Ehemalige Thomas-Cook-Zentrale wird Flüchtlingsunterkunft

Vor anderthalb Wochen gab es eine Demo in der Vulkaneifel gegen eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Gerolstein. Der Ort fühlte sich von der Politik überrumpelt – die habe die Bürger viel zu spät informiert. Ähnliches passiert gerade in Hessen, wo in Oberursel kurzfristig eine neue Flüchtlingsunterkunft entstehen soll – zu kurzfristig, kritisieren die Menschen vor Ort.

Rund 300 Anwohner drängen sich in einen Saal in Oberursel. Sie wollen Antworten. Es geht um die ehemalige Zentrale des insolventen Reiserveranstalters Thomas Cook. Seit knapp fünf Jahren steht das Areal leer, nun sollen in diesem Hintergebäude 400 Flüchtlinge untergebracht werden. Die ersten Ukrainer aus umliegenden Hotels sind bereits eingetroffen. Der Haken: Erst danach veranstalten Kreis und Stadt einen offiziellen Info-Termin für die Bürger.
Heike Giebel, Ortsbeirat Oberursel-Stierstadt
„Sie hätten uns ja mal miteinbeziehen können, wo eine Unterkunft machbar ist. Wie viele Flüchtlinge, wie die Situation hier vor Ort ist.“
Laut Kreis hätte man wegen Finanzierungsvorgaben und Verhandlungen mit dem Eigentümer Stillschweigen vereinbart, bis alles in trockenen Tüchern ist.
Ulrich Krebs (CDU), Landrat Hochtaunuskreis
„Am Ende gab es hier seitens des Eigentümers noch Probleme, die geklärt werden mussten. Und wir durften uns erst jetzt, nachdem der Eigentumsübergang stattgefunden hat, entsprechend zu dem Thema äußern.“
Welche Probleme genau bleibt an diesem Abend offen. Nichtöffentliche Vertragsverhandlungen, so das gemeinsame Credo von Eigentümer, Kreis und Stadt. Bisher leben im Hochtaunus knapp 3.000 Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften und weitere rund 2.700 Ukrainer in Wohnungen und Hotels. Jede Woche kämen 30 neue Flüchtlinge hinzu. Die Rechnung beim Landkreis ist einfach: Die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge richtet sich nach der Bevölkerungsgröße, in Oberursel leben 20 Prozent des Hochtaunus, bisher seien dort aber erst 7 Prozent der Flüchtlinge untergebracht. Also herrsche dort Nachholbedarf. Das wirft bei den Bürgern weitere Fragen auf.
„Wie wollen Sie diese Menschen, die hierherkommen, beschäftigen? Was für Zukunftsperspektiven geben Sie diesen Menschen?“
„Als Steuerzahler interessiert mich auch, was der ganze Zirkus mich kostet.“
Zumindest auf den Kreis kommen laut Landrat keine Kosten zu, alles würde durch die Flüchtlingspauschale des Bundes gedeckt. Zudem verweist die Stadt Oberursel auf ihre Integrations- und Förderangebote für die Neuankömmlinge.
Antje Runge (SPD), Bürgermeisterin Stadt Oberursel
„Wir sehen Vielfalt und Integration als Gewinn in unserer Stadt und das werden wir auch weiterhin tun. Wir leben in einer wirtschaftsstarken Gegend, wir sind auch als Menschen angewiesen und freuen uns darauf, in Vielfalt hier zusammenzuleben.“
Was aus dem ehemaligen Hauptgebäude von Thomas Cook wird und ob dort ebenfalls Flüchtlinge untergebracht werden können, bleibt offen. Das Haus gehört einem anderen Eigentümer, die Zukunft ist noch ungewiss.