Wissenschaft

  • Skorpiongift gegen Krankenhauskeime

    Skorpiongift gegen Krankenhauskeime

    Multiresistente Keime – oft auch als Krankenhauskeime bezeichnet – sind eine der größten Herausforderungen im Gesundheitssystem. Experten schätzen, dass bis 2050 multiresistente Erreger weltweit zu den Haupttodesursachen zählen werden. Schon heute sterben in Deutschland daran jährlich mehr als 2.000 Menschen. Es müssen dringend neue Therapien her. Ein nur wenige Millimeter großes Tierchen könnte eine Lösung parat haben. Chelifer cancroides, der Bücherskorpion. Ein Spinnentier, verwandt mit echten Skorpionen, aber ohne Stachel – ein Pseudoskorpion. In Schuppen und Ställen, unter Heu fühlt er sich wohl. Mit seinen Scheren und dem darin enthaltenen Gift tötet er seine Beute: kleine Insekten wie Läuse und Milben. Tim Lüddecke vom Fraunhofer Institut Gießen und sein Team haben den Bücherskorpion unter die Lupe genommen – genauer gesagt sein Gift. Darin haben die Forscher Bestandteile, sogenannte Toxine, gefunden, die gegen einen antibiotikaresistenten Krankenhauskeim wirken. Tim Lüddecke, Biochemiker „Sie attackieren vor allem die Membran der Zelle. Sie machen quasi Löcher in die Außenhaut und dadurch platzen die Bakterien auf. Und es ist für ein Bakterium deutlichen schwieriger gegen solche Mechanismen Resistenzen zu entwickeln.“ Die Toxine im Bücherskorpion-Gift gehen also einen anderen Weg beim Abtöten der Bakterien als gängige Antibiotika. Ein großer Hoffnungsschimmer, denn der Erreger, bekannt unter der Abkürzung MRSA, ist weit verbreitet. Tim Lüddecke, Tiergiftforscher „Ein großes Problem im Bereich mit Krankenhauskeimen ist der, dass diese Keime eben häufig auf medizinischen Gerätschaften, zum Beispiel auf künstlichen Gelenken oder auch auf Kathetern Biofilme bilden und dort sitzen und eben nach operativen Eingriffen oder während der Wundversorgung in den Körper gelangen und dort Infektionen verursachen können.“ Das Ziel der Forscher: Ein Imprägnierungssystem entwickeln, eine Beschichtung mit den Toxinen für Katheter und künstliche Gelenke. Doch zunächst müssen Tim Lüddecke und sein Team noch ein wenig an der biochemischen Struktur der Giftstoffe arbeiten. Denn sie können auch menschliche Zellen angreifen. Künstliche Varianten […]

  • Mainzer Forscher finden Schmerzmittel-Alternative

    Mainzer Forscher finden Schmerzmittel-Alternative

    Dass Menschen an einer Überdosis von Schmerzmitteln sterben, das ist in den USA ein alltägliches Problem. Rund 650.000 Menschen sind dort an den Folgen von Schmerzmittelsucht bereits gestorben. Und zunehmend erreicht dieses Problem auch Europa. Eine Forschungsgruppe der Uni Mainz hat nun möglicherweise einen Ersatzstoff für Opioide – also die gefährlichen Schmerzmittel – gefunden. Das ist er, der Ersatzstoff für Opioide in flüssiger Form, gewonnen aus einem Meerespilz. Gefunden hat ihn eine Doktorandengruppe der Uni Mainz. Knapp vier Jahre hat das Team danach gesucht. Jetzt haben die Forscher einen natürlichen Stoff gefunden, der gegen starke Schmerzen wirkt. Die Alternative zu Opioiden sei enorm wichtig, sagt Professor Thomas Efferth, der das Team leitet. Thomas Efferth, Pharmazeutischer Biologe Universität Mainz „Zum einen machen die Opioide süchtig, zum anderen führt es dazu, dass wir Nebenwirkungen haben, wie die Unterdrückung der Atmung. Eine sogenannte Atemdepression, kann tödlich enden.“ Opioide binden sich an Rezeptoren im Gehirn und verhindern so, dass der Patient Schmerzen spürt. Thomas Efferth, Pharmazeutischer Biologe Universität Mainz „Unsere Idee war es nun, zu suchen, ob es neue chemische Naturstoffe gibt, die ebenfalls an diesen Rezeptor binden, aber möglicherweise nicht die schweren und gefährlichen Nebenwirkungen haben, wie dies bei den Opioiden der Fall ist.“ Dazu haben die Forscher mit dem Supercomputer Mogon gearbeitet. 40.000 chemische Naturstoffe haben sie einzeln am Computer getestet und jede Untersuchung 750.000 Mal wiederholt. So sind die Doktoranden auf den Stoff aus dem Meerespilz gestoßen. Er verhält sich wie ein Opioid und lindert so den Schmerz. Roxana Damiescu, Doktorandin Universität Mainz „Das war, muss ich schon sagen, so eine richtig geile Überraschung. Weil nach so vielen Monaten und im Endeffekt ein paar Jahre, in denen man gearbeitet hat. Und ich meine, wir haben mit 40.000 Substanzen angefangen und jetzt haben wir einen Wirkstoff, der tatsächlich auch wirkt. Also kann […]

  • Riesiges Rechenzentrum - Digitalministerin Sinemus besucht Digital Park

    Riesiges Rechenzentrum – Digitalministerin Sinemus besucht Digital Park

    Frankfurt ist einer der weltweit größten Internet-Knotenpunkte – und bekommt derzeit weiter Zuwachs. Wo im Osten früher Tausende Mitarbeiter des Versandriesen Neckermann Bestellungen abfertigten, entstehen gerade elf Rechenzentrum für über eine Milliarde Euro. Was sich der Betreiber von der Investition verspricht und wie die Bauarbeiten voran gehen, zeigen wir Ihnen jetzt. Es lärmt und staubt im Frankfurter Osten. Auf 90.000 Quadratmetern entstehen hier elf Rechenzentren. Bauherr ist das US-amerikanische Unternehmen Digital Realty, das über 300 Rechenzentren in 28 Ländern betreibt. Jetzt investiert der Konzern über eine Milliarde Euro hier in Frankfurt. Volker Ludwig, Deutschland-Chef Digital Realty „In Frankfurt treffen sich alle Datenautobahnen und wir sind hier als Rechenzentrumsbetreiber schon seit 25 Jahren tätig und möchten hier für uns und insbesondere auch für unsere Kunden expandieren, neue Flächen schaffen, damit wir Raum für Digitalisierung haben.“ Frankfurt ist der größte Rechenzentrumsstandort in Europa. Darauf dürfe sich die Stadt aber nicht ausruhen, sagt der Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt. Ulrich Caspar, Präsident IHK Frankfurt „Wir sehen in der Digitalwirtschaft eines der größten Wachstumspotenziale überhaupt. Wir werden auch andere Felder haben, denken w ihr an die Gesundheitswirtschaft, die Biochemie, aber Digitalisierung und künstliche Intelligenz ist sicherlich ein massiver Wachstumstreiber für die nächsten Jahre oder Jahrzehnte.“ Entsprechend müssten immer neue Flächen für den Bau von Rechenzentren ausgewiesen werden. Das ist auch für den Betreiber des größten Internetknotens der Welt, De-Cix, mit Sitz in Frankfurt wichtig. Thomas King, Technischer Direktor De-Cix „Ich glaube sehr wohl, dass man die Bedeutung von Rechenzentren unterschätzt, weil die ganzen digitalen Anwendungen, die Sie heute nutzen, die haben ihre Heimat in den Rechenzentren. Dort wohnen die ganzen Anwendungen, die Sie nutzen. Und ich glaube, das sieht man oft nicht, sondern man sieht nur die Gebäude und die Baustellen, die damit einherkommen. Und man sieht nicht den Nutzen, den sie bringen.“ […]

  • Darmstädter Teilchenbeschleuniger soll Urknall erforschen

    Darmstädter Teilchenbeschleuniger soll Urknall erforschen

    Wie ist unser Universum entstanden? Das ist mal eine Frage. Und diese wollen die Forscher in Darmstadt beantworten mit Hilfe dieser Teilchen, die durch eine Beschleunigeranlage sausen. Es ist ein Megaprojekt für die internationale Spitzenforschung. Um die Rätsel unseres Universums zu lösen, brauchen die Wissenschaftler tonnenschwere Magneten, die nun 17 Meter unter der Erde eingebaut werden. Hightech am Haken. Über 100 dieser rund drei Tonnen schweren Magnete werden in den Beschleunigertunnel gehievt. Hinzu kommen noch 600 weitere um am Ende eine 1,1 Kilometer lange magnetische Ringbahn aufzubauen. Jörg Blaurock, Technischer Geschäftsführer FAIR „… die letztendlich den Ionenstrahl, der für die Wissenschaft geliefert wird, auf der Kreisbahn halten und so beschleunigen, dass er mit Lichtgeschwindigkeit das Ziel, das Experiment erreicht.“ Experimentieren wollen die Wissenschaftler für Weltraummissionen, die Medizinforschung oder die Entdeckung neuer Elemente. Die Anlage soll unter anderem die Entstehung des Universums erforschen. Jörg Blaurock, Technischer Geschäftsführer FAIR „Die Wissenschaft möchte das Universum im Labor untersuchen. Sprich, alles, was nach dem Urknall passiert, die Entwicklung des Universums, die Entwicklung der Elemente, wie entstehen Elemente und Erkenntnisse natürlich konkret über die Erde, über die Planeten, wie wir zusammengesetzt sind.“ Ein Projekt mit astronomischen Ausmaßen: In ihm streckt so viel Beton wie in acht Fußballstadien und neunmal so viel Stahl wie im Eiffelturm. 600.000 Kubikmeter verbauter Beton – die Kosten von ursprünglich 1,3 Milliarden haben sich seit 2005 auf rund 3,3 Milliarden Euro erhöht. 70 Prozent davon tragen der Bund und das Land Hessen. Zweitgrößter Gesellschafter von FAIR ist weiterhin Russland, was bereits zu Problemen geführt hat. Jörg Blaurock, Technischer Geschäftsführer FAIR „Wir sind ein großes Projekt und haben natürlich durch die Thematik Corona und auch die politische Situation, jetzt Ukrainekrieg, Einflüsse, dass sich bestimmte Lieferungen verändern, dass Märkte anders reagieren. Wir haben auch in diesem Zusammenhang Ersatzbeschaffungen vornehmen müssen und es hat […]

  • Dieburg droht das Hochschul-Aus

    Dieburg droht das Hochschul-Aus

    Schon lange gibt es Gerüchte, dass die Hochschule Darmstadt ihren 18 Kilometer entfernten Campus in Dieburg aufgeben will. Seitdem die Hochschule eine Langfrist-Planung veröffentlicht hat steht fest: Die Pläne den Campus Dieburg zu verlassen werden immer konkreter. Der Sanierungsstau und die hohen laufenden Kosten werden der Hochschule zu teuer. Risse an den Wänden, eine heruntergekommene Fassade. Hier und da sieht man: Das Gebäude aus den 60er Jahren ist mittlerweile in die Jahre gekommen. Das merkt auch so mancher Student – jetzt in der vorlesungsfreien Zeit. Tim Pollackk, Student Sound, Music & Production „Klar, das ist hier schon auch recht sanierungsbedürftig, sage ich jetzt mal. Also man merkt schon an einigen Ecken und Enden, dass es hier schon ein bisschen auseinander fällt.“ Henrik Höwes, Student Logistikmanagement „Also man merkt teilweise schon, dass die Gebäude ein bisschen älter sind und an ein paar Stellen vielleicht langsam bedürftig sind.“ Lukas Gitzinger, Student Sound, Music & Production „Also hier kommt mal Wasser durch die Decke, hier sind Räumlichkeiten hinterher von der Ausstattung.“ Vor über 20 Jahren hat die Hochschule Darmstadt hier am Campus Dieburg die Fachbereiche Wirtschaft und Media angesiedelt. Doch für die Zukunft ist sie pessimistisch. Hochschule Darmstadt „Ein auch räumlich modernes Studium fällt auf dem sanierungsbedürftigen Areal aber zusehends schwerer. Das Problem: Das Gebäude, das früher der Bundespost gehörte, ist denkmalgeschützt. Die aufwendige Sanierung würde die Hochschule über 150 Millionen Euro kosten. Hochschule Darmstadt „Die Hochschule Darmstadt rechnet mittlerweile nicht mehr damit, dass sie ausreichend Finanzmittel erhalten wird, um das Gesamtensemble langfristig sanieren zu können.“ Das aktuelle Gebäude sei energetisch unzureichend: Ein Problem sei unter anderem die vielen Heizkörper und die schlecht gedämmten Fenster. Deshalb plant die Hochschule den Campus Dieburg aufzugeben. Stattdessen will sie in Darmstadt einen Neubau errichten: Dieser könne in rund 20 Jahren bezogen werden. Der Darmstädter Landtagsabgeordneter Bijan […]

  • Landtag beschäftigt sich mit dem Fall Messari-Becker

    Landtag beschäftigt sich mit dem Fall Messari-Becker

    Es ist vielleicht kein Beben im politischen Wiesbaden – mindestens aber eine kleine Erschütterung mitten in der Sommerpause des hessischen Landtags. Vor gut einer Woche teilt Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori mit, dass er seine Staatsekretärin LamIa Messari-Becker entlassen will – der Grund: ein nicht hinnehmbares Fehlverhalten. Die renommierte Bauingenieurin und Expertin für Stadtentwicklung wehrt sich mit Anwälten. Und die Opposition will heute bei einer Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses vom Minister wissen: Wieso musste die Staatssekretärin gehen? Keine Sommerpause für Kaweh Mansoori – die Landtagsfraktion der Grünen beantragt heute eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses. An den SPD-Wirtschaftsminister haben sie insgesamt 15 Fragen zur Entlassung von Staatsekretärin Lamia Messari-Becker. Den Trubel hat Mansoori selbst losgetreten, als er am 22. Juli öffentlich machte, die Staatsekretärin entlassen zu wollen – mit dieser Pressemitteilung. Kaweh Mansoori (SPD), Wirtschaftsminister Hessen „Ich habe heute den Ministerpräsidenten  gebeten, meine Staatssekretärin  Frau Prof. Dr. Lamia Messari-Becker in  den einstweiligen Ruhestand zu versetzen.  (…) Ein nicht hinnehmbares Fehlverhalten,  entzog mir die Grundlage für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihr.“ Der Minister führt einen privaten Vorfall außerhalb des Dienstverhältnisses als Entlassungs-Grund an: So soll Messari-Becker gegenüber einer Lehrkraft ihres Kindes ihre Funktion als Staatssekretärin ungebührlich ins Spiel gebracht haben – in einer Diskussion um eine Benotung. Doch gesetzlich wäre Mansoori bei einer Entlassung nicht verpflichtet gewesen, ein solches Fehlverhalten öffentlich zu machen. Besonders die Grünen nehmen Mansoori deshalb ins Visier. Kaya Kinkel (Bündnis 90/Die Grünen), Landtagsabgeordnete Hessen „Um zu klären, was sind denn die wahren Gründe, um sie in den Ruhestand zu versetzen und ist es wirklich der angeführte Grund, der im privaten Raum passiert sein soll oder ist es nur ein vorgeschobener Grund und er hat was gesucht, aufgrund dessen er sie entlassen kann.“ In den Fluren des Landtages heißt es: Der wahre Grund sei ein Streit zwischen Messari-Becker und dem Staatssekretär Umut […]

  • Wissenschaftsminister stellt Biotechnologie-Grundlagenprojekt vor

    Wissenschaftsminister stellt Biotechnologie-Grundlagenprojekt vor

    Com2Life heißt ein Forschungsprojekt, an dem sich unter anderem die Gutenberg-Universität in Mainz und die Technischen Universität in Darmstadt beteiligen. Heute haben sie das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt, für das sie Fördergelder vom Bund erhoffen. Ein rotes Leuchten zeigt die Stellen, an denen die Zelle unter dem Hochleistungsmikroskop mit ihrer Umgebung kommuniziert. Die Forschungsgruppe um Andreas Walter studiert diese Kommunikation genau, denn sie wollen künstliche Zellen erschaffen, die diese Sprache verstehen und selbst sprechen können. Sollte das gelingen, könnte es in der Medizin zu einem großen Durchbruch führen. Prof. Andreas Walter, Koordinator von Com2Life „Eine wirklich individualisierte Krebstherapie, Möglichkeiten um Nerven zu regenerieren, beispielsweise im Rückenmark oder eben auch, dass ist vielleicht ein bisschen abstrakter, neue Tierversuchs-Ersatzmodelle, wo wir dann in der Lage sind Tierversuche zu ersetzen über neue, gewachsene Gewebe.“ Eine Idee der Forscher: Sie wollen bei Krebspatienten künstliche Zellen einsetzen, die an die Krebszellen andocken. Dann sollen sie die Krebszellen so verändern, dass der Tumor vom Immunsystem attackiert werden kann. Intelligente Zellen, die eigenständige Entscheidungen treffen – bei diesen Themen müsse man auch die Bevölkerung mitnehmen, meint der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Clemens Hoch. Clemens Hoch (SPD), Wissenschaftsminister Rheinland-Pfalz „Aus den Lehren von Corona haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Wissenschaftskommunikation zu verbessern. Wenn wir neue, innovative therapeutische Ansätze haben, dann ist es gut, von Anfang an zu kommunizieren: Was kann Technik? Was macht der eigene Körper selbst und wie bekommt man das übereinander? Weil es schon viele Menschen gibt, die natürlich genau wissen wollen – und zwar zu Recht, was wird hier am Computer designt und mir dann in meinen Körper gegeben?“ Wenn es den Forschern gelingen sollte, künstliche intelligente Zellen zu erschaffen, könnten noch ganz andere Visionen Wirklichkeit werden. Zum Beispiel die Produktion künstlicher Organe. Doch der erste Schritt ist auch hier die mühsame Grundlagenforschung. Georg Krausch, […]

  • Projekt zur Sahara-Begrünung

    Projekt zur Sahara-Begrünung

    Wald und Wüste – klingt erst mal nach einem unvereinbaren Gegensatz. Doch der Umwelt-Campus Birkenfeld möchte diese zwei Gegensätze nun miteinander kombinieren – und Millionen von Bäumen in der mauretanischen Sahara pflanzen. Das sogenannte „Sahara Renaissance Project“, kurz „SAREP“, ist damit das größte Wüstenbepflanzungsprojekt der Welt. Das Birkenfelder Team hat jetzt gemeinsam mit Menschen aus Industrie und Politik in einer internationalen Konferenz über die Details gesprochen. Zwei Millionen Hektar, eine Fläche so groß wie Rheinland-Pfalz, bestehen momentan noch aus purem Sand. Schon im nächsten Jahr soll es hier, in der Sahara in Mauretanien, ganz anders aussehen. Nämlich voll mit Bäumen, die CO2 einspeichern. Umweltökonom Professor Peter Heck arbeitet an dem Projekt schon seit drei Jahren. Peter Heck, Umweltcampus Birkenfeld „Meine Intention ist, dass ich nach 40 Jahren Klimaschutz endlich etwas machen will, das wirklich funktioniert. Ich will, dass vor allen Dingen auch junge Menschen sehen, es gibt ganz effiziente schnelle Möglichkeiten, das Klima zu retten und gleichzeitig auch den Menschen in Afrika, die jetzt ja aus ihrem Land flüchten müssen, weil sie nicht mehr dort leben können, eine neue Zukunft zu bieten. Also Klimaschutz mit ganz vielen anderen positiven Aspekten.“ Funktionieren kann so ein Projekt laut Peter Heck nur im großen Stil. Er plant, im ersten Schritt eine Fläche von 350 Hektar zu bepflanzen. Bewässert werden sollen die Bäume mit Meerwasser. Das muss zuvor mit Hilfe von Wind- und Solaranlagen entsalzt werden. Dafür soll an der mauretanischen Küste ein neues Dorf mit Arbeitsplätzen entstehen, die die Mauretanier wiederum von der Migration abhalten sollen. Peter Heck, Sarep-Projekt „Ich will einen Klimaschutz machen, der quasi Klimaschutz ist, aber auch den Menschen eine Möglichkeit gibt, in Würde zu leben, eine Ausbildung zu haben, Kinder können in den Kindergarten gehen und Schulen gehen und das alles wird bezahlt über Klimaschutz. Das ist meine Vision.“ […]

  • Hessischer Wissenschaftsminister gibt Regierungserklärung ab

    Hessischer Wissenschaftsminister gibt Regierungserklärung ab

    Premiere im hessischen Landtag in Wiesbaden: Dort hat der inzwischen auch nicht mehr ganz neue Kultur- und Wissenschaftsminister Timon Gremmels heute seine erste Regierungserklärung abgegeben. Dabei ging es nicht nur um die Zukunft Hessens als Hochschul- und Forschungsstandort, sondern auch um die Frage, wie Wissenschaft und Demokratie zusammenhängen. Für Hessens Kultur- und Wissenschaftsminister Timon Gremmels ist die Sache klar: Ohne Demokratie keine freie Wissenschaft. Gleichzeitig spiele Wissenschaft eine entscheidende Rolle bei der Stärkung der Demokratie – etwa, indem sie Extremismus erkenne und entlarve. Timon Gremmels (SPD), Wissenschaftsminister Hessen „Die Demokratieforschung ist Teil des Sofortprogrammes der Landesregierung. Trotz angespannter Haushaltslage werden wir in diesem Jahr zwei Millionen Euro und ab 2025, vorausgesetzt, der Haushaltsgesetzgeber stützt das, 3 Millionen Euro investieren. Das Geld ist gut angelegt.“ Das sieht die AfD ganz anders. Für die Rechtsaußen-Partei sind staatlich geförderte Demokratie-Projekte an hessischen Universitäten mehr als nur rausgeschmissenes Geld: Sie sehen in der hessischen Demokratieforschung, die die Alternative für Deutschland in der Regel nicht zum demokratischen Spektrum zählten, einen Angriff auf die AfD und ihre Wähler. Frank Grobe (AfD), Parlamentarischer Geschäftsführer „Es geht nicht mehr um Forschung. Sondern darum, und das geben Sie selbst zu, praxistaugliche Strategien gegen Ihre Kritiker zu entwickeln. Anstatt, so wie wir das machen würden, die Politik wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen, machen Sie weiter wie bisher. Und versuchen nun, andere Institutionen mit Steuergeldern für ihre Ideologie in den Kampf mit einzubeziehen.“ Die AfD gegen alle, und alle gegen die AfD: Bei hessischen Landtagsdebatten inzwischen ein festes Muster. In seiner Regierungserklärung lobt der Wissenschaftsminister die Qualität von Forschung und Lehre in Hessen. Dabei müsse aber auch klar sein, dass die finanzielle Situation von Menschen nicht darüber entscheiden dürfe, ob sie studieren oder nicht: Dazu gehöre auch, dass das Leben für Studenten auch in Ballungsräumen bezahlbar bleibe. Timon […]

  • Bauteil für Riesenteleskop geliefert

    Bauteil für Riesenteleskop geliefert

    In der chilenische Atacama-Wüste entsteht gerade das größte optische Teleskop der Welt. Geplant ist, dass es uns 2028 erstmals Bilder aus dem All liefert. Das Herzstück dieses Teleskops stammt jedoch nicht aus Chile, sondern aus Mainz: ein Spiegel mit 39 Metern Durchmesser. Der Spezialglashersteller Schott hat die letzten Einzelteile dafür jetzt fertig gebaut und damit ein – im wahrsten Sinne des Wortes – astronomisches Projekt beendet. Sein Name ist einfach: ELT, Extremely Large Telescope. Doch hinter der der Oberfläche des extrem großen Teleskops verbirgt sich komplexe Technik. Unter anderem dieser 39-Meter-Spiegel der Firma Schott. Er ist rund 200 Tonnen schwer und besteht aus knapp 800 sechseckigen Segmenten des Werkstoffs Zerodur – einer Glaskeramik, die sich auch bei extremen Temperaturunterschieden praktisch nicht verformt. Frank Heinricht, Vorstandsvorsitzender Schott AG „Für uns ist es ein großes Leuchtturmprojekt, denn es zeigt unsere Kompetenz in diesem Materialbereich. Und es hilft uns auch, zukünftig neue, noch bessere Materialien zu entwickeln für diverse Anwendungen.“ Der Zerodur-Spiegel soll möglichst viele unverzerrte Lichtsignale aus dem Universum aufnehmen können. Schott forscht seit über 50 Jahren an Zerodur. Für die Forscher der Europäischen Südsternwarte, die das Teleskop bauen, bietet das Material der Mainzer ideale Voraussetzungen. Roberto Tamai, Programmverantwortlicher Extremely Large Telescope „Die Wärmeausdehnung ist minimal, wenn nicht null, in der Umgebung in Chile, wo wir das Teleskop bauen. Und dann die Haltbarkeit des Schliffs. Ich kann die Oberfläche auf den Nanometer genau schleifen, ohne dass sie sich verändert. Diese beiden Eigenschaften machen es einmalig.“ Schott hat die Einzelteile für den Hauptspiegel über vier Jahre lang in Mainz gefertigt, in Schmelzwannen bei über 1.500 Grad. Rund 100 Mitarbeiter haben beim Spezialglashersteller daran gearbeitet. Vier von insgesamt fünf Spiegeln des Teleskops kommen von Schott. Das Unternehmen erhält dafür nach eigenen Angaben einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Frank Heinricht, Vorstandsvorsitzender Schott AG „Die Vorbereitung für […]

  • Hubig zieht Bilanz des Digitalpakts

    Hubig zieht Bilanz des Digitalpakts

    Modernste Technik im Unterricht nutzen. Das soll der Digitalpakt Schülern ermöglichen, damit sie ideal aufs Berufsleben vorbereitet sind. Das Finanzierungsprogramm für Digitalisierung in Schulen ist auf der Zielgeraden, über 300 Millionen Euro aus Bundesmitteln sind in die rheinlandpfälzischen Schulen geflossen. Heute hat das Bildungsministerium Bilanz gezogen. Laptops, Glasfaser, Smartboards. Die Neuanschaffungen in der Berufsbildenden Schule in Mainz heben den Unterricht für diese Schüler auf ein neues Level. Vor allem die neue digitale Tafel vereinfacht das gemeinsame lernen. Michel Beck, Englisch- und Sozialkundelehrer: Wir haben jetzt den großen Vorteil, dass wir jedes Endgerät damit verbinden können. Also das heißt, wenn ein Schüler an seinem Platz sitzt und ein Ergebnis präsentieren möchte, kann er in ein paar Sekunden das vorne spiegeln und die ganze Klasse kann es sehen. 313 Millionen Euro sind in den vergangenen fünf Jahren aus dem Digitalpakt vom Bund nach Rheinland-Pfalz geflossen – für Endgeräte, IT-Support und Wartung. Bildungsministerin Stefanie Hubig zieht eine positive Bilanz. Stefanie Hubig, Bildungsministerin Rheinland-Pfalz: Wenn man sich heute ein Klassenzimmer anguckt und eines 2019 anguckt, dann sieht man, dass sie Klassenzimmer sich komplett verändert haben. Digitales Lernen und Lehren hat in Rheinland-Pfalz in den Schulen Einzug gefunden und ist mittlerweile die Regel. Die CDU als größte Oppositionsfraktion im Landtag teilt diese Zufriedenheit nicht. Jens Münster (CDU), Abgeordneter Landtag Rheinland-Pfalz: Von den 310 Millionen Euro sind nur etwas mehr als die Hälfte in Rheinland-Pfalz abgerufen worden. Das bedeutet, dass viele Gelder nicht dort ankommen, wo sie ankommen sollten und die Landesregierung macht sich hier auf Bundeskosten einen schlanken Fuß. Das lässt die Landesregierung so nicht stehen. Die Mittel seien komplett bewilligt und zum Großteil schon investiert. Doch hätten noch nicht alle Schulträger ihre Rechnungen eingereicht, was den gesamten Verwaltungsakt verlangsame. Anders ist das in Mainz. Hier habe die Stadt als Schulträger die Förderungen schon erhalten, […]

  • Neuer Studiengang Physician Assistant in Kaiserslautern

    Neuer Studiengang Physician Assistant in Kaiserslautern

    In den USA gibt es sie schon: Physician Assistants – kurz PAs. Ein Beruf an der Schnittstelle zwischen Arzt, Pflegekraft und Patient. Dieser Job soll helfen den zunehmenden Ärztemangel – gerade auf dem Land – in den Griff zu bekommen. An der Hochschule in Zweibrücken startet deshalb ab dem kommenden Wintersemester der erste Studiengang dieser Art in Rheinland-Pfalz. Sie sollen Ärzte nicht ersetzen, dafür aber ergänzen und unterstützen. Die PAs – in Deutsch wohl am besten mit „ärztliche Assistenten“ übersetzt – können eigenständig medizinische Tätigkeiten bis in den OP-Saal übernehmen – unter ärztlicher Anleitung und Verantwortung. Sie sind etwa bei Diagnosen mit eingebunden und betreuen chronisch kranke Patienten. Medizinpersonal für höhere Aufgaben weiterbilden – ein Grund für den neuen Studiengang. Clemens Hoch (SPD), Gesundheitsminister Rheinland-Pfalz „Zum Zweiten sehen wir, dass sich das Berufsbild in einer Arztpraxis wandelt. Wir haben multiprofessionelle Teams, wir haben Herausforderungen in der Ärzteschaft auch was die Betreuung der Patienten angeht, und da ist es gut, wenn wir delegieren können und Aufgaben auch auf andere Mitarbeiter übertragen können und so qualifizieren wir die hier für das ganze Land.“ Denn wer Rheinland-Pfalz bisher für den Studiengang Physician Assistant verlassen musste, kam als Absolvent oft nicht mehr zurück. Krankenhäuser hoffen nun auf mehr Nachwuchs. Die Barmherzigen Brüder Trier sind einer von bisher drei Kooperationspartnern des berufsbegleitenden Studiums. Jérôme Korn-Fourcade, Regionalleiter Barmherzige Brüder Trier „Bei uns in der stationären Einrichtung ist es tatsächlich so, dass wir die PAs vorrangig einsetzen im Bereich der Stationsorganisation, also Dinge, die man früher aus grauer Zeit vielleicht mit Assistenz- und Stationsärzten besetzt hat, die wir heute in der Hülle und Fülle nicht mehr haben und die wir an anderer Stelle brauchen. Umgekehrt, nah am Patienten selber dran, haben wir z.B. in der Gefäßchirurgie zwei Gefäßassistenten, die u.a. über das, was OP-Pflegekräfte normalerweise machen hinaus, […]

  • Abschluss des Deutschen Ärztetages

    Abschluss des Deutschen Ärztetages

    Es ist DAS Gesundheitsthema schlechthin: die Krankenhausreform. Weniger Kliniken soll es geben – das ist klar – wie aber die Grundversorgung der Patienten gewährleistet werden soll, das ist noch unklar. Und da wird Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach auch nicht konkreter. Aber nicht nur die Krankenhausreform war dieser Tage Thema auf dem bundesweiten Ärztetag in Mainz. Vier Tage lang ging es rund um das gesamte Gesundheitssystem – denn es fehlt an allen Ecken und Enden.

  • Forschungsinitiative fördert Hochschulen

    Forschungsinitiative fördert Hochschulen

    Ob in der Physik, in Sprachen oder in der Politik – in der Wissenschaft ist für den Fortschritt eines besonders essentiell – die Forschung. Seit 16 Jahren gibt es dafür in Rheinland-Pfalz die Forschungsinitiative, um Institutionen wie Hochschulen und Universitäten genau dabei zu unterstützen. Heute wurde in Mainz ein weiterer Grundstein für die Zukunft gelegt. Eine schnelle Unterschrift und schon ist sie besiegelt. Die neue Forschungsinitiative des Landes soll auch in den kommenden vier Jahren Forschenden bei ihren Projekten eine Hilfe sein. Clemens Hoch (SPD), Wissenschaftsminister Rheinland-Pfalz „Es geht um Grundlagenforschung, es geht aber auch um angewandte Forschung in die Gesellschaft rein und da ist die Forschungslandschaft frei und breit. Und diese Möglichkeit finanziell auch eine Masse zu haben mit der man selbst Schwerpunkte setzen kann, die geben wir heute den Hochschulen.“ Die 20 Millionen Euro jährlich werden auf alle Standorte des Landes, also vier staatliche Universitäten und sieben staatliche Hochschulen verteilt. Mit der Unterstützung soll den Institutionen ermöglicht werden, sich im nationalen und internationalen Wettbewerb weiter erfolgreich zu behaupten. Ein Schwerpunkt liegt auf Robotik und Künstlicher Intelligenz. Prof. Klaus Teltenkötter, Forschungsbereich KI und Robotik Hochschule Mainz „Mit dem Geld legen wir die Grundlage für weitere Forschungsprojekte, auch die Entwicklung von Anträgen. Aber auch für den laufenden Betrieb. Das heißt, wir haben natürlich laufende Kosten, die nicht immer abgedeckt werden von Forschungsprojekten, und das können wir damit sehr gut abdecken.“ Dr. Davina Höll, Literaturwissenschaftlerin, Johannes Gutenberg-Universität Mainz „Unsere Forschung ist international, wir müssen und dürfen reisen. Wir müssen uns vernetzen, dürfen uns vernetzen. Menschen einladen zu können, die neue Perspektiven uns eröffnen. Und natürlich auch eine Auswirkung zu haben. Also unsere Forschung nach außen transportieren zu dürfen, unter dem Banner eines so tollen Profilbereichs. Also es ist essentiell für das Vorankommen.“ Die Institutionen entscheiden selbst, für welche Projekte das Geld […]

  • Hilfe für Brennpunktschulen

    Hilfe für Brennpunktschulen

    Die Schulaufsicht in Rheinland-Pfalz soll sicherstellen, dass an den Schulen im Land alles glatt läuft. Gar keine so leichte Aufgabe, denn die Herausforderungen sind groß: die Integration von Flüchtlingskindern, die Inklusion von Kindern mit Behinderung und vieles mehr. Ein neues Förderprogramm des Landes zielt nun auch auf die Stärkung der Schulaufsicht ab. Jeremias Thiel weiß, was es heißt, unter schwierigen Bedingungen ins Leben zu starten. Der Vater depressiv, die Mutter spielsüchtig; er selbst spricht von Verwahrlosung und dem Scham, weil oft Geld fehlte. Mit elf bittet er das Jugendamt: Holt mich aus meiner Familie. Heute setzt sich der Student gegen Kinderarmut ein, fordert … Jeremias Thiel, Aktivist „…dass, wenn wir über neue Vorgehensweisen im Bildungssektor nachdenken, wir auch mehr Beziehungsarbeit leisten müssen, mehr Hausbesuche könnten helfen, junge Kinder zwischen drei und vier in ihrer frühkindlichen Entwicklung zu helfen, um etwaige Defizite auszuloten und zu verbessern, also dass man einfach früh präventiv ansetzt.“ Denn besonders für Kinder aus bildungsfernen Familien sei der Bildungsweg verbaut, bevor er beginnt. Heute spricht Thiel vor Referenten der Schulaufsicht. Die berät unter anderem die Schulleitungen, prüft auch die Ergebnisse schulischer Arbeit. Nun gibt es in Rheinland-Pfalz das deutschlandweit erste Qualifizierungsprogramm, beispielsweise für Coachings im schulpsychologischen Bereich. Profitieren sollen vor allem Brennpunktschulen. Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin Rheinland-Pfalz „Jeder Euro, den wir in Bildung investieren, der spart uns hinterher Hunderte Euros von Krankenversorgung, Arbeitslosengeld und deshalb ist es richtig, dass wir in Rheinland-Pfalz viel Geld in die Bildung investieren.“ Für das Programm gibt es sogar Lob von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft. Aber: Zuvor seien bei der Schulaufsicht zu viele Stellen abgebaut worden. Klaus-Peter Hammer, GEW Rheinland-Pfalz „Bei allen positiven Perspektiven des Programmes, was ich ausdrücklich nochmal sagen möchte, muss man auch dran arbeiten, dass sich die Schulaufsicht die Aufgaben auch noch leisten kann. Das heißt, wir […]