Zu Gast im Studio: Gereon Haumann, Dehoga

Das wollen wir jetzt noch mal intensiver hinterfragen. Bei mir ist Dehoga Präsident Gereon Haumann aus Rheinland-Pfalz.

Eva Dieterle: Guten Abend.
Gereon Haumann, Präsident DEHOGA Rheinland-Pfalz: Guten Abend.
Eva Dieterle: Wir haben gerade die Argumente der Gastronomen gehört, aber Fakt ist das ja auch für die Menschen insgesamt die Lebenskosten gestiegen sind, also auch für ihre Gäste. Ist das nicht etwas, was die Branche mitbedenken muss? Und sollte der Gast da nichtauch im Mittelpunkt stehen?
Gereon Haumann, Präsident DEHOGA Rheinland-Pfalz: Der Gast steht bei uns immer im Mittelpunkt. Und natürlich bedenken wir das mit. Und das macht es ja so schwierig, dass die Verbraucher weniger Geld im Portemonnaie haben und bei uns die Kosten durch die Decke gehen. Und insofern ist die wichtige Botschaft, dass in 90 % der Betriebe trotz extrem gestiegener Kosten die Preise stabil geblieben sind und einige Betriebe sind aber so von Kostensteigerungen betroffen, dass wir die auch verlieren, dass die für immer die Türen zuschließen. Und deshalb profitiert der Gast sehr wohl von der Mehrwertsteuersenkung
überall dort, wo diese Steuersenkung die Betriebe rettet und damit das gastronomische Angebot vor Ort noch vorhanden ist.
Eva Dieterle: Wenn der Gast aber von den Entlastungen so wenig spürt, dann muss man auch sagen, der Gast muss sein Verhalten anpassen. Also weniger essen gehen, weniger Hotelübernachtungen, weniger Reisen. Das trifft doch die Branche dann am Ende noch härter.
Gereon Haumann, Präsident DEHOGA Rheinland-Pfalz: Ja, ich glaube, der Gast sollte vor allen Dingen darauf achten, dass er ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bekommt. Wenn die Qualität stimmt, wenn die Menge stimmt, wenn der Service stimmt, dann ist der Gast sehr wohl bereit, dafür auch zu zahlen. Und in diesem Betrieben haben wir auch die geringsten Probleme. Das ist leider aber so, wie Sie sagen, dass das Konsumverhalten zurückhaltend ist und wir deshalb Betriebe verlieren. Wir verlieren zurzeit in Rheinland Pfalz jeden Tag einen gastronomischen Betrieb und das ist besorgniserregend. Und das ist alles andere als schön.
Eva Dieterle: Ein Thema, das die Gastronomen auch immer weiter umtreibt, ist das Thema Personal. Sie sehen durch die politischen Pläne die Minijobs in Gefahr, zeichnen ein durchaus verheerendes Bild
für die Zukunft des Gastgewerbes, wenn es dazu kommen sollte. Deswegen gibt es jetzt ganz aktuell eine bundesweite Kampagne, die heißt Minijobs erhalten. Was versprechen Sie sich davon?
Gereon Haumann, Präsident DEHOGA Rheinland-Pfalz: Wir erhoffen uns, dass ganz, ganz viele Minijobber selber mitmachen, weil wir 7 Millionen Minijobber in Deutschland haben. Und das, was die Bundesregierung vorhat, ist das Gegenteil von dem, was sie vor der Wahl versprochen hat, nämlich mehr Netto vom Brutto. Fakt ist, durch die jetzigen Überlegungen würden wir von mehr Brutto weniger Netto haben. Das heißt, es sollen sowohl die Arbeitnehmer zur Kasse gebeten werden, als auch die Minijobs für die Arbeitgeber durch Abgaben und Steuern deutlich teurer werden, statt bisher auf Arbeitgeberseite einer Belastung von 31 % dann über 42 %. Und das ist das faktische Aus für die Minijobs.
Eva Dieterle: Ein ganz wichtiges Thema bei den Minijobs ist es aber auch, Altersarmut zu vermeiden. Was wäre denn Ihr Vorschlag?
Gereon Haumann, Präsident DEHOGA Rheinland-Pfalz: Ja, das, was die Rentenkommission vorschlägt, ist ja auch bei den Minijobs umzusetzen. Statt einer freiwilligen Möglichkeit für die Arbeitnehmer, die es im Moment gibt, 7 % in die Rentenkassen einzuzahlen, wäre die Lösung doch ganz naheliegend. Einfach, dass zukünftig alle Minijobber verpflichtend diese 7 % in die Rentenkasse einzahlen. Dann wären die Probleme
von Frau Bas gelöst.
Eva Dieterle: Wir werden das politisch weiter beobachten, genauso wie Sie, Herr Haumann. Vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren.
Gereon Haumann, Präsident DEHOGA Rheinland-Pfalz: Sehr gerne.