Hohe Spritpreise gefährden Unternehmen

17 Cent pro Liter – so viel günstiger soll das Tanken ab Oktober werden. Bund und Länder haben jetzt einen erneuten Tankrabatt auf den Weg gebracht. Kostenpunkt 2,5 Milliarden Euro aus dem Staatshaushalt. Doch am Tankrabatt 2.0 gibt jede Menge Kritik. Auch von den Unternehmen, die eigentlich davon profitieren sollen, wie unser Beispiel aus dem hessischen Rodgau zeigt.

Über 2,50 Euro für einen Liter Diesel, Super um die 2,44. Die Preise, die an den Zapfsäulen der Tankstellen angeschrieben stehen, lassen die Autofahrer gerade verzweifeln. Für Milad Shahin, der in Rodgau einen Pflege- und Krankenfahrdienst betreibt, sind die Spritkosten sogar existenzbedrohend. Für Hausbesuche bei Patienten, Fahrten ins Krankenhaus oder Medikamentenlieferungen sind seine 28 Mitarbeiter täglich mit dem Auto unterwegs – und müssen tanken.
Milad Shahin, Pflegedienst-Inhaber aus Rodgau: „Wirtschaftlich ist es für uns eine Katastrophe. Das sind im Monat bis zu 8.000 € mehr. Im Gegensatz zum letzten Jahr.“
Seine Mitarbeiter hat er angewiesen nur noch vormittags zu tanken, weil es dann ein bisschen günstiger ist. Viel würde das aber nicht bringen. Zwei Fahrzeuge seines Krankentransports hätte er schon stilllegen müssen. Und damit nicht genug.
Milad Shahin, Pflegedienst-Inhaber aus Rodgau: „Aufgrund der Spritpreise mussten wir jetzt auch drei Mitarbeiter kündigen, weil es rentiert sich einfach nicht. Es ist so, dass wir auch, dass ich auch nächtelang wach im Bett liege und überlege; wie machen wir das jetzt? Wie kriegen wir das hin? Also wenn es da allein um Geld gehen würde, würde ich dieses Geschäft schon seit längerem dichtmachen. Es geht mir um die Menschen. Es geht mir vor allem um die alten Menschen.“
Denn die seien auf die Krankenfahrten angewiesen, wenn sie zum Beispiel im Rollstuhl säßen, sagt der Pflegedienstleiter. Im Umkreis hätten in den letzten drei Monaten schon vier Fahrdienste zu gemacht. Die Lage sei prekär.
Resigniert blickt er deshalb auch auf die Ankündigung der Bundesregierung, einen weiteren Tankrabatt einführen zu wollen.
Milad Shahin, Pflegedienst-Inhaber aus Rodgau: „Das wird keinen Menschen helfen. Also, es wird niemanden helfen. Ich musste drüber schmunzeln, weil es ist immer so, wenn da irgendein Tankrabatt kommt, ziehen die Ölkonzerne das Ganze da oben kurz vorher. So, und da haben wir am Ende des Tages vielleicht sechs, sieben Cent mal gespart. Ja, so was bringt uns nicht weiter.“
Auch der Tankstellen-Interessensverband aus Neustadt an der Weinstraße befürchtet, dass der Tankrabatt nicht vollständig an die Kunden weitergegeben wird. Er fordert daher: Sofort einen Spritpreisdeckel!
Herbert Rabl, Sprecher Tankstellen-Interessenverband e.V: „Weil der Spritpreis die einzige Garantie ist, dass die Gier der Mineralölgesellschaften einigermaßen kontrollierbar wird. Das geht nur mit dem Spritpreis deckeln. Natürlich verdient auch der Finanzminister mit. Aber jetzt geben Sie es über den Tanker bei dem Bürger zurück. Wir brauchen ein Instrument, was den Mineralölgesellschaften die Möglichkeit nimmt, willkürlich abzukassieren.“
Denn die Tankstellenbetreiber würden nicht über die Preise an der Zapfsäule entscheiden. Die Bundesregierung plant den Spritpreisdeckel zum ersten Januar einzuführen.
Ob er aber tatsächlich kommt, ist unklar. Entsprechend sauer ist Milad Shahin auf die Politik.
Milad Shahin, Pflegedienst-Inhaber aus Rodgau: „Es ist alles außer Kontrolle jetzt gerade. Ja, es gehen so viele Unternehmen pleite, aber irgendwie interessiert es keinen.“
Er will noch so lange weitermachen, wie es geht. Nicht die Hoffnung verlieren, das sagt er auch seinen Kunden.