Im Gespräch: Diplom-Meteorologe Dominik Jung

Von wirklichem Herbstwetter ist aktuell noch nicht so viel zu spüren und deshalb schalten wir zu Diplom-Meteorologe Dominik Jung nach Wiesbaden.

Dominik Jung, Diplom-Meteorologe:
Guten Abend, Frau Dieterle
Eva Dieterle, Moderatorin:
Herr Jung, schauen wir zunächst noch mal auf den Sommer, der ja sehr heiß und extrem trocken war, das haben wir alle gespürt. Sie haben alle Daten für Hessen und Rheinland-Pfalz. Wie fällt denn Ihre Bilanz aus?
Jung:
Ja, es war ein extrem Sommer in Rheinland-Pfalz und auch in Hessen. Es war der wärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 und einer der trockensten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Letzteres merkt man vor allen Dingen den Flusspegeln, die sind extrem niedrig. Und die spitzen Temperaturen, die lagen in diesem Sommer zum Teil wieder über 40 Grad, die höchsten Werte wurden mit 41 Grad gemessen. Und so hohe Werte haben wir am Sommer noch nie gemessen. Bei uns in Rheinland-Pfalz und auch nicht in Hessen. Und auch die Anzahl der Hitzetage war so hoch wie noch nie zuvor.
Dieterle:
Warum hält sich die Wärme bis Ende September so hartnäckig? Und bedeutet das auch, dass uns ein außergewöhnlich milder Herbst erwartet?
Jung:
Die Großwetterlage aus dem Sommer hat sich auch im Herbst behaupten können. Im gesamten September hatten wir immer wieder Südwestwetterlagen und das heißt eben: Aus dem Südwesten von Spanien, Portugal kommen sehr warme Luftmassen bis zu uns nach Rheinland-Pfalz und Hessen geströmt. Und durch diese stabile Schönwetterlage, Hochdruckwetterlage, blieb es eben sehr warm und deren Tage waren normal sehr warm gewesen mit Spitzentemperaturen bis zu 30 Grad. Auch das waren neue Rekordwerte für Ende September und entsprechend aufgrund der hohen Wetterlage blieb es auch sehr trocken und wir hatten eben sehr, sehr wenig Regen. Und das geht auch in den kommenden Tagen so weiter.
Dieterle:
Werden wir das jetzt in Zukunft häufiger erleben? Sehr heiße Somer und dafür immer mildere Winter?
Jung:
Na ja, es muss nicht heißen, dass der Sommer 2027 extrem heiß wird wieder mit über 40 Grad. Das kann auch mal wieder in drei, vier, fünf Jahren der Fall sein. Aber es heißt zumindest, die Einschläge, die werden immer häufiger und die Abstände immer kürzer. Das heißt, die Extremwetterlagen werden zunehmen in den nächsten Tagen, Jahren und da müssen wir wahrscheinlich noch mit einigem rechnen. Mildere Winter, heißere Sommer. Das ist so der Weg.
Dieterle:
Das Wetter liefert mit Sicherheit auch weiterhin Gesprächsbedarf. Herr Jung, für heute vielen Dank für Ihre Einschätzungen.
Jung:
Gerne. Einen schönen Abend.