Kampf gegen Fachkräftemangel in der Hotelbranche

Deutschland gehen die Fachkräfte aus! Das ist momentan eines der größten Probleme der Wirtschaft. Und gerade in den Bereichen Handwerk, Kindererziehung und im Gastgewerbe fehlt es ganz besonders an Personal. Die Corona-Pandemie hat den Trend vor allem in der Hotellerie und Gastronomie sogar noch einmal verstärkt. Um diesem entgegenzuwirken, hat sich die Hotelbranche vor einem Jahr zusammengetan. Mit Erfolg?

Seitdem rheinland-pfälzische Hotels- und Gaststätten wieder öffnen dürfen, herrscht im Parkhotel Schillerhain in Kirchheimboladen wieder ordentlich Betrieb. Gäste halten hier keinen Abstand mehr zum Urlaubsquartier, Fachkräfte schon. Elena Busch macht hier seit drei Jahren ihre Ausbildung und bekommt den Personalmangel deutlich zu spüren.
Elena Busch, Auszubildende Parkhotel Schillerhain
„Auf jeden Fall. Also, man hat auf jeden Fall gemerkt durch die Dienstplanänderung, dass ich jetzt beispielsweise vorher in der Veranstaltungsabteilung gewesen, bin dann sozusagen an die Rezeption geholt worden, um da auszuhelfen. Aber das ist jetzt nicht, dass man mehr arbeiten muss oder dass man jetzt übermäßig Überstunden macht.“
Für den Geschäftsführer Alexander Wurster wird es immer schwieriger, Personal zu finden. Allein für die Rezeption hat er ein halbes Jahr lang geeigneten Ersatz gesucht. Denn seit der Pandemie ist Personal vor allem in den Einzelhandel und in die öffentliche Verwaltung abgewandert. Daher musste er den Betrieb vom Restaurant umstellen.
Alexander Wurster, Geschäftsführer Parkhotel Schillerhain
„Ich sage mal, bei uns zum Beispiel freitags, samstags ist bei uns das Hotel oder eher das Restaurant ausschließlich für unsere Hotelgäste da, dann nehmen wir gar keinen aus der Region leider auf, weil wir es einfach manpowermäßig einfach nicht schaffen.“
Seit 2019 sind im rheinland-pfälzischen Gastgewerbe 30 Prozent der Fachkräfte abgewandert. 30.000 Stellen sind laut Industrie- und Handelskammer unbesetzt. Daher gibt es seit einem Jahr das Projekt „Working Family“, ins Leben gerufen von den IHK und dem Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz. In dem Projekt haben sich bislang 42 familiengeführte Hotels zusammengeschlossen um gemeinsam neue Fachkräfte anzuwerben. Auch das Parkhotel ist mit dabei.
Alexander Wurster, Geschäftsführer Parkhotel Schillerhain
„Wenn jeder für sich etwas versucht zu produzieren, bringt es nicht die PS auf die Straße, wenn wir uns aber zusammenschließen als Familienunternehmen und sagen: ‚Wir wollen zusammen Fachkräfte generieren‘ und sagen: ‚Wir machen Facebook-, Instagramaktionen zusammen und jeder postet tageweise was‘, das ist viel einfacher als jedes Haus für sich selber das zu produzieren. Wo das viele von uns gar nicht können im Gastgewerbe.“
Ob durch die Aktion schon mehr Fachkräfte in das Gastgewerbe gekommen sind, kann die IHK heute nicht sagen. Es steigt aber erstmals seit Jahren die Zahl der Auszubildenden. Zumal sei es nur ein Baustein, um den Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Daniela Schmitt, FDP, Wirtschaftsministerin Rheinland-Pfalz
„Wir haben viele Projekte im Rahmen der Fachkräftestrategie des Landes Rheinland-Pfalz. Wir haben allerdings mit der demografischen Entwicklung zu kämpfen. Das ist nicht so ganz einfach. Deswegen ist es auch ein Kampf um die jungen Leute, ein Kampf um die besten Köpfe. Und deswegen ist jede Branche ein Stück weit auf dem Weg, sich zu positionieren und sich bestens darzustellen.“
Die IHK fordert deshalb, mehr Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben und sieht dabei die Politik in der Pflicht.
Albrecht Ehses, Geschäftsführer der IHK Trier
„Und da sehen wir noch ein erhebliches Potenzial. Hier sind die Rahmenbedingungen im Moment nicht so optimal aufgestellt, weil es gibt sehr viele Restriktionen. Bis Sie dann entsprechendes Personal hier vor Ort in Deutschland haben, dauert das einfach sehr, sehr lange und ist sehr aufwendig.“
Dass wieder mehr Fachkräfte im Gastgewerbe arbeiten möchten, ist noch nicht absehbar. So wird es für Alexander Wurster wohl weiterhin lange dauern, bis er offene Stellen besetzten kann.