Urteil wegen e-Roller-Wurf

Zwei hundertstel Sekunden haben über Leben und Tod entschieden: Drei junge Männer hatten in der Silvesternacht 2024 in Frankfurt einen E-Scooter von einer Brücke auf ein fahrendes Polizeiauto geworfen. Sie wurden deshalb für versuchten Mord angeklagt. Heute ist vor dem Frankfurter Landgericht das Urteil gegen die damals 17 und 18-jährigen Jugendlichen gefallen. 

Es sind harte Urteile. Der Hauptangeklagte Marcelo K., der den Scooter geworfen hat, erhält 7 Jahre Jugendhaft. Rayan I. bekommt 6 Jahre. Aycan B. wird zu 4 Jahren und 10 Monaten Jugendhaft verurteilt. Die beiden hatten bei der Planung und Durchführung der Tat geholfen.
Wie das Gericht heute feststellt, wollten die drei deutschen Angeklagten mit weiteren Jugendlichen in der Silvesternacht gezielt Polizisten angreifen – mit Feuerwerkskörpern, Flaschen und selbstgebauten Molotov-Cocktails. Das Geschehen gipfelt schließlich darin, dass ein 30 Kilogramm schwerer Escooter wie dieser von dieser Brücke am Frankfurter Nordwestzentrum auf einen Polizeieinsatzwagen geworfen wird, der unter der Brücke durchfährt. 
Der Roller trifft Dach und Windschutzscheibe. Zwei der fünf Polizisten im Inneren werden leicht verletzt. Ein Riesenglück, denn wäre der Scooter nur Sekundenbruchteile früher eingeschlagen, hätte er die Windschutzscheibe durchbrochen – mit möglicherweise tödlichen Folgen. 
Das war versuchter Mord, stellt das Gericht heute fest. Weil zwei der drei Angeklagten bereits mehrfach vorbestraft sind, geht die Kammer in ihren Urteilen sogar deutlich über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinaus.
Überführt werden die damals 17 und 18 Jährigen Mitangeklagten mit Überwachungsvideos. Der Hauptangeklagte Marcelo K. kann darauf nicht eindeutig identifiziert werden. Zeugen belasten ihn vor Gericht.
Ulrich Endres, Verteidiger von Marcelo K.
„Ich sags mal, wie es der Vorsitzende auch gesagt hat. Wir haben keinen einzigen direkten Beweis, sondern wir verlassen uns auf Gerüchte, in denen mitgeteilt wird, der Marcelo wars. Wer das auch immer gesagt hat. Es war auch nicht so, dass das einer gesagt hat, der direkt dabei war etc.“
Marcelo K. bestreitet, den Scooter geworfen zu haben. Dass er zumindest in der Nähe des Tatorts unterwegs war, hatten aber die Auswertung seiner Handydaten und Fingerabdrücke ergeben.
Maike Dickhaus, Reporterin am Landgericht Frankfurt
„Als der vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung sagt, dass es zwar keinen direkten Beweis dafür gebe, dass der Hauptangeklagte Marcelo K. den Scooter geworfen habe, aber viele Indizien, da unterbricht Marcelo K. ihn. Er klatscht in die Hände und ruft: ‚Indizien aber keine Beweise!‘ Danach lacht er manisch. Er scheint wohl fassungslos darüber, dass er für diese Tat verurteilt wurde.“
Die Verteidigung von Marcelo K. hat deshalb auch angekündigt, in Revision zu gehen. Sie wollen einen Freispruch für ihren Mandanten. Nun bleiben aber alle Drei erstmal in Haft.