Hanauer Wisente vor der Auswilderung

Wisente, auch europäische Bisons genannt, sind bis zu 800 Kilogramm schwere, imposante Tiere. Vor rund 100 Jahren sind sie in freier Wildbahn ausgerottet worden, jetzt kehren die Rinder dank eines der größten Auswilderungsprojekte der Welt wieder zurück in ihre ehemalige Heimat. Das sind die Karpaten oder auch der Kaukasus. Auch der Tierpark Alte Fasanerie in Hanau beteiligt sich an dem Rettungsplan der Wisente. Kommenden Dienstag soll Fadi nach Aserbaidschan reisen.

Fadi hat sich ganz hinten im Wisent-Gehege versteckt, vielleicht will er lieber hier in Hanau bleiben. Denn der zweijährige Bulle ist eigentlich ein echter Hesse. Er ist am 10. Juni 2021   in der Alten Fasanerie geboren und lebt seitdem bei seiner zehnköpfigen Familie. Doch kommenden Dienstag soll Fadi die Wisent-Herde verlassen und in dieser Box gen Kaukasus reisen.
Marion Ebel, Wildparkbiologin
„Das ist bei den Wisentkälbern so. Wenn sie männlich sind, wird irgendwann die Zeit kommen, dann werden sie angegriffen vom Vater, weil es gibt nur einen, der das Sagen hat, in der Herde. Und der möchte natürlich auch für die Fortpflanzung sorgen, und wenn die Söhne älter werden, dann werden sie vom eigenen Vater angegriffen, und von daher ist jetzt die Zeit für den Fadi, seine Herde zu verlassen und neue Wege zu gehen.“
Die neuen Wege führen Fadi auf eine rund 4.500 Kilometer lange Reise nach Aserbaidschan. Die Umweltorganisation   WWF organisiert den Rettungsplan für die europäischen Bisons. Der geplante Abflug ist am Dienstag vom Flughafen-Hahn zusammen mit zehn weiteren Tieren. Kommenden Donnerstag soll Fadi dann im Nationalpark im Kaukasus ankommen. Dort hat er so richtig viel Platz. Rund 1.300 Quadratkilometer.
Aurel Heidelberg, Projektkoordinator beim WWF
„Wir haben jetzt bereits 37 Tiere transportiert und die sind alle bereits im Nationalpark ausgewildert worden, die haben sich auch schon vermehrt, also wir haben jetzt bereits einen Bestand von 50 Tieren im Nationalpark und unser Ziel ist es bis 2028 insgesamt 100 Tiere aus Europa in den Kaukasus gebracht zu haben.“
Das Projekt finanziert der WWF, die Flugkosten übernehmen die Fluggesellschaften, die Reiseboxen können immer wieder verwendet werden. Eine riesige Wisent-Rettungsaktion mit vielen Partnern und bald einem neuen Bullen in Aserbaidschan.
Marion Ebel, Wildparkbiologin
„Der kann sich freuen, dass er ausgesucht wurde für diese Reise, und wir freuen uns mit. Das ist natürlich ein ganz besonderes Highlight.“
Fadi ist persisch und heißt übersetzt Retter. Und das ist der Wisentbulle ja schließlich auch. Retter einer Tierart, die fast ausgerottet worden ist.