Kultur

  • Juden und Muslime besuchen gemeinsam ehemaliges KZ

    Juden und Muslime besuchen gemeinsam ehemaliges KZ

    Das Konzentrationslager Hinzert liegt im Kreis Trier-Saarburg, ein Sonderlager der SS. Hier sind Männer aus bis zu 20 Nationen inhaftiert worden. Ein Durchgangslager vor allem für Luxemburger und Franzosen. Heute ein Mahnmal deutscher Grausamkeit im Zweiten Weltkrieg. Jüdische und muslimische Jugendliche haben jetzt die Gedenkstätte zusammen besucht – ein Projekt, das es so in Rheinland-Pfalz bisher noch nicht gegeben hat. Grabsteine, die Symbolkraft haben. Hier sind alle in Massengräbern gefundenen Leichen bestatten worden. Männer, die nicht identifiziert werden konnten. Heute besuchen Juden und Muslime gemeinsam die Gedenkstätte, die die französische Militärregierung 1946 errichtet hat. Wie viele Menschen im KZ Hinzert ermordet wurden, kann nur geschätzt werden. Belegbar sind 321 Tote, wahrscheinlich sind es mehr als doppelt so viele. Ein Ort unfassbarer Grausamkeit, als Begegnungsstätte der Religionen. Akif Ünal, Vorsitzender Landesverband der Muslime Rheinland-Pfalz „Wir haben gesagt, es ist wirklich Zeit, dass wir gemeinsam Haltung zeigen, Solidarität zeigen gegen jegliche Unmenschlichkeit, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, aber auch Islamfeindlichkeit. Deswegen sind wir heute hier.“ Avadsilav Avadiev, Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden Rheinland-Pfalz „Um mehr Verständigung, mehr Toleranz, mehr Liebe auf der Straße und in den Familien und in Herzen von Menschen zu bringen.“ Im SS-Sonderlager Hinzert waren vor allem politische Gefangene inhaftiert. Männer unterschiedlichen Glaubens. Nichts ist heute mehr vom einstigen Arbeitslager vorhanden. Bis zu 1.500 Nazi-Gegner schufteten hier auf den Feldern – viele sogenannte „Nacht-und-Nebel-Gefangene“, die von den Deutschen einfach von der Straße weg verhaftet wurden. Hinzert war kein Vernichtungslager. Aber auch hier fanden Hinrichtungen statt. Dieter Burgard, SPD, Beauftragter für jüdisches Leben Rheinland-Pfalz „Beispielsweise wurden 1941 70 sowjetische Kriegsgefangene hier zu Tode gespritzt. Es gab Erschießungen im Wald von Luxemburgern die zum Streik aufgerufen haben.“ Verbrechen, die niemals vergessen werden sollen. Was in Hinzert geschehen ist, ist vielen nicht bekannt. Die Führung durch die Gedenkstätte des SS-Sonderlagers dauert zwei Stunden. […]

  • Städel zeigt seine neueste Schenkung

    Städel zeigt seine neueste Schenkung

    Es ist eine Jahrhundertschenkung, die das Frankfurter Städelmuseum aus dem Nachlass der Fotografin Ulrike Crespo erhalten hat. Über 90 herausragende Gemälde und Arbeiten auf Papier der Klassischen Moderne. Eine echte Sensation! Zum Gedenken an die Stifterin zeigt das Museum jetzt eine Sonderausstellung mit den großartigen Neuzugängen. „Die Bauhaustreppe“. Ein Aquarell von Oskar Schlemmer, gemalt 1931. Ein Highlight der großzügigen Schenkung von Ulrike Crespo. Ein ähnliches Gemälde des Künstlers hängt im New Yorker Museum of Modern Art. Noch ein Hochkaräter der Bauhauskunst: Lionel Feininger, auch ganz umsonst, gleich mehrfach. Ein Aquarell von Otto Dix lässt das Museumsdirektorenherz höher schlagen. Alle Neuzugänge können sich sehen lassen! Philipp Demandt, Direktor Städelmuseum Frankfurt „In der Zeitung stand, ein zweistelliger Millionenbetrag. Das würde ich nicht dementieren.“ Ihr hat das Städel die millionenschwere Kunst zu verdanken: Ulrike Crespo. Frankfurter Mäzenin, Fotografin und Psychotherapeutin. Sie erbt die große Sammlung ihres Großvaters, dem Wella-Produzenten Karl Ströher. Große Meisterwerke von Kandinsky und Jawlensky. Ulrike Crespo gründet eine Stiftung, erweitert ihre Kunstsammlung. Sie stirbt 2019. Christiane Riedel, Vorständin Crespo Foundation „Ihre Überzeugung war auch, dass man durch Kunst und den Zugang zur Kunst Menschen stark machen kann. Das hat sie sehr authentisch und mit großem persönlichem Engagement betrieben.“ Moderne Kunst, auch experimentell. Internationale Werke von 1905 bis 1965. Der große Max Ernst ist dabei. Franz Marcs „Pferdestudie“. All das Weltberühmte gehört jetzt dem Frankfurter Städelmuseum. Das Geschenk einer Frau, die Kunst allen Menschen zugänglich machen wollte. Philipp Demandt, Direktor Städelmuseum Frankfurt „Das Städel ist ja ein Bürgermuseum, vor über 200 Jahren von Herrn Städel gegründet. Das heißt, wir stammen selber aus einem solchen Vermächtnis. Und Ulrike Crespo hat sich auf ganz wunderbare Weise jetzt in diese Frankfurter Bürgertradition eingeschrieben.“ Eine Jahrhundertschenkung! „ Zeichen der Freundschaft“ heißt die Ausstellung mit den Werken aus dem Vermächtnis von Ulrike Crespo. Bis zum 6. […]

  • Eintracht-Museum erhält Auszeichnung

    Eintracht-Museum erhält Auszeichnung

    Das Eintracht Frankfurt Museum kümmert sich seit Jahren um die Pflege der Vereinsgeschichte. Besonders die Zeit des Nationalsozialismus nimmt eine zentrale Rolle ein. Für diese wichtige Aufklärungsarbeit wurde das Museum jetzt mit dem Julius-Hirsch-Preis vom Deutschen-Fußball-Bundausgezeichnet. Ein berühmter Eintracht-Fan hat seinen eigenen Beitrag dazu geleistet: Helmut Sonneberg. Der heute 90-Jährige wurde als Kind von den Nazis verfolgt und ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Helmut Sonneberg, Holocaust-Überlebender „Mit dem Stern da auf der Brust wurden wir sehr angefeindet. Getreten. Geschlagen. Bespuckt. Das kann man ja net begreifen, wenn man in einem Alter ist, wo man sich quasi erst mal entwickelt und die Sprache richtig lernst und dann wirst du damit konfrontiert, dass du das nicht bist und das nicht kannst und das nicht darfst.“ Sonneberg, von allen „Sonny“ genannt, wird 1931 in Frankfurt geboren. Seine Eltern sind Juden. Sie leben getrennt. Sonnebergs Stiefvater ist Katholik und lässt Helmut taufen. Trotzdem gilt der Junge für die Nazis als Jude – wegen der Nürnberger Rassegesetze. Im Februar 1945 wird der 13-jährige Helmut nach Theresienstadt deportiert. Helmut Sonneberg, Holocaust-Überlebender „Es gab morgens Suppe, mittags Suppe, abends Suppe. Graupensuppe. Mal dick, mal dünn, mal süß, mal sauer. Und alle fünf Tage gab es eine Ration: 500 Gramm Brot, 50 Gramm Butter, 50 Gramm Zucker. Da kann man sich vorstellen, wie lange da gehalten hat. Eine halbe Stunde und dann war alles alle.“ Sonny erzählt seine Geschichte. Damit unterstützt er das Eintracht Frankfurt Museum. Mitarbeiter Axel Hoffmann beschäftigt sich ebenfalls damit, die NS-Vergangenheit des Klubs aufzuarbeiten. Ein Name ist da sehr prominent: Rudolf Gramlich. Der war nach dem Krieg Präsident der Eintracht und nach seinem Tod wurde Gramlich Ehrenpräsident. Aber: Es war bekannt, dass er Mitglied der Waffen-SS war. Axel Hoffmann, Mitarbeiter Eintracht Frankfurt Museum „Und daraufhin haben wir ein unabhängiges Institut, das Fritz-Bauer-Institut, mit einer Analyse […]

  • Welche Weihnachtsmärkte finden statt?

    Welche Weihnachtsmärkte finden statt?

    Weihnachtsmärkte ohne coronabedingte Einschränkungen, das war die Ankündigung vieler Städte in Hessen und Rheinland-Pfalz vor wenigen Wochen. Seitdem hat sich die Gesundheitslage in Deutschland aber drastisch verschlechtert. Heißt das, es gibt ein weiteres Weihnachten ohne Weihnachtsmärkte? Nicht ganz. Wir haben uns einen Überblick verschafft, wie einzelne Kreise und Kommunen mit der Situation umgehen. Endlich wieder über den Weihnachtsmarkt schlendern, Glühwein schlürfen und sich zu den Klängen von Jingle Bells und Co auf die besinnliche Adventszeit einstimmen. Das ist in Trier ab heute wieder möglich. Allerdings nur für Menschen, die sich gegen Covid-19 haben impfen lassen oder von dem Virus genesen sind. Helga Meyer „Die Maßnahmen finde ich absolut in Ordnung. Also, wenn es anders wäre, wenn jetzt alles offen wäre, dass jeder reinkäme, wüsste ich jetzt nicht, ob ich unbedingt hier wäre.“ Eric Böhlert „Wir wurden ja nach dem Impfpass und alles gefragt. Die Maske müssen wir jetzt hier nicht tragen. Wir sind ja auch beide geimpft, also… Es ist nicht so viel los, also sicher fühlt man sich da schon.“ Ulrike Becker „Kontrolle war in Ordnung, die Weite gefällt mir, dass es abgezäunt ist gefällt mir auch. Also ich werde hier auch mit Kindern hingehen, gar kein Thema.“ Auch Weihnachtsmarktchefin Angela Bruch ist froh, den Markt endlich eröffnen zu dürfen. Und trotzdem: Die Angst, dass hier noch irgendetwas schiefgehen könnte, schwingt in diesen Zeiten immer mit. Angela Bruch, Veranstalterin Trierer Weihnachtsmarkt „Das hat mich jetzt schon die ganze Zeit beim Aufbau begleitet und kaum noch schlafen lassen. Und ich denke mal, das wird mich jetzt auch noch ei ganze Weile begleiten, wahrscheinlich bis zum Ende, hoffentlich einem erfolgreichen Ende am 22. Dezember. Weil das zerrt wirklich an den Nerven, dass man hier jeden Tag irgendwelche Entscheidungen abwarten muss, die man selber nicht beeinflussen kann.“ In Darmstadt werden weihnachtliche Leckereien […]

  • Comic über jüdisches Leben

    Comic über jüdisches Leben

    Das Jahr 2021 ist ein Festjahr in Deutschland. Denn seit genau 1.700 Jahren gibt es hier jüdische Kultur und jüdisches Leben. In Hessen und Rheinland-Pfalz gibt es viele Veranstaltungen, die das Jubiläum feiern. In Darmstadt ist jetzt der Comic „Nächstes Jahr in“ entstanden. Mit elf Geschichten über die Vielfalt jüdischen Lebens – zum Beispiel in Darmstadt. Der alte Main-Neckar-Bahnhof in Darmstadt. Zwischen 1947 und 48 war am heutigen Steubenplatz die jüdische Berufsfachschule Masada. Um sie dreht sich die Geschichte der Holocaust überlebenden Ziva, die hier direkt nach dem Zweiten Weltkrieg zur Schule geht. Comic-Szene: „Willkommen an der Masada Schule, Ziva! Ich bin Betty. Ich soll dir alles zeigen. Hier ist unser Zimmer. Unter uns ist noch eine Art Gerichtssaal, in dem Nazis der Prozess gemacht wird. Unheimlich, oder? Noch viel Unheimlicher, wenn man bedenkt, dass sich drüben im Schulgebäude noch bis vor kurzem die NS-Wohlfahrt befand.“ An der Schule lernten Überlebende des Holocausts handwerkliche Berufe, um später einen eigenen Staat aufzubauen. Für den Herausgeber des Comics Jakob Hoffmann, ein Symbol des besiegten nationalsozialistischen Deutschlands. Jakob Hoffmann, Herausgeber „Nächstes Jahr in“ „Der Krieg ist knapp zwei Jahre zu Ende. Kommt eine Überlebende – man muss das ja wirklich sagen, bei der jüdischen Bevölkerung, dass das alle Überlebende sind -, die dem Grauen entkommen sind. an einen Ort, einen ehemaligen Bahnhof, wo zwei Jahre vorher noch Juden deportiert wurden in die Konzentrationslager. Und dass da der Geist der Nazis noch spürbar ist, das kann man auch heute noch einigermaßen gut nachvollziehen.“ Doch das Thema „Nationalsozialismus“ nimmt keine tragende Rolle in den elf Geschichten ein. Vielmehr wollen die Herausgeber zeigen, wie reichhaltig jüdische Kultur ist. Mit Portraits aus der Gegenwart oder über den Darmstädter Heinrich Blumenthal. Er plante das Johannisviertel in Darmstadt. Dass die Geschichten als Comic erzählt werden, war von vornerein klar. […]

  • Frankfurter Filmmuseum zeigt Ausstellung über Katastrophen

    Frankfurter Filmmuseum zeigt Ausstellung über Katastrophen

    Eine aktuelle Katastrophe hat dazu geführt, dass die Ausstellung „Katastrophe“ im Frankfurter Filmmuseum um ein Jahr verschoben werden musste: die Corona-Pandemie. Doch jetzt ist die Ausstellung im Frankfurter Filmmuseum zu sehen. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt. Im Mittelpunkt stehen Katastrophen-Filme und ihr Bezug zur Realität. Katastrophen sind Realität. Ihre Folgen sind verheerend. In den vergangenen Jahrzehnten sind es oft Klimakatastrophen. Das Wetter, die Umwelt ändern sich. Das Ausmaß wird sichtbarer, sorgt immer öfter für Schlagzeilen. Brigitte Franzen, Direktorin Senckenberg Naturmuseum Frankfurt „Wir müssen uns wappnen, denn wenn unser Klima sich soweit ändert, das die Temperatur weiter ansteigt um 1 bis 2 Grad, dann bedeutet das einfach eine Anhebung des Meeresspiegels und dann wird es bestimmte Orte auf dieser Welt nicht mehr geben. Und es gibt auch schon Vorbereitungen in diese Richtung Orte zu evakuieren.“ Naturgewalten und ihre Folgen – auch in Katastrophenfilmen kommen sie vor. Dazu ein oder mehrere Helden, die die Welt retten – Action, Special Effects, Blockbusterkino. Katastrophenfilme sind meist Kassenknüller. Anspruchslose Fiktion, oder Kino mit Bezug zur Realität? Stefanie Plappert, Kuratorin der Ausstellung „Katastrophenfilme sind für mich immer aktuell, weil sie grundsätzlich die größten Ängste ihrer Zeit verarbeiten. Das, was sie letztlich auf der Handlungsebene beschreiben, das ist manchmal aktuell. Also oft vergeht ein bisschen Zeit, ehe eine tatsächliche Handlung umgesetzt wird in einen Spielfilm.“ Anfang des 20. Jahrhunderts startet die Faszination für die Katastrophe. Der Untergang der Titanic. Bilder für die Laterna Magica. Die Abfolge der Bilder erzählt eine Geschichte. Ob ganz frühes Kino oder Filme der Gegenwart. Die Handlung ist in allen Katastrophenfilmen fast immer ähnlich aufgebaut. Stefanie Plappert, Kuratorin der Ausstellung „Es ist immer der Beginn mit der Idylle, das sich Verdichten der ersten Warnzeichen, das Eintreten der Katastrophe, meistens relativ früh im Film und im Anschluss der Versuch, […]

  • Rembrandt-Superstar im Städel

    Rembrandt-Superstar im Städel

    Es gibt Namen der Kunstgeschichte, die jeder schon einmal gehört hat. Rembrandt ist so ein Name. Den niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts kennt wohl jeder. Er gehört zu den berühmtesten und besten Künstlern überhaupt. Was ihn so bekannt gemacht hat, was ihn auszeichnet, das erfährt man zurzeit in der Ausstellung „Nennt mich Rembrandt!“ im Frankfurter Städel Museum. Weinend, dicklich, recht unansehnlich. Der kleine Ganymed wird von Zeus in Gestalt eines Adlers entführt. Eines der berühmtesten Bilder Rembrandts, gemalt 1635. Dramatische Historienbildert – Portraits, die irgendwie lebendig wirken – Rembrandt ist ein Ausnahmetalent. Auch heute noch ein internationaler Superstar. Jochen Sander, Kurator der Ausstellung „Ganz banal gesagt: aufgrund seiner künstlerischen Fähigkeiten. Rembrandt ist einfach ein unglaublich talentierter Künstler, der mit einem extremen Maß an Natürlichkeit und Lebendigkeit – Das sind die beiden Begriffe, die er selber verwendet für seine Kunst – es schafft auch über den Zeitabgrund von 400 Jahren, eine Person zu zeigen – das ist er ja selbst sogar -, die einfach interessant ist, die lebendig wirkt.“ Es scheint so, als ob die Ölgemälde leuchten. – Rembrandt ist eine Marke. Und war es auch schon zu Lebzeiten. Geboren 1606 als Rembrandt van Rijn. Seine Werke signiert er ganz selbstbewusst nur mit Rembrandt. Und wird auch dadurch zum Trendsetter in Amsterdam. Philipp Demandt, Direktor Städel Museum Frankfurt „Amsterdam ist zu Rembrandt-Zeiten eine Boomtown, eine Stadt die unglaublich wächst, eine Stadt, die voll war, die laut war. Innerhalb kurzer Zeit werden sehr viele Menschen sehr reich und es gibt einen großen Wunsch nach Bildern. Sogar Handwerksmeister statten ihr Zuhause mit Bildern aus. Insofern war das eine sehr fruchtbare Umgebung für einen jungen Künstler wie Rembrandt.“ Der junge Künstler ist fleißig und innovativ. Er hat einen enormen Erfolg und verkauft seine Druckgrafiken, seine Bilder zu horrenden Preisen. Ein wirklich gut verdienender Maler. […]

  • Weitere Nachrichten im Überblick

    Weitere Nachrichten im Überblick

    Weitere Nachrichten aus Rheinland-Pfalz und Hessen im Überblick. Noch nicht auf Booster-Impfungen vorbereitet Die Ankündigung des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministers Clemens Hoch, dass ab kommender Woche 18 Krankenhäuser im Land Corona-Impfungen durchführen werden, stößt bei den betroffenen Kliniken auf Kritik. Für viele von ihnen kommt das zu schnell. Dietmar Bochert, Leiter Unternehmenskommunikation Marienhaus-Gruppe „Montag ist nicht leistbar, weil einfach zu viel Vorarbeiten gemacht werden müssen. Jedes Haus ist individuell anders. Wir müssen das organisatorisch einrichten, personell einrichten. Wir müssen auch Pläne für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umarbeiten. Und der Impfstoff musste bestellt werden, der liegt ja bei uns nicht vorrätig, weil wir vorher nicht geimpft haben. Es ist alles angeschoben, alles in der Mache. Aber wir gehen davon aus, dass wir ab dem 23.11. starten können.“ Das Gesundheitsministerium hat inzwischen mitgeteilt, es sei klar gewesen, dass die Klinken erst nach und nach Impfungen anbieten könnten. Außerdem werde es jetzt ermöglichen, dass neun Impfzentren wieder eröffnet werden. Impfpflicht für Gesundheitsberufe Wegen der stark steigenden Zahl der Corona-Infektionen fordert die CDU-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag eine Impfpflicht für alle Beschäftigten im Medizin- und Pflegebereich. Bei Ungeimpften bestehe ein höheres Risiko, das Virus zu übertragen, als bei Geimpften. Um besonders gefährdete Menschen zu schützen, sei eine Impfpflicht in den Gesundheitsberufen dringend notwendig. Darüber müsse die Bund-Länder-Konferenz zur Corona-Lage in der nächsten Woche beraten. Neue Regelung für LKA-Chef Die künftigen Präsidenten des Hessischen Landeskriminalamts werden politische Beamte sein. Das hat der Landtag in Wiesbaden gestern Abend beschlossen. Laut Innenminister Peter Beuth müsse der oberste Verantwortliche für die Kriminalitätsbekämpfung im Land mit den politischen Zielen der Landesregierung übereinstimmen. Heftige Kritik kam von der Opposition. Die SPD-Fraktion hält das Gesetz für verfassungsrechtlich bedenklich. Der LKA-Präsident wäre durch die neue Regelung in seiner Amtsführung nicht mehr unabhängig von der Politik. Weihnachtsmarkt in Frankfurt Oberbürgermeister Peter Feldmann hat heute das Konzept […]

  • Stadt Raunheim erlaubt Ruf des Muezzin

    Stadt Raunheim erlaubt Ruf des Muezzin

    Wer schon mal in einem arabischen Land war, dem klingt er sicherlich noch in den Ohren: Der Ruf des Muezzins, der zum Gebet aufruft. Doch inzwischen weht auch über vielen deutschen Städten ein Hauch von Orient. Überall dort, wo besonders viele Muslime wohnen, gehört der Gebetsruf inzwischen zum Alltag. Offiziell genehmigt war das bislang aber nur in Köln. Bis gestern – denn jetzt ruft der Muezzin auch im hessischen Raunheim. Lautsprecher: „Allahu akbar!“ Heute Mittag, 12:30 Uhr in Raunheim: Über den Dächern der Stadt ruft der Muezzin die Gläubigen zum Freitagsgebet. Was bislang von der Stadt bloß geduldet wurde, ist seit gestern nun ganz offiziell erlaubt: Fast einstimmig hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass der Muezzin-Ruf in Zukunft zum festen Bestandteil im Leben der Raunheimer werden soll. Thomas Jühe, SPD, Bürgermeister Raunheim „Wir möchten eigentlich, dass alle Glieder dieser Stadtgesellschaft auch die Möglichkeit haben, sich hier tatsächlich gleichberechtigt auch in Glaubensfragen bewegen zu können. Man muss es einfach auch mal in die Zukunft betrachtet sehen: Wir werden in unserer Gesellschaft immer mehr Internationalität erleben. Das wird immer mehr Normalfall. Und ich sage mal: Gott sei Dank.“ Und von hier aus ertönt der Ruf des Muezzins – wenn auch nur vom Tonband: die Assadaka-Moschee, betrieben vom marokkanischen Freundschaftskreis der Stadt Raunheim. Loubna Ouariach, Marokkanischer Freundschaftskreis Raunheim „Was gestern geschehen ist, ist, dass wir den Segen der Stadtgesellschaft abgeholt haben. Wir haben uns öffentliche Akzeptanz erschließen können. Das ist wirklich etwas so Unbeschreibliches. Etwas Emotionales für die Gemeinde und die Mitglieder.“ In Raunheim gibt es deutlich mehr Muslime als Christen. Rund 70% der Menschen haben einen Migrationshintergrund. Und doch ist der Ruf des Muezzins auch hier nicht unumstritten. Kevin Kirchenschläger „Ich bin der Meinung, dass jeder seinen eigenen Glauben haben darf. Und wirklich stören tut mich das nicht. Ich habe damit keine Probleme.“ […]

  • Mühlsteinrevier soll UNESCO-Weltkulturerbe werden

    Mühlsteinrevier soll UNESCO-Weltkulturerbe werden

    Der Name „Vulkaneifel“ rührt daher, weil es dort vor über 50 Millionen Jahren Vulkane gab. Die haben eines zurückgelassen: riesige Grubenlandschaften und Steinbrüche. Schon vor über 7.000 Jahren ist das Lavagestein genutzt worden, um Mühlsteine herzustellen. Das „Mühlsteinrevier Rhein-Eifel“ soll jetzt UNESCO-Weltkulturerbe werden. Die Reise zum – nicht ganz – Mittelpunkt der Erde. Es geht hinab in die Lavakeller von Mendig. Riesige Felsenkeller. Etwa drei Quadratkilometer groß. Ehemals das größte Basaltlava-Bergwerk der Welt. Vor 200.000 Jahren ein Vulkan, wird aus dem erkalteten Lavastrom Basalt. Das Gestein wird ab dem Mittelalter, bis ins 19. Jahrhundert für Mühlsteine abgebaut. Es ist sehr hart und kompakt. Nico Junglas, Arbeitskreis Mühlsteinrevier Rhein-Eifel „Das heißt, wenn wir mit einem Basaltlava-Mühlstein das Korn zu Mehl malen: wenig Abrieb. Derjenige der das Brot dann gegessen hat, der hatte auch länger gute Zähne gehabt. Das können Archäologen auch heute noch feststellen, wenn sie sich das Gebiss eines solchen Skelets anschauen.“ Mitte des 19. Jahrhunderts ersetzt Stahl den Basalt. Das Bergwerk schließt. Die Mühlsteine aus Mendig werden Geschichte, ausgestellt auf mehreren Weltausstellungen. Im 10 Kilometer entfernten Mayen wird Basalt schon vor 7.000 Jahren abgebaut. Überirdisch. Das sind Handmühlsteine aus der Römerzeit. Jeder Haushalt hat in der Antike so einen Stein. Praktisch auch für die Reise. Wenn eine Legion in den Krieg zieht, hat sie immer Mühlsteine aus Mayen im Gepäck. Die Hochzeit des Abbaus ist vor rund 2100 Jahren. Hans Schüller, Vorsitzender Geschichts- und Altertumsverein Mayen „Das war mit den Eroberungszügen von Cäsar und Augustus. Als hier das Rheinland römische Provinz wurde, erfuhren hier die Brüche einen regelrechten Boom. Hier wurden in Massen Handmühlen für die römischen Provinzen hergestellt und auch zum Teil nach Britannien und auch in den Nordseeraum exportiert.“ Der Abbau und die Bearbeitung der Basaltlava ist zur Römerzeit kein Pappenstiel. Alina Wilbert-Rosenbaum ist die Direktorin der […]

  • Gespensterjagd im Odenwald

    Gespensterjagd im Odenwald

    Wenn es jetzt so richtig schön nebelig draußen ist, dann ist genau die richtige Zeit, um sich Geschichten über Geister zu erzählen, bei denen es so richtig schön gruselig wird. Geistergeschichten, Sagen und dazu auch noch den Herbstnebel hautnah erleben, das gibt es jetzt im Odenwald bei Fränkisch-Crumbach auf dem neuen Themenpfad rund um die Ruine Rodenstein. „Sehr verborgen, nicht leicht zu finden, liegt im Wald die Burgruine Rodenstein. Auf einem Bergvorsprung, der den mächtigen Felsbrocken der Neunkircher Höhe nach Osten hin fortsetzt.“ So beginnt die Rodensteinsage. Die Burg selbst existiert vollständig nur als Animation. Sie erscheint per QR-Code auf dem Smartphone. Dazu gibt es Geschichten rund um die Sage. Eine Art Freilichtmuseum, genau an dem Ort, an dem ein Ritter sein Unwesen treibt. Verflucht von seiner Frau. Claus Fittschen, Vorsitzender Rodensteinmuseum „Du Ungeheuer, du hast mich von dir gestoßen als ich helfen wollte und dich schützen wollte. Du hast mich damit umgebracht und auch deinen ungeborenen Sohn. Dafür wirst du büßen. Von nun an sollst du mit dem wilden Heer im Odenwald hin und her ziehen und Krieg und Frieden verkünden – und so geschah es.“ Den spukenden Ritter gab es tatsächlich. In der evangelische Kirche von Fränkisch-Crumbach steht die Grabplatte von Hans von Rodenstein. Claus Fittschen, Vorsitzender Rodensteinmuseum „Er war wohl ein sehr guter Kämpfer. Und er war in verschiedenen Kriegen beteiligt, wo er Verwandten geholfen hat.“ Also eigentlich ein netter Mann. -Nur bei seiner Frau war Ritter Hans wohl nicht beliebt. Eine andere Sage beschreibt den Ritter des 15. Jahrhunderts als echten Helden. „Der starke kampfeslustige und gefürchtete Ritter von Rodenstein streckte alle Gegner in den Sand.“ Es gibt viele Sagen rund um die Burg Rodenstein. Der „Pfad der Sagen“ hat insgesamt 36 Stationen. Es geht um Geister, ein Wildes Heer. Aber auch um die ganz reale […]

  • Frankfurter Liebieghaus zeigt Rimini-Altar

    Frankfurter Liebieghaus zeigt Rimini-Altar

    Er ist eines der bedeutendsten Kunstwerke des Mittelalters: Der Rimini-Altar. Den zu erhalten muss, ein Albtraum für jeden Restaurator sein; ist das Gipsgestein doch so weich, dass man es wie Holz bearbeiten kann. Daher haben die Kunsthandwerker das ganze „Mission Rimini“ genannt. Vier Jahre und viele Hunderttausend Euro später ist man endlich fertig. Hier kommt der weiße Schatz des Mittelalters. Zart, zerbrechlich, zauberhaft schön! Kunst aus weißem Alabaster. 600 Jahre alte Handarbeit. Frisch gereinigt und entstaubt. – Einfach nur einzigartig! Stefan Roller, Sammlungsleiter Liebieghaus „Der Rimini-Altar zeichnet die Vollständigkeit des Ensembles zum einen aus – wir haben weltweit kein einziges Ensemble tatsächlich, das in dieser Vollständigkeit erhalten geblieben ist- und die extrem hohe künstlerische und schnitzerische Qualität. Von der handwerklichen Qualität und der Virtuosität der Ausführung zeigt unser Altar eine ganz, ganz hohe Überlegenheit. Den Altar kommt 1913 für umgerechnet rund 1,8 Millionen Euro nach Frankfurt. Davor steht er in Rimini. Gebaut wird er um 1430 in Brügge. Ein Alabaster-Altar. Der Alptraum für Restauratoren. Harald Theiss, Leiter Liebieghaus Restaurierungswerkstatt „Ich sag immer: Es ist eine Diva unter den Bildhauer-Gesteinen, weil es extrem bruchempfindlich ist. Er ist extrem wasserempfindlich, er ist hitzeempfindlich, er ist abriebempfindlich. Es ist so eine ganze Palette, die andere Steine wie Marmor oder Sandstein in dem heiklen Ausmaß nicht haben.“ Vier Jahre dauert die „Mission Rimini“. Harald Theiss und sein Team reinigen den Altar mit Hilfe besonders schonender Lasertechnologie und mit Gel-Kompressen. Die meiste Zeit arbeiten die Restauratoren gar nicht am echten Kunstwerk. Harald Theiss, Leiter Liebieghaus Restaurierungswerkstatt „Das erste Jahr haben wir nur Testreihen gemacht, Versuche gemacht an Dummies, gar nicht am Original. Wir hatten das Glück, dass wir wussten, wo der Steinbruch dieses Originals ist, sodass wir uns einfach Testmaterial und Dummies bauen konnten – das hat man nicht immer bei einer Restaurierung – und […]

  • „Gretel“ verbreitet Weihnachtsstimmung am Römer

    „Gretel“ verbreitet Weihnachtsstimmung am Römer

    Na, haben Sie auch schon wieder Lebkuchen und Spekulatius in den Supermärkten erspäht? Dann ist Weihnachten wirklich nicht mehr weit. Keine Panik: Sieben Wochen sind es noch. Momentan putzen sich Fußgängerzonen und Markplätze für die besinnliche Weihnachtszeit heraus. Immer ein Highlight dabei: Der große Weihnachtsbaum. In Frankfurt war es heute so weit. Die Fichte, die dem Weihnachtsmarkt auf dem Römer den feierlichen Glanz verleihen soll, wurde aufgestellt. Und auch in diesem Jahr kommt der Baum nur mühsam um die Ecke am Frankfurter Römer. Mit der neun Tonnen schweren Gretel auf dem Tieflader ist Präzisionsarbeit gefragt. Nicht, dass wie 2015 noch die Baumspitze abbricht. 15 Minuten später kriegt der Baum dann endlich die Kurve. Zwei Kräne bringen die 31 Meter hohe und 90 Jahre alte Fichte in die Senkrechte. Problemlos rutscht sie in das dafür vorgesehene Loch. Wie immer, darf ein kleines Lob des Oberbürgermeisters nicht fehlen. Peter Feldmann, SPD, Oberbürgermeister Frankfurt „Was ich gesehen habe, ist schon besser als in den letzten Jahren. Vor allem hat mich sehr beruhigt, dass das, was an Lücke entstanden ist, absichtlich durch den Baumkosmetiker, damit er diese Äste ansetzen kann, gemacht wurde. Und wenn ich mir hier die Leute angucke, das ist ja immer ein riesen Auflauf. Ich habe das Gefühl die Frankfurter freuen sich drauf, die genießen es.“ Worte, die Thomas Feda erleichtern. Er hat Gretel vor einer Woche im Spessart ausgesucht. Ein Baum aus der Region sollte es diesmal sein. Leicht ist die Suche nach der richtigen Fichte aber nicht. Denn es kommt nicht nur aufs Aussehen an. Thomas Feda, Geschäftsführer Tourismus + Congress GmbH Frankfurt „Man kann ihn jetzt relativ gut fällen, weil er hier offen steht. Er ist auch nicht umrandet von weiteren Bäumen. Er müsste sowieso gefällt werden, weil er da eben unglücklich steht. Und das passt eigentlich ganz […]

  • Musikbunker vor dem Aus?

    Musikbunker vor dem Aus?

    Es ist ein ziemlicher Schlag für die Musikszene in Frankfurt: Ein alter Weltkriegsbunker, in dem seit Jahrzehnten Bands proben und Produzenten arbeiten, steht vor dem Aus – offizieller Grund ist der Brandschutz. Alle Mieter müssen bis Ende des Jahres raus – und wissen nicht wohin. In diesem Bunker im Marbachweg wurden Hits produziert und spätere Weltstars wie Snap wagten ihre ersten Schritte. Das Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg ist ein zentraler Ort Frankfurter Musikkultur und Heimat für viele Amateurmusiker wie Reinhard Hübsch und seine Band. Die Kündigung seines Proberaumes war für ihn ein Schlag ins Kontor. Reinhard Hübsch, Gitarrist „Also, wir waren so verunsichert und auch so erschrocken, als wir den Brief von unserem Vermieter bekamen – das ist ja sozusagen wie in Pacht jetzt hier -, dass wir im ersten Moment dachten: ‚Mein Gott, wo sollen wir denn jetzt hin mit unseren Sachen?‘, und ganz panisch haben wir begonnen, nach andern Räumlichkeiten zu suchen. Die Besitzerin des Bunkers – die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – gibt Mängel im Brandschutz als Begründung an. Insgesamt sind etwa 50 Bands von der Kündigung betroffen, dazu Produzenten und Musiklehrer, die im Bunker Unterricht geben. Auch Michael Kohlbecker muss in den kommenden Wochen raus. Seit 13 Jahren produziert er in seinem Studio Musik – für den Dancefloor genauso wie für unzählige Filme und Fernsehserien. Der Bunker ist einfach optimal für Musiker. Michael Kohlbecker, Musikproduzent „Ich bezahle hier nicht so viel wie in jedem anderen Gebäude, weil natürlich hier die Pachtmiete oder die Mieten, die hier verlangt werden, viel günstiger sind, als das, was in der Realität da draußen so verlangt wird. Das bedeutet, man müsste eigentlich 40 Prozent an Kosten draufrechnen und – jetzt kommt der entscheidende Teil – wir sind zu laut. Wir können ja nicht in irgendeinem Gebäude, wo jemand Brainstorming betreibt und […]

  • Paula Modersohn-Becker in der Schirn

    Paula Modersohn-Becker in der Schirn

    Keine andere deutsche Künstlerin der Klassischen Moderne hat einen so legendären Status erreicht wie Paula Modersohn-Becker. Sie arbeitete nur 14 Jahre als Malerin und schuf über 750 Gemälde. Ihre Kunst fasziniert noch heute, nach über 100 Jahren. In der Frankfurter Kunsthalle Schirn wird bis zum 6. Februar eine umfassende Retrospektive der Künstlerin gezeigt. Ein selbstbewusster Blick, ein dicker Bauch, obwohl sie eigentlich gar nicht schwanger ist! „Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag“ heißt dieses Gemälde von Paula Modersohn-Becker. Ein Hauptwerk der Künstlerin. Gemalt hat sie es 1906. Dr. Ingrid Pfeiffer, Kuratorin der Ausstellung: „Dieses Bild ist eine Ikone der Kunstgeschichte. Hier malt sich eine Künstlerin als Akt selbst. Und was noch viel radikaler war, mit angedeuteter Schwangerschaft. Also mit gewölbten Bauch. Und sie deutet an, dass sie sozusagen beides könnte als Künstlerin. Leben geben im realen Sinn. Aber auch etwas Besonderes schaffen als Künstlerin.“ Auch Paula Modersohn-Becker selbst gilt als Ikone. Sie ist die deutsche Künstlerin der Moderne. – Sie malt anders als alle anderen Künstler ihrer Zeit. Niemand sonst ist Ende des 19.- und Anfang des 20sten Jahrhunderts so modern, soweit der Zeit voraus, wie die 1876 in Dresden geborene Malerin. Ihre Gemälde haben einen ganz speziellen, einen ganz eigenen Ausdruck. Philipp Demandt, Direktor Kunsthalle Schirn Frankfurt: „Paula Modersohn-Becker ist eine Künstlerin gewesen, die ganz früh ihren eigenen Weg gegangen ist. Eine Künstlerin, die sich gegen alle Widerstände auch der Gesellschaft, auch ihrer eigenen Ehe, des eigenen Umfelds durchgesetzt hat, und in nur ganz wenigen Jahren ein unglaublich wirklich radikales Werk geschaffen hat.“ Mit ihrem Mann dem Maler Otto Modersohn lebt die Malerin in der Künstlerkolonie Worpswede. Dort ist sie mit Rainer Maria Rilke befreundet. Männliche Akte: damals ein Unding. Doch Paula Modersohn-Becker malt und zeichnet sie. Ganz ungewöhnlich sind ihre Portraits. Frontal. Praktisch wie mit einer Kamera gezoomt, nur eben […]