Im Gespräch: Ministerpräsident Boris Rhein (CDU)
Markus Appelmann spricht mit ihm über die Stadtbilddebatte und die Krise in der CDU.
Markus Appelmann, Moderator:
Und jetzt sprechen wir mit dem Mann, der die Stadtbilddebatte neu entfacht hat, der hessische Ministerpräsident Boris Rhein. Guten Abend, Herr Rhein.
Boris Rhein (CDU), Ministerpräsident Hessen:
Ja, guten Abend, Ich grüße Sie.
Appelmann:
Wenn Sie sagen, die Stadtbilddebatte müsse wieder geführt werden, was genau sehen Sie eigentlich im Stadtbild? Ein Integrationsproblem, ein Sicherheitsproblem oder schlicht zu viel Zuwanderung?
Rhein:
Nein. Mir zeigen zunächst einmal die Reaktionen und die Diskussionen, dass die Debatte in der Tat dringend geführt werden muss. Das ist eine dieser vielen weggesperrten Debatten gewesen. Und ich glaube, es gibt ein Bedürfnis, dass wir über die Themen, die aus meiner Sicht Stadtbild sind, intensiv sprechen und sie insbesondere die Themen und die Fragen, auch Lösungen und Antworten zuführen. Zum Stadtbild gehört insbesondere die Frage: Wie werden die Regeln, die wir haben, umgesetzt und durchgesetzt? Das ist der zweite Punkt. Wie ist es um unsere Infrastrukturen bestellt? Also in welchem Zustand sind Schulen, Krankenhäuser, unsere Innenstädte, unsere Straßen? Die Frage nach dem funktionierenden Staat. Und in einem dritten Punkt geht es natürlich auch um das Thema Migration und Integration, gar keine Frage. Aber ich will das sehr deutlich sagen: Es geht nicht um die Frage, wie einer aussieht. Es geht um die Frage, wie Menschen sich miteinander verhalten.
Appelmann:
Ist Ihre Forderung nach einer neuen Stadtbilddebatte auch eine Kritik an Friedrich Merz? Er hat die Debatte vor einem Jahr angestoßen. Sie sagen heute, man müsse daraus endlich Lehren ziehen. Heißt das, Friedrich Merz hatte die richtigen Worte, aber bislang nicht die richtigen politischen Antworten?
Rhein:
Nein, das würde ich so nicht sagen. Ich bin sehr dankbar, dass Friedrich Merz diese Debatte angestoßen hat. Sie ist richtig, sie ist wichtig. Aber sie müssen jetzt eben auch wirklich sie unterliegen mit aktivem Tun und mit einer Strategie. Und das werden wir in Hessen tun. Und das ist eben nicht nur die Aufgabe des Bundeskanzlers, sondern das ist auch die Aufgabe in den Ländern.
Rhein:
Wir in Hessen werden daraus Konsequenzen ziehen.
Appelmann:
Herr Rhein, auch innerhalb der CDU. Halten einige den Begriff Stadtbild für unglücklich. Man könne einem Menschen auf der Straße nicht ansehen, ob er Arzt ist oder sich illegal im Land aufhält. Haben die Kritiker damit nicht genau den Schwachpunkt ihrer Argumentation benannt, dass Stadtbild sehr unterschiedliche Menschen pauschal miteinander verbindet?
Rhein:
Wie gesagt, es geht mir um eine um eine viel größere Begrifflichkeit beim Stadtbild als eben nur um das Thema Migration und Integration. Darum geht es auch, gar keine Frage. Es geht um das Funktionieren des Staates. Es geht um das Durchsetzen von Regeln. Es geht um den Zustand von Infrastruktur, und das alles gehört dazu. Und insoweit ist aus meiner Sicht der Begriff ein Begriff. Man kann auch einen anderen Begriff wählen und kann darüber sprechen. Es geht um das Funktionieren des Staates und um das Durchsetzen von Regeln. Und damit ist es im Grunde genommen auch eine Art Rechtsstaatsdebatte. Ich finde, Stadtbild sagt aber sehr viel und ich glaube, dass sehr viele auch unter diesem Begriff etwas verstehen können.
Appelmann:
Herr Rhein, danke bis dahin. Wenn wir einen führenden CDU- Politiker Deutschlands hier im Schaltgespräch haben, müssen wir auch über die desaströse Lage der CDU sprechen.
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„Bis zum Jahresende müssen die Probleme, die die Menschen beschäftigen und die die Menschen jeden Tag merken, endlich gelöst werden.“


