Wirtschaft

  • Halloween sorgt für Umsatzplus im Einzelhandel

    Halloween sorgt für Umsatzplus im Einzelhandel

    Nur noch zweimal schlafen, dann ist Halloween. Eine Nacht, die offenbar immer mehr Rheinland-Pfälzer nicht verschlafen wollen. Das Geschäft mit dem schaurig-schönen Gruselspaß brummt – der Einzelhandel erwartet erneut kräftig steigende Umsätze. Wir sind in Mainz auf Spurensuche gegangen. Die schaurigste Nacht des Jahres rückt näher. Dann ziehen wieder Scharen kleiner Hexen und Geister von Tür zu Tür, dahinter steigen gruselige Monsterpartys. So mancher stimmt sich und die Nachbarschaft seit Tagen darauf ein. Ob Wiederholungs- oder Ersttäter – für viele lebt Halloween von Vampirzähnen, Kunstblut, Spinnennetzen und furchteinflößenden Masken. Diese Kundin möchte den Durst ihrer Gäste am Freitag auf ganz besondere Weise stillen. Winnie Lebon „Das ist so Drink Pouches. So wie Blutabnahme. Das ist richtig lustig. Ich finde das ein bisschen gruselig… Für die Getränke.“ Vor dreieinhalb Jahren hat Salina  Ghandi  den Laden eröffnet.  Auf den Halloween-Trend hat man sich hier schon voll eingestellt. Sortiment und Nachfrage wachsen von Jahr zu Jahr. Der Oktober ist der umsatzstärkste Monat. Salina Ghandi, Ladeninhaberin „Wir hatten jetzt auch den verkaufsoffenen Sonntag gehabt, da hat man’s auch schon gemerkt. Da war schon einiges los. Die Leute kamen schon, haben geschaut, Kostüme anprobiert. Und die meisten meinten schon: Ja, wir kommen auf jeden Fall wieder […] Also, die meisten kommen wirklich am Freitag. Da sind wir auch, glaub ich, zu zweit oder zu dritt hier. Da wird auch auf jeden Fall die Schlange bis draußen stehen, da bin ich mir sicher.“ Das Geschäft mit der Angst – auch in diesem Mainzer Kostümgeschäft hat es längst Tradition. Bei Verkleidungsfans in diesem Jahr besonders hoch im Kurs: Düstere Film- und Serienfiguren wie Art the Clown, der Joker und Pennywise aus Stephen Kings „Es“. Henry Umkehr „Bei mir gibt’s auf jeden Fall einen Sensenmann. Deswegen habe ich hier mal so diese zwei Sensen rausgesucht. Und werde aber […]

  • Nachtragshaushalt wird in Sondersitzung des Landtags eingebracht

    Nachtragshaushalt wird in Sondersitzung des Landtags eingebracht

    Erst im Bund, nun im Land. Es wirkt so, als wäre Schulden machen wieder in. Aber fangen wir vorne an: Der Bundesrat hat Mitte Oktober den Weg frei gemacht für neue Schulden der Länder. Hessen fackelt nicht lange und hat heute ein XXL-Schuldenpaket auf den Weg gebracht – in einer Sondersitzung des hessischen Landtags. Es ist eine gigantische Summe. Rund 1,15 Milliarden Euro. So viel werden dem hessischen Finanzminister Alexander Lorz bald zusätzlich zu Verfügung stehen. Der Minister verweist heute im Landtag auf die schlechte wirtschaftliche Lage in Deutschland. Alexander Lorz (CDU), Finanzminister Hessen „Das Bruttoinlandsprodukt tritt seit sechs Jahren auf der Stelle. Bei der realen Wirtschaftsleistung liegen wir aktuell auf dem Niveau des Jahres 2019. Das bedeutet sechs verlorene Jahre! Eine solche wirtschaftliche Durststrecke gab es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie! Bund und Länder müssen jetzt schnell die Weichen für mehr Wachstum stellen. Gleichzeitig müssen wir aber auch in Hessen handeln. Mit dem heute zu beratenden Nachtragshaushalt tun wir dies.“ 300 Millionen Euro aus dem riesigen Schuldentopf sollen an die Kommunen gehen. Als Soforthilfe noch in diesem Jahr. Ohne Vorgaben, wie das Geld verwendet werden soll. 200 Millionen Euro sollen an das Uniklinikum Frankfurt fließen. 20 Millionen Euro in zusätzliche Lehrkräfte investiert werden. Doch der weitaus größere Teil der neuen Spontan-Schulden ist für Rücklagen vorgesehen. Quasi ein 500-Millionen-Euro-Schulden-Backup. Besonders daran stört sich die AfD-Opposition. Roman Bausch (AfD), Abgeordneter Landtag Hessen „Und so wird mit den ach so sehr benötigten Mitteln aus der strukturellen Verschuldungsmöglichkeit nahezu hälftig die allgemeine Rücklage gefüllt. So dass das Geld in den kommenden Jahren zusätzlich zur zulässigen Kreditaufnahme der Schuldenbremse zur Verfügung steht. Es handelt sich bei der Schuldenbremse nur mehr noch um einen Pfeiler der Marketingstrategie der CDU und nicht mehr um eine restriktive Budgetregel. Vielen Dank.“ Für den Bund der Steuerzahler […]

  • IHK fordert Bau einer Mittelrheinbrücke

    IHK fordert Bau einer Mittelrheinbrücke

    Seit Jahrzehnten ist sie im Gespräch – die Mittelrheinbrücke. Sie soll die Verbindung zwischen dem Rhein-Lahn-Kreis und dem Rhein-Hunsrück-Kreis schaffen. Doch ein Bau-Start ist immer noch nicht in Sicht. Die Industrie- und Handelskammer Koblenz fordert nun endlich ein klares Bekenntnis zur Mittelrheinbrücke. Hier, in St. Goar-Fellen, soll sie irgendwann einmal stehen, die Mittelrheinbrücke. Auf einer Strecke von 80 Kilometern gibt es zwischen Mainz und Koblenz keine feste Überquerung über den Rhein. Bewohner und   Arbeitnehmer führen ihre Leben überwiegend auf ihrer Rheinseite, so die IHK Koblenz. Eine Hürde für die regionale Wirtschaft. Das spürt auch Alexander Bayer, der ein Modehaus in Nastätten führt. Alexander Bayer, Geschäftsführer Modehaus Bayer und IHK-Regionalbeirat „Wir haben einen Radius von über 30 Kilometern Einzugsgebiet, wo wir Kunden von überall her bekommen. Außer natürlich in Richtung der natürlichen Grenze Rhein. Wir sind im Rheingau stark, wir sind Richtung Koblenz stark, Richtung Dietz, Limburg und Wiesbaden, aber hier hört es abrupt auf.“ Die rheinland-pfälzische Verkehrsministerin Daniela Schmitt stellt nun in Aussicht: Das Land könnte die Brücke zu 90 Prozent finanzieren, vorbehaltlich zukünftiger Haushaltsverhandlungen. Die restlichen 10 Prozent müssten dann der Rhein-Lahn-Kreis und der Rhein-Hunsrück-Kreis tragen. Daniela Schmitt (FDP), Verkehrsministerin RLP „Es ist ein starkes Bekenntnis meinerseits zu dem Bau der Mittelrheinbrücke. Die Menschen warten sehr sehr lange und es ist wichtig, dass wir hier jetzt Schritt für Schritt weiterkommen.“ Auf 80 bis 100 Millionen Euro schätzt die IHK die Kosten für die Mittelrheinbrücke momentan. So hoch, wie der ganze Landesbauetat eines Jahres. Wenn auch kein festes Zugeständnis der Ministerin – für die IHK ein Hoffnungsschimmer, dass endlich etwas voran geht. Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK Koblenz „Planerisch sind wir so weit wie noch nie. Wir haben jetzt auch Geld am Horizont mit dem Sondervermögen des Bundes zusätzliches Geld- Was fehlt ist wirklich der politische letzte Wille, dass […]

  • Dönerverkäufer statt Arzt

    Dönerverkäufer statt Arzt

    Überall fehlen Fachkräfte – auch bei den Ärzten. Oft müssen Patienten monatelang auf einen Termin warten. Auf der anderen Seite gibt es ausgebildete Ärzte, die arbeiten wolle, aber nicht dürfen!Und genau so jemand kam vor acht Jahren aus der Türkei nach Hessen. Doch weil die Approbation hier nicht anerkannt wird, verkauft der Arzt inzwischen Döner in Wiesbaden. Dönerbude statt Arztpraxis. So hat sich Ibrahim sein Leben in Deutschland nicht vorgestellt. Vor acht Jahren muss der Anhänger der Gülen-Bewegung aus der Türkei fliehen, sonst wäre er aus politischen Gründen im Gefängnis gelandet. In Deutschland macht er einen Sprachkurs und bekommt dann erst mal Geld vom Jobcenter. Ibrahim Ünlüeloglu, Inhaber „Doktor Döner“ und studierter Arzt „Ich will mein Geld selbst verdienen. Deswegen habe ich ein Restaurant eröffnet. Ich würde gerne kochen, deshalb habe ich mich für diesen Bereich entschieden. Und ich bin jetzt natürlich zufrieden, aber ich vermisse meinen Beruf.“ Acht Jahre lang hat Ibrahim in der Türkei als Arzt gearbeitet, erst als Notarzt, dann als Hausarzt. In Deutschland darf er das nicht mehr. Ihm fehlen Dokumente. 80 Seiten Unterlagen hat Ibrahim dem Landesprüfungsamt schon geschickt. Was fehlt sind detaillierte Arbeitszeugnisse. Die will ihm sein ehemaliger Arbeitgeber aus politischen Gründen aber nicht geben. Karin Müller hilft dem Arzt mit seinen Anträgen. Die Prozesse dauern der 82-Jährigen viel zu lange. Karin Müller, Freundin von Ibrahim „Das geht nicht. Die Leute hängen in der Luft. Und was noch dazukommt, ich kann denen Druck machen, ich bin eine alte Deutsche, und ich kann denen Druck machen. Mir passiert nichts. Viele trauen sich nicht.“ Ein aktueller Beschluss des Bundeskabinetts soll Anerkennungsverfahren künftig beschleunigen. Durch Digitalisierung und Entbürokratisierung. Ingrid Hoensch, IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung „Insgesamt ist es aber so, es braucht grade auch bei den akademischen Heilberufen, grade auch bei den Ärzten, braucht es Sicherheit. Es geht […]

  • Wie Rheinland-Pfalz mehr Touristen anlocken will

    Wie Rheinland-Pfalz mehr Touristen anlocken will

    Der Tourismus ist in Rheinland-Pfalz einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Im laufenden Jahr konnte das Gastgewerbe bisher sechs Millionen Gäste begrüßen. Besonders Campingplätze sind gefragter denn je. Umso wichtiger ist es, den Tourismus weiterzuentwickeln. Das Wirtschaftsministerium hat heute seine Strategie vorgestellt. Weinberge, Altstädte, Wanderwege. Rheinland-Pfalz hat für Touristen aus aller Welt einiges zu bieten. Seit der Corona-Pandemie steigen die Gästezahlen stetig. Doch im Vergleich zu den anderen Bundesländern hinkt Rheinland-Pfalz hinterher. Die wichtige Touristenregion im Ahrtal  klagt seit der Flutkatastrophe im Jahr 2021 über ausbleibende Urlauber. Mit der weiterentwickelten Tourismusstrategie will man wieder mehr Gäste ins Land locken. Daniela Schmitt (FDP), Wirtschaftsministerin RLP „Wir haben keine einfachen Jahre im Tourismus hinter uns und umso wichtiger ist es, dass wir jetzt auch für die Zukunft auch mit wirklich wichtigen Aufgaben beschäftigen und die Grundlagen legen. Und wir merken: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz sind wirklich auch Schlüsselthemen, um in Zukunft nicht nur gefunden zu werden, sondern auch entsprechend bewertet zu werden, in den sozialen Netzwerken auch präsent zu sein.“ Die Digitalisierung ist eines von insgesamt sechs Handlungsfeldern die zur Tourismusstrategie gehören. Auch Nachhaltigkeit und die Stärkung des Gastgewerbes sind zwei wichtige Ziele. Schon seit 2019 wird die Strategie umgesetzt. Stefan Zindler, Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH „Wir haben aber jetzt mit der Fortschreibung die eine oder andere Veränderung und Anpassung vorgenommen aufgrund geänderter Marktbedingungen. Deswegen ist die Fortschreibung der Tourismusstrategie sozusagen die Aktualisierung dessen, was wir in der Vergangenheit gemacht haben und wir haben viele einzelne Maßnahmen, die wir jetzt nochmal neu definieren und auch neu priorisieren.“ Das Land will in den nächsten zwei Jahre 33 Millionen Euro für den Tourismus zur Verfügung stellen. So viel wie noch niemals zuvor. Dieses Geld soll unter anderem in touristische Infrastruktur fließen. Neu ist auch eine geplante Bestandsaufnahme des Gastgewerbes. Gereon Haumann, DEHOGA Rheinland-Pfalz e.V. „Wir wollen durch das […]

  • Vogelgrippe-Fall in Hessen bestätigt

    Vogelgrippe-Fall in Hessen bestätigt

    Jetzt ist es offiziell: Die Vogelgrippe ist in Rheinland-Pfalz und Hessen angekommen. Heute wurden ein Fall im Rhein-Hunsrück-Kreis und gleich drei Fälle im Kreis Groß-Gerau bestätigt. Es sind schwere Zeit für Landwirte mit Viehhaltung. Erst die Afrikanische Schweinepest, jetzt auch noch die Vogelgrippe. Schon wieder müssen sie gegen eine Seuche kämpfen, die ihren gesamten Tierbestand bedrohen könnte. Horst Müller hält auf seinem Aussiedlerhof in Riedstadt-Erfelden 75 Hühner. Die Eier verkauft er als kleinen Nebenverdienst. Eigentlich sollten die Tiere jetzt hier draußen sein. Doch das ist erst einmal vorbei. Wegen der Vogelgrippe müssen die Hühner ab sofort im Stall bleiben. Horst Müller, Geflügelhalter „Ich darf morgens meine Hühner einfach nicht mehr raus in die Voliere lassen, muss dann eigentlich auch etwas öfters nach den Hühnern schauen, weil der Platz ist ja auch irgendwo etwas begrenzt für die Hühner und sie können sich nicht mehr so am Tag beschäftigen wie sie das in der Summe gewohnt waren in der Voliere, in der Freiheit.“ Schuld? Die Vogelgrippe. Diesen Silber-Reiher hat sie erwischt. Und auch zwei Höckerschwäne aus dem Kreis Groß-Gerau wurden positiv getestet. Das hat das Friedrich-Löffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, heute bestätigt. Um die Ausbreitung der Seuche so gut wie möglich einzudämmen, hat der Landkreis eine Stallpflicht für Geflügel angeordnet und appelliert, in den Betrieben jetzt besonders auf Hygiene zu achten. Adil Oyan (Bündnis 90 / Die Grünen), Vize-Landrat Kreis Groß-Gerau „Bei der Vogelgrippe ist es nicht so, dass wir in Zonen dann arbeiten müssen wie zum Beispiel bei der Afrikanischen auf der einen Seite, die Geflügelhalter können ihre Geflügel und auch die Eier noch weiter frei verkaufen einerseits – andererseits gilt es, und dafür ist auch die Allgemeinverfügung erlassen worden, möglichst zu verhindern, dass die Vogelgrippe in diese Betriebe rein kommt.“ Die Vogelgrippe – auch Geflügelpest genannt – ist für Vögel […]

  • Heizkosten steigen

    Heizkosten steigen

    Draußen wird es langsam kälter, der Herbst ist voll angekommen und da will man es doch zumindest drinnen schön gemütlich haben. Also wird eingeheizt. Doch das ist inzwischen ein echter Luxus geworden, denn Heizen ist in den vergangenen Jahren im Schnitt um rund 80 Prozent teurer geworden. Gleich sprechen wir mit einer Energie-Expertin über die Gründe dafür und über Spar-Potentiale, doch zuerst ein Blick auf die Lage. Die Heizung aufdrehen – ein teurer Spaß. Das besagt zum einen die Heizkostenabrechnung – zum anderen belegt es auch der aktuelle Heizreport des Energie-Dienstleisters Techem. Hierfür wurden Daten von rund 100.000 Häusern und über einer Million Wohnungen ausgewertet. Die Brennstoffpreise stiegen seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 rapide an. Parallel dazu sank der Verbrauch drastisch – viele Menschen verzichteten überdurchschnittlich stark auf Wärme in den eigenen vier Wänden. Inzwischen normalisiert sich das Heiz-Verhalten wieder etwas – obwohl sich die Brennstoffpreise weiterhin auf einem sehr hohen Niveau befinden. Eine Kilowattstunde kostet aktuell im Schnitt stattliche 12 Cent. Und das spüren auch Eigentümer und Mieter. Susanne Schwan, Steuerfachangestellte „Wir sind bei einem Fernwärmeanbieter und da kann man ja nicht wechseln und wir haben jetzt vom letzten Jahr auf dieses Jahr über 1.000 Euro mehr an Heizkosten zahlen müssen, obwohl der Verbrauch ein bisschen niedriger gewesen ist. Dadurch, dass die Fernwärme halt die Preise fast verdoppelt hat.“ Dieter Grünewald, Rentner „Beunruhigt ist man als Privatperson deshalb natürlich, weil man nicht weiß, wie sich die Heizkosten weiter entwickeln, die ja inzwischen einen enormen Anstieg genommen haben und man weiß nicht, ob man die Gesamtkosten, die dann monatlich entstehen noch schultern kann.“ Sabina Trovato, CME-Spezialistin „Also ich empfinde auch, dass die Preise sehr stark gestiegen sind und man die Heizung sehr spät erst anmacht im Jahr, um möglichst die Kosten noch weiter zu reduzieren.“ Das zeigt deutlich: Heizen […]

  • Ausbildung für Gehörlose

    Ausbildung für Gehörlose

    Stressig, laut und manchmal auch durchaus grob im Ton: So geht es – zumindest dem Klischee nach – häufig in Großküchen zu. Im Bistro Rothschild in Frankfurt ist das anders. Dort hört man nur das Klappern des Küchengeschirrs, das hektische Quietschen der Schuhe auf dem Boden und leise Gespräche. Und das hat einen Grund: Die Auszubildenden sind größtenteils schwerhörig oder gehörlos. Kommunizieren geht also nur mit Gebärdensprache. Wir waren zu Besuch in einer ganz besonderen Ausbildungsküche. Pausenverkauf um Punkt neun. Azubi Mohammed Ali ist heute für den Brötchenverkauf zuständig. Seine Kollegin gebärdet, was die Schüler der Phillip-Holzmann-Schule in Frankfurt bestellen. Der heute 25-Jährige flieht vor einigen Jahren von Syrien nach Deutschland. Sein Gehör verliert er dort im Krieg. Mohammed Ali, Auszubildener „Als ich geboren wurde, war ich hörend. Bis ich so sieben, acht Jahre alt war. Also von eins bis acht so. Und dann, in Syrien war ja Krieg und dann gab‘s die ganzen Bombeneinschläge. Dann wurde mein Gehör immer weniger. Bis ich dann irgendwann gar nichts mehr gehört habe. Man hat versucht mit Hörgeräten zu arbeiten, das hat aber auch nicht funktioniert und dann war’s eben tatsächlich so, dass ich mich dann dafür entschieden habe, Gebärdensprache zu benutzen und das ist mein Leben.“ Mohammed ist einer von zwölf Auszubildenden. Ihre Hörbehinderung stellt viele Firmen vor ein Problem. Im Bistro Rothschild ist das anders. Die jungen Erwachsenen arbeiten in der Berufsschule mit Gebärdendolmetschern zusammen. Mohammed Ali, Auszubildener „In der Schule war’s schon ein bisschen schwierig. Aber jetzt hab ich ja auch Dolmetscher dabei. Und deswegen verstehe ich den Unterricht gut. Und an einer Hörenden-Schule Unterricht würde ich halt überhaupt nicht verstehen. Wenn überhaupt keine Gebärdensprache dabei ist und nur ein hörendes Umfeld, dann sitze ich einfach da und kann nichts beitragen. So ist es praktisch auf Augenhöhe und alle können […]

  • Schwierige Zeiten für die Luftfahrt

    Schwierige Zeiten für die Luftfahrt

    Während im Rest von Europa inzwischen mehr geflogen wird als vor Corona, hinkt die deutsche Luftfahrt hinterher.Vor allem die gestiegenen Luftverkehrssteuern bereiten deutschen Flughäfen und Airlines gleichermaßen Sorgen. Ganz besonders an Deutschlands größtem Airport in Frankfurt. In Sachen Luftverkehr ist Deutschland der „kranke Mann Europas“: Beim VhU-Luftverkehrsforum am Frankfurter Flughafen findet diese Aussage von Condor-Chef Peter Gerber viel Anklang. Ein Beispiel dafür nennt  Lufthansa-Vorstand Michael Niggemann: Immer mehr Inlandsflüge der Kranich-Linie stehen vor dem Aus: Sie seien schlichtweg nicht mehr kostendeckend zu betreiben. Und auch der Chef des Frankfurter Flughafens  Stefan Schulte rechnet vor, warum der Standort Deutschland gerade immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit einbüßt. Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender Fraport AG „Wenn Sie ganz konkret einen interkontinentalen Flug nehmen, der von Madrid nach New York geht. Und sie nehmen den von Frankfurt oder von München nach New York. Dann haben wir hier das Achtfache an staatlichen Kosten. Das zahlen Sie als Passagier. Und das führt dazu, dass weniger über Frankfurt, über München geflogen wird. Das heißt am Ende: Wir haben weniger internationale Anbindung, die wir Passagieren, aber vor allem der Wirtschaft anbieten können. Und das ist ein negativer Standortfaktor. Das kostet uns in Deutschland Wirtschaftswachstum in Summe.“ So seien die staatlichen Standortkosten in Deutschland seit dem Jahr 2019 um rund 70 Prozent gestiegen – im restlichen Europa dagegen nur um 39 Prozent. Von den Standortvorteilen außereuropäischer Flughäfen wie Dubai oder Singapur ganz zu schweigen. Braucht es also Steuerermäßigungen für deutsche Flughäfen und Airlines? Nein, sagt der ehemalige hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, der inzwischen für die Grünen im Bundestag sitzt und dort den verkehrspolitischen Ausschuss leitet. Tarek Al-Wazir (Bündnis 90 / Die Grünen), Vorsitzender Verkehrsausschuss Bundestag „Das Fliegen ist die klimaschädlichste Form der Fortbewegung. Und deswegen ist es aus meiner Sicht wichtig, erstens nur zu fliegen, wenn man es wirklich muss – also […]

  • So planen Kommunen mit dem Sondervermögen

    So planen Kommunen mit dem Sondervermögen

    500 Milliarden Euro pumpt der Bund in den nächsten zwölf Jahren in die Kassen von Ländern und Kommunen. Damit sollen aber keine Kreditzinsen getilgt, Haushaltslöcher gestopft oder Defizite abgemildert werden – nein, es geht um zusätzliche Investitionen in Infrastruktur. Wie das Geld ausgegeben wird und welche Kommune dabei welche Summen erhält, entscheiden die Länder. Der Germersheimer Landrat Martin Brandl plädiert jedenfalls dafür, bei der Verteilung nicht nach dem Gießkannenprinzip vorzugehen. Warum? – das zeigt ein Beispiel aus dem pfälzischen Rülzheim. Hier entsteht die neue Kita „Villa Zauberwald“. Kostenpunkt: Über 9 Millionen Euro. Werden die Mittel aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen des Bundes nach dem üblichen Prinzip verteilt, fließen über 12 Jahre 5 Millionen Euro nach Rülzheim. Mit ihrem Teil des Sondervermögens hätte die Gemeinde nach zwölf Jahren also etwa eine halbe Kita finanziert. Für Landrat Martin Brandl zeigt dieses Beispiel, dass der Effekt des Sondervermögens schnell verpuffen kann. Martin Brandl (CDU), Landrat Germersheim „Wenn wir damit einfach nur einzelne Schulklos oder Schlaglöcher stopfen bzw. sanieren, dann ist das aus meiner Sicht nicht in dem Sinne gewesen, wofür mir diese 500 Milliarden verwenden sollen. Und deshalb sage ich, warum sollten wir uns nicht mal zusammen tun und dann alle gemeinsam an einem großen Projekt arbeiten. Ein Projekt, was letztendlich nachhaltig wirkt, wo wir tatsächlich Wirtschaftskraft auch nochmal entfesseln können.“ Dem Landrat schwebt beispielsweise der Ausbau von schnellem Internet sowie der Verkehrs- und Energieinfrastruktur vor, um die Ansiedlung von Unternehmen in seinem Kreis zu fördern. Ein Gedanke, mit dem er bei der Industrie-und Handelskammer Pfalz offene Türen einrennt. Jürgen Vogel, Geschäftsführer IHK Pfalz „Die wirtschaftliche Lage ist angespannt und unsere Unternehmen brauchen vor allem eins. Planungssicherheit und Sicherheit in die Zukunft und wir müssen jetzt Entscheidungen treffen, auf die sich die Unternehmen verlassen können. Wir müssen jetzt Entscheidungen treffen, die unsere Standorte nach […]

  • Verlage präsentieren sich auf Frankfurter Buchmesse

    Verlage präsentieren sich auf Frankfurter Buchmesse

    Seit gestern hat die Frankfurter Buchmesse ihre Tore für die Besucher geöffnet. Die ersten beiden Tage gehören dem Fachpublikum – ab morgen dürfen dann alle rein. In Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz stellt sich dabei mehr denn je die Frage: Hat das gedruckte Wort überhaupt noch eine Zukunft? – „Auf jeden Fall!“, sagt die Branche – und setzt dabei auch auf einen neuen Trend. In Deutschland gibt es immer mehr Lesemuffel. Innerhalb von gerade einmal zwei Jahren ist die Zahl derjenigen Erwachsenen, die mindestens einmal im Jahr ein Buch lesen, von etwa der Hälfte auf weniger als ein Drittel gesunken. Doch schon gibt es eine Gegenbewegung: Vor allem Teenager entdecken das Lesen gerade neu. „Young Adult“ ist das Wachstumssegment schlechthin – mit mehr als 25 Millionen verkauften Büchern in 2024 hat sich das Segment innerhalb eines einzigen Jahres fast verdoppelt. Sehr zur Freude von Ina Hartwig. Als Autorin kennt die Frankfurter Kulturdezernentin den Literaturbetrieb und weiß: Um zu bestehen, muss sich die Branche immer wieder neu erfinden. Ina Hartwig (SPD), Kulturdezernentin Frankfurt „Die jungen Menschen, wie man hört, greifen wieder zum Buch. Ich gebe das Buch nicht verloren. Ich bin selbst eine leidenschaftliche Büchernärrin geradezu. Und ich finde es sehr wichtig, dass hier Bücher ausgestellt werden. Aber gleichzeitig ist natürlich die Weiterentwicklung in andere Medien hinein auch sehr wichtig. Und die Buchbranche, da bin ich überzeugt, ist da einfallsreich genug, um die Zukunft des geschriebenen Wortes zu sichern.“ Was Autoren und Verleger derzeit gleichermaßen umtreibt, ist die rasante Entwicklung in Sachen Künstlicher Intelligenz. Dabei geht es nicht nur um Urheberrechtsverletzungen durch große amerikanische Tech-Konzerne, sondern auch im die Frage: Was ist überhaupt noch echt? Und wie geht man als Verlag mit eingereichten Texten um, die vielleicht gar nicht vom vermeintlichen Autor, sondern von Künstlicher Intelligenz geschrieben wurden? Joachim Unseld, […]

  • Kinder-Palliativ-Team in Mainz droht das Aus

    Kinder-Palliativ-Team in Mainz droht das Aus

    Wenn man über Palliativmedizin spricht, geht es in der Regel um die medizinische Begleitung in den letzten Wochen im Leben eines Menschen. Besonders hart ist das, wenn es um Kinder geht. Palliativteams begleiten die Familien schwer kranker Kinder – manchmal auch über Jahre. Doch das ambulante Kinder-Palliativ-Team in Mainz steht nun vor dem Aus. Es fehlen Pflegefachkräfte. Hausbesuch bei Marlo und seiner Familie. Bei der  Geburt bekommt der Zweijährige zu wenig Sauerstoff. Sein Gehirn wird schwer geschädigt. Seitdem braucht Marlo Pflege – jeden Tag, rund um die Uhr. Für Marlos  Mutter Tanja und ihren Mann verändert sich das Leben radikal. Von einem Tag auf den anderen. Tanja, Marlos Mutter „Der Alltag ist eigentlich nicht mehr wirklich vergleichbar mit dem Leben, das man vorher geführt hat. Weil man einfach jede Minute vor viele neue Situationen geworfen wird. Der Kleine kann in der einen Minute stabil sein, in der anderen Minute ist er schon wieder in einer kritischen Situation.“ Die Eltern pflegen ihren Sohn bei sich zuhause. Immerhin ein kleines Stück Normalität. Ohne das ambulante Kinder-Palliativteam aus Mainz wäre das nicht möglich. Tanja, Marlos Mama „Die wissen ganz genau Marlos Zustand zu deuten. Die kennen ihn. Die begleiten uns jetzt schon seit zwei Jahren. Und sie sind einfach immer da. Die wissen, wie sie uns helfen können. Man hat einfach ne unglaubliche Sicherheit. Und man weiß, man ist nicht alleine.“ Kinderpflegerin Johanna Molitor und ihre Kollegen wissen genau, was Marlo braucht. In Notfällen können sie so oft besser reagieren als ein Notarzt. Und: Sie sind immer erreichbar. Für Marlos Eltern eine besonders wichtige Stütze. Tanja, Marlos Mama „Es ist auch schon häufiger passiert, dass wir morgens um drei telefoniert haben. Und jedes Mal nimmt jemand ab an der anderen Leitung, hat eine positive Grundeinstellung, gibt uns wieder Ruhe und Sicherheit. Weil wir […]

  • Kiwi-Ernte in der Pfalz

    Kiwi-Ernte in der Pfalz

    Die Natur beschenkt uns gerade jetzt im Herbst reichlich mit Äpfel, Birnen und vielem mehr… Die Pfalz bietet für zahlreiche Obstsorten ideale Bedingungen zum Wachsen. Doch neben den Obstklassikern, sind auch einige exotische Früchte zu finden. An der südlichen Weinstraße werden jetzt zum ersten Mal Kiwis geerntet. Rund, grün und pelzig. Noch sind die Sträucher recht klein, doch schon jetzt hängen die meisten von Ihnen voll mit Kiwis. Gerd Pfaffmann pflanzt vor vier Jahren 1.200 Setzlinge. In diesem Jahr tragen sie zum ersten Mal Früchte. Ganz zur Freude des Obstbauern. Denn mit dem Anbau der Südfrüchte ging er ein ziemliches Risiko ein. Gerd Pfaffmann, Obstbauer aus Impflingen „Kiwis haben gewisse Eigenschaften, die sehr gut sind. Das ist, dass sie keine pilzlichen und tierischen Schädlinge haben. Deswegen brauchen wir keinen Pflanzenschutz. Das schlechte daran ist, dass sie zu einem Zeitpunkt blühen, wo wir oft Spätfröste haben. Das heißt, durch den Frost können wir die Ernte verlieren. Das ist ein Nachteil. Und sie vertragen nicht Trockenheit über lange Zeit. Deswegen haben wir alle Reihen mit einer Tröpfchenberegnung ausgestattet.“ Durch die Änderung des Klimas in den vergangenen Jahren ist dieses Experiment überhaupt erst möglich. Als Kiwi-Pionier in der Pfalz musste sich Pfaffmann sein Wissen selbst aneignen. Gerd Pfaffmann, Obstbauer aus Impflingen „Da haben wir eine männliche Pflanze, die trägt überhaupt nichts. Die ist nur dafür da, um die weiblichen Pflanzen zu befruchten. Es sind immer neun weibliche und eine männliche und die trägt halt leider Gottes natürlich auch nix. Aber ohne die hätten wir gar keinen Ertrag.“ Der Ertrag liegt in diesem Jahr bei etwa 3 Tonnen. In den nächsten Jahren rechnet der Obstbauer damit, dass dieser sich verzehnfacht. Gerd Pfaffmann, Obstbauer aus Impflingen „Nächstes Jahr rechnen wir mit der ersten Vollernte auf den Reihen. Und langfristig wollen wir aber alles hier in […]

  • Junge Unionsabgeordnete gegen Rentenpläne der Bundesregierung

    Junge Unionsabgeordnete gegen Rentenpläne der Bundesregierung

    Die schwarz-rote Bundesregierung streitet schon wieder. Aktuell nicht nur über den Wehrdienst, sondern auch über die Rente. Das Bundeskabinett hatte sich auf einen Gesetzentwurf geeinigt, den Bundessozialministerin Bärbel Bas vorgelegt hatte. Doch jetzt wackelt das ganze Rentenpaket! Ein hessischer Abgeordneter, Vorsitzender der „Jungen Gruppe“ in der Unionsfraktion, sagt: „Wir stimmen dem Rentenpaket nicht zu“. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart: Bis 2031 soll das Rentenniveau bei 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes bleiben. In den kommenden sechs Jahren sollen die Renten genauso stark steigen wie die Löhne. Nach aktueller Gesetzeslage würden die Renten danach aber von der Lohnentwicklung abgekoppelt und dementsprechend langsamer zunehmen. Viele finden das sinnvoll, weil in Zukunft immer weniger Berufstätige immer mehr Rentner finanzieren müssen. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas möchte jedoch verhindern, dass Rentner sich künftig immer weniger leisten können. Ihr neuer Gesetzentwurf sieht vor, die Renten bis 2040 weiterhin an die Lohnentwicklung zu koppeln. Die sogenannte „Junge Gruppe“ in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion – angeführt vom hessischen Abgeordneten Pascal Reddig – lehnt diesen Vorschlag ab. Sie meint: Das sei unfair gegenüber der jungen Generation und langfristig nicht bezahlbar. Die Jusos aus Rheinland-Pfalz halten dieses Argument für nicht überzeugend. Viktoria Wagner, Stellvertretende Vorsitzende Jusos RLP „Das sehen wir als Jusos entschieden anders. Gerade braucht es doch Sicherheit für die neue Generation, es kann ja nicht sein, dass wir jungen Leute heutzutage in die Rente einzahlen und keine Sicherheit haben, dass wir selber einmal noch Rente gesetzlich noch ausbezahlt bekommen werden. Dementsprechend muss das Rentenniveau eben langfristig gesichert werden.“ Bundeskanzler Friedrich Merz zeigt Verständnis für die 18 Mitglieder der Jungen Gruppe, die das neue Rentengesetz im Bundestag blockieren könnten. Deshalb macht er deutlich: Es soll keine feste Zusage geben, die Renten über das Jahr 2031 hinaus an die Löhne zu koppeln. Diese Entscheidung solle lieber die geplante Rentenkommission treffen. Trotzdem liegt der […]

  • CDU-Abgeordneter Reddig zu Rentenpaket: „Wir brauchen dringend Nachbesserungen.“

    CDU-Abgeordneter Reddig zu Rentenpaket: „Wir brauchen dringend Nachbesserungen.“

    Pascal Reddig, der Vorsitzender der „Jungen Gruppe“ der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, hat die Diskussion um das Rentenpaket angeheizt. Markus Appelmann, Moderator: Guten Tag! Pascal Reddig (CDU), Bundestagsabgeordneter: Hallo, Herr Appelmann. Appelmann: Sie sagen, der Gesetzentwurf sei in seiner jetzigen Form nicht zustimmungsfähig. Erklären Sie mal, warum nicht aus Ihrer Sicht. Reddig: Wir haben im Koalitionsvertrag klar vereinbart, dass wir das Rentenniveau bis zum Jahr 2031 stabilisieren. Dazu stehen wir auch, und das ist auch gut, um Sicherheit für die Menschen herzustellen, die jetzt bald in Rente gehen. Klar ist aber auch, dass wir nur das jetzt machen können, was auch im Koalitionsvertrag vereinbart ist. Und der Gesetzesentwurf geht deutlich darüber hinaus. Der sieht insgesamt weitere Kosten in Höhe von insgesamt 115 Milliarden  € allein für die Jahre 2032 bis 2040 vor. Das ist etwas, was wir aus Sicht der jungen Generation so nicht mitmachen können. Appelmann: Also Sie sagen, um es noch einmal klar zu machen: Wir müssen uns damit anfreunden, dass das Rentenniveau sinken muss und wir am Ende alle länger arbeiten müssen, oder? Reddig: Wir sagen gar nicht, dass das Rentenniveau sinken muss. Ich glaube, es muss ein Gesamtkonzept werden, das insgesamt das Rentensystem auf neue Füße stellt. Es wird so wie es aktuell ausgestaltet ist, wahrscheinlich über die nächsten zehn, 20 Jahre nicht mehr funktionieren. Wir werden immer älter. Früher war es mal so, dass sechs Beitragszahler ein Rentner finanziert haben. Aktuell sind wir schon bei zwei. Wir werden irgendwann dann nur noch ein Beitragszahler sein. Und da ist völlig klar, dass sich auch das System, den demografischen Wandel anpassen wird. Und dazu gehört natürlich, dass wir perspektivisch auch insgesamt länger arbeiten müssen. Das heißt aber nicht automatisch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters, sondern es heißt vor allem, dass wir bis zum Renteneintrittsalter auch wieder mehr arbeiten […]