Juden und Muslime besuchen gemeinsam ehemaliges KZ

Das Konzentrationslager Hinzert liegt im Kreis Trier-Saarburg, ein Sonderlager der SS. Hier sind Männer aus bis zu 20 Nationen inhaftiert worden. Ein Durchgangslager vor allem für Luxemburger und Franzosen. Heute ein Mahnmal deutscher Grausamkeit im Zweiten Weltkrieg. Jüdische und muslimische Jugendliche haben jetzt die Gedenkstätte zusammen besucht – ein Projekt, das es so in Rheinland-Pfalz bisher noch nicht gegeben hat.

Grabsteine, die Symbolkraft haben. Hier sind alle in Massengräbern gefundenen Leichen bestatten worden. Männer, die nicht identifiziert werden konnten.
Heute besuchen Juden und Muslime gemeinsam die Gedenkstätte, die die französische Militärregierung 1946 errichtet hat. Wie viele Menschen im KZ Hinzert ermordet wurden, kann nur geschätzt werden. Belegbar sind 321 Tote, wahrscheinlich sind es mehr als doppelt so viele.
Ein Ort unfassbarer Grausamkeit, als Begegnungsstätte der Religionen.
Akif Ünal, Vorsitzender Landesverband der Muslime Rheinland-Pfalz
„Wir haben gesagt, es ist wirklich Zeit, dass wir gemeinsam Haltung zeigen, Solidarität zeigen gegen jegliche Unmenschlichkeit, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, aber auch Islamfeindlichkeit. Deswegen sind wir heute hier.“
Avadsilav Avadiev, Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden Rheinland-Pfalz
„Um mehr Verständigung, mehr Toleranz, mehr Liebe auf der Straße und in den Familien und in Herzen von Menschen zu bringen.“
Im SS-Sonderlager Hinzert waren vor allem politische Gefangene inhaftiert. Männer unterschiedlichen Glaubens. Nichts ist heute mehr vom einstigen Arbeitslager vorhanden. Bis zu 1.500 Nazi-Gegner schufteten hier auf den Feldern – viele sogenannte „Nacht-und-Nebel-Gefangene“, die von den Deutschen einfach von der Straße weg verhaftet wurden. Hinzert war kein Vernichtungslager. Aber auch hier fanden Hinrichtungen statt.
Dieter Burgard, SPD, Beauftragter für jüdisches Leben Rheinland-Pfalz
„Beispielsweise wurden 1941 70 sowjetische Kriegsgefangene hier zu Tode gespritzt. Es gab Erschießungen im Wald von Luxemburgern die zum Streik aufgerufen haben.“
Verbrechen, die niemals vergessen werden sollen.
Was in Hinzert geschehen ist, ist vielen nicht bekannt. Die Führung durch die Gedenkstätte des SS-Sonderlagers dauert zwei Stunden. Gemeinsam lernen Juden und Muslime die Vergangenheit ihrer Heimat kennen.
Rejhana Halilovic, 19 Jahre, Mitglied muslimischen Gemeinde Mainz
„Wir sind heute hier, um ein Zeichen für Solidarität zu setzen und auch an die Opfer zu gedenken und auch ein Zeichen zu setzen, dass sie nicht alleine sind und wir gemeinsam alles schaffen können.“
Timofey Tereshkin, 14 Jahre, Mitglied jüdische Kultusgemeinde Koblenz
„Ich denke, dass man immer daran denken soll, dass so etwas passiert ist und wir müssen immer sozusagen darauf Acht geben, dass es nicht wieder passiert. Und das ist sozusagen eine Erinnerung.“
Janiv Tarhn, 15 Jahre, Mitglied jüdische Gemeinde Trier
„Es ist sehr wichtig, dass wir zusammenkommen, um einen Dialog herzustellen. Auch eventuell gegenseitige Vorurteile abzubauen, falls welche bestehen. Aber ich finde die Stimmung ist richtig gut und wir verstehen uns alle.“
Hamsa Halilovic, 20 Jahre, Mitglied muslimische Gemeinde Mainz
„Ich meine, wir als Gemeinschaft und wir als Gesellschaft sind zusammen immer stärker. Das hat sich auch in der Vergangenheit immer ergeben. Und genau diese Richtung sollten wir auch antreiben und genau deswegen sind wir auch heute hier.“
Sie tauschen sich aus: Jugendliche aus Rheinland-Pfalz mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln. In Zukunft soll es öfter gemeinsame Projekte geben. Projekte, die den Jugendlichen bewusst machen sollen, wozu Hass, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit führen können.