Rheinland-Pfalz

  • Mertin informiert über Landesstelle gegen Terror

    Mertin informiert über Landesstelle gegen Terror

    Wenn Personen aus Rheinland-Pfalz für die Terrororganisation Islamischer Staat kämpfen oder wenn sie in Chatgruppen den Umsturz der Bundesregierung planen, wird sie aktiv, die Landeszentralstelle zur Bekämpfung von Terrorismus und Extremismus, kurz ZeT. Seit fünf Jahren gibt es die spezielle Staatsanwaltschaft bereits, die enormen Aufwand betreibt, um den Verbrechern auf die Spur zu kommen. Tausende abgehörte Telefonate, Zehntausende Bilder, Chatnachrichten und Tonaufnahmen. All dies hat die ZeT in den Jahren 2020 und 2021 ausgewertet, um die aus Idar-Oberstein stammende Lisa R. zu überführen. Durch die umfassenden Ermittlungen konnte bewiesen werden, dass die junge Frau jahrelang für mehrere Kämpfer des sogenannten Islamischen Staats den Haushalt in Syrien geführt und für die Organisation Propaganda verbreitet hatte. Lisa R. wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. 2017 war die Landeszentralstelle zur Bekämpfung von Terrorismus und Extremismus, kurz ZeT, vor allem mit dem Ziel gegründet worden, islamistische Gefährder zu identifizieren und Terroranschläge zu vereiteln. Ihre Stärken: Christopher do Paco Quesado, Leiter ZeT Rheinland-Pfalz „Spezialwissen, Informationsaustausch, konzentrierte Ermittlungen in allen Bereichen des Staatsschutzes, des Extremismus und der terroristischen Straftaten.“ Seit ihrer Gründung allerdings musste die ZeT ihren Fokus immer weiter fassen. Neue Formen von Extremisten, wie Befürworter des russischen Angriffskriegs oder Corona-Leugner, sind den klassischen Spektren von Links- und Rechtsextremismus nicht mehr klar zuzuordnen. Herbert Mertin, FDP, Justizminister Rheinland-Pfalz „Das sind Reichsbürger und andere Erscheinungsformen, die selten einer bestimmten politischen Richtung zugeschrieben werden können und gleichwohl sich entschließen können, extremistische Straftaten zu begehen. Insofern hat sich das Spektrum der Aufgaben, wenn man so will, durch diese neuen Erscheinungen ausgeweitet.“ Die Herausforderungen der ZeT in der Zukunft sind also vielfältig, weiß auch der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer. Jürgen Brauer, Generalstaatsanwalt Koblenz „Es wird weiterhin der Rechtsextremismus sein, der uns beschäftigt, es wird aber auch Hass und Hetze im Internet sein und die Radikalisierung von verschiedenen […]

  • Wie halten Sie’s mit der Katar-WM?

    Wie halten Sie’s mit der Katar-WM?

    Übermorgen startet die Fußballweltmeisterschaft in Katar. Jetzt mal Hand aufs Herz: Sind Sie schon in WM-Laune? Die wenigsten werden begeistert „ja“ sagen. Aber wenn der Ball rollt, dann werden sicher viele zuschauen. Bei einigen bleibt bei dieser WM der Fernseher aber aus. Gründe gibt’s einige: Die Verletzung der Menschenrechte, der Vorwurf Katar habe die WM gekauft und und und. Erst am Wochenende äußerten Fußball-Fans in ganz Deutschland – wiederholt – ihren Unmut. Wie hier in Mainz zum Beispiel am Sonntag vor dem Bundesligaspiel Mainz 05 gegen Eintracht Frankfurt. Deutliche Botschaft: „Boycott Qatar“. Diese Botschaft unterstützen auch Fußballvereine aus der Region. Zum Beispiel der Regionalligist Hessen Kassel. Der Verein hat beschlossen: Wir boykottieren die WM in Katar. Im Clubheim werden keine WM-Spiele übertragen. Daniel Bettermann, Pressesprecher KSV Hessen Kassel „Wir haben halt ganz klar gesagt: Wir wollen Haltung zeigen. Im Sinne unserer Werte, die auch in unserer Satzung verankert sind. Dass wir eben für Menschenrechte und demokratische Grundrechte einstehen. Und auch gegen Ausgrenzung jedweder Art.“ Die Fan-Szene in Kassel steht der WM sehr kritisch gegenüber. Der Verein selbst organisiert während der WM eigene Veranstaltungen. Dennis Pfeiffer, Leitung Fanprojekt Kassel „Ja, bei uns ist ein Alternativprogramm, was dann auch so ausgebaut ist, dass es bewusst deutsche Spiele trifft oder besondere Spiele. Während des Eröffnungsspiels zum Beispiel eröffnen wir eine Ausstellung ‚Fußball, Flucht und Migration‘, die sich mit dem Hintergrund von Fußballern, die geflüchtet sind, befasst.“ Und auch viele Fans kommen bei der WM in Katar ins Grübeln. Eine aktuelle Umfrage von infratest-dimap zeigt: 56 Prozent der Bundesbürger wollen dieses Mal gar keine WM-Spiele gucken. Reihenweise Public Viewings wurden schon abgesagt. Es gibt auch Kneipen und Gaststätten die keine WM Spiele zeigen. Aber für viele ein zweischneidiges Schwert. Wie das Beispiel der Kneipe „Sixties“ in Mainz zeigt. Hier wird die WM in Katar […]

  • Pfleger muss wegen sexuellem Missbrauch ins Gefängnis

    Pfleger muss wegen sexuellem Missbrauch ins Gefängnis

    Er hat in einer Trierer Klinik als Pfleger gearbeitet und wehrlose Patientinnen sexuell missbraucht. Dafür muss ein 58-Jähriger nun ins Gefängnis. Das Trierer Landgericht hat heute das Urteil gefällt. Zwei Jahre und vier Monate muss Frank J. ins Gefängnis, so hat es die vierte Strafkammer des Trierer Landgerichts heute entschieden. Damit fällt die Strafe verhältnismäßig mild aus- Zum einen, weil die schwerste der drei angeklagten Taten bereits verjährt ist, zum anderen, weil der Angeklagte zu Beginn des Prozesses gestanden hatte. Robert Murmann, Reporter „Frank J. verfolgt fast den gesamten Prozesstag mit geschlossenen Augen, hat die Hände vor dem Gesicht gefaltet. Nur das Urteil nimmt er mit leerem, zum Boden gerichtetem Blick entgegen. Im gesamten Prozess hat der Angeklagte kaum ein Wort gesagt. Doch als der Richter ihm das letzte Wort erteilt, hebt er leicht den Kopf und sagt fast unhörbar leise: ‚Das tut mir alles so leid‘.“ Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft ist das zu wenig und kommt zu spät. Er hatte drei Jahre Haft gefordert, auch wegen der fehlenden Reue seitens des Angeklagten. Stephane Parent, Staatsanwaltschaft Trier „Reue zeigt, dass der Angeklagte sich mit der Tat auseinandergesetzt hat, dass er seinen Fehler einsieht und das habe ich hier vermisst bei dem Angeklagten. Das hat ein großes Gewicht, wenn ein Täter Reue zeigt, da es ja auch den Opfern signalisiert, dass sie im Recht waren mit ihrer Anzeige, dass ihnen Unrecht angetan worden ist und es signalisiert auch eine beginnende Resozialisierung des Täters.“ Die Vertreterin der Nebenklage hatte sich in ihrem Plädoyer den Forderungen der Staatsanwaltschaft angeschlossen. Sie monierte vor allem die mit gut fünf Jahren sehr lange Zeit zwischen der Anklage und dem Prozess, die vor allem auf die Überlastung der Justiz zurückzuführen ist. Ruth Streit-Stifano Espósito, Vertreterin der Nebenklage „Selbstverständlich stehen ja auch die Opfer immer in der […]

  • Kommunalbericht des Rechnungshofes

    Kommunalbericht des Rechnungshofes

    Wie stehen die Kommunen in Rheinland-Pfalz finanziell da? Darauf blickt regelmäßig der Landesrechnungshof in seinem Kommunalbericht. Das Fazit: Die rheinland-pfälzischen Kommunen haben im vergangenen Jahr mehr eingenommen als ausgegeben – unter dem Strich steht sogar ein Rekord-Plus von fast 1 Milliarde Euro. Doch dieses positive Ergebnis ist maßgeblich durch die beiden BioNTech-Standorte Mainz und Idar-Oberstein und die dortigen hohen Gewerbesteuereinnahmen entstanden. Der Bericht zeigt auch: Rund 40 Prozent der Kommunen konnten ihren Haushalt nicht ausgleichen und mit 2.904 Euro ist die Pro-Kopf-Verschuldung so hoch wie in keinem anderen Flächenland. Jörg Berres, Präsident Landesrechnungshof Rheinland-Pfalz: „Aber auch die Kommunen sind natürlich gefordert künftig konsequent einen Haushaltsausgleich herbeizuführen. Das heißt, keine neuen Schulden zu machen. Das heißt, auch die Aufgaben noch wirtschaftlicher zu erledigen, Ausgaben zu überprüfen oder, wie gesagt, Ultima Ratio muss halt auch die Grundsteuer oder die Gewerbesteuer angepasst werden, um die nötigen Einnahmen zu haben, um die Ausgaben dann auch finanzieren zu können.“ Der Präsident des Landesrechnungshofes fordert also auch von den Kommunen mehr Disziplin.

  • Internationaler Medienkongress in Mainz

    Internationaler Medienkongress in Mainz

    Fake News, falschen Nachrichten, sind immer mehr im Umlauf. Insbesondere seit den Corona-Zeiten gibt es immer mehr falsche Informationen und Verschwörungsmythen. Wie begegnet man diesem Thema? Unter anderem darüber haben heute hochkarätige Journalisten in Mainz debattiert. Auch die Politik ist gefragt – und hat sich bei der Medienmesse Content Convention eingebracht. Lügen, Fake News, Hate Speech – das Internet ist voll davon. Wie wird man ihner Herr und wie kann seriöser Journalismus ihnen beikommen? Über diese und weitere Themen diskutieren heute in Mainz rund 800 Teilnehmer auf der Content Convention, einer Medienmesse mit praxisnahem Konzept. Gersi Gega, Veranstalter Content Convention „Ich habe nicht nicht nur die Möglichkeit, über Inhalte zu sprechen, was sehr wertvoll und sehr wichtig ist, sondern alle Inhalte, die in der Show Area, auf der Bühne stattfinden, haben wir die Möglichkeit, tatsächlich genau diese Dinge auf der Convention Area auch zu erleben. Das heißt, spreche ich über diverse Produkte und spreche ich über diverse Dienstleistungen, die ein Unternehmen anbietet, habe ich die Möglichkeit, genau diese Sachen hier in der Convention Area – das ist hinter mir – wirklich live zu erleben.“ Besonders gefährdet durch falsche oder nicht altersgemäße Inhalte sind Minderjährige. Um sie besser zu schützen, wirbt die rheinland-pfälzische Landesmedienanstalt auf der Content Convention dafür, Software zur Alterseinschätzung im Internet häufiger zu nutzen. Marc Jan Eumann, Direktor Medienanstalt Rheinland-Pfalz „Alterseinschätzung ist, dass tatsächlich ein Algorithmus erkennt, ob die Person vor der Kamera 18 oder 28 ist und das ist natürlich für den Kinder- und Jugendmedienschutz, wenn es darum geht, dass Kinder bestimmte Inhalte nicht konsumieren, ein sehr viel wirksameres Mittel als das, was wir von früher kennen, nämlich die Sendezeitbegrenzung, dass man bestimmte Filme erst ab 20 Uhr oder erst ab 23 Uhr zeigen kann. Das funktioniert im Internet nicht so gut. Und weil es nicht gut […]

  • Durchwachsene Bilanz für Mainz 05

    Durchwachsene Bilanz für Mainz 05

    Drei Tage noch, dann beginnt am Sonntag die Fußball-WM in Katar. Daher pausiert die Bundesliga jetzt schon – es ist die längste Winterpause aller Zeiten. Wir blicken kurz vor der WM auf die Hinrunde der Mainzer zurück. Die Mainzer spielen bis jetzt eine durchwachsene Saison. Auswärts: Champions-League-reif, Vierter in der Auswärtstabelle. Dafür aber nur 16. Platz in der Heimtabelle. Das würde bedeuten: Abstiegskampf Der Sportvorstand Christian Heidel sieht das aber nicht als Alarmsignal. Christian Heidel, Sportvorstand FSV Mainz 05 „Das ist bei Mainz 05 Business as usual. Wir wechseln nur ab und zu. Ab und zu ist es daheim besser und auswärts schlechter und jetzt ist es einfach umgekehrt. Aber das ist eben der Grund, warum wir da stehen, wo wir stehen.“ Auf Platz zehn in der Gesamttabelle – mit 19 Punkten. Irgendwo im Mittelfeld der Bundesliga. Christian Heidel, Sportvorstand FSV Mainz 05 „Das ist die verdiente Platzierung mit Abstand nach oben und mit Abstand nach hinten. Aber ich bin insgesamt nicht unzufrieden mit der Saison. Wir hatten auch viele Probleme mit Verletzungen etc. Deswegen ist das eigentlich okay.“ Verletzungen plagen vor allem die Defensive der Mainzer. Zu Beginn der Saison haben die Leistungsträger Moussa Niakhaté und Jeremiah St. Juste den Verein verlassen. Auffangen sollte das unter anderem Neuzugang Maxim Leitsch. Aber auch er ist seit Oktober außer Gefecht. Auch vorne im Sturm läuft’s nicht so, wie noch letzte Saison. Stürmer Johnny Burkardt hat in der vergangene Spielzeit elf Tore in der Bundesliga geschossen. Diese Saison hat er erst jetzt zum ersten Mal jubeln können – im Spiel gegen Eintracht Frankfurt. Es fehlt an Konstanz, sagt auch Trainer Bo Svensson. Bo Svensson, Trainer FSV Mainz 05 „Am Ende müssen wir sagen, wir stehen mit 19 Punkten nach 15 Spielen da. Wir hätten gerne ein paar mehr gehabt, aber die Konstanz […]

  • Platzt der Hahn-Verkauf?

    Platzt der Hahn-Verkauf?

    Am Hunsrück-Flughafen Hahn sind die Verantwortlichen gestern wohl länger im Büro geblieben, denn mit Spannung war erwartet worden, ob der Investor des insolventen Flughafens die Zahlungsfrist einhält. SWIFT Conjoy aus Frankfurt, der potentielle Käufer, sollte bis Mitternacht überweisen. Doch alles Warten nützte offenbar nichts. Das Geld ist immer noch nicht da und es stellt sich abermals die Frage, wie es nun mit dem größten rheinland-pfälzischen Flughafen weitergeht. Die Hängepartie um den Hahn – sie geht weiter. Erneut hat der Käufer des insolventen Flughafens, die SWIFT Conjoy GmbH, die Zahlungsfrist verstreichen lassen. Das teilt der Insolvenzverwalter des Flughafens, Jan Markus Plathner heute schriftlich mit. „Der Vollzug des Kaufvertrags verzögert sich leider nochmals. Ich stehe weiterhin mit der Käuferin in Kontakt, um den Vollzug zu realisieren. Gleichzeitig prüfe ich aber weitere Maßnahmen, um schnell Klarheit für den Flughafen Frankfurt-Hahn zu schaffen. Der Flughafenbetrieb wird in vollem Umfang weitergeführt.“ Ende Juni gab Plathner bekannt, dass SWIFT Conjoy den Flughafen kaufen wolle. Doch der Kauf wird erst dann abgewickelt, wenn die vereinbarte, der Öffentlichkeit nicht bekannte Kaufsumme auch überwiesen ist. Erst dann erteilt der Landesbetrieb Mobilität dem Käufer eine Betriebserlaubnis. Dass SWIFT noch immer nicht gezahlt hat, sorgt für Unmut. So auch beim Betriebsratsanwalt der Flughafen-Gesellschaft. Geplatzt sei der Deal mit dem heutigen Tag aber noch nicht. Georg Wohlleben, Betriebsratsanwalt Flughafen Frankfurt-Hahn „Es besteht immer noch die Möglichkeit, dass der Insolvenzverwalter den Kauf noch zu Ende bringt mit dem Käufer, setzt aber natürlich voraus, dass der Käufer überhaupt in der Lage ist, den Kaufpreis zu zahlen und willens ist, das Geschäft überhaupt noch durchzuführen und daran habe ich eben meine erheblichen Zweifel.“ Nachfrage Reporterin: „Warum haben Sie die?“ Wohlleben: „Die habe ich einfach deswegen, weil nach dem Kaufvertragsschluss Ende Juni diesen Jahres nach außen hin keine wesentlichen Tätigkeiten aus meiner Sicht mehr feststellbar waren […]

  • Nahwärme für das Ahrtal

    Nahwärme für das Ahrtal

    In der Krise Chancen sehen – und nutzen. Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal im letzten Sommer haben viele Bürger und Politiker genau das gefordert, denn wenn Infrastruktur und Gebäude verwüstet sind, warum nicht katastrophensicher und klimaneutral wiederaufbauen? Aus dem Katastrophengebiet sollte eine klimaneutrale Modellregion werden. In Marienthal bei Dernau nimmt diese Vision Gestalt an – eineinhalb Jahre nach der Flut können die Bewohner dort wieder ihre Wohnungen beheizen – CO2-neutral. Gregor Kriechel, Einwohner von Marienthal „Man konnte halt nicht mehr weg vom Haus. Das kam alles zu schnell. Da hat man oben auf dem Speicher gesehen, hat ins Haus reingeguckt, wie das Haus dann langsam vollläuft und irgendwann hat man gesagt, der Speicher reicht nicht mehr aus und dann ging es aufs Dach hoch.“ Weiter ist das Wasser nicht gestiegen in der Nacht auf den 15. Juli 2021. Doch das Elternhaus von Gregor Kriechel ist vollkommen zerstört. Und nach dem Wasser kam die Kälte – vergangenen Winter lebt er in einem Wohnwagen, heizt mit einer Elektro-Heizung. Aber bei unseren Besuchen merken wir: Stück für Stück wird sein Haus wieder ein Zuhause. Und seit wenigen Tagen gibt es in diesem Zuhause auch wieder Wärme. Gregor Kriechel, Einwohner von Marienthal „Mittlerweile geht es halt auch ohne Elektroheizung und ohne Öfchen, halt normale Wärme aus dem Heizkörper. Das ist schon sehr praktisch. Die Tür reinzukommen und es ist warm, das ist eigentlich – seit mehr als 1 1/2 Jahren – das ist schon enorm. Man hat irgendwie ein gutes Gefühl beim Heizen, finde ich auf jeden Fall.“ Denn fast alle Gebäude in Marienthal heizen jetzt klimaneutral. Möglich ist das durch ein Nahwärme-Kraftwerk – die Marienthaler nennen das Projekt „Dorfwärme“. Bei der Dorfwärme haben die Häuser keine eigene Heizung mehr – in der Mitte des Dorfes steht das Kraftwerk, das mit CO2-neutralen Holzpellets betrieben […]

  • Neue Pestizidrichtlinie – Winzer in Existenzsorgen

    Neue Pestizidrichtlinie – Winzer in Existenzsorgen

    Arbeiten, wo andere Urlaub machen. So erleben in Rheinland-Pfalz viele Winzer ihren Alltag. Inmitten traumhafter Landschaften bewirtschaften sie teilweise seit Jahrhunderten ihre Weinberge. Doch jetzt bedroht eine neue EU-Richtlinie ihre Existenz. Ortstermin im größten Weinanbaugebiet Deutschlands. Der Rote Hang in Nierstein. Er ist eine der renommiertesten Weinlagen Deutschlands, bekannt durch den namensgebenden roten Tonsandstein. Konstantin Guntrum, Winzer am Roten Hang „Keiner verkauft einen Rebstock am Roten Hang, weil er so stolz drauf ist, dort etwas zu haben. Mir und meinen Kollegen fällt das immer wieder auf, wenn man im Urlaub oder geschäftlich weg war und kommt nach Hause und schaut sich hier um, sagt man: ‚Bbleibt zuhause, schaut euch hier um, es ist so unbeschreiblich wunderschön‘.“ Der Rote Hang ist ein Landschaftsschutzgebiet. Eine Auszeichnung, die ihm und vor allem den Winzern, die hier leben und arbeiten nun zum Verhängnis werden könnte. Denn die EU will die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln in Landschaftsschutzgebieten bis 2030 komplett verbieten. Konstantin Guntrum, Weingut Louis Guntrum „Kurz zusammengefasst bedeuten die Pläne der EU das Ende der Kulturlandschaft Roter Hang, sie bedeuten das Ende des Weinbaus in Deutschland, weil 80% der Weinbaufläche in Deutschland betroffen sind. Die Pläne bedeuten unseren Ruin.“ Denn selbst die widerstandsfähigsten Rebsorten kommen aktuell nicht ohne Pflanzenschutzmittel aus, sagt auch Winzerin Ursula Müller, deren Familie in Nierstein in neunter Generation Wein anbaut. Ursula Müller, Weingut Schneider-Müller „Wir kennen ganz gut die Böden, wir kennen ganz gut die Gegebenheiten. Wir sind jetzt dran. Wir sind die Generation, die jetzt hier das Glück hat, hier arbeiten zu dürfen und wir wollen das möglichst gut an unsere Kinder und Enkelkinder und wer auch immer noch alles kommt weitergeben.“ Neben dem Pestizidverbot in Landschaftsschutzgebieten will die EU in den übrigen Anbaugebieten pauschal 50% weniger Pflanzenschutzmittel anordnen. So ließe sich kaum ein Betrieb noch wirtschaftlich führen, befürchtet die […]

  • Hotel wird zur Flüchtlingsunterkunft

    Hotel wird zur Flüchtlingsunterkunft

    Fast neun Monate tobt in der Ukraine bereits der russische Angriffskrieg und seitdem flüchten Ukrainer nach Deutschland. Sie sind auf der Flucht vor Gewalt, vor Hunger und jetzt im Herbst auch vor der Kälte. 44.000 Flüchtlinge aus der Ukraine hat Rheinland-Pfalz bislang aufgenommen und viele Gemeinden sagen: Mehr geht nicht. Und so muss ständig neuer Wohnraum her – wie zum Beispiel in Bernkastel-Kues. Ein paar herbstliche Sonnenstrahlen bescheinen heute das leerstehende Hotel Moselpark in Bernkastel-Kues. Wo vor ein paar Jahren noch Übernachtungsgäste im Vier-Sterne-Hotel den Blick auf den Kurpark genossen, wohnen ab heute 30 Geflüchtete aus der Ukraine. Das Hotel kann mit bis zu rund 350 Menschen belegt werden. Mit der angeschlossenen Tennishalle steigt die Kapazität auf rund 1.000 Bewohner. Im Ort allerdings regt sich Widerstand, denn einige Bürger befürchten, dass Bernkastel-Kues eine so gewaltige Zahl von Geflüchteten nicht verkraften kann. Eine Petition, die eine Begrenzung auf 400 Menschen in dem alten Hotel fordert, ist bis heute mehr als 500 Mal unterschrieben worden. Viele Anwohner befürchten, dass der Ort bei einer Maximalbelegung, die rund 1.000 Geflüchteten nicht integrieren könne. Außerdem sehen sie die Gefahr einer „größeren Beeinträchtigung des Kurbetriebs“, der nebenan von zwei Kliniken angeboten wird. Frank Hoffmann, Unterstützt die Petition „Wir glauben, es ist zu viel. Und darüber hinaus ist die Unterbringung in der Tennishalle auch unserer Ansicht nach menschenunwürdig. 600 Menschen in eine Halle gepfercht – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Mit Duschcontainer und Toilettencontainern auf dem Gelände. Ich glaube, das sollte man auch den Flüchtlingen nicht zumuten.“ Ein Argument, dass David Profit, Staatsekretär im Rheinland-Pfälzischen Integrationsministerium, nicht nachvollziehen kann. Es sei nicht absehbar, ob es überhaupt zu einer Belegung der Tennishalle kommen werde. David Profit, B’90 / Grüne, Staatssekretär Integrationsministerium Rheinland-Pfalz „Ich persönlich wünsche mir nicht, dass die Tennishalle belegt wird. Die […]

  • Fiebersäfte sind Mangelware

    Fiebersäfte sind Mangelware

    Husten, Schnupfen, Fieber – wir sind mittendrin in der ersten Erkältungswelle. Das Problem: Einige Medikamente gegen Erkältung werden knapp. Auch in diesem Bereich sind die internationalen Lieferketten ins Stocken geraten. 93 Prozent der Apotheker sagen: „Wir haben mit Lieferengpässen zu kämpfen „. Ein Problem jetzt gerade in der Erkältungszeit: Es gibt kaum noch Fiebersäfte für Kinder. Ein Blick in das Regal der Schlossapotheke in Koblenz. Eine große Lücke bei den Medikamenten gegen Atemwegserkrankungen, also Erkältungen. Apothekerin Annette Eichele füllt die Lücke bei den Fiebersäften mit Nasensprays auf. Annette Eichele, Apothekerin aus Koblenz „Im Moment ist es tatsächlich so, dass Ibuprofen- und Paracetamol-Säfte, also die Säfte für die Kinder, die Fieber oder Schmerzen haben, nicht lieferbar sind. Es kommen immer wieder ein, zwei Flaschen, aber mehr ist im Moment nicht vorhanden.“ Die Lieferengpässe betreffen nicht nur die Koblenzer Schlossapotheke. Sie sind ein deutschlandweites Problem. Ob Antibiotika, Blutdruckmittel oder Arzneimittel gegen Herzerkrankungen. Die Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel ist lange. Viele Menschen sind von der Mangellage betroffen. „Wo er krank war, war ich in der Apotheke, in zwei verschiedenen und hab ich nachgefragt. Dann hab ich noch Freunde befragt, ob die was haben oder so. Weil ich muss ja meinem Kind was geben, wenn es krank ist. Aber war halt nichts zu holen. Also konnte man halt nirgendwo was holen. Musste ich halt so dadurch. Ist halt echt traurig eigentlich.“ „Es geht konkret um Blutdrucksenker. Das Produkt, was ich seit Jahren gewohnt bin zu bekommen, ist nicht verfügbar und ich muss auf ein Alternativprodukt ausweichen.“ „Bei zwei Präparaten hatte ich schon, da musste irgendwo, wer weiß wo, dass der Großhändler die beibringt, da muss man dann die Apotheke wechseln; manche haben es dann doch.“ Auf Bestellung werden die Fiebersäfte für Kinder in der Schlossapotheke selbst hergestellt. Das Mischverhältnis zwischen Ibuprofen und Glucose […]

  • Landesregierung stellt Wasserstoffstudie vor

    Landesregierung stellt Wasserstoffstudie vor

    Bald ist es soweit: Dann rollt die weltweit größte Flotte von emissionsfreien Wasserstoffzügen durch Hessen. Den Startschuss für das Projekt hat Volker Wissing gestern gegeben – der Bundesverkehrsminister spricht schon von einem „Wasserstoff-Zeitalter“. Doch Moment. Soweit sind wir dann doch noch nicht. Aber immerhin ist das Projekt ein erster Schritt in Sachen emissionsfreier Öffentlicher Personen-Nahverkehr. Ab Dezember rollen die Züge vom Rhein-Main-Gebiet in den Taunus. Jetzt kommt das Aber. Wasserstoff zu gewinnen ist aufwändig und teuer. Deswegen muss ganz genau überlegt werden, wofür man ihn sinnvoll einsetzen kann. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat dafür eine Studie in Auftrag gegeben und heute die Ergebnisse in der Mainzer Staatskanzlei vorgestellt. Doch wir beginnen den Beitrag an einem deutlich heißeren Ort. Und zwar an einem Schmelzofen des Mainzer Glas-Giganten Schott. Der Guss erreicht hierbei eine Temperatur von bis zu 1.700 Grad. Ein energetischer Kraftakt. Und besonders in energieintensiven Unternehmen wie diesem, könnte Wasserstoff in Zukunft sinnvoll zum Einsatz kommen, um den Co2 Ausstoß zu verringern. Das ist auch ein Ergebnis der Wasserstoffstudie, die die Ausgangslage in Rheinland-Pfalz analysieren und mögliche Strategien aufzeigen soll. Die Landesregierung stellt für die Erforschung und den Ausbau der Wasserstofftechnologien in den Bereichen Industrie, Unternehmen und Kommunen rund 184 Millionen Euro bereit. 500.000 Euro davon, flossen in die Studie. Malu Dreyer, SPD, Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz „Das erste Wichtige ist, dass die Studie uns wirklich bescheinigt, dass Rheinland-Pfalz wirklich auf einem sehr guten Weg ist, was den Ausbau der Wasserstoffstrategie betrifft und zum Zweiten hat es uns eigentlich noch mal bestätigt in der Annahme, dass wenn wir unser Industrieland in die Zukunft führen wollen, dass wir da viel tun müssen, dass Wasserstoff sowohl importiert werden kann, als auch hier entsteht und da haben wir jetzt noch mal sehr sehr gute Hinweise, was in den nächsten Schritten zu tun ist. Die Studie ist […]

  • Weitere Nachrichten im Überblick

    Weitere Nachrichten im Überblick

    Frankfurt: Bahnstrecke der U7 noch länger gesperrt — Rückkauf des Uniklinikums Gießen Marburg gefordert — Sorgen ums Weihnachtsgeschäft Bahnstrecke noch länger gesperrt Wegen umfangreicher Reparaturarbeiten nach einem Unfall ist eine Teilstrecke der U-Bahn-Linie 7 in Frankfurt in beide Richtungen noch bis in die Nacht nicht befahrbar. Betroffen sind die Stationen von der Eissporthalle / Festplatz bis Enkheim. Gestern Abend gegen 23.00 Uhr hatte ein Autofahrer eine oberirdisch fahrende U-Bahn übersehen und war mit ihr zusammengestoßen. Zwei Männer wurden verletzt, der Fahrer der U-Bahn erlitt einen Schock. An dem Auto entstand Totalschaden. Rückkauf gefordert Der Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies will dem Land Hessen 100 Millionen Euro für den Rückkauf des Uniklinikums Gießen Marburg zur Verfügung stellen. Die Privatisierung des Uniklinikums sei falsch gewesen. Es müsse wieder zurück zum Land. Die Belastungen seien für die Mitarbeiter schwer erträglich. Die Verhandlungen über eine neue Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Land Hessen und der Rhön-Klinikum AG als Eigentümerin hätte noch immer kein Ergebnis gebracht. Der geltende Zukunftsvertrag läuft im Dezember aus. Sorgen ums Weihnachtsgeschäft Trotz des Wegfalls der Corona-Beschränkungen läuft das Weihnachtsgeschäft für das rheinland-pfälzische Gastgewerbe in diesem Jahr bis jetzt schlechter als erwartet. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Branchenverbandes Dehoga hervor. Mehr als 60 Prozent der Betriebe bezeichneten den Stand der Buchungen und Reservierungen für Weihnachtsfeiern als schlecht oder sehr schlecht. Grund für die bislang geringe Nachfrage sei unter anderem die Inflation. Das Gastgewerbe hoffe jetzt auf Spätentschlossene. In unsicheren Zeiten werde oft kurzfristig gebucht.

  • Bürgerhilfe in Wörrstadt

    Bürgerhilfe in Wörrstadt

    Der Strom: doppelt so teuer, die Heizung: bei vielen dreimal so teuer, und auch die Lebensmittelpreise sind heftig angestiegen. Die Frage, die sich immer mehr Menschen stellen: Wer soll das bezahlen? Das Geld reicht vorne und hinten nicht mehr. Im rheinhessischen Wörrstadt hilft man sich jetzt gegenseitig. Achim ist heute einer der ersten Kunden im Laden der Wörrstädter Bürgerhilfe. Konrad Lackenig kontrolliert, ob der Hartz IV-Empfänger diese Woche schon einmal da war, denn jeder darf hier nur einmal pro Woche kostenlos einkaufen. Achim, Hartz IV-Empfänger aus Wörrstadt „Das Geld fehlt, das ist eine gute Hilfe.“ Selbst bedienen darf sich Achim nicht, aber er kann sich zehn Artikel plus Obst und Gemüse aussuchen. Die Wörrstädter Bürgerhilfe ist eine private, ehrenamtliche Einrichtung. Achim, Hartz IV-Empfänger aus Wörrstadt „Es ist halt alles schief gelaufen in meinem Leben, jetzt ist man halt auf Hartz IV.“ Einkaufen für alle, die in Not geraten sind, ist die Devise der Wörrstädter Bürgerhilfe. Gegründet vor knapp einem Monat, gibt es mittlerweile 13 Mitglieder. Sabine Stengel ist eine der Gründerinnen. Sabine Stengel, Organisatorin der Wörrstädter Bürgerhilfe „Weil es viele Mitbürger gibt, bei denen das Geld einfach nicht mehr reicht, durch die erhöhten Kosten, Strom, Gas, Wasser etc. Alles ist hoch. Die Lebensmittel sind hoch. Wenn jemand alleinerziehend ist und muss noch Schulbücher bezahlen oder die Kleidung für die Kinder – es ist also fast unmöglich, mit seinem Geld über die Runden zu kommen.“ Die nächste Tafel ist in Alzey, knappe 20 Kilometer entfernt, ohne PKW schwierig zu erreichen. Viele die hier kostenlos einkaufen sind Flüchtlinge aus der Ukraine. So wie Tatiana Bakwicz. Tatiana Bakwicz „Wir Flüchtlinge aus der Ukraine bedanken uns für die Hilfe.“ Die Lebensmittel werden in örtlichen Geschäften eingekauft, finanziert durch Spenden. Alle, die hier arbeiten, machen das ehrenamtlich. Christine Bergner, ehrenamtliche Mitarbeiterin „Ja, genau, weil es […]

  • Weinroboter erschnüffelt Aromen

    Weinroboter erschnüffelt Aromen

    Das ist eine Sensation: In Rheinland-Pfalz entwickeln Forscher momentan einen Roboter, der riechen kann. Der soll zukünftig eine Berufsgruppe unterstützen, die sich täglich voll und ganz auf ihre Nase verlassen können muss: Weinexperten. So sieht er aus, der „Schnüffler“, der hier am Weincampus in Neustadt gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut entwickelt wurde. Mit seinem „Rüssel“ soll er die Gase, die ein Wein ausstößt wahrnehmen und dokumentieren. Damit er allerdings weiß, welche Merkmale im Wein welchen Geruch erzeugen braucht er Daten und mit denen füttern ihn Deutschlands beste Spürnasen: Weinexperten, Kellermeister und Winzer. Dominik Durner, Projektleiter PINOT „Also am heutigen Tag geht es darum, mit Experten Weinverkostungsdaten zu generieren, die für die Kalibrierung und das ‚Teaching‘, sagt man, der Messsensoren für das Weinaroma dann dienen sollen. Es geht nur darum, dass man bestimmte Geruchsmerkmale, bestimmte Geruchsgruppen, bestimmte Kategorien mit dem Gerät erfassen kann und dann einfach als Hilfestellung, als Unterstützung soll das Ganze dann im Arbeitsprozess eines Kellermeisters oder eines Sommeliers eingesetzt werden.“ Dafür bekommen die Experten in mehreren Sitzungen unterschiedliche Weine vorgesetzt, die sie anhand einer vorgegebenen Skala auf bestimmte Aromen untersuchen. Außerdem können Sie dem Wein in ihren eigenen Worten Attribute zuschreiben. Dann bekommt der Roboter die Weine und die entsprechenden Bewertungen der Weinkenner vorgesetzt. Dadurch lernt er, welche Gase welche Gerüche erzeugen. Thomas Keßler, Experte für künstliche Intelligenz „Es ist halt nicht ein Gas, sondern es sind eher mehrere Tausend, die halt auch in unterschiedlichsten Kombinationen unterschiedliche Wirkungen hervorrufen. Das heißt zum einen kann ein Gasgemisch wunderbar nach Rose riechen – wenn sich die Mengenverhältnisse leicht ändern riecht das eher nach Katze, um es mal so zu formulieren. Das heißt, die Sensorsysteme am Anfang müssen schon sehr genau sein und eben auch die verschiedenen Gase, die relevant sind auch sehr präzise messen.“ Für wen aber ist der „Schnüffel-Roboter“ am […]