Neuer Studiengang: Hebammenwissenschaften in Mainz

Das Hebammen-Wesen ist gestern von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt worden. Eine Würdigung für einen uralten Beruf, der früher ein klassischer Ausbildungsberuf war. Doch damit die Ausbildung international vergleichbar ist, bieten Hochschulen inzwischen ein duales Studium an. So wie in allen anderen EU-Ländern. Seit diesem Semester gibt es auch an der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität den Studiengang Hebammen-Wissenschaften.

„Von oben nach unten abtasten – genau, die eine Hand fixiert und die andere Hand versucht so entlangzutasten und die Wirbelsäule zu ertasten. Also ein langes festes durchgängiges Teil.“
Nilay Tongun-Voit ist 27 Jahre alt. Die Flörsheimerin gehört zu den ersten Studentinnen des neuen dualen-Studiengangs an der Mainzer Universität. Bei Monika Scholz lernt sie gerade Leopold-Handgriffe, mit denen man die Stellung des Babys im Uterus ertasten kann. An einem Dummy. Im ersten Semester steht erst mal Theorieunterricht auf dem Stundenplan.
Nilay Tongun-Voit, angehende Hebamme
„Ich finde, das ist ein unglaublich faszinierender und spannender Beruf. Und gerade jetzt, wo es ein duales Studium ist, hat man auch die Möglichkeit, viel mehr Praxis und Theorie miteinander zu vereinen und da noch mal viel tiefer in die Materie einzusteigen. Und ich glaube auch, konkretere Fragen besser und evidenzbasierter zu beantworten.“
19 Frauen haben sich für den Bachelorstudiengang entschieden. Männer gibt es keine. 30 Studienplätze könnten besetzt werden.   Doch der Beruf der Hebamme ist, wie viele andere Tätigkeiten im Gesundheitswesen, nicht besonders beliebt. Lange, unregelmäßige Arbeitszeiten, Rufbereitschaften, Wochenenddienst. Der neue Studiengang, den es bisher in Rheinland-Pfalz nur in Mainz und Ludwigshafen gibt, soll den Traditionsberuf aufwerten.
Monika Scholz, Studiengangsleiterin
„Das geburtsmedizinische Wissen ist mehr geworden und damit auch die Anforderungen an die Hebammen. Ich glaube, dass es auch der ganzen Berufskultur guttut, dass Hebammen noch mal andere Fragen stellen, die die Betreuung der Frauen angeht und so ein bisschen weggehen von einer rein medizinischen Betrachtung des Geburtsprozesses. Und wir wollen gerne reflektierte Praktikerinnen ausbilden.“
Laut der Bundesagentur für Arbeit verdienen Hebammen in Deutschland durchschnittlich rund 3.900 Euro brutto im Monat. Wer freiberuflich arbeitet, muss neben Steuern auch hohe Versicherungsbeiträge bezahlen.
„Genau, muss man einmal tasten, wo der Knochen ist, den kennen Sie auch bei sich.“
Anna Kaltwasser schrecken die Versicherungskosten nicht ab. Die 23-Jährige hat ein Praktikum bei einer freiberuflich arbeitenden Hebamme absolviert.
Anna Kaltwasser, angehende Hebamme
„Was mir sehr, sehr gut gefallen hat und mich da bestärkt hat, also man kann da schon ein bisschen drum herumgehen und Geld verdienen und medizinisch arbeiten, auch mit Versicherung.“
Lucia Blome, angehende Hebamme
„Und ich glaube, wenn man Frauen oder allgemein werdende Familien so unterstützen kann und an die Hand nehmen kann, kann man gerade auch dem Kind superviel Gutes tun, in dem Sinne, dass man einfach einen guten Start ins Leben ermöglicht. Und ich glaube, dass man dadurch ganz viel bewirken kann.“
Lucia Blome aus Trier freut sich auch darauf, die jungen Eltern zu unterstützen.
„Fühlen Sie mal da unten, ob Sie etwas Festes, Hartes fühlen. Und ich kann ihnen sagen, sie müssen noch ein bisschen tiefer gehen.“
Der Beruf Hebamme: mehr als reine Geburtshilfe. Schwangerschaftsbetreuung und Familienbetreuung bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Babys. All das lernen die Studenten jetzt an der Mainzer Universität.