Streiks im Einzelhandel

„Ohne uns – kein Geschäft!“ So bringen es die Mitarbeiter im Einzelhandel in Hessen und Rheinland-Pfalz auf den Punkt. Und haben heute schon mal ernst gemacht: Das bedeutet Streik. Die klare Forderung: Ein sattes Lohnplus, das klar über einen Inflationsausgleich hinausgeht. Und Sie unterstreichen ihre Forderung mit einer Drohung an die Arbeitgeber: Sollten die sich nicht auf die Beschäftigten zubewegen, könnte es zu weiteren Streiks kommen – und zwar mitten im wichtigen Weihnachtsgeschäft.

Es ist die schiere Existenzangst, die die Beschäftigten im Einzelhandel auf die Straßen treibt: So wie hier in Wiesbaden, wo die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zu einem Streik- und Aktionstag aufgerufen hat. Mit dabei: vor allem Mitarbeiter größerer Ketten wie Galeria Karstadt-Kaufhof, Ikea oder Primark.
Marvin Andrew Bagsby, Betriebsratsvorsitzender Primark Frankfurt
„Wir sind heute alle auf der Straße, weil die Situation im Einzelhandel sehr, sehr schlecht ist. Die Inflation frisst uns auf.“
Jadran Kamraovic, Mitarbeiterin Parfümerie Douglas Frankfurt
„Das ist ein Überlebenskampf. Und wir sind hier wegen Tarifvertrag. Einfach, dass es uns in Zukunft besser geht.“
Simone Schultz, Mitarbeiterin Parfümerie Douglas Frankfurt
„Ich fahre 80 Kilometer jeden Tag. 40 hin und 40 zurück. Also – es ist wirklich sehr sehr schwer. Aber Douglas steckt sich die Taschen voll.“
Guru Onat, Mitarbeiter Einzelhandel
„Wenn man sich vorstellt: Warmmiete 1.300 Euro. Du verdienst als Vollzeit gerade mal 1.800 Euro. Was bleibt Dir denn noch? 500 Euro? Und dann zahlst Du noch die Kita 500 Euro. Dann bist Du bei null zu null. Dann biste schon mal in der Abwärtsspirale. Bleibt nichts mehr da. Tank, Sprit, Autoversicherung – alles ist weg.“
Bislang bietet die Arbeitgeberseite den Angestellten im Einzelhandel ein Lohnplus von 3,5 Prozent. Ein Angebot, dass den Mitarbeitern die Zornesröte ins Gesicht treibt, denn das reiche nicht einmal, um den Inflationsverlust auszugleichen. Die Gewerkschaft fordert mindestens 2,50 Euro pro Stunde mehr für alle 23.5000 Einzelhandelsmitarbeiter in Hessen. Rund 120.000 Beschäftigte im Groß- und Außenhandel sollen sogar 13 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 400 Euro mehr pro Monat erhalten. Um die Forderungen zu unterstreichen, droht die Gewerkschaft damit, dem stationären Einzelhandel in Hessen das Weihnachtsgeschäft zu vermiesen.
Marcel Schäuble, Verhandlungsführer ver.di Hessen
„Die Frage ist ja: Bewegen sich die Arbeitgeber – oder bringt der Nikolaus Streik ins Haus? Also von daher: Wir proben fürs Weihnachtsgeschäft. Aber wir sind natürlich auch verhandlungsbereit, wenn etwas Vernünftiges auf den Tisch kommt, dass die Leute mehr Geld bekommen.“
Der Aktionstag in Wiesbaden ist Teil eines bundesweiten Streiktags, bei dem die Mitarbeiter des Einzelhandels heute auf ihre Forderungen aufmerksam machen. Obwohl die Beschäftigten bereits seit August immer wieder kurzzeitig in den Warnstreik treten, sind die Verhandlungen mit den Arbeitgebern ins Stocken geraten: Offenbar sind beide Seiten derzeit nicht dazu bereit, von ihren Maximalforderungen abzuweichen.