Tierheime in Not

Die vergangenen Krisenzeiten haben vor keiner Branche Halt gemacht. Von deren Folgen betroffen sind auch Tierheime. Die platzen aktuell aus allen Nähten. Gestiegene Kosten und fehlende Unterstützung sorgen dafür, dass sich einige von ihnen nur knapp über Wasser halten können. In einem Tierheim im hessischen Gelnhausen haben sich Vertreter der führenden Tierschutzverbände getroffen, um über die Probleme zu sprechen.

Im Tierheim Gelnhausen warten etwa 70 Hunde auf ein neues zu Hause. Tiervermittlungen sind auch dringend notwendig. Denn Tierheimleiterin Corina Wink kann mittlerweile keine neuen Hunde mehr annehmen.
Corina Wink (Leiterin Tierheim Gelnhausen): „Die Abgabewelle ist gigantisch. Also wir haben wenn wir morgens den Computer anmachen mindestens eine bis drei, teilweise noch mehr Abgabeanfragen täglich. Diese Welle Weihnachten, Ferien etc. die haben wir hier so nicht erlebt. Es ist eine permanent steigende Tendenz Tiere abzugeben.“ 
Neben den Hunden sind aktuell auch 20 Katzen, zwei Esel, vier Pferde und mehrere Schafe untergebracht. All diese Tiere kosten viel Geld im Unterhalt. Das Tierheim leidet unter den vergangenen und immer noch anhaltenden Krisen. Gestiegene Personal-, Tierarzt und Betriebskosten sorgen für eine hohe finanzielle Belastung, mit der sie meistens alleine dastehen.
Corina Wink (Leiterin Tierheim Gelnhausen): „Wir reden von monatlichen Kosten zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Wir bekommen im Jahr insgesamt einen Zuschuss von den Kommunen die uns angeschlossen sind von 40.000 Euro. Das heißt: Dass was die Kommunen uns geben ist bei weitem, weitem, weitem nicht kostendeckend.“ (21 Sek.)
Das Tierheim ist auf Spenden und Erbschaften angewiesen. Um sich ein Gesamtbild von der Lage zu machen, ist der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder aktuell auf einer Rundreise durch verschiedene Tierheime in Deutschland. Dabei muss er feststellen: Gelnhausen ist kein Einzelfall.
Thomas Schröder (Präsident Deutscher Tierschutzbund e.V.): „Der praktische Tierschutz vor Ort wird im Moment alleine gelassen. Und wir stehen vor einer Katastrophe weil wir drohen vor den Aufgaben zusammenzubrechen. Wir brauchen also finanzielle Hilfe und wir brauchen auch rechtliche Hilfe. Denn viele Belastungen des Tierheims sind am Ende staatlichen Versagens geschuldet. Deswegen brauchen wir auch anderes Ordnungsrecht.“ 
Um die Abgabezahlen zu senken, müsse man schon beim Erwerb des Tieres reglementieren. Der Tierschutzbund fordert eine Registrierpflicht für Hunde, eine Kastrationspflicht für Katzen und die bessere Reglementierung von Tierzucht von Privatleuten. Das vielleicht größte Problem, sind allerdings unüberlegte Tieranschaffungen.
Corina Wink (Leiterin Tierheim Gelnhausen): „Wenn ich mir heute ein Tier anschaffe muss ich genau schauen. Passt das Tier zu mir? Passt es zu meinen Verhältnissen? Ich muss in meine Zukunft schauen im Rahmen des Möglichen. Wie ist meine Lebensplanung für die nächste Zeit? Passt ein Tier da auch noch in fünf Jahren rein? Und wenn ja welches Tier passt zu mir? Und wenn ich diese Fragen beantwortet habe dann kann ich auf die Suche nach dem passenden Tier gehen.“ (
Mit einem Brandbrief haben sich bundesweit Tierheime an die Politik gewandt. Denn wenn sich nichts ändert, werden viele Tierheime unter der Last zusammenbrechen.