Behinderte sorgen sich wegen geplanter Einsparungen

Seit Monaten spricht die Bundesregierung davon, dass sie Reformen vorantreiben will. Auch im sozialen Bereich. Die Sparpläne sollen dann auch Menschen mit Behinderung treffen. Wohlfahrtsverbände, soziale Einrichtungen und Gewerkschaften warnen vor einem sozialen Kahlschlag, nachdem bereits im Frühjahr ein Arbeitspapier ans Licht kam, das die erschreckenden Ausmaße der Maßnahmen zeige. Unter dem Motto „Nicht am Menschen sparen“ sind für morgen bundesweite Großdemonstrationen geplant.

 

Juan Ponce lebt in Frankfurt in seiner eigenen, kleinen Wohnung. Durch eine Entzündung des Nervensystems funktioniert sein Kurzzeitgedächtnis nicht mehr. Deshalb ist er im Alltag auf Unterstützung angewiesen – und auf jede Menge Merkzettel.
Juan Ponce: „Ich muss alles aufschreiben. Gespräche und alles. Sobald ich mit der Person spreche, wenn ich das nicht aufschreibe, dann weiß ich nichts mehr über den Inhalt.“ 
Mehrmals in der Woche kommt die Lebenshilfe Frankfurt vorbei, die ihm bei Terminen oder etwa dem Sortieren von Tabletten hilft. Über die Lebenshilfe hat er auch seine Wohnung bekommen. Das im deutschen Sozialrecht verankerte Wunsch – und Wahlrecht sieht vor, dass Menschen mit Behinderung selbst bestimmen können, in welcher Form sie wohnen möchten. Dieses Recht würde durch die geplanten Maßnahmen des Bundes beschnitten werden. Dann müsse die Betreuung von mehreren Menschen gebündelt in einer Einrichtung stattfinden. Denn das würde die Arbeit von Betreuern effizienter gestalten.
Dominique Deneu (Vorstand Lebenshilfe Frankfurt): „Das ist mit Sicherheit sinnvoll. Es passt nur nicht für jede Person. Also uns ist wichtig, dass weiterhin geguckt wird, wie kann der individuelle Bedarf – das heißt der Bedarf den Herrn Ponce zum Beispiel hat – wie kann der weiter erfüllt werden und nicht durch irgendetwas Günstiges ersetzt werden.“ 
Die Sparpläne sehen insgesamt weniger Assistenz und Betreuungszeiten vor. In Deutschland ist jeder Zehnte von einer Schwerbehinderung betroffen und auf Hilfe angewiesen. Durch die Reform würden vor allem die Angehörigen in die Pflicht genommen. 
Auch die Schulbegleitung für Kinder mit Behinderung könnte durch die Sparpläne wegfallen. Der paritätische Wohlfahrtsverband spricht von einem gewaltigen Rückschritt beim Thema Inklusion. Man versuche, bei den Menschen zu sparen, die es ohnehin schon schwer hätten. Auch Juan Ponce macht sich nun große Sorgen. 
Juan Ponce: „Das wäre schwierig ohne Assistenz. Zum Beispiel: Ich hatte eine komplette Tablettenumstellung und ich kann mir nicht merken, wie die neuen Tabletten sind. Und das macht eine Assistenz immer mit mir. Für einen Monat die Tabletten einzustellen.“ 
Durch die bundesweiten Proteste morgen erhofft sich Juan ein Umdenken der Regierung. Damit er und viele andere Menschen auch weiterhin ein selbstbestimmtes Leben führen können.