Sportministerkonferenz in Koblenz

Bei der Konferenz war nicht nur der Spitzensport war Thema, sondern auch der Amateur- und Breitensport, denn dort drückt nach den monatelangen Lockdowns der Schuh. Zwar wird wieder Sport getrieben, doch die Krise ist bei vielen Vereinen noch längst nicht überstanden, wie auch unser Beispiel aus Koblenz zeigt.

Es ist wieder Schwung drin bei der Coblenzer Turngesellschaft. Wie hier bei der rhythmischen Sportgymnastik wird in allen Abteilungen des Vereins wieder trainiert. Doch der größte Koblenzer Sportverein, der Anfang 2020 noch rund 2.100 Mitglieder hatte, spürt die Folgen der Pandemie.
Monika Sauer, Vorsitzende Coblenzer Turngesellschaft 1880
„Wir haben ungefähr 300 Mitglieder verloren in Zeiten der Pandemie. Wir haben gerade Anfang 2021 sehr viele Austritte im Kinder- und Jugendbereich gehabt, wie das viele große Vereine ganz besonders betroffen hat.“
Weniger Mitglieder bedeuten für die Vereine unter anderem weniger Beitragseinnahmen. Durch die Austritte fehlen der Coblenzer Turngesellschaft jährlich rund 40.000 Euro. In Rheinland-Pfalz sind seit Beginn der Pandemie bis zu 60.000 Mitglieder aus Sportvereinen ausgetreten, mehr als im Bundesschnitt. Vor allem beim Nachwuchs gibt es deutlich weniger Neuanmeldungen, sagt Sportwissenschaftler Lutz Thieme.
Prof. Lutz Thieme, Sportwissenschaftler Hochschule Koblenz
„Wir haben es im organisierten Sport damit zu tun, dass insbesondere Kinder bis zu zehn, elf, zwölf Jahren in die Sportvereine hineinstreben, und das war natürlich während Corona längst nicht der Fall. Und das ist dann auch die Lücke, die sich hoffentlich nicht fortsetzt.“
Corona und der Sport – es ist eines der Topthemen bei der heute zu Ende gegangenen Sportministerkonferenz in Koblenz. Der Vorsitzende und rheinland-pfälzische Sportminister Roger Lewentz sagt, während der Lockdown-Phasen sei es in seinem Land vor allem darum gegangen, Vereinsinsolvenzen zu verhindern.
Roger Lewentz, SPD, Innen- und Sportminister Rheinland-Pfalz
„Jetzt ist die Phase, wo Sport wieder möglich ist, wo wir dem rheinland-pfälzischen Sport mithelfen, dass es Werbemaßnahmen geben kann, dass man gezielt auf Mitgliedersuche gehen kann, dass man dort gute Ideen entwickelt, um einfach dieses Delta von in Rheinland-Pfalz 60.000 Mitgliedern, die wir verloren haben, schnell wieder ausgleichen zu können.“
Viele Vereine hoffen beim Neustart auf finanzielle Unterstützung vom Land, auch die Coblenzer Turngesellschaft. Sie hat vom Land Rheinland-Pfalz bisher keine Corona-Hilfen erhalten.
Monika Sauer, Vorsitzende Coblenzer Turngesellschaft 1880
„Ich hätte mir von der Politik gewünscht, dass sie das Geld, was sie gerade im Rahmen in Rheinland-Pfalz zur Verfügung gestellt hätten, unkomplizierter an die Vereine, und zwar an alle Vereine, verteilt hätten. So war es eben nur möglich, wenn man einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb hatte und in die Insolvenz geht.“
Die Coblenzer Turngesellschaft investiert jetzt in Werbung für Neumitglieder, obwohl das Budget geringer geworden ist. Viele Breitensportvereine werden sich künftig wohl noch mehr strecken müssen, um gegen die Folgen der Pandemie anzukämpfen.