Einmaliger OP-Roboter an der Universitätsmedizin Mainz

Die Mainzer Universitätsmedizin hat zuletzt immer wieder für Negativschlagzeilen gesorgt. Es ging um Millionendefizite, Streitigkeiten zwischen Ärzteschaft und Vorstand, Personalmangel. Jetzt geht es endlich mal wieder um positive Nachrichten. Um Hochleistungsmedizin, die europaweit ihresgleichen sucht.

Vier Arme, rund eine Tonne schwer, und flexibel beweglich in alle Richtungen. Das ist der OP-Roboter da Vinci SP. Medizintechnik der Extraklasse.
SP steht für Single Port, zu Deutsch: Einziger Zugang. Und genau das macht den Roboter so außergewöhnlich. Eine hochauflösende Kamera und drei weitere OP-Werkzeuge gelangen durch einen einzigen Zugang in den Körper.
Prof. Peter Grimminger, Oberarzt Allgemeinchirurgie: „Die Vorteile sind, dass wir wie durch eine Art Tunnel operieren können. Das heißt wir brauchen nicht mehrere Zugänge, sondern man operiert eigentlich durch einen einzigen Tunnel direkt zum Zielort. Und es gibt im menschlichen Körper natürlich Stellen, wo wir gar nicht so gut hinkommen, wo dieser Zugang dann Sinn macht.“
Dieser Patient hat einen Tumor weit unten in der Speiseröhre. Um dorthin zu kommen, hätte Chirurg Peter Grimminger mit herkömmlichen Instrumenten durch den Brustkorb operieren und sogar einen Lungenflügel abklemmen müssen. Das wäre für den Patienten deutlich gefährlicher gewesen.
Dank da Vinci reicht ein Schnitt am Hals und der Roboter schlängelt sich durch den Brustkorb zum Tumor.
Prof. Peter Grimminger, Oberarzt Allgemeinchirurgie: „Ich bin sehr zufrieden, es läuft eigentlich wie geplant. Wir kommen überall hin.“
Peter Grimminger steht für die Operation nicht neben dem Patienten. Er sitzt abseits ganz für sich und steuert die Roboterarme durch Hebel und Fußpedale. Die hochauflösende Kamera mit einem bis zu 40fachen Zoom gibt Orientierung.
Der Roboter ist in Europa erst seit kurzem für Operationen im Bereich des Brustkorbs und des Bauches zugelassen. Die europaweit erste Operation hat Peter Grimminger durchgeführt, hier an der Mainzer Universitätsmedizin.
Prof. Peter Grimminger, Oberarzt Allgemeinchirurgie: „Das ist natürlich für mich auch eine besondere Ehre, dass ich da dabei sein kann. Und auch eine Herausforderung. Also ich will natürlich am Ende, dass die Patienten davon profitieren, dass wir das immer sinnvoller und besser einsetzen in Zukunft und ich bin auch froh, dass wir bereits viele Patienten damit operieren konnten.“
Wie zum Beispiel Thomas Wormuth. Der Rüsselsheimer litt ebenfalls an Speiseröhrenkrebs und auch hier lag der Tumor ungünstig. Versteckt zwischen großen Gefäßen, direkt hinter dem Herzen.
Thomas Wormuth, hatte Speisenröhrenkrebs: Und dann hab ich eigentlich noch gedacht, dass sie das so wie früher machen, den ganzen Brustkorb auf. Und dann wurde mir gesagt, nein, das macht man heute nicht mehr.“
Prof. Peter Grimminger, Oberarzt Allgemeinchirurgie: „Da hatten wir natürlich den Vorteil, durch diesen Single Port, also durch diesen einzigartigen Zugang an den Tumor dran zu kommen, ohne die anderen Organe beschädigen zu müssen.“
Für Thomas Wormuth hieß das: Nur wenige Tage Krankenhaus und eine schnelle Wundheilung. Vier Wochen ist seine Operation mit da Vinci jetzt her.
Thomas Wormuth, hatte Speisenröhrenkrebs: „Mir ging’s eigentlich von Anfang an gut. Also muss ich ganz ehrlich sagen. Ich hatte keine Schmerzen, habe auch nach glaube ich vier/fünf Tagen die Schmerzmittel alle abgesetzt und hatte Null Probleme. Also unbegreiflich für mich.“
So beschreibt es auch Monika Matthäus. Ihr Tumor war so groß, dass sie nicht mehr schlucken konnte und rund fünf Monate künstlich ernährt werden musste.
Monika Matthäus, hatte Speiseröhrenkrebs: „Und nach der OP mein erstes Brötchen war sensationell, weil ich gar nicht wusste, was esse ich jetzt auf dem Brötchen. Am liebsten würde ich alles essen.“
Für Peter Grimminger ist das das größte Geschenk, sagt er. Genesene Patienten, die ihm voller neuer Lebensfreude gegenübersitzen. Möglich machen das er und sein Team. Und da Vinci, ein Roboter der Extraklasse.