Bund plant Kürzungen für Freiwilliges Soziales Jahr

Das Freiwillige Soziale Jahr wird 60.! Seit 60 Jahren helfen nun schon junge Menschen in Kitas, Förderschulen oder Pflegeeinrichtungen. Eigentlich ein schönes Jubiläum. Doch die Bundesregierung muss Geld sparen – und will deshalb auch die Gelder für das FSJ kürzen. Darauf machen Verbände derzeit deutschlandweit aufmerksam. Wir waren am Wochenende bei einer Aktion in Wiesbaden dabei.

„Ich helfe Menschen, die diese Hilfe sehr dringend brauchen. Menschen, die ihren Alltag nur sehr schwer selbst bewältigen können.“
„Ich habe mich deutlich weiterentwickelt, vor allem im Bereich der Sozialkompetenz.“
Nur zwei Beispiele von Freiwilligen, die verdeutlichen sollen: Das Freiwillige Soziale Jahr ist wichtig. Auch Christian ist an diesem Samstag in Wiesbaden und macht auf die vom Bund geplanten Kürzungen aufmerksam. Er selbst hat vor zwei Jahren ein FSJ digital gemacht.
Christian Seel, Auszubildender
„Ich hatte ein Studium abgebrochen und wusste: Okay, der nächste Anlauf muss sitzen. Und ich kannte die Chancen, die ein FSJ bietet. Und hab’s eben einfach zur Berufsorientierung genutzt, um mir halt eben wirklich sicher zu sein: Das ist es und da möchte ich bleiben.“
Jetzt macht er eine Ausbildung im E-Commerce und setzt sich ehrenamtlich für den Freiwilligendienst bei volunta ein – einer Organisation, die jährlich rund 1.500 Freiwillige in Hessen vermittelt. Die Stellen werden durch die Einrichtungen sowie durch Bundesgelder finanziert. Für das Jahr 2025 sollen die von 120 Millionen Euro auf rund 80 Millionen Euro gekürzt werden, also um ein Drittel.
Robertson Linsner, Fachleitung Freiwilligendienste volunta
„Würde das wirklich greifen, dann würden wir 500 Freiwillige in Hessen weniger bedienen können. In den Einsatzstellen ist es sehr dramatisch, wenn unsere Freiwilligen dort nicht mehr ihren Dienst ableisten können, weil gerade die Freiwilligen auch Aufgaben übernehmen, die die Hauptamtlichen nur schwer leisten können. Und entsprechend würden dann Zusatzangebote einfach nicht mehr stattfinden.“
Hinzu kommt: Eigentlich müssen volunta und alle anderen Stellen schon jetzt wissen, über wie viel Geld sie im kommenden Jahr verfügen, denn ein FSJ beginnt im September und jetzt startet die Bewerbungsphase.
Nadine Ruf ist Bundestagsabgeordnete und begründet die Kürzungen mit den Sparmaßnahmen der Bundesregierung und der Schuldenbremse.
Nadine Ruf (SPD), Bundestagsabgeordnete
„Wir haben uns bemüht um eine andere Antwort. Ich habe da jetzt keine Glaskugel. Ich würde mir wünschen, wir schaffen es in der gleichen Höhe. Es ist eher schwierig, glaube ich. Aber selbst wenn wir es in der gleichen Höhe schaffen, werden wir wahrscheinlich trotzdem Plätze verlieren, weil die Träger eigentlich jetzt eine Antwort bräuchten.“
Die Freiwilligen und die Verbände fordern deshalb, dass die Kürzungen noch abgewendet werden. Falls nicht, wäre das ein bitteres Jubiläum für das Freiwillige Soziale Jahr.