Sexueller Missbrauch – Bistum Trier stellt Präventionsbericht vor

Immer wieder haben in den letzten Jahren Enthüllungen zu sexuellem Missbrauch die Kirchen in Deutschland erschüttert – so auch in Trier. Eine unabhängige Aufarbeitungskommission spricht von mindestens 500 Opfern in den letzten 75 Jahren. Das Bistum hat sich deshalb verpflichtet jedes Jahr über die Schritte zu informieren, die Missbrauch vorbeugen sollen und hat das heute erneut getan.

Prävention, Intervention, Aufarbeitung – kurz PIA. So heißt der Bericht, den der Trierer Bischof Stephan Ackermann heute vorstellt. Er zeigt, wie sich das Bistum im vergangenen Jahr bemühte, neue Fälle von sexuellem Missbrauch zu verhindern.
Stephan Ackermann, Bischof von Trier
„Wenn man einen solchen Bericht erstellt, Jahr um Jahr, ist das natürlich eine Möglichkeit auch der Selbstkontrolle. Weil man schaut ja: Was haben wir letztes Jahr geschrieben, was war da verzeichnet, wo stehen wir in diesem Jahr? Insofern ist das, glaube ich, ein gutes Instrument, auch der Weiterentwicklung für den eigenen Bereich.“
Im Bereich Prävention spricht der Bericht von 637 Personen, die im vergangenen Jahr entsprechend geschult worden seien. Außerdem haben inzwischen fast alle Pfarreien im Bistum ein individuelles Schutzkonzept entwickelt und geschulte Ansprechpersonen installiert.
Im Bereich der Intervention hat sich der Krisenstab des Bistums im vergangenen Jahr mit insgesamt zehn neuen Vorwurfsfällen beschäftigt, die sich gegen noch lebende Kirchenmitarbeiter richten. Sechs Fälle wurden an die Staatsanwaltschaft übergeben.
Um sich in der Zukunft verbessern zu können, wünscht sich der Bischof auch Feedback aus der Bevölkerung.
Stephan Ackermann, Bischof von Trier
„Hilft dieser Bericht? Klärt er Dinge? Macht er Dinge transparent? Gibt es Punkte, wo diejenigen, die den Bericht lesen sagen: ‚Das würde mich interessieren aber das fehlt hier in dem Bericht oder das wird nicht deutlich.‘? Also insofern sind wir wirklich dankbar, wenn es auch kritische Rückmeldungen dazu gibt.“
Fast eine halbe Million Euro an Personalkosten hat das Bistum im vergangenen Jahr alleine für die Präventionsarbeit ausgegeben. Hinzu kommt eine weitere halbe Million Euro Schadensersatz für 26 ehemalige Opfer sexueller Gewalt. Die Zahlungen für die „Anerkennung des Leids der Opfer“ sind damit in Trier auf insgesamt rund 2,7 Millionen Euro gestiegen.
Im Mai haben weitere Betroffene das Bistum auf Schadensersatz verklagt. Die Aufarbeitung, sie ist auch in Trier noch lange nicht abgeschlossen.