Ein Kunstwerk aus Samen und Gewürzen

Gottesdienste werden in der alten Kirche von Hünfeld-Sargenzell schon lange nicht mehr gefeiert, den es gibt mittlerweile ein neues Gotteshaus. Dass die alte Kirche nicht abgerissen wurde, verdankt sie einem Verein. Mit vielen Samen, Körnern und Gewürzen kreiert er Meisterwerke, durch die die Kirche im Landkreis Fulda erhalten werden kann.

Ein Blick von oben auf Leonardo Da Vincis „Das letzte Abendmahl“. Kein Druck des im 15. Jahrhundert entstandenen Wandgemäldes. Körner, Samen und Gewürze liegen auf dem Boden der alten Kirche in Hünfeld-Sargenzell. Ein 4,5 × 6 Meter großer Teppich aus rein natürlichen Materialien. Eine Tradition seit den 80er Jahren. Damals ist das renovierungsbedürftige Gotteshaus zu klein für das Dorf geworden.
Manuel Mohr, Förderverein Alte Kirche Sargenzell
„Es gab dann die Pläne, die Kirche abzureißen. Und einige Bürger von Sargenzell haben dann eine Initiative gegründet, haben den Förderverein gegründet, um den Erhalt dieser alten Kirche sicherzustellen. Und so kam es zur ersten Früchteteppich-Ausstellung und zur zweiten und seitdem in jedem Jahr, dieses Jahr zum 38. Mal.“
Über 1,5 Millionen Besucher haben sich die Früchteteppiche bisher angeschaut. Heike Richter ist die künstlerische Leiterin des Projekts. Weil die Körner nur gelegt und nicht geklebt sind, muss der Teppich öfter ausgebessert und gesäubert werden. Dafür hat die Künstlerin eine spezielle Konstruktion gebastelt. Entstanden ist das Werk in mühsamer Kleinarbeit. 10 Wochen haben ehrenamtliche Helferinnen werktags immer abends am Teppich gearbeitet. Die Grundlage ist ein von Heike Richter gemaltes Bild.
Heike Richter, künstlerische Leiterin
„Ich habe ein Team. Sieben Frauen legen, drei Frauen sortieren die Körner, die wir brauchen, und dann gucken wir, für welche Farbe wir welches Korn verwenden können. Jeder kriegt von meinem Team einen Bereich, den er selbständig legen darf, und die freuen sich auch immer darauf.“
Wenn der Teppich am 8. November wieder verschwindet, landen die ganzen natürlichen Materialien nicht in der Biotonne. Alle Körner werden eingesammelt und im großen Früchteteppich Fundus eingelagert.
Heike Richter, künstlerische Leiterin
„Wir heben die mehrere Jahre auf. Und gucken, wann wir die benutzen. Wann brauchen wir sie? Es kommt auf das Bild drauf an.“
Der Besuch des „Letzten Abendmahls“ ist kostenlos. Der Verein nimmt aber gerne Spenden entgegen, die für den Erhalt der Kirche und soziale Projekte eingesetzt werden.
Christine Behnke
„Wir kommen aus Kassel, es ist wirklich immer wieder eine Reise, eine Fahrt hier runter wert.“
Gisela
„Wirklich ein Erlebnis, und erstaunlich, aus wie vielen Körnern so ein Bild entsteht.“
Es sind viele Millionen Körner, wie Reis, Linsen, Sago, Mohn oder auch Blütenstaub. Der Früchteteppich kann täglich zwischen 10.30 Uhr und 16.30 Uhr bestaunt werden.