Erste Stadt in Deutschland – Wiesbaden ermöglicht Wohnungsanmeldungen online

Das kennt jeder: Wer umzieht muss zunächst mal aufs Amt. Für viele, die gerade eh schon im Umzugsstress sind, eine zusätzliche und gefühlt auch überflüssige Belastung. Denn eigentlich, so könnte man meinen, sollte man das im Jahr 2023 in Deutschland doch irgendwie auch online hinbekommen. Tatsächlich geht das in einer einzigen Stadt in Deutschland. Wiesbaden macht den Anfang!

Bislang war eines der ersten Gebäude, das jeder Neu-Wiesbadener von innen kennengelernt hat, das zentrale Bürgerbüro der Stadt. Denn wer umzieht, ist gesetzlich dazu verpflichtet, sich innerhalb von 14 Tagen am neuen Wohnort an- bzw. umzumelden. Noch gar nicht richtig angekommen, schon der erste Behördengang.
Doch damit ist jetzt Schluss: Seit heute Mittag können sich Neubürger in Wiesbaden ganz bequem von zu Hause aus registrieren. Per Online-Formular – und über einen Identitätscheck, bei dem man einfach nur den Personalausweis kurz in die Kamera halten muss. Für Wiesbadens neue Ordnungsdezernentin Maral Koohestanian ein längst überfälliger Schritt: Schließlich sei eine Stadtverwaltung in erster Linie Dienstleister für die Bürger.
Maral Koohestanian, VOLT, Ordnungsdezernentin Wiesbaden
„Deswegen liegt unser erstes Augenmerk immer darauf: Was brauchen denn unsere Bürgerinnen und Bürger, um jederzeit, sei es um zwölf Uhr nachts, sei es um fünf Uhr morgens, die Dinge zu erledigen, die sie gerne erledigen möchten oder die sie erledigen müssen? Für uns wird das natürlich auch bedeuten, dass wir nicht mehr nur während der Öffnungszeiten bzw. während des Personenverkehrs im Bürgerservicebüro verfügbar sind und diese Anträge bearbeiten, sondern auch außerhalb. Und das wird auch eine Entlastung für unsere Mitarbeitenden mit sich bringen.“
Eine Win-Win-Situation also – bei rund 40.000 jährlichen An- und Ummeldungen alleine in Wiesbaden ein enormer Zeitgewinn für Bürger UND Behörde. Und aus Sicht der Experten nur ein weiterer logischer Schritt in Richtung digitaler Zukunft.
Frank Jorga, Gründer WebID„Dieser Dominostein ist gefallen. Es wird dazu führen, dass man alles, was sinnvoll zu digitalisieren ist, auch digitalisieren kann. Und ich glaube tatsächlich auch: Auch, wenn wir jetzt in Deutschland noch zurückstehen – und ich war gerade auf einer Konferenz in Dubai, es ist Wahnsinn, was für ein Tempo andere Länder vorlegen – wir haben jetzt noch die Chance, aufzuholen.“
Die technischen Voraussetzungen für eine volldigitale Verwaltung seien bereits heute weitgehend vorhanden. Ebenso der politische Wille. Bislang scheitere die Umsetzung der Digitalisierung vor allem am Faktor Mensch, sagt Martin Kuban vom IT-Entwickler ekom21, in Hessen federführend in Sachen Verwaltungs-Digitalisierung.
Martin Kuban, Geschäftsführer ekom21
„Der Mensch muss sich darauf einstellen, dass die Prozesse einfach nur anders laufen. Und die kriegen wir nicht einfach nur durch die Technik erschlagen, sondern die ganze Gesellschaft muss sich daran anpassen. Adaptieren. Und das ist bis heute leider noch nicht im ausreichenden Maße erfolgt.“
So gebe es immer noch viele vor allem ältere Bürger, die selbst Online-Formulare lieber ausdruckten und persönlich aufs Amt brächten. Die Stadt Wiesbaden ist jedenfalls wild entschlossen, so schnell wie möglich alle nur denkbaren Behördendienstleistungen auch online anzubieten. Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg – zumindest der Anfang ist nun aber schon mal gemacht.