau der neuen Produktionsstätte vorangeht. Ein Jahr später ist die Freude darüber verflogen. Denn die geplante Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung sieht unter anderem vor, dass Pharmakonzerne den Krankenkassen künftig höhere Rabatte gewähren müssen. Weil Lilly dann weniger Gewinn machen würde, will der Konzern seine Investitionen in Rheinland-Pfalz jetzt um fünfzig Prozent kürzen. Alexander Horn, Geschäftsführer Lilly „Die Problematik ist, dass wir im internationalen Wettbewerb stehen und in anderen Ländern bessere Rahmenbedingungen vorfinden als in Deutschland und da dann die Investitionen entsprechend hingeleitet werden.“ Die neue rheinland-pfälzische Landesregierung zeigt sich tief besorgt. Michael Ebling (SPD), Wirtschaftsminister RLP „Das ist eine sehr, sehr ernste Entscheidung und auch eine sehr ernste Situation für uns. Und das Unternehmen ergänzt ja, es führt diese Entscheidung darauf zurück, dass in Berlin, im Rahmen der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung, Entscheidungen vorbereitet werden, die für den Investitions- und Wirtschaftsstandort schädlich sind.“ So soll das Hightech-Werk in Alzey einmal aussehen. Ursprünglich wollte Lilly hier 2,3 Milliarden Euro investieren und rund 1000 Arbeitsplätze schaffen. Im nächsten Jahr sollte die Produktion von drei Medikamenten beginnen. Doch jetzt will Lilly hier nur noch ein Medikament  herstellen. Das gesparte Geld will der Konzern lieber in Werke in den USA, in Kanada und Großbritannien investieren. Die Entscheidung könne sich aber noch ändern. Alexander Horn, Geschäftsführer Lilly „Also, wir bleiben gesprächsbereit. Allerdings wollen wir ganz klar sagen, dass die ein signifikantes […]

  • Streit um Rechenzentrum in Maintal

    Streit um Rechenzentrum in Maintal

    Streamen, Online-Shoppen, Künstliche Intelligenz – für all das brauchen wir immer mehr Rechenleistung – und das bedeutet auch: jede Menge Rechenzentren. Viele davon stehen im Rhein-Main-Gebiet. Doch wenn es um den Bau neuer Rechenzentren geht, positionieren sich Kommunen und auch die Menschen vor Ort immer häufiger dagegen – wie ein Fall aus dem hessischen Main-Kinzig-Kreis zeigt. Ordnerweise Infos haben Mark Behrend und Thomas Schadt zusammengetragen, die mögliche Luftbelastung berechnet und Informationsabende veranstaltet. Hier im Gewerbegebiet Maintal-Dörnigheim sollte dieses Jahr ein gewaltiges Rechenzentrum entstehen, eigenes Gaskraftwerk inklusive. Denn für die geplante Leistung von 120 Megawatt fehlt vor Ort schlichtweg der Strom. Der Haken: Das Gelände liegt nur wenige hundert Meter vom nächsten Wohngebiet entfernt. Die beiden Anwohner haben einen CO₂-Ausstoß von jährlich über 600.000 Tonnen berechnet. Deshalb sagen der frühere Kreuzerkapitän und der Flugverkehrsleiter: Rechenzentrum, ja, aber eigenes Kraftwerk – nein. Mark Behrend, Aktivist aus Maintal „Weil dieses Gaskraftwerk zusätzliche Emissionen und auch thermische Auswirkungen neben dem CO₂ erreicht, die unglaublich sind. Dieses Gaskraftwerk würde für zwei Prozent des hessischen CO₂-Ausstoßes stehen.“ Thomas Schadt, Aktivist aus Maintal „Eben nicht von vorneweg in dieser großen Auslegung, wie es zunächst geplant war. Wo eben klar war, soviel Energie gibt es hier nicht.“ Mit ihren Berechnungen haben sie Einspruch beim Regierungspräsidium Darmstadt eingelegt, das den Kraftwerksbau genehmigen muss. Nun scheint das Projekt erstmal auf Eis zu liegen. Der amerikanische Betreiber Edgeconnex äußert sich auf Nachfrage nicht. Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher bestätigt, der US-Konzern prüfe derzeit Alternativen. Maintal scheint ein neuer Hotspot für Rechenzentren zu werden: Bürgerinfo jüngst im Stadtteil Bischofsheim, wo der Onlineversand Amazon ein Rechenzentrum auf einem ehemaligen DHL-Gelände plant. Im südhessischen Groß-Gerau verhindert die Stadtverordnetenversammlung dieses Jahr den Bau eines solchen Zentrums. Schon jetzt gibt es in Hessen rund 100 Rechenzentren, viermal so viele wie in Rheinland-Pfalz. Doch immer öfter stoßen Kommunen […]

  • LVU-Unternehmertag in Mainz

    LVU-Unternehmertag in Mainz

    Gestern fand der traditionelle Unternehmertag der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz statt. Die LVU spricht für 150.000 Unternehmen, für über eine Million Beschäftigte. Die To–Do Liste ist lang, die Geduld ist kurz und im Zentrum steht die Frage: Woran werden die Unternehmen in Rheinland-Pfalz konkret merken, dass die neue Landesregierung aus CDU und SPD die Wettbewerbsfähigkeit stärkt? Mangelnde Infrastruktur, zu hohe Energiepreise und Fachkräftemangel – die Probleme, die Unternehmen in Rheinland-Pfalz belasten, sind längst bekannt. Auch der Politik. Und doch tut sich an vielen Stellen noch nicht genug, sagt der Präsident der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz, kurz LVU. Johannes Heger, Präsident LVU Rheinland-Pfalz: „Wenn uns eine Entbürokratisierung versprochen wird, fragen wir was fällt weg, welcher Bericht fällt weg. Wenn uns Fachkräftezuwachs versprochen wird, fragen wir, wann kommen wo die richtigen Menschen und wie werden wir sie ausbilden. Also dieses Nachfragen, das wird unsere Arbeit begleiten, wir sind die Stimme der Wirtschaft in Rheinland-Pfalz und wir werden klar sein und werden auffordern und werden nachfragen, so lange bis es passiert.“ Der neue Wirtschaftsminister Michael Ebling sieht einen konkreten Ansatz für Bürokratieabbau zum Beispiel in einer sogenannten Genehmigungsfiktion, die er einführen will. Michael Ebling (SPD), Wirtschaftsminister Rheinland-Pfalz: „Wenn eine Verwaltung innerhalb einer bestimmten Zeit nicht entscheidet, gilt es als genehmigt. Das sind Mechanismen, die wir einführen können, um am Ende zu schnelleren Entscheidungen zu kommen und damit die Planungssicherheit auch für die Unternehmen zu erhöhen.“ Johannes Heger erwartet von der neuen Landesregierung, dass bei allen Entscheidungen, die in Ministerien getroffen werden, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen berücksichtigt wird – zum Beispiel beim Klimaschutz oder sozialen Fragen. Im Koalitionsvertrag sieht der LVU-Präsident gute Ansätze. Johannes Heger, Präsident Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz: „Es haben sich in dieser großen Koalition die starken Kräfte in Rheinland-Pfalz zusammengetan, da kommt viel Regierungserfahrung durch die SPD mit rein und es kommen neue Ideen, neue […]

  • Umweltfreundliche Medizinprodukte

    Umweltfreundliche Medizinprodukte

    Wenn Medizinische Produkte, wie Spritzen, verwendet wurden, sind sie oft kontaminiert mit Blut oder Viren. In der Regel wird der Abfall deshalb verbrannt. Durch den hohen Plastikanteil für die Umwelt eine große Belastung. Mit Biovox haben drei junge Unternehmer ein Start-Up in Darmstadt gegründet, das dieses Problem lösen soll. Klein, rund und krümelig. Man möchte sich am liebsten hineinlegen. Doch dafür stellt Biovox sein Biokunststoffgranulat nicht her. Julian Lotz, Carmen Rommel und Vinzenz Nienhaus haben ihr Start-Up gegründet, damit Spritzen, Blister oder Schwangerschaftstests wie diese nachhaltig hergestellt werden können. Julian Lotz, Gründer Biovox: Wir haben ursprünglich mal Implantate für die Reparatur von Knochenbrüchen entwickelt und dann gesehen, wie viel Müll im Krankenhaus am Ende ja auch entsteht bei Operationen beispielsweise durch Einmalprodukte, Verpackungen etc. Und sind auch diverse Kunststoffe in Verwendung, die nicht so wahnsinnig gesund für die Patienten unbedingt sind. Das wollten die drei Unternehmer ändern. Indem sie nachhaltiges Material für Hersteller von Medizintechnik produzieren: das Granulat. Statt Erdöl, wie bei klassischem Kunststoff, nutzen sie biobasierte Polymer-Typen, also pflanzliche Kunststoffe, etwa aus Zucker oder Stärke. Daraus macht Biovox das Granulat, das für die Medizintechnik gebraucht wird. Hier kommt der Doppelschneckenextruder zum Einsatz. Vinzenz Nienhaus, Gründer Biovox: Damit kann man Kunststoffe untereinander mischen oder auch Additive einbringen. Zum Beispiel Farbe, man will ja, dass Farbe nicht nur an manchen Punkten ist, sondern schön gleichmäßig verteilt über den Kunststoff. Und das können wir hiermit erreichen. Das sind zwei Schnecken, die ganz nah aneinander laufen und dann eben die Sachen ineinander einkneten. Oben kommen die Biopolymere rein, gemischt mit den Substanzen, die passgenau für das jeweilige Medizinprodukt sind. Zum Beispiel Gleitmittel für Insulinspritzen. Die Zutaten schmelzen und werden miteinander verknetet. Vorne kommt die homogene Masse raus. Die langen Spaghetti werden abgekühlt, in kleine Stückchen gehackt und am Ende gesiebt. Julian Lotz, Gründer Biovox: Im Medizinbereich […]

  • Weitere Nachrichten im Überblick

    Weitere Nachrichten im Überblick

    Weitere Nachrichten aus Rheinland-Pfalz und Hessen im Überblick. Studie zur Daseinsvorsorge: Offenbach, Frankfurt und Eschborn gehören zu den am besten versorgten Gemeinden in Deutschland. Die Städte liegen auf Platz 2 bis 4 der bundesweiten Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Dabei wurde in den rund 11.000 Gemeinden untersucht, wie gut die Versorgung mit Ärzten und Schulen, schnellem Internet, Nahverkehr sowie Freizeitangeboten ist. Die rheinland-pfälzischen Gemeinden schneiden in der Studie überwiegend schlecht ab. Das Land gehört zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern zu den Schusslichtern. Gewalt an Frauen: In Hessen sind von 2022 bis 2025 insgesamt 25 Frauen Opfer von Mord oder Totschlag durch einen aktuellen oder ehemaligen Partner geworden worden. Außerdem wurden in diesem Zeitraum 71 weitere Fälle von versuchten Tötungsdelikten erfasst. Das geht aus der Antwort des Justizministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im hessischen Landtag hervor. Geschlechtsspezifische Gewalt beziehungsweise Femizide würden in der polizeilichen Statistik derzeit nicht getrennt erfasst. Dafür müsse zuerst eine bundesweit einheitliche Definition von Femizid festgelegt werden. Japankäfer breitet sich aus: Nachdem vergangenen Jahres in Südhessen der erste Japankäfer entdeckt wurde, gibt es inzwischen immer mehr Nachweise der invasiven Art. Das teilt der Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen mit. Japankäfer können enorme Schäden anrichten. Sie fressen die Blätter, Früchte und Blüten von mehr als 400 Pflanzen, darunter Weinreben und Obstbäume. Die Larven ernähren sich von Graswurzeln. Bekämpft wird der Japankäfer mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen. Unter anderem wird um jeden Fund eine Befallszone eingerichtet, in der die Flächen kontrolliert werden müssen.

  • Neue Gorillas im Frankfurter Zoo

    Neue Gorillas im Frankfurter Zoo

    Gorillas gehören im Zoo zu den beliebtesten Tieren bei den Besuchern. Sie sollen aber nicht nur bestaunt werden, sondern auch wichtige Botschafter für den Schutz des afrikanischen Regenwalds sein. Denn ihr natürlicher Lebensraum ist durch die Besiedelung und Rodung der Urwälder stark bedroht. Im Frankfurter Zoo sind jetzt drei neue Gorillas ins Menschen-Affenhaus eingezogen. Ihr Blick: noch leicht skeptisch. Die 31-jährige Aya ist erst vor sieben Wochen aus den Niederlanden nach Frankfurt gezogen. Zusammen mit ihrem 4-jährigen Sohn Ayabu und der Teenager-Tochter Ayba. Die drei westafrikanischen Gorillas befinden sich in der Eingewöhnungsphase. Sie haben ihr bisheriges Leben zusammen im Rotterdamer Zoo verbracht. Petra Pfeil, Revierleiterin im Menschenaffenhaus Borgori-Wald Also, das ist auf Empfehlung des europäischen Zoo-Erhaltungsprogramms passiert. In Rotterdam musste einiges umgebaut werden und die sollen eine neue Gruppe bekommen, und deshalb waren diese drei Affen, ich sag’ mal so, in Anführungszeichen übrig, und weil wir hier in Frankfurt die Möglichkeit haben, mit zwei Innenanlagen und auch zwei Außenanlagen, können wir die Integration ganz behutsam und langsam gestalten. Integration mit ihm. Dem Silberrücken Viatu. Der relaxte Anführer der Gorillagruppe lebt mit seinen Kindern und seinen Frauen noch in einem anderen Gehege. Der kleine Ayabu wartet schon sehnsüchtig darauf, mit den anderen Gorilla-Jungs zu spielen. Doch bis die drei Neuankömmlinge umziehen dürfen, dauert es noch eine Weile. Petra Pfeil, Revierleiterin im Menschenaffenhaus Borgori-Wald Die erwachsene Tochter Ayba ist natürlich auch total interessiert, weil die langsam natürlich auch als erwachsene Tochter nicht unbedingt Lust hat, mit ihrer Mama und dem kleinen Bruder zusammen zu sein. Die möchte gerne jemanden neuen kennenlernen und hat auch schon ein Auge auf unseren Viatu, unseren Silberrücken, geworfen. Der faule Pascha Viatu und seine Familie sind Flachland-Gorillas. Sie sind vorm Aussterben bedroht, weil in ihrer afrikanischen Heimat ihr Lebensraum immer weiter schrumpft. Petra Pfeil, Revierleiterin im Menschenaffenhaus Borgori-Wald Und […]

  • Wirtschaft hofft auf Reformen

    Wirtschaft hofft auf Reformen

    Es sind deutliche Worte, die der ehemalige hessische Ministerpräsident Volker Bouffier für seinen Parteifreund Bundeskanzler Friedrich Merz findet: „Friedrich Merz ist Opfer seiner eigenen Ankündigungspolitik.“ Bereits kurz nach seiner Wahl vor einem Jahr einen „Herbst der Reformen“ auszurufen, sei laut Bouffier „zumindest fahrlässig“ gewesen. Fakt ist: Die großen Reformen der Bundesregierung sind ausgeblieben. Das zeigen auch aktuelle Zahlen von heute: Die EU-Kommission halbiert die Wachstumsprognose für Deutschland von 1,2 auf 0,6 Prozent in diesem Jahr. Eine Umfrage der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz macht ebenfalls deutlich, wie schlecht die Lage derzeit ist.   Die rheinland-pfälzische Wirtschaft verliert die Zuversicht. 38 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Im Februar waren es dagegen nur 26 Prozent. Als Hauptgründe nennen die befragten Unternehmer vor allem die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland. Dass sich die Lage verbessert, daran glaubt nur noch jedes zehnte Unternehmen. Im Februar war es immerhin noch rund jedes Fünfte.