Bericht zu sexuellem Missbrauch im Bistum Trier vorgestellt

Im vergangenen Jahr hat eine unabhängige Kommission im Bistum Trier mit der Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen begonnen und nun einen ersten Zwischenbericht vorgestellt. Wir richten unseren Blick auf die über 500 Opfer. Sie sagen: In den letzten Jahren ist viel zu wenig passiert. Wir haben zwei Menschen getroffen, die uns ihre Geschichte erzählen.

Dr. Karl-Horst Wirz (81), Missbrauchsopfer
„Also, ich bin mit zehn Jahren ins Internat gekommen. Körperliche Züchtigung war von Anfang an da. Ich habe nie zuhause körperliche Züchtigung erfahren. Wurde bei jeder Gelegenheit verprügelt. Und zwar so, dass ich Wunden davontrug oder eine Trommelfellperforation. Oder später wurde ich sexuell missbraucht von einem anderen Direktor dieses Hauses, einem Priester.“
Dr. Uwe Christoffer (66), Missbrauchsopfer
„Wir haben einen neuen Kaplan bekommen. Der hat also sich sexuell an den Messdienern, an sehr vielen vergangen. An mir auch einmal. Und hat dann mehrere Gelegenheiten gesucht, das zu wiederholen.“
Zwei Schicksale von vielen im Bistum Trier. Damals waren sie Kinder. Heute können Karl-Horst Wirz und Uwe Christoffer offen über ihren Missbrauch sprechen. Um anderen Opfern zu helfen und das Unrecht aufzuklären, engagieren sie sich ehrenamtlich in der „Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Verantwortungsbereich des Bistums Trier“. 513 Opfer und 195 beschuldigte oder überführte Täter hat das siebenköpfige Gremium bislang erfasst.
Prof. Dr. Lutz Raphael, Kommissionsmitglied und Historiker Uni Trier
„Wir wollen Strukturen analysieren, um zu verstehen, wieso dieses Geschehen eigentlich so lange ungestraft stattfinden konnte. Obwohl ja sowohl das Strafrecht als auch das Kirchenrecht solche Taten verurteilte.“
Jahrzehntelang sei der katholischen Kirche ihre Integrität wichtiger gewesen als ihr Aufklärungsinteresse. Missbrauchsfälle wurden vertuscht, Täter an andere Orte versetzt, wo sie ungesühnt weiter missbrauchen konnten. Schutz, der den Opfern verwehrt blieb. Nicht nur im Umgang mit Aufsichtspflichten sieht die Kommission Handlungsbedarf beim Bistum Trier.
Prof. Dr. Gerhard Robbers, Vorsitzender Aufarbeitungskommission
„Das ist etwa, dass der Aktenzugang von Betroffenen nicht so bürokratisch sein sollte, wie er im Moment ist. Die Möglichkeit, gerade sexuellen Missbrauch zu thematisieren in der Seelsorge, ist etwas, was viele Betroffene vermissen.“
So fordert die Kommission eine einfachere Anerkennung und Entschädigung von Betroffenen sowie die Einrichtung einer langfristigen Beratungs- und Anlaufstelle.
Dr. Stephan Ackermann, Bischof von Trier
„Die Themen, die genannt werden, nehme ich mit in den Beraterstab, den Betroffenenbeirat. Dass wir gucken, wie gehen wir das konkret bei uns im Bistum an, wenn es unser Bistum betrifft, oder was ist auch Ebene der Bischofskonferenz. Das ist sozusagen ein Aufgabenheft jetzt.“
Ein Bischof in der Defensive. Ausweichende Antworten auf konkrete Missbrauchsvorwürfe. Der Bericht, ein Aufgabenheft. In den Ohren vieler Opfer dürfte das wie Hohn klingen. Demütige Reue vermissen sie seit Jahren. Für die katholische Kirche wird es immer schwerer, glaubhaft zu bleiben.