Gesellschaft

  • Wieder mehr Flüchtlinge – im Interview: Landrat Thorsten Stolz

    Wieder mehr Flüchtlinge – im Interview: Landrat Thorsten Stolz

    Angesichts steigender Flüchtlingszahlen will der Bund ihm gehörende Immobilien für die Unterbringung von 4.000 Geflüchteten zur Verfügung stellen. Das hat heute Bundesinnenministerin Nancy Faeser nach einem Spitzengespräch mit Vertretern von Ländern und Kommunen in Berlin angekündigt. Die Kontrollen an der Grenze zwischen Österreich und Bayern würden über den November hinaus verlängert. Außerdem werde die Bundesregierung Serbien auffordern, die Zahl der durchreisenden Flüchtlinge zu reduzieren. Finanzielle Zusagen machte Faeser hingegen nicht, obwohl der hessische Innenminister Peter Beuth zuvor vom Bund konkrete Zusagen für die Kommunen gefordert hatte. Eva Dieterle, Moderatorin: Viele Städte und Gemeinden stießen bereits jetzt an ihre Leistungsgrenze. Wie schwierig die Lage in den Kommunen aktuell ist, darüber spreche ich jetzt mit Thorsten Stolz, dem Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Guten Tag Thorsten Stolz, SPD, Landrat Main-Kinzig-Kreis: Guten Tag, Frau Dieterle. Dieterle: . Herr Stolz, auf wie viele Flüchtlinge waren Sie in diesem Jahr vorbereitet und wie viele kommen tatsächlich? Stolz: Ja, da muss ich zunächst mal kurz zurückblicken und zwar in den November 2021. Da haben wir durch das Land Hessen mitgeteilt bekommen, dass wir uns als Landkreis mit unseren Städten und Gemeinden auf ungefähr 1.800 bis 2.000 Flüchtlinge bzw. Asylbewerber für das Jahr 2022 einstellen müssen. Darauf haben wir uns natürlich auch vorbereitet und jetzt, glaube ich, verrate ich Ihnen kein Geheimnis: Seit dem 24. Februar 2022 ist eben die Welt eine andere. Es sind unglaublich viele Menschen aus der Ukraine natürlich auch zu uns nach Deutschland, nach Hessen, hier in den Main-Kinzig-Kreis geflüchtet. Und die Realität ist die, dass wir deutlich über diesen 1.800 bis 2.000 Geflüchteten bzw. Asylbewerbern liegen. Alleine Flüchtlinge aus der Ukraine hatten wir zeitweise bei uns hier im Main-Kinzig-Kreis weit über 6.000 Menschen, die aus der Ukraine zu uns in den Landkreis gekommen sind. Aktuell leben tatsächlich noch etwas über 5.000 Menschen zwischen Maintal […]

  • Immer mehr Grippe- und Corona-Infizierte

    Immer mehr Grippe- und Corona-Infizierte

    Sind in Ihrem Umfeld gerade auch viele Menschen krank, haben Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen? Tatsächlich rollt gerade eine Erkältungswelle durch Hessen und Rheinland-Pfalz – und auch Corona-Pandemie ist noch nicht beendet. Wenn der Sommer geht, sind die Erkältungsviren auf dem Vormarsch. Dass auch Krankheitserreger Saison haben, darauf war viele Jahre Verlass. Doch in diesem Jahr haben sich schon im Sommer ungewöhnlich viele Menschen erkältet. Und der Trend setzt sich fort: Das Robert-Koch-Institut verzeichnet einen beachtlichen Anstieg an akuten Atemwegsinfektionen bei Erwachsenen. Bei den Hausärzten sorgt das für volle Wartezimmer. Gleichzeitig infizieren sich nach wie vor viele Hessen und Rheinland-Pfälzer mit dem Corona-Virus, genauer mit der stark ansteckenden Omikron-Variante BA.5. Seit wenigen Wochen ist der auf diese Variante angepasste Impfstoff verfügbar, was die Nachfrage nach Corona-Schutzimpfungen wieder steigen lässt. Gegen eine Erkältung gibt es keinen Impfschutz. Wohl aber gegen die echte Grippe – die Influenza. Sich an einem Tag gegen die Grippe und Corona impfen zu lassen, ist problemlos möglich. So oder so empfehlen Experten: Wer krank ist, sollte zuhause bleiben und wenn das nicht geht, zum Schutz der anderen eine Maske tragen. Vitaminreich essen und genug Bewegung – vor allem an der frischen Luft – stärken das Immunsystem. Und noch lädt das Wetter dazu ja auch ein. ———————- Eva Dieterle, Moderatorin: Wir wollen das Ganze jetzt noch mal für Sie einordnen und deshalb schalten wir nach Frankfurt, zu Virologe Martin Stürmer, Hallo Herr Stürmer. Dr. Martin Stürmer, Virologe IMD Labor: Hallo, ich grüße Sie. Dieterle: Viele Menschen haben gerade eine laufende Nase, Halsschmerzen usw. Bei den meisten handelt es sich wahrscheinlich eher um eine Erkältung und nicht um eine Grippe, oder? Erkältungen sind doch deutlich häufiger? Stürmer: Ja, wir haben tatsächlich mit Beginn der kalten Jahreszeit eben nicht nur eine Coronawelle, eine zusätzliche, sondern auch ganz klassische Erkältungskrankheiten, die wir ja […]

  • 75 Jahre VdK Hessen-Thüringen

    75 Jahre VdK Hessen-Thüringen

    Und Pflege ist auch beim Sozialverband VdK ein wichtiges Thema und das seit über 75 Jahren. Sein Jubiläum hat der Verband Hessen-Thüringen heute in Offenbach gefeiert. Unter den Gratulanten befand sich Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, ebenso wie weitere Vertreter der hessischen Landespolitik. Seit Ende 1946 setzt sich der VdK für sozial Benachteiligte, chronisch Kranke und Menschen mit Behinderungen ein. Mit 280.000 Mitgliedern und rund 13.000 ehrenamtlichen Helfern ist der Sozialverband der größte seiner Art in Hessen und Thüringen. Sein Vorsitzender Paul Weimann sieht den Verband gerade in den jetzigen Krisenzeiten vor wichtigen Aufgaben. Paul Weimann, Landesvorsitzender VdK Hessen-Thüringen „Ich glaube, die soziale Spaltung ist wahrscheinlich auch in Zukunft erkennbar. Und wir werden daran arbeiten, dass wir das abmildern. Wir werden so gefordert sein, wie nie zuvor. Gerade durch die Energiekrise, aber auch bedingt durch die Situation der ungleichen Vermögensverteilung und die Finanzierungsfragen. Also da wird der VdK sehr stark gefordert werden.“

  • Belgisches Königspaar auf Rhein-Tour

    Belgisches Königspaar auf Rhein-Tour

    Und auch heute gibt es wieder royalen Glanz in Rheinland-Pfalz zu bestaunen. Das belgische Königspaar ist noch im Land unterwegs. Gestern besuchten König Philippe und seiner Frau, Königin Mathilde, noch Mainz und heute ging es aufs Schiff. Eine Reise auf dem Rhein, was könnte rheinland-pfälzischer sein? Das Land der Burgen. Am besten wird es vom Schiff aus erkundet. Los geht’s für Königin Mathilde und König Philippe in Sankt Goar. Bei strahlendem Sonnenschein geht es – natürlich – auch an der Loreley vorbei. Das Weltkulturerbe Mittelrheintal von seiner schönsten Seite. Der Rhein ist aber auch einer der wichtigsten Wasserwege Europas. Da wundert es nicht, dass auch wirtschaftliche Themen auf den Tisch kommen. Daniela Schmitt, FDP, Wirtschaftsministerin Rheinland-Pfalz „Wir haben natürlich durch die nachbarschaftliche Lage, die Geo-Lage auch die Besonderheit, dass wir auch viele logistische Themen stärker miteinandr denken und auch auf den Weg bringen. Beispielsweise die Wasserstraßen aber auch Themen wie Energie-Infrastruktur, der Bau und die Erweiterung von Pipelines, das sind Themen, die uns hier ein Stückweit verbinden, und wo wir den Schulterschluss auch ganz bewusst suchen.“ Währenddessen im Ankunftsort Boppard: Vorfreude auf den königlichen Besuch. Karl-Erwin Kirchgässer aus Boppard „Wann sieht man schon mal jemanden? Selten. Das heißt, deutsche Politiker habe ich schon genug gesehen, aber das belgische Königshaus natürlich noch nie.“ Elisabeth Kirchgässer aus Boppard „Wenn mal ein Ereignis hier in Boppard ist, dann muss man sich das mal angucken. Außerdem habe ich Verwandtschaft in Belgien, sodass das für mich dann natürlich auch interessant ist.“ Dann kommt das Schiff in Boppard an. Nach einer Stunde auf dem Rhein geht es wieder von Bord. Das Königspaar wird herzlich begrüßt durch den Schützenverein. Und auch ein paar belgische Landsleute sind vor Ort. Jörg Haseneier, CDU, Bürgermeister Boppard „Wir hatten sogar noch das Glück, dass wir Gäste in Boppard hatten, die aus […]

  • Hessischer Ministerpräsident äußert sich zu Bund-Länder-Konferenz

    Hessischer Ministerpräsident äußert sich zu Bund-Länder-Konferenz

    Vier Stunden lang haben gestern die Ministerpräsidenten der Länder mit der Bundesregierung beraten, wie sie Unternehmen und Bürger angesichts dramatisch steigender Preise entlasten können. Doch die Konferenz endete ohne konkrete Ergebnisse. Die Regierungschefs konnten sich weder einigen, wer die Kosten für den künftigen Mietkostenzuschuss übernimmt, noch wie der Energiebedarf der Krankenhäuser und die künftigen Billigtickets für den Nahverkehr finanziert werden sollen. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein sagte heute, er glaube weiter daran, dass sich Bund und Länder bei der nächsten Konferenz Mitte Oktober einigen könnten. Zunächst müsse die Bundesregierung aber entscheiden, wie sie die Gaspreisbremse konkret umsetzen wolle. Boris Rhein, CDU, Ministerpräsident Hessen „Es geht jetzt darum, dass wir konstruktiv Hilfen und Unterstützungen leisten. Und dass wir vorher natürlich diese Hilfen und Unterstützungen sehr genau so aufbauen, dass sie am Ende auch wirklich funktionieren. Und ich glaube, die Bürgerinnen und Bürger erwarten jetzt zu Recht, dass es einen handlungsfähigen Staat gibt, dass es nicht politischen Streit gibt und dass alle sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Trotz aller Unzufriedenheiten über den gestrigen Tag, die es ja gibt und die man heute auch lesen und hören kann, muss ich trotzdem sagen, dass dieses Bewusstsein sowohl bei den Regierungschef der Länder vorhanden ist als auch bei der Bundesregierung.“

  • Inflation lässt Pfandleihhäuser boomen

    Inflation lässt Pfandleihhäuser boomen

    Und zu den aktuellen Energieproblemen kommt ja auch noch die anhaltende Inflation, die Unternehmen und Bürger in Schwierigkeiten bringt. Eine Möglichkeit, heikle Zeiten zu überbrücken, ist da das Pfandleihhaus. Denn die Kunden kommen dort recht unkompliziert an Geld – und müssen nicht ihre wirtschaftlichen Verhältnisse offen legen oder eine Schufa-Auskunft mitbringen. Die Sicherheit ist ja das Pfand selbst.     Situativ „Hallo, ich wollte nur mal fragen, was ich für das Zahngold hier bekommen kann.“  Monatswechsel im Pfandleihhaus Hermann in Koblenz. Da wird bei den Kunden oft einmal geschaut, was kurzfristig zu Geld gemacht werden kann – ob verkauft oder verpfändet. Stephan Hermann, Geschäftsführer „Pfandleihhaus Hermann“: „Wir merken seit Beginn des Krieges haben wir einen deutlichen Zulauf. Zum Teil bilden sich lange Schlangen von Kunden, die eben beleihen möchten. Aus allen Schichten kommen aktuell die Leute und haben ein Problem.“ Konkret bedeutet das für sein Leihhaus 30 Prozent mehr Kundschaft als vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine. Diese Frau möchte nicht erkannt werden, ist aber froh, dass sie hier unkompliziert an Geld kommt. Kundin: „Ich habe mein Gold hier. Wenn kein Geld da ist, wird mir hier immer geholfen. Manchmal kommt der Lohn spät. Dann habe ich nichts.“  Schmuck, Elektrogeräte, hochwertiges Werkzeug oder sogar Autos können verpfändet werden. Die Höhe der Zinsen ist bundesweit festgelegt und beträgt ein Prozent plus Gebühren – bei einem Pfandwert bis 300 Euro. Darlehen für teurere Gegenstände sind frei verhandelbar. Wird ein Pfand abgegeben, wird es erst einmal gescannt, gewogen – und sehr teure Gegenstände werden da noch genauer unter die Lupe genommen. Armend Kuqi: „Bei einer gewissen Größe ist das tatsächlich ein Muss. Weil dann kann ein Reinheitsgrad unter Umständen schon ein paar hundert oder ein paar tausend Euro ausmachen.“  Seit vierzig Jahren können Kunden hier ihre Wertgegenstände verpfänden. Manche mit Geschichten, die Stephan […]

  • Ausbildung in Teilzeit

    Ausbildung in Teilzeit

    Deutschland gehen die Azubis aus. Im letzten Jahr waren bundesweit mehr Lehrstellen unbesetzt als jemals zuvor – 42 Prozent aller Unternehmen konnten nicht alle Stellen besetzen. Auch in Hessen sind viele Betriebe händeringend auf der Suche nach Auszubildenden und gehen dafür auch schon einmal ungewöhnliche Wege.   Magdalena Nowak präsentiert ihre Abschlussarbeit. Mit dieser Anlage, die verschiedene Werkstoffe automatisch erkennen und sortieren kann, hat sie den ersten Teil ihrer Ausbildung zur Mechatronikerin mit Bravour gemeistert. Eine normale Auszubildende ist Magdalena nicht. Sie ist alleinerziehend, hat fünf Kinder Zuhause. Magdalena Nowak, Auszubildende: „Da gab es auch schwere Momente so zu sagen. Aber ich wollte das und ich wollte das unbedingt so dass ich gedacht habe: wenn das nicht klappt, dann klappt es nicht, aber ich mache das und ich ziehe das durch. Und soweit klappt es.“ Für ihr Ziel gibt sie alles. Morgens um sechs fängt Magdalena an ihre Kinder zu versorgen und hat erst am späten Abend das erste Mal Zeit für sich. Damit das alles klappt, hat ihr Arbeitgeber für sie ein besonderes Ausbildungsmodell geschaffen. Philipp Rother, Ausbildungsleiter Karl Mayer Stoll GmbH: „Das Besondere daran ist, dass Magdalena in der Zeit, in der normalerweise Mechatroniker-Auszubildende diese Ausbildung machen, die gleichen Inhalte vermittelt bekommt und sie auch entsprechend annimmt und umsetzt, jedoch pro Tag knapp zweieinhalb Stunden weniger zur Verfügung hat, hier bei uns in der Werkstatt. Das heißt sie holt dann das, was in der Theorieseite nachzuholen ist dann einfach Zuhause nach, während die Kinder schlafen. Das ist schon sehr beeindruckend in der Hinsicht.“ Eine aktuelle Werbekampagne für flexible Teilzeitausbildungen soll Arbeitgeber und Auszubildende gleichermaßen auf die Vorteile einer Teilzeitausbildung hinweisen. Eine Entwicklung, die auch Dr. Christa Larsen freut. Sie beobachtet den Hessischen Arbeitsmarkt seit vielen Jahren und weiß, warum die Zahl der Auszubildenden immer weiter sinkt. Dr. Christa […]

  • Evangelische Kirche in Hessen und Nassau feiert Geburtstag

    Evangelische Kirche in Hessen und Nassau feiert Geburtstag

    Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat am Wochenende ihr 75jähriges Bestehen gefeiert. Der Festgottesdienst fand in Friedberg, dem Ort ihrer Gründung statt.     Am 30. September 1947 versammeln sich in der Burgkirche von Friedberg 118 Männer und 2 Frauen, um die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau zu gründen. Ihr 75jähriges Jubiläum feiert die EKHN in der nahegelegenen, sehr viel größeren Stadtkirche. Dort ruft Kirchenpräsident Volker Jung dazu auf, für Frieden und Klimaschutz einzutreten. Gleich-zeitig sorgt ihn, dass die EKHN Mitglieder verliert. Ihr gehören nur noch rund 1,4 Millionen Hessen und Rheinland-Pfälzer an. Nach Ansicht der Vorsitzenden des Kirchenparlaments ist das eine Folge gesamtgesellschaftlicher Veränderungen. Birgit Pfeiffer, Präses der Kirchensynode der EKHN  „Ich glaube, die Menschen sind sehr individualistisch geworden und nicht alle erkennen, was die Kirche ihnen bieten kann, was sie an Hoffnung und an Orientierung bieten kann. Das es noch einmal eine andere Dimension zum Leben gibt als nur, das was in der Gesellschaft und der Welt so ist. Und ich glaube, wir müssen deutlichen machen, wie die Kirche mit Seelsorge und mit Diakonie ihr Leben auch unterstützen kann, wie sie Gemeinschaft anbietet.“ Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau weiß, dass sie sich verändern muss, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Deshalb hat sie den Reformprozess „ekhn2030“ begonnen.  Volker Jung, Präsident Evangelische Kirche in Hessen und Nassau „Wir geben es nicht auf, als Kirche wirklich flächendeckend auch präsent zu bleiben.  Das heißt aber auch, dass Kirchengemeinden sehr viel stärker als bisher miteinander kooperieren müssen, auch Pfarrerinnen und Pfarrer, Kirchenmusiker, Kirchenmusikerinnen, Religions-pädagoginnen. Alle wollen und sollen stärker miteinander arbeiten. Diese Kooperationen werden manches prägen. Ich glaube, sie wir auch manches neu beleben.“   Dabei wird die Digitalisierung eine entscheidende Rolle spielen. Denn die Corona-Pandemie hat den evangelischen Kirchen gezeigt, dass Gottesdienste, Seelsorge und Bildungsarbeit […]

  • Bischofskonferenz: Missbrauchsbeauftragter zieht Bilanz

    Bischofskonferenz: Missbrauchsbeauftragter zieht Bilanz

    Seit Montag beraten die katholischen Bischöfe bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda über Reformen der Kirche in Deutschland. Ein weiteres Thema ist der sexuelle Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche und der Besuch des Vatikan, den deutsche Bischöfe für November planen. Es dürfte ein nicht ganz harmonisches Treffen sein, denn die Bischöfe sind gespalten – in Traditionalisten und diejenigen, die eine Erneuerung wollen. Der Synodale Weg, Reformen in der katholischen Kirche – längst überfällig sagen viele Gläubige. Im vergangenen Jahr sind in Deutschland rund 360.000 Katholiken aus der Kirche ausgetreten, so viele wie nie zuvor. Georg Bätzing, Vorsitzender Deutsche Bischofskonferenz „ Es gibt eine sehr deutliche mehr als Zweidrittel, bis zu Dreiviertel Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz, die ausdrücklich sagen: ‚Wir müssen uns bewegen, es braucht Reformen und diese Reformen dürfen vor der Lehre nicht Halt machen‘.“ Doch es gestaltet sich alles andere als einfach, an alten Traditionen zu rütteln – wie dem Zölibat oder dass Frauen nicht Priesterin werden dürfen. Denn nicht nur der Vatikan blickt äußerst kritisch auf diese Erneuerungsversuche. Auch einige deutsche Bischöfe wollen die bisherigen Regeln nicht aufgeben. So hat beim Synodalen Weg gerade ein wichtiges Papier zu Reformen der Sexualmoral nicht die nötige Zweidrittel-Mehrheit der Bischöfe erhalten. Für viele Gläubige eine große Enttäuschung. Auch was die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals angeht, gibt es viel Kritik. Zwölf Jahre lang hat sich der Trierer Bischof Stefan Ackermann als Missbrauchsbeauftragter dieser Mammutaufgabe gewidmet. Jetzt übergibt er sie an seinen Nachfolger, den Aachener Bischof Helmut Dieser. Denn noch immer beklagen viele Opfer, dass viel zu wenig bei der Aufklärung passiert sei. ——————— Maike Dickhaus: Und darüber spreche ich jetzt mit Stephan Ackermann. Er ist seit 2009 Bischof von Trier und seit 2010 Missbrauchsbeauftragter der katholischen Kirche in Deutschland. Guten Abend Herr Ackermann. Stephan Ackermann, Bischof von Trier: Guten Abend. Dickhaus: Zwölf Jahre […]

  • Euro-Skulptur bleibt erhalten

    Euro-Skulptur bleibt erhalten

    Das blaue Euro-Symbol bleibt Frankfurt erhalten – zur großen Erleichterung des Vereins Frankfurter Kultur Komitee. Als Eigentümer fehlte es dem Verein seit einigen Jahren an Geld für die Instandhaltung und Sanierung des Wahrzeichens. Aber jetzt ist dessen Erhalt gesichert. Zumindest für die kommenden Jahre. Das Euro-Symbol auf dem Willy-Brandt-Platz in Frankfurt ist gerettet. Der neue Hauptsponsor, ein Finanz-Start-up mit Sitz in der Mainmetropole, übernimmt für fünf Jahre die jährlichen Kosten von 200.000 Euro. Jörg Hansen, Geschäftsführer CAIZ Development GmbH: „Für uns natürlich eine Herzenssache. Als wir das gehört haben, dachten wir sofort: Das müssen wir machen! Jeder kommt hierher. Wir haben viele Freunde aus dem Ausland, die zuerst zum Euro-Symbol kommen, wenn sie die Stadt besuchen. Und dort unser Zeichen, unser Logo zu haben, ist natürlich einmalig.“ Einige Jahre stand es unter keinem guten Stern, das 14 Meter hohe Euro-Zeichen. Das Problem: Mit Beginn der Coronapandemie sprangen gleich mehrere Sponsoren ab, zudem wurde das blaue Euro-Zeichen immer häufiger beschädigt. Der finanzielle Aufwand wurde für den gemeinnützigen Verein Frankfurter Kultur Komitee so groß, dass die Versteigerung drohte. Manfred Pohl, Gründer des Vereins, kann nicht verstehen warum sich die Stadt Frankfurt nicht stärker für den Erhalt des Euro-Symbols eingesetzt hat. Manfred Pohl, Gründer Frankfurter Kultur Komitee e.V. „Für die Stadt Frankfurt ist es das Haupt-Identitätsmerkmal. Es symbolisiert Frankfurt als City of the Euro. Und das müsste eigentlich von den Frankfurter Bürgern, aber auch von der Stadt honoriert werden.“ Für Touristen ist das 50 Tonnen schwere Leuchtobjekt eines der begehrtesten Fotomotive in ganz Frankfurt. Pohl hofft, dass auch die Frankfurter das Zeichen als Symbol Europas in ihre Herzen schließen. Dass es der Finanzmetropole erhalten bleibt, freut auch den Künstler Ottmar Hörl, der die Skulptur 2001 errichtete. Bis heute ist es sein bekanntestes Werk. Ottmar Hörl, Künstler aus Groß-Gerau „Ich habe auf der ganzen […]

  • Visionen für die Stadt der Zukunft

    Visionen für die Stadt der Zukunft

    Wie soll die Stadt der Zukunft aussehen? Diese Frage stand gestern Abend bei einem Treffen von Stadtentwicklern, Architekten und Bauunternehmern in Frankfurt im Mittelpunkt. In einer Sache sind sich die Experten einig: Es wird die Menschen auch in kommenden Jahren weiterhin in die Metropolregionen ziehen. Das stellt die Städte vor große Herausforderungen, bietet aber gleichzeitig viele Chancen. Frankfurt ist die Stadt der Pendler. Rund 350000 Menschen kommen Tag für Tag in die Mainmetropole, nur um hier zu arbeiten. Viele von ihnen würden gerne in Frankfurt wohnen. Doch Wohnraum ist knapp, viel zu teuer – und oft schlichtweg unattraktiv, sagt der Frankfurter Architekt Stefan Forster. Und nennt als Beispiel für die Fehlentwicklung der vergangenen Jahre Wohnhochhäuser wie dieses, in denen selbst eine kleine 2-Zimmer-Wohnung kaum unter einer Million Euro zu haben ist. Stefan Forster, Architekt: „Man hat es eigentlich in den letzten Jahren versäumt, sich um den Lebensraum zu kümmern. Etwas für die Menschen, die hier wohnen, zu tun. Es waren eigentlich nur Großbauten, wo Leute sehr sehr viel Geld verdienen. Aber den normalen Bewohner hat man völlig außer Acht gelassen.“ Was also tun? Möglichst viel neu bauen? Ehemalige Bürogebäude in Wohnraum verwandeln? Die Innenstädte nachverdichten? Oder das Augenmerk lieber gleich auf ganz neue Quartiere am Stadtrand richten? Roland Stöcklin, SEG Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden: „Dieses ganze Thema der Innenverdichtung wird noch die nächsten hundert Jahre passieren. Und ist auch notwendig, müssen wir angehen. Aber für den Druck, den wir heute haben, müssen wir auch in den Außenbereich gehen. Außenbereich heißt jetzt nicht, Trabantenstädte schaffen, sondern lebenswerte Quartiere, die alles beinhalten. Also in sich auch wieder funktionieren. Die die Infrastruktur, aber auch die Arbeitsplätze haben.“ Leben und arbeiten am gleichen Ort: Dass das geht und bei den Bewohnern besonders beliebt ist, könne man in Frankfurt an Stadtteilen wie Bockenheim oder Sachsenhausen sehen. Dabei […]

  • Mysteriöser Feuerwehreinsatz in Mainz

    Mysteriöser Feuerwehreinsatz in Mainz

    Es war ein etwas mysteriöser Einsatz gestern Abend in Mainz. Insgesamt 50 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz sind in die Mainzer Oberstadt gerufen worden. Der Grund: Anwohner klagten über Atemwegsreizungen. Betroffen waren auch Kinder. Es ist kurz nach 20.00 Uhr. Eine Familie aus der Mainzer Oberstadt alarmiert den Notruf. Alle Familienmitglieder klagen über Halskratzen und brennende Augen. Als die Feuerwehr eintrifft, melden sich noch weitere Anwohner mit den gleichen Symptomen. Insgesamt sind es 18 Betroffene, darunter sieben Kinder. Alle werden in einem Stadtbus von einem Notarzt untersucht. Eines der Kinder wird zur ambulanten Versorgung in ein Krankenhaus gebracht. Michael Ehresmann, Feuerwehr Mainz „Wir haben in alle Richtungen geschaut, ob es am Wasser lag, ob vielleicht Abwasserdämpfe, ob vielleicht von außen es einen Eintrag von irgendwelchen Dämpfen oder reizenden Stoffen gab. Die Wohnungen wurden durchsucht, die Nachbarwohnungen wurden kontrolliert mit verschiedensten Messgeräten. Egal, was wir versucht haben oder wonach wir gesucht haben, wir haben keinen Ausschlag in den Messgeräten gehabt und konnten auch selbst mit unserer eigenen Nase und unseren eigenen Sinnesorganen nichts wahrnehmen.“ Zwei Stunden suchen die Einsatzkräfte nach einer Ursache – ohne Ergebnis. Die Symptome der Betroffenen klingen währenddessen immer weiter ab. Gegen 22.30 Uhr können alle Bewohner wieder in ihre Wohnungen. Sie sollen sich sofort über den Notruf melden, falls sich die Atemwegsreizungen wieder einstellen.

  • Special Olympics in Koblenz

    Special Olympics in Koblenz

    In Koblenz finden zur Zeit  die Special Olympics statt. Knapp 800 Sportlerinnen und Sportler mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung treten gegeneinander an und messen sich in elf Sportarten. Aber auch der olympische Gedanke zählt: Dabei sein ist alles. So zeigt es uns Daniel Groß aus Worms. Mit einer ordentlichen Portion Aufregung im Bauch fiebert Daniel Groß seinem ersten Match entgegen. Er spielt Tischtennis und ist das erste Mal bei den Special Olympics dabei. Daniel hat eine verkrümmte Wirbelsäule. Beim Tischtennisspielen stört ihn das nicht. Für ihn ist schon die Teilnahme eine große Ehre. Daniel Groß, Teilnehmer Special Olympics „Ich freue mich total, hier zu sein. Das ist ja auch spannend, dass ich hier sein darf.“ Die Sportler bei den Special Olympics messen sich in den verschiedensten Sportarten. Vom Tischtennis und Badminton, bis hin zu Judo und Fußball. Eins vereint die Athleten: Ihnen geht es um den Spaß. Dietmar Thubeauville, Organisator Special Olympics „Für die Sportler ist es natürlich auch ein großes Zusammentreffen, weil viele Sportler untereinander kennen sich, und da steht in erster Linie doch der Spaß im Vordergrund und das Treffen und miteinander messen. Der Leistungsgedanke spielt bei uns gar keine große Rolle.“ Auch für Daniel bedeutet dabei sein alles. Er hat Tischtennis bei der Lebenshilfe Worms lieben gelernt. Seine Betreuerin ist von seinem Können überzeugt. Sabine Guth, Sportkoordinatorin Lebenshilfe Worms „Daniel ist auch so unser Allround-Talent. Er hält sich sportlich auch privat fit. Er geht mal laufen, macht ein bisschen Fitness. Und da ist er, denke ich, jetzt für die Landesspiele sehr gut vorbereitet.“ Als Betreuerin begleitet Sabine Guth die Athleten bei ihren Disziplinen. Für viele Sportler der Special Olympics ist die Teilnahme sehr aufregend. Manche brauchen gerade dann Unterstützung. Sabine Guth, Sportkoordinatorin Lebenshilfe Worms „Die Vorfreude war schon enorm groß und daraus ergibt sich natürlich auch so […]

  • Vorbereitung auf den Strom-Blackout

    Vorbereitung auf den Strom-Blackout

    Viele Verbraucher schauen voller Sorge auf den Winter, denn die Gaspreise explodieren. Wie hoch die Gasrechnung genau ausfallen wird, das weiß heute noch keiner. Was wir wissen, im Hintergrund werden viele Fäden gezogen. So stehen beim größten deutschen Gasimporteur UNIPER die Zeichen auf Verstaatlichung. Dies befeuert natürlich die Debatte über die Gasumlage, die insolvenzbedrohte Energielieferanten unterstützen soll. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat heute erneut bekräftigt: Die Gasumlage kommt zum 1. Oktober. Ob die Umlage dann, wenn Uniper Staatsunternehmen ist, noch verfassungskonform ist, das konnte der Wirtschaftsminister heute nicht sagen. Habeck hatte ja vor drei Wochen erstmals zugegeben, dass wir nicht nur ein Gasproblem, sondern auch ein Stromproblem haben. Und so wächst in Deutschland die Angst vor Blackouts, vor langen Stromausfällen. Darauf vorbereitet sind wir in Hessen und Rheinland-Pfalz nicht. Einige Landkreise und Gemeinden nehmen die Sache nun selbst in die Hand und rüsten sich für den Notfall. Ein Notfall, der fatale Folgen haben kann. (Telefon klingelt) Selbst wenn sonst nichts mehr geht – dieses Telefon klingelt. „Rot-Kreuz Rheingau-Taunus, wer ist da?“ Das Satellitentelefon ist eine neue Anschaffung des Rheingau-Taunus-Kreises. Wenn der Strom ausfällt, stellt es die Kommunikation unter den Einsatzkräften sicher. Unwetter, Cyberattacken, Energiekrise – die Gefahr eines Blackouts nimmt zu. Christian Rossel, Kreisbrandinspektor Rheingau-Taunus-Kreis „Wir gehen von zwei, maximal vier Stunden aus, dann wird das Handynetz zusammenbrechen, die Festnetztelefonie und das Internet wird deutlich früher, wenn nicht sogar sofort zusammenbrechen. Tankstellen, die Zapfsäulen funktionieren auch mit Strom, wir kriegen keinen Liter Sprit mehr aus der Säule. Das ist auch auf die Wasserversorgung und -entsorgung zu fokussieren. Wir haben Hochbehälter in Deutschland, die irgendwann leer gelaufen sind und durch Pumpen, elektrische Pumpen gespeist werden. Wenn kein Wasser mehr nachgefüllt werden kann in die Hochbehälter, dann kriegen wir auch kein Trinkwasser mehr zuhause.“ Die Folge: nach vier Tagen über 400 Tote im […]

  • Hessischer Demographiepreis verliehen

    Hessischer Demographiepreis verliehen

    Gerade in ländlichen Gebieten wird die Gesellschaft immer älter. Damit das Leben auf dem Land lebenswert bleibt, sind Projekte und Initiativen gefragt. In Hessen werden die besten Ideen einmal im Jahr ausgezeichnet – mit dem hessischen Demografie-Preis. In diesem Jahr kommt der Sieger aus der Wetterau. dasgute.haus in Butzbach ist ein Treffpunkt der Generationen: Eltern spielen mit ihren Kindern oder arbeiten am Computer. Jüngere und Ältere tauschen sich aus, helfen einander oder trinken einfach nur gemeinsam Kaffee. Was erst mal klingt wie die normalste Sache der Welt, ist tatsächlich etwas, was es in dieser Form nur selten gibt: Nämlich alles unter einem Dach. Agnes Model, Gründerin dasgute.haus Butzbach „Wir nennen uns ja nicht umsonst ‚Marktplatz, Arbeitsplatz und Spielplatz‘. Das heißt, bringen diese ganzen Familien- und Eltern-Kind-Themen aus einem Familienzentrum zusammen mit einem Co-Working-Space, unserem Arbeitsplatz. Also diese Form des mobilen Arbeitens. Viele sind im Homeoffice. Die holen wir raus und lassen sie gemeinsam arbeiten, weil es einfach gemeinsam viel mehr Befruchtungen, Netzwerkmöglichkeiten gibt.“ Organisiert ist dasgute.haus als gemeinnützige Genossenschaft. Das heißt, jedes Mitglied zahlt einmalig 100 Euro für einen Anteil und wird so selbst zum Teil des Projekts. So wie Hannah Menk, die gerne mit Töchterchen Hilda vorbeikommt und dabei auch die anderen Kinder im Auge behält, während ihr Mann Steffen am Tisch nebenan an IT-Lösungen bastelt. Hannah Menk, Studentin „Also ich bin total dankbar. Gerade, wenn ich mit der Hilda manchmal nur daheim war. Ich bin einfach dankbar, reinkommen zu dürfen, mit ihr hier sein zu können, Leute zu treffen. Mit Kindern, ohne Kinder. Eine Möglichkeit auch zu haben, mich einzubringen.“ Steffen Menk, IT-Spezialist „Extrem viele Eltern mit Kindern kommen hier auch einfach hin zum Kaffee trinken. Es gibt ältere Leute, die kommen hier hin, einfach nur, um nicht den ganzen Tag zu Hause zu sitzen. Man kann sich, […]