Wald bei Münster erholt sich nach dem Brand

Immer wieder haben wir in den Sommermonaten Bilder von lodernden Flammen und verkohlten Bäumen gezeigt, immer wieder hat es in den Wäldern von Hessen und Rheinland-Pfalz gebrannt. In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl der Waldbrände in beiden Bundesländern etwa verfünffacht. Es sind die hohen Temperaturen und die langen regenfreien Perioden, die das Feuer begünstigen. Wie auch im hessischen Münster vor rund einem Monat. Hier haben 34 Hektar Wald in Flammen gestanden, also etwa 48 Fußballfelder. Und wie geht es dort weiter, wenn die Flammen erloschen sind? Wir haben es uns angeschaut.

So oder so ähnlich muss es wohl auf dem Mond aussehen. Aus dem gesunden, grünen Mischwald ist eine karge Landschaft geworden. Mitte August hat es hier mehr als eine Woche lang gebrannt. Rund 4.500 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um die Flammen zu bekämpfen und die Glutnester zu löschen.
Sebastian Vocilka, Forstamtsleiter Dieburg
„Die Folgen sind natürlich zunächst einmal eine enorme Hitzeentwicklung. Das heißt, die Rinde wird geschädigt, die ja den Baum so ein bisschen schützt, auch die Gewebe darunter werden geschädigt. Und das ist eine enorme Belastung und das bringt Bäume natürlich reihenweise zum Absterben.“
Was bleibt, sind Blätter und Nadeln, die von den toten Bäumen fallen, und verkohlte Baumreste. Das Bild vermittelt den Eindruck, das Feuer habe dem Wald das Leben genommen. Doch der erste Blick täuscht.
Sebastian Vocilka, Forstamtsleiter Dieburg
„Tiere sieht man auch hier, wenn man über die Fläche geht. Ob das Insekten sind oder Amphibien – die kommen relativ schnell wieder zurück. Das erste Grün hat noch nicht mal gewartet bis die Feuerwehr die Schläuche aufgeräumt hatte. Also während die Beregner noch liefen, um Glutnester auszumachen und ein bisschen die Bodentemperatur zu kühlen, da kamen auch schon die ersten Gräser. Und wir sehen sogar hier und da, dass sogar manche Bäume es versuchen, nochmal auszutreiben.“
Besonders dramatisch ist das Bild ein paar Meter weiter. Dass hier kein Baum mehr steht, daran ist aber nicht das Feuer schuld. Vor einigen Jahren hat es hier einen schweren Sturm gegeben, der sehr viele Bäume umgeworfen hat. Auch hier arbeitet die Natur fleißig: Gräser kämpfen sich durch die Ascheschicht, Farne siedeln sich an. Das Forstamt setzt auf eine natürliche Waldverjüngung. Das heißt: Das verbrannte Waldgebiet wird sich selbst überlassen, Pflanzen- und Tierbestände erholen sich von allein. Die Asche wirkt dabei wie Dünger, die verkohlten Baumstämme schützen den Boden und speichern Wasser.
Was daraus einmal werden wird, das sieht man direkt nebenan. Hier hat es vor drei Jahren gebrannt. Mittlerweile hat sich das Grün wieder durchgesetzt. Neben Gräsern und Heidekraut wachsen hier vor allem Birken.
Sebastian Vocilka, Forstamtsleiter Dieburg
„Die Birke hat einfach eine ökologische Strategie entwickelt, dass sie immer wieder freie Flächen besiedelt. Das heißt, mit kleinen Samen, die vom Wind weit getragen werden und niedrigen Ansprüchen an die Keimung. Das heißt, sie braucht keinen besonders tollen Humus, keinen besonderen Boden. Sie kann einfach auf Freiflächen gut wachsen, sie braucht keine Beschattung.“
Die Birke ist eine Art Pionierbaum, genau wie zum Beispiel die Kiefer. Bis es hier aber wieder so aussieht wie vor den verheerenden Bränden, werden viele, viele Jahrzehnte vergehen. Schon jetzt aber kehrt das Leben zurück. Und nach und nach wird aus dem Schwarz wieder Grün.