Wirtschaft leidet unter Bürokratie

Von der Wiege bis zur Bahre – Formulare, Formulare. Ein Klassiker, der IMMER NOCH zutrifft. Zu viel Bürokratie lähmt das Land – und ganz besonders die Wirtschaft. Darüber sprechen wir gleich mit dem Hauptgeschäftsführer der IHK Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz – mit Arne Rössel. Zuvor zeigen wir das Problem ganz konkret – an einem Beispiel aus der Eifel.

Seit mehr als 20 Jahren produziert die Firma KLANZ Plantcare in Kruft im Kreis Mayen-Koblenz mineralische Pflanzensubstrate und Düngemittel aus Vulkangestein. Das gibt es hier am Rande der Eifel reichlich – doch die wirtschaftliche Nutzung wird für das Unternehmen seit Jahren immer schwieriger. Wie viele andere Betriebe in Deutschland versinkt auch die Firma Klanz tiefer und tiefer im Bürokratie-Dschungel. Vor allem die EU überfrachtet den Düngerhersteller mit immer neuen Anforderungen und Richtlinien.
Sascha Schoblocher
KLANZ Plantcare GmbH
„Wir produzieren Substrate, die werden nach Düngemittelrecht, nach europäischem Düngemittelrecht deklariert. Das ist ein wahrer Sumpf für uns. Und wir kriegen das teilweise gar nicht mehr gehandled, diese ganzen Themen wirklich minutiös abzuarbeiten.“ 
Neuestes Bürokratie-Monster aus Brüssel: Die „Packaging and Packaging Waste Regulation“, kurz PPWR – besser bekannt als Verpackungsverordnung. Seit Mitte August muss Klanz wie jedes andere Unternehmen auch Nachweise über jede Verpackung führen, die die Produktionshallen verlässt – bis hin zum Empfänger und zur späteren Entsorgung. Wie das in der Praxis funktionieren soll, weiß aber offenbar noch niemand so genau.
Sascha Schoblocher
KLANZ Plantcare GmbH
„Viele dieser Richtlinien sind so unklar und schwammig definiert, dass man fast nichts richtig machen kann. Und das ist ein großes Problem für uns als produzierendes Unternehmen.“
Und auch das nächste Problem klopft schon an die Tür: Am Sonntag tritt die neue EmpCo-Richtlinie der Europäischen Union in Kraft, die die Verbraucher vor sogenanntem „Greenwashing“ schützen soll, indem es Produktbezeichnungen wie „umweltfreundlich“, „natürlich“ oder „klimaneutral“ extrem streng reguliert. Auch hier weiß Sascha Schoblocher noch nicht genau, was da alles auf ihn zukommt. Und selbst da, wo mehr Klarheit herrscht, können Unternehmer oft nur mit dem Kopf schütteln, denn ein Lieferschein reicht zur Dokumentation nicht mehr aus.
Sascha Schoblocher
KLANZ Plantcare GmbH
„Ich fange jetzt nicht noch von Gelangensbestätigungen an, dass wir von unseren Kunden ne Bestätigung brauchen, dass unsere Lieferungen angekommen sind, obwohl wir bezahlte Rechnungen und Transportaufträge haben. Dafür alleine ist eine Kraft etwa einen Tag im Monat Vollzeit mit beschäftigt.“ 
Das ist für das Unternehmen nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer: Und letztlich vielleicht sogar existenzgefährdend. Schließlich muss KLANZ Plantcare auf dem internationalen Markt bestehen – auch gegen Konkurrenz aus dem nichteuropäischen Ausland.