Stillstand an der Kaiserlei-Baustelle

Jetzt sind wir bei einem Projekt, das im Rhein-Main Gebiet seinesgleichen sucht – eine der spektakulärsten Baustellen: Auf dem Vitopia Campus in Offenbach sollen fast 1.000 neue Wohnungen entstehen, dazu zahlreiche Büros, eine Kita und sogar ein Hallenbad. Soweit die vollmundigen Versprechen, denn seit Ende letzten Jahres stehen die Baukräne still. Steht das Mega-Projekt vor dem Aus?

Hier tut sich nichts mehr. Die Baustelle am Kaiserlei ist seit Monaten verwaist, gleicht einer überwucherten Ruine. Ein Schandfleck, sagen viele
Wie konnte es dazu kommen? Nachfrage beim Bauherrn, der Adler Group mit Sitz in Luxemburg.
Statement ADLER Group
„Beim Vitopia Campus in Offenbach-Kaiserlei streben wir einen Gesamtverkauf des Projekts an. Unser Ziel ist es unverändert, dass auf dem Gelände ein modernes urbanes Quartier entsteht, das neben Wohneinheiten auch Büroflächen und weitere Nutzflächen einschließt.“
Das Ziel also unverändert? Und trotzdem soll verkauft werden – mitten in der Bauphase.
Was komisch klingt ist für die Stadt Offenbach alles andere als ein Scherz.
Fabian El Cheikh, Pressesprecher Stadt Offenbach
„Der Stillstand ist sehr, sehr bedauerlich, das merken auch die ganzen Anrainer am Kaiserlei, der sich ansonsten ja sehr positiv entwickelt. Es ist ein höchst attraktives Gelände ja dort, für Bauen, für Wohnen und Gewerbe, was da erlaubt ist, und da haben wir schon noch die Hoffnung, dass sich da etwas tut, dass sich da Kaufinteressenten finden. Es ist ansonsten für den Eingang der Stadt wirklich kein schönes Bild und wir wollen wirklich, dass es dort weitergeht.“
Nur wann es weitergeht, ist die spannende Frage. Denn es besteht der Verdacht, dass die Adler Group das Projekt von Anfang an gar nicht fertigstellen wollte. Experten vermuten, dass das Unternehmen mit Hintermännern Kaufverträge abgeschlossen hat, die gar nicht abgewickelt werden sollten, mit dem Ziel, die Werte der Immobilien künstlich in die Höhe zu treiben.
Dr. Marc Liebscher, Vorstand Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger
„Ich habe eine Immobilie, die habe ich für 50 gekauft und die möchte ich jetzt für 100 bilanzieren können. Und dann muss ich meinem Abschlussprüfer sagen können: ‚Schau, diese Immobilie ist 100 wert‘. Wie mache ich das? Indem ich einen Vertrag schließe mit jemanden, der diese Immobilie zu 100 kaufen will. Und dann kann ich meinem Abschlussprüfer sagen: ‚Guck mal, der Markt ist bereit 100 für diese Immobilie zu bezahlen‘. Aber natürlich will derjenige für 100 gar nicht kaufen, das ist wieder eine nahestehende Person. Also baue ich in diesen Vertrag schon Gründe ein, warum dieser Vertrag scheitert, warum er rückabgewickelt werden muss.“
Wenn die Adler Group den Wert der Immobilien künstlich aufgebläht haben sollte, um sich rechtswidrig zu bereichern, ist die Baustelle am Kaiserlei ein Fall für den Staatsanwalt.
Dr. Marc Liebscher, Vorstand Schutzgemeinschaft der Kapitalanlege
„Wenn diese Vorwürfe zutreffen, dann ist das Bilanz-Manipulation. Dann ist das Kapital-Anlagebetrug. Und dann fallen solche Sachen auch in strafrechtliche Kategorien und da sagt der Volksmund: Das ist kriminell.“
Inzwischen ermittelt die Finanzaufsichtsbehörde BaFin gegen die Adler Group. Und offenbar ist das Unternehmen nun auch im Fokus der Staatsanwaltschaft.
Doch schon jetzt steht fest: Wenn das Unternehmen das Mega-Projekt nicht fertigsstellt, muss ein neuer Investor gefunden werden.
Bis dahin müssen die Offenbacher mit dem Schandfleck leben.