Weniger Engagement – die Jugend fehlt im Ehrenamt

In Traben-Trabach an der Mosel hat die Arbeiterwohlfahrt ein eigenes Haus. Der Verein hat es vor einigen Jahren gekauft. Mitglieder gibt es dort genug – doch die Zukunft sieht trotzdem düster aus. Viele Ortsvereine in der Region mussten sich bereits auflösen, weil es keine Nachwuchs gibt. Ein Verlust für die Region, denn die Arbeiterwohlfahrt ist ein wichtiger Treffpunkt.

Es ist ein typischer Freitagnachmittag. Nach Kaffee und Kuchen wird gesungen. Auch wenn die Seniorinnen aus Traben-Trarbach nicht jeden Ton treffen, haben sie einfach Spaß an der Gemeinschaft. Viele leben schon lange allein. Das gemeinsame Singen ist für sie das Highlight der Woche. Und das seit 70 Jahren bei der Arbeiterwohlfahrt.
Brigitte Rosenfeld, Seniorin aus Traben-Trarbach
„Und dann wird nachher entweder Bingo, oder es kommt jemand, der mit uns etwas macht. Gymnastik im Sitzen und Yoga und das gefällt mir und da kann man ein bisschen mit den Menschen reden, sitzt man daheim nicht so allein und deswegen komme ich hier jeden Freitag hin.“
Immer freitags hat ein Stockwerk tiefer der Modetreff geöffnet. Hier wird Secondhandkleidung angeboten. Seit 20 Jahren sammeln und verkaufen die ehrenamtlichen Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt Mode zum Schnäppchenpreis. Das ist eine wichtige Einnahmequelle für den Verein. Mareile kommt regelmäßig aus den Niederlanden, um sich bei der AWO einzukleiden.
Mareile, Kundin aus den Niederlanden
„Ja, herrlich. Ich gehe einmal im Monat oder so, oder wenn ich mal hier bin, dann gehe ich mal rein, guck alles durch. Man muss schon so ein bisschen stöbern und Zeit haben, nicht zu schnell sein. Man kauft nicht ein auf Größe, man kauft auf Form ein und deswegen finde ich immer was hier eigentlich, für wenig Geld.“
Wer wenig Geld hat, kauft im Modetreff bei der Arbeiterwohlfahrt. Das hat sich rumgesprochen. Ob putzen, waschen, sortieren, verkaufen. Die Ehrenamtler machen hier alles selbst.
Angelika Schmidt & Gerda Knorrn-Belitz, Mitglieder Arbeiterwohlfahrt Traben-Trarbach
„Ja, weil man andere Menschen auch erfreut. Die sind glücklich, wenn sie hier einkaufen, weil sie preiswert einkaufen, weil sie was für die Umwelt tun, die AWO unterstützen und es sind ja gute Sachen. Wir gucken schon, dass keine Flecken dran sind, oder Beschädigungen. Das ist einfach ein Hobby geworden und es macht Freude.“
„Es geschieht nichts Gutes, außer man tut es“, steht an der Tür im ersten Stock. Karl-Heinz Weisgerber ist Vorsitzender der AWO. Mit 80 Jahren plant er Veranstaltungen, kümmert er sich um den Papierkram und darum, dass der Kühlschrank voll ist.
Karl-Heinz Weisgerber, Vorsitzender AWO Traben-Trarbach
„Die Mitglieder sind meistens ältere Leute, muss man sagen. So zwischen 60 und 70, 80. Hundert haben wir auch, die sind meist am Friedhof.“
Die Damen, die sich über das Alter lustig machen, sind mittlerweile beim Bingospielen angelangt. Programm gibt es jeden Tag. Ob Spielnachmittag, Frauenfrühstück oder Line Dance. Nur leider keine jungen Leute, die mit anpacken. Hier kümmern sich Rentner um Senioren, die einsam sind.
Marzia Lörsch, Seniorin aus Traben-Trarbach
“Die Geselligkeit mit den Leuten. Man kann mit ihnen sprechen und alle Neuigkeiten, die nicht in der Tageszeitung stehen, die erfährt man in der AWO.“
Christa Berchthold, Seniorin aus Traben-Trarbach
„Man ist eigentlich froh, dass man zu Hause rauskommt und nicht allein ist.“
Seit 70 Jahren ein typischer Freitagnachmittag. Doch wenn sich auch weiterhin kein Nachwuchs für die ehrenamtliche Arbeit findet, muss auch die AWO Traben-Trarbach aufgeben. So wie bereits über 20 Ortsvereine in Rheinland-Pfalz.