Gymnasium Nonnenwerth kämpft um seine Zukunft

Seit fast 170 Jahren gibt es das Franziskus Gymnasium Nonnenwerth – gelegen auf einer malerischen Rheininsel in Remagen. Vor zwei Jahren hat der Investor Peter Soliman Insel und Schule von den Franziskanern gekauft – nach eigener Aussage mit dem Ziel, die Schule zu erhalten. Nun soll die Schule doch zum Sommer geschlossen werden. Dagegen wehren sich vor allem die Schüler – sie kämpfen für den Erhalt ihres Gymnasiums.

Wer auf Nonnenwerth zur Schule geht, hat einen schönen Schulweg – eine Fähre tuckert über den Rhein, dann spazieren die Schüler durch Grünanlagen. Aber nicht mehr lange, befürchten die Schülervertreter Alina und Sebastian. 2020 hat der Investor Peter Soliman die Schule gekauft – anfangs mit dem Versprechen, die Schule zu modernisieren.
Sebastian Lüchow, Schülersprecher
„Bis dann im Sommer ’21 die E-Mail von ihm kam, dass es große Brandschutzprobleme gibt und er die Schule in Gefahr sieht. Und das war natürlich ein Schock für uns alle.“
Das Brandschutzgutachten hat der Investor bis heute nicht offengelegt: Eltern wollten einen unabhängigen Sachverständigen ein weiteres Brandschutzgutachten erstellen lassen, aber: der kriegt keinen Zugang zur Insel. Denn privates Security-Personal lässt nur noch Schüler herein. Für die sind es bewegte Wochen.
Alina Münz, Schülersprecherin
„Die Staatsanwaltschaft war ja diese Woche bei uns auf der Insel – das toppt nochmal die Security Guards. Wir hoffen natürlich schon, dass falls da irgendwas schief gegangen ist, falls da irgendwas nicht mit rechten Dingen zuging, dass man die Verantwortlichen belangen kann, uns das hilft, und um zu zeigen, dass diese Insel das Opfer von Spekulationen geworden ist.“
Und zwar Immobilienspekulationen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts des Betruges. Der Käufer von Insel und Schule soll von Beginn an geplant haben, den Schulbetrieb nicht fortzuführen. So tauchte im April 2021 ein Exposé einer Kölner Firma auf, in dem die Schule für den Umbau zu Luxuswohnungen angeboten wurde.
Peter Soliman will sich vor der Kamera nicht äußern. Den Betrugsvorwurf weist er zurück.
Zitat Peter Soliman, Nonnenwerth Schulträger
„Der Beschluss, die Trägerschaft (…) im Juli 2022 aufzugeben, resultiert aus den erst im Frühjahr 2021 bekannt gewordenen Brandschutz-Mängeln, der am 4. Juni 2021 vom Kreis Ahrweiler ergangenen Schließungsverfügung sowie der laut zweier gutachterlicher Stellungnahmen hohen Kosten, die zur Beseitigung der Mängel notwendig sind.“
Ein neuer Träger ist ebenfalls nicht in Sicht: Der Kreis Ahrweiler könnte die Trägerschaft zwar übernehmen, ihm fehlt aber das Geld dazu. Denn der Kreis muss sieben Schulen wieder aufbauen, die durch die Flut zerstört wurden.
Auch das rheinland-pfälzische Bildungsministerium kann die Schließung nicht verhindern. Es will die Schüler auf andere Schulen verteilen. Diese hätten dann längere Schulwege, neue Lehrer, vielleicht auch neue Leistungskurse – alles kurz vor dem Abitur.
Dagegen haben Schüler und Lehrer schon oft demonstriert – zuletzt am Samstag in Mainz. Unter dem Motto „Das rausfliegende Klassenzimmer“ machten sie ihrem Ärger Luft. Darunter auch Sören Ahlhaus. Ihm wurde schon gekündigt, genau wie allen anderen Lehrern der Schule.
Sören Ahlhaus, Lehrer Nonnenwerth Gymnasium
„Das, was einem viel Kraft gibt, ist unsere tolle Schulgemeinschaft mit Eltern, Schülern und Lehrern hier zusammen. Uns allen liegt wahnsinnig viel an der Schule und dafür geben wir alles, um das zu erhalten.“
Alles geben für die Schule – das machen weiterhin auch Alina und Sebastian. Damit das ihr Schulweg bleibt.