Neues Zentrum für elektromagnetische Tests

Dieses futuristische Fahrzeug hier haben wir Ihnen Mitte März in unserer Sendung vorgestellt – den sogenannten CityBot. Ein autonomer Roboter mit so einigen nützlichen Talenten. Entwickelt vom hessischen Unternehmen EDAG, das nun am Standort Fulda weiter wachsen will. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wurde jetzt ein rund 20 Millionen Euro teures Testlabor eröffnet. Denn Autos enthalten immer mehr elektronische Bauteile. Und die können sich schon mal gegenseitig das Leben schwer machen.

Nein, das hier ist nicht die Kulisse eines Science-Fiction-Films, sondern eine ganz reale Testumgebung. Ab sofort wird hier auf 2.500 Quadratmetern von kleinsten Platinen über Haushaltsgeräte und Medizintechnik bis hin zu Autos und sogar LKW alles unter die Lupe genommen, denn wo elektronische Teile verbaut sind, entstehen unsichtbare elektromagnetische Felder. Die will der Fahrzeugentwickler EDAG künftig mit modernster Technik untersuchen. Denn sie können zu gefährlichen Störungen führen. Ein Beispiel:
Andreas Boländer, Leiter EMV-Zentrum Fulda
„Ich will jetzt irgendwo einparken, das PTC-System, sprich was den Einparkvorgang halt eben unterstützt, damit ich nicht irgendwo gegen eine Wand fahre, das liefert entsprechende Abstände. Und jetzt läuft da ein Fußgänger mit einem Handy an mir vorbei, der gerade am Telefonieren ist. Und dieses Feld um das Handy herum, was eben entsteht, das beeinflusst mein PTC-System und jetzt kriege ich falsche Distanzen und würde das gar nicht wahrnehmen als Anwender und würde dann eventuell mit der Wand kollidieren und das soll eben vermieden werden.“
Eine Frage der Sicherheit also – die im Zuge von E-Mobilität und Digitalisierung immer akuter wird. Darauf reagiert EDAG mit dem Zentrum für elektromagnetische Verträglichkeit, kurz EMV. In Hessen gibt es keine andere Einrichtung dieser Art. Die Wandverkleidung soll verhindern, dass die Messungen im Milliardstelbereich durch andere Strahlungen verfälscht werden. Die Techniker prüfen, auch zum Schutz der eigenen Gesundheit, aus sicherer Entfernung. In diesem Fall: Das Steuergerät eines Autos.
Maximilian Neun, Prüfingenieur EMV-Zentrum Fulda
„So, jetzt sehen wir hier unten schon die ersten Messergebnisse. Wir sind weit unterhalb der Grenzwerte. Wir messen die Störaussendung vom Gerät selber und gucken, ob die ausgesendeten Störungen von dem Gerät unterhalb der Grenzwerte bleiben. Und das sieht hier aber ziemlich gut aus.“
Test bestanden. Ob das auch für den firmeneigenen CityBot gilt, werden die nächsten zwei Wochen zeigen. Denn was in der Praxis schon ganz gut funktioniert, muss mit Zahlen belegt werden. Damit der autonome Roboter eine Zulassung bekommt, für den Personen- und Warentransport oder die Abfallentsorgung etwa an Flughäfen. Probleme machten in der Entwicklung diese GPS-Antennen.
Andreas Boländer, Leiter EMV-Zentrum Fulda
„Aufgrund von der örtlichen Nähe der GPS-Antennen zu der restlichen Elektronik gab’s eine Beeinflussung vom System selber. Und das Fahrzeug hat seine Position selber nicht mehr erkannt und ging dadurch in den Fehlerfall und war nicht mehr bewegbar. Als Gegenmaßnahme haben wir hier ganz einfach die GPS-Antennen entsprechend von der störenden Elektronik entfernt.“
Und so dem Fahrzeug wieder in die Spur geholfen.
Ob Wärmepumpen, MRTs oder ganze Industrieanlagen – mit den elektromagnetischen Messungen aus Fulda können Kunden Fehler bei der Entwicklung künftig schneller erkennen, sie korrigieren und so Kosten sparen.