Unglück

  • Gedenken an Explosion in Bruchköbel vor 40 Jahren

    Gedenken an Explosion in Bruchköbel vor 40 Jahren

    Auf den Tag vor 40 Jahren geschah im hessischen Bruchköbel etwas Furchtbares: Es ist halb sieben am Morgen des 9. Februar 1982: Auf dem Gelände der Kosmetikfirma Reinelt kommt es zu einer heftigen Explosion. Drei Menschen sterben, 18 weitere werden verletzt. Die Druckwelle sorgt für große Schäden an den umliegenden Häusern. Das Gelände der Firma liegt in Trümmern. Für die Menschen vor Ort eine traumatische Erfahrung. Wir haben uns mit einem Zeitzeugen von damals getroffen. Manfred Nitschke, Zeitzeuge der Explosion vom 9. Februar 1982 „Es sah aus, wie nach dem Bombenangriff und man muss vorstellen, die ganzen Fenster waren eingedrückt. Und es war Februar, ein saukalter Februartag.“ Manfred Nitschke erlebte die Explosion hautnah. Damals lebte er mit seiner Familie nur wenige Meter von der Fabrik entfernt in der Röntgenstraße. Nach der Explosion steht er vor seinem Haus und kann es kaum glauben. Manfred Nitschke, Zeitzeuge der Explosion vom 9. Februar 1982 „Keiner wusste, was richtig los war. Man hat ja dann die Rauchfahne gesehen von der Firma Reinelt. Wie jetzt die ganzen Nachbarn auf der Straße waren. Hier auch auf der Röntgenstraße, mit den Dachziegeln und dem ganzen Unrat, der da angeflogen kam. Erst mal Entsetzen in den Gesichtern und Ratlosigkeit: Was ist denn hier passiert?“ Durch ein Leck in einem Gastank war es zur Explosion gekommen. Die Fabrikhalle von rund 2,000 Quadratmetern: Nur noch Schutt und Asche. Drei Menschen werden tot geborgen. Eine unvorstellbare Katastrophe. Die Menschen in Bruchköbel beschäftigt das heute noch. Vierzig Jahre danach. Sylvia Braun, FDP, Bürgermeisterin Bruchköbel „Man kann heute wirklich jeden Bruchköbeler fragen, der in dem Alter ist, der weiß immer, wo er war. ‚Ich hab im Bad gestanden und dann sind die Fenster rausgeflogen‘. Man hört ganz viele Geschichten, auch von Leuten aus dem Umland, das ist ja auch bis weit ins Umland […]

  • Streit um den Verlauf der Ahr nach der Flut

    Streit um den Verlauf der Ahr nach der Flut

    Im vergangenen Juli verwüstet eine Jahrhundertflut das Ahrtal. Schnell hatte die Politik versprochen: Der Wiederaufbau soll unbürokratisch und ökologisch erfolgen und vor allem eins sein: krisensicher. Doch genau das sei nicht passiert, kritisiert der Naturschutzbund Rheinland-Pfalz. Der Verlauf der Ahr sei quasi auf den Vorkatastrophenzustand wiederhergestellt worden. Die Gefahr für ein erneutes Hochwasser sei also groß. In der Katastrophe Chancen sehen – für viele Menschen im Ahrtal klingt das vermutlich bis heute wie Hohn. Aber: Die Katastrophe hat solche Chancen geschaffen, das Ahrtal katastrophenfester zu machen. Denn durch die Flut hat die Ahr teilweise ihren Verlauf geändert. Für den Hochwasserschutz sei das eine Chance gewesen – die man liegen ließ. Cosima Lindemann, NABU Rheinland-Pfalz „ Erst mal ist es verständlich, dass ganz viel Aufräumarbeiten passiert sind. Wir haben dann aber die Situation erlebt, dass an manchen Stellen, wo der Fluss Land weggetragen hat und breiter wurde und wo er gezeigt hat, dass er mehr Raum braucht, jetzt im Nachgang der Fluss wieder verengt, eingeengt wurde, an manchen Stellen. wie hier hinter uns. sogar heute enger ist als jemals zuvor.“ Warum das ein Problem ist, zeigt diese Stelle der Ahr kurz vor dem Ort Rech: Wo die Ahr breit ist, fließt sie langsam – an der Engstelle wird sie schneller. Bei Hochwasser könnte sie hier zuerst über die Ufer treten. Oft haben die Bürger selbst geflutete Flächen auf ihren Grundstücken zugeschüttet – ein Problem, sagt auch Joachim Gerke von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. Joachim Gerke, SGD Nord „Das gefällt uns jetzt in der Summe so auch nicht. Es gibt auch Stellen, die können nicht so bleiben, das ist vollkommen klar. Die Aufgabe der Behörde ist es jetzt, die berechtigten Interessen, die aus dem Naturschutz heraus definiert werden, mit Interessen der Grundstückseigentümer in Einklang zu bringen.“ Die SGD Nord unterstützt als […]

  • Nach Flutkatastrophe im Ahrtal – Versicherung will nicht zahlen

    Nach Flutkatastrophe im Ahrtal – Versicherung will nicht zahlen

    Und wir werfen jetzt nochmal einen Blick ins Ahrtal. Denn auch mehr als ein halbes Jahr nach der Flut wissen viele Menschen dort nicht, wie es weiter gehen soll. Es hakt beim Wiederaufbau. Das gilt auch für diejenigen, die eigentlich eine Elementarversicherung abgeschlossen hatten. Oft dauert es lange, bis das Geld endlich da ist – wenn es denn überhaupt kommt. Wir haben eine Familie aus Ahrbrück getroffen, bei der sich die Versicherung quer stellt. Kaum zu glauben, dass hier einmal vier Häuser gestanden haben. Im Laufe von drei Jahrzehnten haben Heinz und Monika Sicken sie mit viel Herzblut aufgebaut, für ihre Kinder und Enkelkinder. Direkt an der Ahr, mit viel Grün. Nur eine Nacht hat alles zerstört. Die Straße ist weggebrochen, der Untergrund aufgeweicht. Die Häuser mussten sofort abgerissen werden. An diesen Ort zurückzukommen kostet viel Überwindung. Nikolaus Sicken, Flutopfer „Also, mein Haus, wo ich mit meiner Familie gewohnt hab‘, stand ungefähr da, wo der Weihnachtsbaum ist, ein bisschen weiter rüber noch. So ungefähr fünf Meter, da war dann meine Eingangstür. Ja, das war einmal leider.“ Eines der Häuser war eine Wohngemeinschaft für Jugendliche. Für dieses Gebäude hatten die Sickens eine Elementarversicherung bei der Provinzial abgeschlossen. Sie hat in Ahrbrück eine eigene Geschäftsstelle. Gegen Schäden durch Starkregen und Überschwemmung war die Familie also abgesichert. Monika Sicken, Flutopfer „Wir haben unser ganzes Geld letztendlich in dieses Projekt investiert. Dann denkt man, man ist versichert, bekommt auch erst eine positive Rückmeldung von der Versicherung und dann auf einmal ein Schreiben: ‚Das war‘s. Sie kriegen nichts von uns. Genau dieser Fall eben, Springflut, Flut, Sturmflut ist nicht versichert.‘ Dann stehen Sie da.“ Die Versicherung beruft sich dabei auf eine sogenannte Ausschlussklausel. Die Familie ist fassungslos und hat einen Anwalt eingeschaltet. Für Markus Krämer steht fest: Damit kommt die Provinzial nicht davon. Markus Gerd […]

  • Zwei Tote bei Verkehrsunfall auf der A 3

    Zwei Tote bei Verkehrsunfall auf der A 3

    Ein schwerer Verkehrsunfall gestern Abend auf der A3 in unmittelbarer Nähe des Flughafens Frankfurt. Der Fahrer eines LKW konnte nur noch tot geborgen werden. Eine weitere Person verstarb noch in der Nacht. Die A3 am Frankfurter Flughafen gleicht einem Trümmerfeld. Die Autobahn muss wegen starker Rauchentwicklung in beide Richtungen gesperrt werden. Gegen 21 Uhr kollidiert ein Auto mit einem LKW. Dieser kippt auf die Seite und wird von einem Kleintransporter erfasst. Das Führerhaus steht schon bald vollständig in Flammen. Marcus Brinkmann, Pressesprecher Feuerwehr Frankfurt „Eine Person, die in der Fahrerkabine des LKW eingeklemmt wurde, wurde dabei tödlich verletzt. Die beiden eingeklemmten in dem Kleintransporter konnten mittels technischer Rettung gerettet werden und dem Rettungsdienst übergeben werden. Beide sind schwer verletzt. Ein Übergreifen der Flammen auf den Kleintransporter oder weitere beteiligte Fahrzeuge konnte unterbunden werden.“ Noch in der Nacht verstirbt auch der 44-jährige Beifahrer des Kleintransporters. Der genaue Unfallhergang und die Ursache konnten bisher noch nicht vollständig ermittelt werden. Es wird vermutet, dass der PKW ins Schleudern geriet und so die Unfallserie auslöste. Nach dem Zusammenstoß mit dem Auto, verlor der LKW-Fahrer die Kontrolle und prallte gegen einen Laternenpfeiler auf dem Mittelstreifen. Bei der Kollision löste sich der Anhänger von der Zugmaschine. Der nachfolgende Kleintransporter hatte keine Möglichkeit mehr auszuweichen. Der 28-jährige Fahrer des Autos konnte sich mit leichten Verletzungen aus seinem Fahrzeug retten. Die Bergungsarbeiten dauerten bis in die Morgenstunden. Der Verkehr wurde umgeleitet. Der Sachschaden wird auf mehrere hunderttausend Euro geschätzt.

  • In Kordel ist immer noch viel zu tun

    In Kordel ist immer noch viel zu tun

    Wenn wir über die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz sprechen, dann denken die meisten sofort an das Ahrtal. Doch auch in der Eifel, bei Bitburg und Trier, hat das Wasser gewütet. In Trier ist ein Mensch ums Leben gekommen. Und auch hier ist über ein halbes Jahr nach der Flut noch lange nichts alles wieder beim Alten, wie unser Besuch im Eifeldorf Kordel zeigt. Meike Weinand-Paczulla „Wenn man nach Kordel kommt… das war früher so ein schönes, fröhliches Dorf. Die Einkaufsstraße war immer belebt.“ Sieglinde Neyses „Die Leute haben sich verändert, sind irgendwie trauriger geworden. Es ist wie ausgelöscht, das muss man schon sagen. Der Ort hat sich vollkommen verändert.“ Medard Roth „Sie müssen sich vorstellen, alles hat gut funktioniert. Und in einer Nacht, vom 14. auf den 15. Juli, war alles zerstört.“ Meike Weinand-Paczulla, Sieglinde Neyses, Medard Roth. Drei Kordler, deren Leben die Flut im Juli verändert hat. Noch heute, über ein halbes Jahr später, ist nichts wie es mal war. Sieglinde Neyses, Inhaberin Hotel Neyses „Wenn man so sieht, drei Generationen, unser Leben – das Leben von meinem Mann und mir, wir führen den Betrieb jetzt 35 Jahre – irgendwie hat man das Gefühl gehabt, oh, jetzt ist das ganze Leben im Container.“ Auch Meike Weinand-Paczulla hat ihr Leben Großteils in Kordel verbracht. Schon ihr Opa führte hier einen Friseursalon. Nach zwei coronabedingten Ladenschließungen ist das Geschäft gerade wieder angelaufen als das Wasser kommt. Meike Weinand-Paczulla, Friseurmeisterin Kordel „Da hat man einfach Angst. Dann wird einem zum dritten Mal die Existenz unterm Boden weggerissen. Zum dritten Mal unverschuldet. Das war das Schlimme.“ Die Friseurmeisterin wird kreativ. Sie investiert in einen Container, in dem sie provisorisch ihre Kunden frisiert, weiter Geld verdienen und so auch ihren Mitarbeiterinnen eine Perspektive bieten kann. Meike Weinand-Paczulla, Friseurmeisterin Kordel „Die Kunden sind auch total froh, […]

  • Das Ahrtal wählt einen neuen Landrat

    Das Ahrtal wählt einen neuen Landrat

    Selten hat eine Landratswahl in Deutschland für so viel Aufmerksamkeit gesorgt wie die am Sonntag im Ahrtal. Der ehemalige Landrat war zurückgetreten, weil direkt nach der Flutkatastrophe Kritik am Krisenmanagement laut wurde. Jetzt am Sonntag – ein halbes Jahr später – steht die Wahl eines neuen Landrats an. Als Favorit gilt vielen der erste Kreisbeigeordnete Horst Gies, der den ehemaligen Landrat bereits seit August in seinen Aufgaben vertritt. Gies ist hier geboren und nicht nur im Ahrtal gut vernetzt. Bereits seit 2011 repräsentiert er den Kreis auch im Rheinland-Pfälzischen Landtag. Horst Gies, CDU, Erster Kreisbeigeordneter Landkreis Ahrweiler „Ich habe immer gesagt, das ist meine Heimat, das ist unser kleines Paradies. Und das ist eben am 14. 07. zerstört worden. Und ich sehe darin jetzt wirklich die Verpflichtung und wirklich die Aufgabe und den Antrieb vom innersten her, das jetzt wieder aufzubauen, was unsere Vorfahren, unsere Eltern und Großeltern nach dem Krieg wieder aufgebaut haben. Und jetzt ist es unsere Aufgabe wieder aufzubauen, für die nach uns kommenden Generationen.“ Auch Cornelia Weigand will ihr Augenmerk auf den Wiederaufbau legen. Die 50-Jährige, die seit 2019 parteilose Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr ist, beklagt vor allem die langsame Auszahlung der Hilfsgelder und die mangelnde Koordination der wichtigsten Aufgaben. Doch sie stellt sich auch zur Wahl, um die Region für die Zukunft fit zu machen. Cornelia Weigand, parteilos, Bürgermeisterin Verbandsgemeinde Altenahr „Wir werden auf dem Land auch immer weiter Probleme bekommen in der medizinischen Versorgung, da werden wir weitere Konzepte brauchen. Und natürlich ist auch nach der Katastrophe das Thema Nachhaltigkeit ein ganz wichtiges: Wie sieht bei uns tatsächlich die Energiewende aus, wie können wir es schaffen, auch die dazugehörige Mobilitätswende hinzubekommen? Ganz viele verschiedene Themen; einige sind vielen Landkreisen bekannt, andere sind eine Besonderheit aufgrund der Tatsache, dass wir hier auch heilen müssen und […]

  • CDU: Hilfen für Flutopfer fließen zu langsam

    CDU: Hilfen für Flutopfer fließen zu langsam

    Ziemlich genau ein halbes Jahr ist das verheerende Hochwasser im Ahrtal und anderen Teilen des Landes her. Eine Naturkatastrophe, die viele Menschen das Leben gekostet und Sachschäden in Milliardenhöhe verursacht hat. Letzte Woche schon hat die Landesregierung sich die Situation vor Ort angeschaut und auf die vielen kleinen Erfolge hingewiesen. Heute zieht die CDU-Opposition Bilanz. Sie vermisst das Gesamtkonzept für den Aufbau an der Ahr. Es fließt wieder Gas. Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren. Die Ahrtalbahn fährt wieder – zumindest auf einem kleinen Streckenabschnitt. Es tut sich was im Ahrtal. Allerdings zu wenig, findet die rheinland-pfälzische CDU. Christian Baldauf, CDU, Fraktionsvorsitzender Landtag Rheinland-Pfalz „Es gibt viele Dinge, die erledigt werden, ja, es gibt viel Unterstützung. Das Problem ist, es sind jetzt sechs Monate und man merkt, es ist nicht alles umgesetzt, was umgesetzt werden müsste. Zum Beispiel gibt es einen Spendentopf von viereinhalb Millionen Euro für die Winzer, der nicht einfach ausgezahlt werden kann.“ Das geltende Spendenrecht sei schuld daran – und die Landesregierung, die zu wenig dafür tue, dass die Gelder die Menschen vor Ort erreichen. Dasselbe gelte für die Auszahlung von Wirtschaftshilfen und die Erteilung von Baugenehmigungen. Vieles gehe zu langsam, viele Fragen seien nach wie vor offen. Das bestätigt auch Hotelier Michael Lentz aus Bad Neuenahr, der heute digital zugeschaltet ist. Nicht nur Keller und Erdgeschoss seines Hotels hat die Flut unter Wasser gesetzt, das gesamte Inventar sei hin. Rechnungen und Unterlagen hätten die Wassermassen mitgerissen. Michel Lentz, Inhaber Hotel Central Bad Neuenahr „Wer ersetzt uns das? Wie wird das angesetzt? Der Steuerberater auch: Ich kann mich jetzt hinsetzen und sagen, schau mal bei eBay nach, du weißt ja, ich habe achtzig Stühle gehabt, ich habe fünfzig Tische gehabt, schau mal nach, was die heute noch wert sind und gib mir darüber ein Gutachten. Da stehen wir […]

  • Ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe

    Ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe

    Heute vor sechs Monaten kam die Flut. Die Wassermassen waren nicht aufzuhalten. Brücken wurden weggerissen, Häuser weggeschwemmt. Mehr als 180 Menschen verloren ihr Leben. Das Ahrtal im Norden von Rheinland-Pfalz traf es besonders hart. Orte wie Schuld, Mayschoß oder Rech erlangten traurige Bekanntheit. Wie geht es den Menschen im Ahrtal ein halbes Jahr später? Eine Reportage aus dem Katastrophengebiet. Das Ahrtal – immer noch eine Baustelle. Rech an der Ahr. Hier hat es die berühmte Nepomuk-Brücke weggerissen. Hier standen mal Sportanlagen. Die Bewohner rühren Beton an. Peter Schatz hängt dauernd am Telefon. Er arbeitet 13, 14 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, um seine Gaststätte wieder auf Vordermann zu bringen. Peter Schatz, Gaststättenbetreiber aus Rech „Handwerker koordinieren, Material besorgen, gucken, dass die Lieferungen rechtzeitig klar kommen, an Land kommen, weil das momentan schon ein Riesenproblem ist. Materialverknappung auch schon vor der Flut hier ein allseits bekanntes Thema und jetzt wird es nochmal ein bisschen dramatischer.“ So sah es vor einem halben Jahr hier aus. Draußen Verwüstung, drinnen Zerstörung. In der Flutnacht wurde das Haus von den Wassermassen umspült. Peter Schatz und seine Familie konnten sich ins Obergeschoss retten. Peter Schatz, Gaststättenbetreiber aus Rech am 21.07.2021 „War die schlimmste Nacht meines Lebens. Das würde ich meinem ärgsten Feind nicht wünschen. Also, das war…wir sind froh, dass wir hier stehen. Haben zwar die komplette Lebensgrundlage verloren,a aber wir gucken nach vorne und versuchen es irgendwie wieder aufzubauen.“ Dazu warten Peter Schatz und viele andere im Ahrtal weiterhin auf die angekündigten Hilfen vom Staat. Schnell und unbürokratisch sollten sie fließen. Aber: Die seitenlangen Anträge sind kompliziert, die Bearbeitung zieht sich hin. Peter Schatz, Gaststättenbetreiber aus Rech „Ist schon schwierig. Aber wir haben ja die Erfahrung mit den Corona-Hilfen schon gemacht. Das war auch schnell und unbürokratisch angekündigt, und relativ lange drauf gewartet. […]

  • Im Interview: Andreas Geron, Bürgermeister von Sinzig

    Im Interview: Andreas Geron, Bürgermeister von Sinzig

    Eva Dieterle spricht mit einem, der selbst unmittelbar betroffen war, über das Horrorszenario und die Folgen. Eva Dieterle, Moderatorin: Guten Tag. Andreas Geron, parteilos, Bürgermeister Sinzig: Guten Tag. Dieterle: Herr Geron, Sie haben engen Kontakt zu vielen anderen Betroffenen. Wie traumatisiert ist Ihre Stadt ein halbes Jahr danach? Geron: Ja, also eine Frage, auf die man schwer pauschal und generell eine Antwort geben kann. Die Menschen, viele Menschen waren stark in den ersten Tagen, Wochen und Monaten, haben sich quasi in einem Hamsterrad befunden, haben gearbeitet, die Flut Folgen beseitigt, und jetzt, im Laufe der dunkleren Monate, merkt man, wie sehr es die Menschen in unserer Region betroffen hat. Ich merke das auch an mir selbst. Wir haben in den vergangenen Wochen praktisch jeden Tag auch privat über die Folgen der Flut gesprochen und die Zerstörung ist einfach einfach gigantisch. Wenn man vor Ort ist. Man wird immer wieder erinnert an das, was geschehen ist. Die persönliche Verarbeitung ist noch lange nicht abgeschlossen. Dieterle: Versetzen wir uns zeitlich nochmal zurück. Es hat Warnungen vor dem Hochwasser gegeben, auch eine Krisensitzung in Sinzig in der Nacht davor. Wie konnte diese Katastrophe in diesem Ausmaß trotzdem passieren? Stellen Sie sich diese quälende Frage auch heute noch? Geron: Ja, auf jeden Fall, und es gibt ja dann auch die entsprechenden Gremien auf Landesebene, die die Ereignisse der Nacht aufarbeiten. Ich muss Ihnen sagen, wir hatten kaum Informationen im Ort, das Handynetz ist dann zusammengebrochen, es gab keinen Strom, kein Internet. Wir wussten nicht, was flussaufwärts passiert. Und es sei auch mal klar gesagt: Es gab auch keine Modellberechnungen, was bedeuten sechs, sieben Meter Pegel ahraufwärts für Sinzig, wo das Tal wieder breiter wird? Welche Regionen werden dann überflutet? Da gab es keine Erfahrungswerte. Hinzu kommt dann, dass das Szenario mit den Brücken, den […]

  • Ministerpräsidentin Dreyer besucht das Ahrtal

    Ministerpräsidentin Dreyer besucht das Ahrtal

    Ein halbes Jahr ist es nun her, dass eine gewaltige Flutwelle das Ahrtal erfasste – und eine Schneise der Verwüstung hinterließ. In Rheinland-Pfalz verloren dabei 135 Menschen ihr Leben. Rund 8.800 Gebäude wurden teilweise stark beschädigt. Heute hat sich die Landesregierung in Schuld über den Stand der Wiederaufbauarbeiten informiert. Der kleine Ort an der Ahr wurde von der Flut besonders stark getroffen. Schuld am 14. Juli vergangenen Jahres. Die 660-Einwohner-Gemeinde droht geradezu in den Wassermassen zu versinken. In den Tagen danach zeigt sich: Viele Häuser sind zerstört, manche wurden einfach weggespült. Aufgerissene Straßen und Berge von Trümmern. Nur wie durch ein Wunder kommt hier in Schuld niemand ums Leben. Nach den Aufräumarbeiten beginnt der Wiederaufbau der Ortsgemeinde im Landkreis Ahrweiler. Doch auch ein halbes Jahr nach der Flut gibt es hier viel zu tun. Hotels, Restaurants und Geschäfte bleiben geschlossen. Wo einst diese Bäckerei stand, herrscht nun gähnende Leere. „Ja, ist ja kein Geschäft mehr da. Ist ja alles weg. Bäckerei ist weg, Metzgerei, der Laden ist weg. Nichts mehr da. Die Pizzeria ist nicht mehr da. Also, wo soll man noch hingehen? Wir müssen für alles nach Adenau fahren.“ „Gut, ich bin seit 20 Jahren Rentner und mache jeden Abend meinen Spaziergang durchs Dorf. Und seit einem halben Jahr mache ich das auch weiter. Nur, es ist jedes Mal, wenn ich heimkomme, richtig deprimierend.“ „Wir wären ja schon froh, wenn jetzt die Straßen ein bisschen gemacht werden. Jetzt in der Matsche, wir stehen ja nur noch hier in der Matsche rum.“ Ministerpräsidentin Malu Dreyer macht sich heute vor Ort ein Bild der Lage. Und gibt sich betont optimistisch. Malu Dreyer, SPD, Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz „Wie das hier aussah, das ist ja gar nicht zu beschreiben. Und was inzwischen geleistet worden ist, das ist ganz wunderbar. Und ich glaube, ich darf […]

  • Vermutlich alkoholisierter Geisterfahrer verursacht Unfall im Rheingau

    Vermutlich alkoholisierter Geisterfahrer verursacht Unfall im Rheingau

    Es ist eine Horror-Vorstellung. Sie sind auf der Straße unterwegs, sehen die Lichter eines entgegenkommenden Wagens und können nicht mehr ausweichen. So geschehen gestern Abend auf der B42 bei Eltville. Ein Geisterfahrer knallt frontal in ein entgegenkommendes Auto – dessen Fahrer wird dabei schwer verletzt. Es ist das jähe Ende einer Geisterfahrt. Gestern Abend um kurz vor 18 Uhr fährt ein Mann aus Wiesbaden mit seinem Auto in falscher Fahrtrichtung auf der B42. Der 51jährige streift einen PKW – doch die Insassen haben Glück: Der Fahrer wird gar nicht, seine Beifahrerin nur leicht verletzt. Kurz darauf kommt es dann zum Frontalzusammenstoß mit einem weiteren Auto. Andreas Graf, Sprecher Feuerwehr Eltville: „Der Fahrer konnte sich selbst befreien, während der Fahrer in dem weißen Fahrzeug schwer eingeklemmt war und wir von der Feuerwehr hier mit schwerem Gerät ranmussten, (…) Ja, wir waren mit insgesamt 16 Mann hier vor Ort und wir hatten alle Hände voll zu tun, den jungen Mann aus dem Fahrzeug zu befreien, da er doch massiv eingeklemmt war durch diesen Aufprall. Man muss sich ja vorstellen, wenn zwei Fahrzeuge frontal aufeinander knallen, da waren die Fahrzeuge beide mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs – hier darf man 100 fahren, vielleicht waren beide auch mit 100 unterwegs.“ Nachdem der 23jährige befreit werden konnte, wurde er mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Der Unfallverursacher selbst wird leicht verletzt. Laut Polizei war er sichtbar betrunken – er musste im Krankenhaus eine Blutprobe abgeben. Die Staatsanwaltschaft hat einen Gutachter mit der Rekonstruktion des Unfalls beauftragt. Die B42 war für mehrere Stunden gesperrt.

  • Im Interview: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer

    Im Interview: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer

    Die Zeit zwischen den Jahren ist wie gemacht, um mit etwas Abstand auf das Jahr zurückzublicken. Ein zweites Jahr, das durch die Corona Krise geprägt wurde. Die Welt ist aus dem Takt geraten. Was macht Politik da? Sie fährt auf Sicht. Aber wohin? Sicherlich ist diese Zeit für Politiker keine einfache. Unter anderem darüber sprechen wir mit Malu Dreyer, der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin. Markus Appelmann: Wir haben so kurz vor dem Jahreswechsel die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz heute zu Gast. Malu Dreyer. Herzlich willkommen! Schön, dass Sie da sind. Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz: Ich grüße Sie, Herr Appelmann. Markus Appelmann: Frau Dreyer, bevor wir zu den Themen kommen, gab es ein Jahr in Ihrem politischen Leben, dass Sie mehr gefordert hat als dieses Jahr 2021. Malu Dreyer: Nein, das war mit Sicherheit das herausfordernde Jahr, was ich in der Politik erlebt habe. Und ich habe schon sehr, sehr viel erlebt, muss man sagen. Aber natürlich die Pandemie, die uns ja alle wirklich im Atem hält, dann die schreckliche Naturkatastrophe. Dann war es auch ein Jahr, wo wir dann natürlich auch zweimal im Wahlkampf waren. Also es war ein extrem anstrengendes Jahr, aber es war auch ein schweres Jahr. Markus Appelmann: Stimmen Sie zu, dass die Herausforderungen – Sie haben sie gerade eben genannt – wie Pandemien und Naturkatastrophen nicht durch Koalitionsverträge erfasst werden können. Dass also hier politische Führung mit den Aufgaben wächst oder scheitert. Malu Dreyer: Ja, das gilt sehr, sehr grundsätzlich. Man kann ja auch weiter zurückblicken, als die vielen Flüchtlinge zu uns kamen. Es gibt immer wieder Herausforderungen, die kann man nicht in einem Koalitionsvertrag festlegen, sondern sie sind einfach nicht vorhersehbar. Und deshalb ist es so wichtig, dass man vertrauensvoll miteinander zusammenarbeitet, um eben auch aktuelle Krisen gut miteinander bewältigen zu können. Neben den vielen Zielen, die […]

  • Untersuchungsausschuss reist ins Ahrtal

    Untersuchungsausschuss reist ins Ahrtal

    Fünf Monate ist es jetzt her, dass die Ahr nach tagelangem Starkregen zu einem reißenden Strom anwuchs und die Dörfer im Tal zerstörte. 134 Menschen starben. Schon kurz danach stellte sich heraus: Viele Anwohner sind nicht rechtzeitig und nicht ausreichend gewarnt worden. In der Kritik stehen insbesondere Innenminister Roger Lewentz, die damalige Umweltministerin Anne Spiegel und der Landrat des Kreises Ahrweiler Jürgen Pföhler. Gegen letzteren ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Der daran angelehnte Untersuchungsausschuss im rheinland-pfälzischen Landtag hat heute mit der öffentlichen Beweisaufnahme begonnen. Schuld am 15. Juli. Das Hochwasser hat große Teile des Dorfes weggerissen. Heute sind die Trümmer weitestgehend beseitigt. Doch was bleibt, ist die Frage: Hätte die Katastrophe verhindert und Menschenleben gerettet werden können? Die Antwort soll der Untersuchungsausschuss „Flutkatastrophe“ liefern. Dafür ist er heute zu mehreren Ortschaften ins Ahrtal gereist. Martin Haller, SPD, Vorsitzender des Untersuchungsausschusses „Fragestellung heute und Gegenstand des Beweisantrages ist, inwieweit Geologie und Topographie des Ahrtals eine Rolle bei dieser Flutkatastrophe gespielt haben. Das gilt es heute zu erhellen, dem wird der Ausschuss heute nachgehen mithilfe des Sachverständigen Herr Professor Wieber.“ Der Sachverständige vom Landesamt für Geologie hatte dem Ausschuss zuvor ein Gutachten vorgelegt. Demnach sei das Gestein im Tal nur sehr wenig aufnahmefähig für Wasser. Der darauf liegende Boden sei feinkörnig und könne nur sehr langsam und ebenfalls nur geringe Mengen Wasser aufnehmen. So habe sich der viele Regen im Juli in der Ahr angestaut. Auch aufgeschüttete Böden wie unter diesem Haus seien sehr anfällig dafür, weggespült zu werden. Ziel des Ausschusses ist es nun, herauszufinden, ob solche möglichen Gefahren vor der Katastrophe bekannt waren. Gordon Schnieder, CDU, Obmann der CDU-Landtagsfraktion „Wir wollen ja schauen, ob es Hinweise dafür gibt, dass es politische Verantwortung gibt, dass menschliche Fehler aufgetreten sind, dass organisatorische Fehler aufgetreten sind und dazu werden […]

  • Tiny Houses für das Ahrtal

    Tiny Houses für das Ahrtal

    Neben der politischen Aufarbeitung gehen natürlich auch die Wiederaufbauarbeiten im Ahrtal weiter. Viele von der Flut Betroffene kamen anfangs in Behelfsunterkünften oder bei Famile, Freunden oder Bekannten unter. Doch viele sehnen sich wieder nach einem eigenen Dach über dem Kopf und in das können jetzt immer mehr Menschen einziehen. Nämlich in extra bereitgestellte kleine Häuser, sogenannte Tiny Houses. Martha Weiberg hat in der Flutnacht fast alles verloren. Seitdem lebt die 66-Jährige mit Tochter, Sohn und zwei Enkelkindern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Sie sehnt sich wieder nach einem eigenen Zuhause. Martha Weiberg „Wenigstens eine Überbrückung, dass ich irgendwo hin kann und nicht immer bei meiner Tochter wohnen kann. Weil ich möchte mein eigenes Reich haben, meine eigene Wohnung haben. Und mich selber bewegen können, mein Sohn und ich.“ Bald schon kann Martha Weiberg in ein Tiny House einziehen, ausgestattet mit Küche, Bad, Schlafzimmer, Internet und Wohnraum für bis zu fünf Personen. An mehreren Orten im Ahrtal entstehen gerade solche Wohnsiedlungen wie hier in Sinzig. Finanziert werden sie unter anderem von der „Aktion Deutschland hilft“, die seit der Flut rund 270 Millionen Euro an Spenden erhalten hat. Manuela Roßbach, Vorstand „Aktion Deutschland hilft“ „Ich finde, es ist eine schöne Art der Anordnung. Es gibt noch eine kleine Terrasse, das heißt, wenn Sommer kommt, kann man sich auch mal nach draußen setzen mit seinem Tisch. Und ich glaube, die Leute können hier überbrücken.“ Bis zu drei Jahre sollen die Tiny Houses den Flutopfern ein Zuhause auf rund 35 Quadratmetern geben. Anschließend sollen sie verkauft und die Erlöse dann wieder für die Fluthilfe eingesetzt werden. Die Häuser verschaffen Zeit beim Projekt Wiederaufbau, sagt Sozialminister Alexander Schweitzer bei der Übergabe der Sinziger Tiny-House-Siedlung. Alexander Schweitzer, SPD, Sozialminister Rheinland-Pfalz „Realistischerweise ist es: Es wird alles auch noch eine Weile dauern, bis tatsächlich die Aufbauarbeiten komplett abgeschlossen sind. […]

  • Weitere Nachrichten im Überblick

    Weitere Nachrichten im Überblick

    War Tod von Behinderten in Sinzig vermeidbar? — Salzbachtalbrücke hatte laut Gutachten von Anfang an Mängel — Verteidigung fordert Freispruch für Marcus Held War Tod von Behinderten vermeidbar? Laut Medienberichten hat die Sinziger Feuerwehr die Nachtwache der Behinderteneinrichtung „Lebenshilfehaus“ am 14. Juli gegen 23.30 Uhr vor dem drohenden Hochwasser im Ahrtal gewarnt. Sie habe darauf hingewiesen, dass man mit Evakuierungen rechnen müsse. Die Nachtwache dagegen habe bei einer Befragung ausgesagt, sie sei erst gegen 2.40 Uhr konkret von der Feuerwehr gewarnt worden. Zu diesem Zeitpunkt habe die Flutwelle die Einrichtung bereits überschwemmt. Für eine Evakuierung der Behindertengruppe aus dem Erdgeschoss sei es zu spät gewesen. Zwölf Menschen starben. Jahrzehntealte Mängel an der Brücke Die Salzbachtalbrücke in Wiesbaden hatte schon bei ihrer Inbetriebnahme im Jahr 1963 große Konstruktionsschwächen und ein hohes Gefährdungspotenzial. Das geht aus einem Gutachten hervor, dass die Autobahn GmbH nun veröffentlicht hat. Wegen des zu weichen Untergrunds sei die östliche Seite der Brücke im Lauf der Jahre immer weiter abgesunken. An der südlichen Seite seien die veralteten Rollenlager nicht ausgetauscht worden. Am 18. Juni habe sich dann das Tragwerk wegen Hitze so weit ausgedehnt, dass eine Lagerwalze aus ihrer Schale herausrollte. Der Überbau sei abgesackt. Die Autobahnbrücke war einsturzgefährdet und musste am 6. November gesprengt werden. Verteidigung fordert Freispruch für Held Im Korruptionsprozess gegen den ehemaligen Bürgermeister von Oppenheim, Marcus Held, hat die Verteidigung heute für einen Freispruch plädiert. Der 44-Jährige habe uneigennützig im Interesse der Stadt Oppenheim gehandelt. Held sagte in seinem Schlusswort, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Gestern hatte die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten gefordert. Held muss sich unter anderem wegen Untreue und Bestechlichkeit im Zusammenhang mit diversen Grundstücksgeschäften vor dem Landgericht Mainz verantworten.