Wiederaufbau nach der Flut – Innenminister Roger Lewentz konkretisiert die Planung

Rund acht Wochen ist die Flutkatastrophe nun her und langsam richtet sich der Blick von Schutt und Schlamm nach vorne in die Zukunft. Wie soll es weitergehen und wie soll der Wiederaufbau von zerstörten Straßen, Brücken und Häusern möglichst schnell gelingen? Darüber hat heute das rheinland-pfälzische Innenministerium informiert.

Aufgebaut von den Großeltern, zerstört von der Flut. Franz Köhls steht in Dernau vor der Trümmern seiner Existenz. Jetzt muss das Zweifamilienhaus, in dem der Winzer zusammen mit seiner Mutter und seiner Freundin lebte, abgerissen werden.
Franz Köhls, Hausbesitzer
„Ja schon schwer, aber nützt ja alles nichts. Ist alles unterspült gewesen, muss abgerissen werden, tja. Ist traurig, aber wahr.“
Die Lehmwände des Fachwerkhauses wurden von der Flut einfach ausgespült. Schnell war klar, das Gebäude ist einsturzgefährdet und nicht mehr zu retten. Marco Clausonet, der mit seinem Bagger schon mehrere Häuser abgerissen hat, lässt das nicht kalt.
Marco Clausonet, Abbruchunternehmer
„Es tut schon weh, wenn man die Leute hier so sieht. Man sieht ja alles in denen. Schmerz, Trauer Wut, Glück, Dankbarkeit. Das trifft auch uns.“
Fast 9000 Gebäude sind in Rheinland-Pfalz stark beschädigt worden, allein in der Verbandsgemeinde Altenahr entstanden Schäden über 1,4 Milliarden Euro. Für Hausbesitzer wie Franz Köhls stellt sich nun die Frage, woher er das Geld nehmen soll für den Wiederaufbau.
Franz Köhls, Hausbesitzer
„Da hört man immer 80 Prozent hier, 80 Prozent da, nur man weiß aktuell gar nicht, auf welchen Betrag. Also wovon kommen die 80 Prozent? Das ist das Problem.
Darauf gab das rheinland-pfälzische Innenministerium heute folgende Antwort.
Roger Lewentz, SPD, Innenminister Rheinland-Pfalz
„In den Vorschriften, die der Bund mit den Ländern besprochen hat, heißt es: 80 Prozent der Wiederaufbaukosten. Nicht des Vermögensverlustes, sondern der notwendigen Wiederaufbaukosten. Und ich finde das eine sehr gute Regelung. Das ist eine nach vorne gewandte Regelung.“
15 Milliarden Euro ist der Fördertopf schwer. Ab Oktober und bis weit ins Jahr 2023 können Anträge gestellt werden. Gut, auch für die Menschen, die noch nicht genau wissen, ob sie bleiben oder gehen werden. Eine Rolle dabei spielt auch der nahende Winter, der bald vor der Tür vieler unbeheizter Häuser steht.
Roger Lewentz, SPD, Innenminister Rheinland-Pfalz
„Wir haben eine Reihe von Vorsorgemaßnahmen getroffen, zum einen ganz schnell nutzbare Containermöglichkeiten, z.B. in Mendig. Wir haben gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium, mit dem Hotel und Gaststättenverband eine Abfrage bei Ferienhausbesitzern, Hoteliers gestartet und dieses ganze Potpourri erweitert, dass die Gemeinden kleine Häuser sogenannte Tiny Houses für Zwischenlösungen erwerben und errichten wollen.“
Franz Köhls hat sich entschieden in seiner Heimat zu bleiben und will an gleicher Stelle neu bauen. Abbruchunternehmer Marco Clausonet will sogar neu nach Dernau ziehen, um dort dauerhaft helfen zu können.