Weltmeisterinnen im Kunstradfahren aus Worms

Kunstradfahren – ein Sport, der hierzulande eher ein Dasein am Rande der sportlichen Aufmerksamkeit fristet – und das, obwohl Deutschland diesen Sport seit Jahren dominiert. In allen Disziplinen ist Deutschland Rekord-Weltmeister! So auch im Vierer-Fahren der Frauen. Wir zeigen Ihnen jetzt die neuen Weltmeisterinnen aus Worms.

Ein paar Sekunden Anspannung und dann die große Freude. Den Moment, in dem sie wussten, dass sie es geschafft haben, werden sie wohl nicht so schnell vergessen. Bei der Hallenrad-Weltmeisterschaft im Oktober konnten sie sich ihren Traum vom Titel erfüllen: Annika Furch, Sabrina Born, Nora Erbenich und Hannah Rohrwick – sie sind die Weltmeisterinnen vom VfH Worms. Wenn sie sich an den größten Erfolg ihrer Karriere erinnern, kommen die vier Freundinnen aus dem Grinsen immer noch nicht heraus.
Annika Furch, Weltmeisterin Kunstradfahren
„Wir wussten dann, ungefähr so als die letzte Übung angefangen hatte: Egal was jetzt passiert, das müsste eigentlich durch sein, auch wenn das Kampfgericht sehr streng ist. Deshalb ist dann auch bei der ein oder anderen schon ein Lächeln übers Gesicht gehuscht.“
Nora Erbenich, Weltmeisterin Kunstradfahren
„Es ist natürlich ein total schönes Gefühl, dass man dieses Regenbogen-Trikot jetzt anhat. Das ist ja etwas, was man seine ganze Kunstradkarriere lang bei anderen gesehen hat und gedacht hat, ‚Ach ja, Weltmeisterschaft, das wäre schon etwas Tolles‘. Man darf die Deutschen Farben vertreten, man darf da auf der Fläche sein, es war ja auch eine atemberaubende Stimmung da in Stuttgart. Es war alles so schnell vorbei, dass man es gar nicht richtig fassen konnte, aber ich glaube wir haben es über die übrigen zwei Tage der WM doch ganz gut realisiert und haben uns sehr, sehr wohl gefühlt damit.“
Beim Vierer-Kunstradfahren geht es darum, komplexe Figuren möglichst synchron zu fahren. Dabei trainieren Anfänger mit beiden Reifen auf dem Boden, fortgeschrittene Fahrer balancieren nur auf dem Hinterrad, in der sogenannten „Steiger-Position“, die Profis fahren zudem noch rückwärts. Um das zu perfektionieren braucht es sehr viel Training, Teamgeist und Disziplin.
Hannah Rohrwick, Weltmeisterin im Kunstradfahren
„Ich glaube, es war bei uns schon immer so, dass wir alle das Gleiche wollten und alle bereit waren, das Gleiche dafür zu geben. Es ist eben so, dass man nicht einfach spontan sagen kan: ‚Heute komme ich nicht ins Training‘, weil dann drei andere in der Luft hängen. Es war bei uns nie eine Frage, auch mal andere Themen hintenanzustellen.“
Der Weltmeistertitel im vergangenen Jahr ist gleichzeitig das Highlight und den Schlusspunkt der gemeinsamen Karriere. Nach ihrem Triumph wenden sich die Weltmeisterinnen Beruf und Studium zu. Ganz verabschieden werden sie sich aber sicher nicht vom Kunstradfahren. Sabrina Born hat bereits ihren Trainerschein in der Tasche und feilt an der nächsten Generation von Weltmeistern. Und auch die anderen werden sich sicherlich ab und zu noch treffen um zusammen ein paar Runden zu drehen. Sie sind sich einig, sie wollen ihr Kunstrad noch nicht final an den Nagel hängen.