Ein Drachenkopf für’s Landesmuseum

„Drachen – Mythos und Wirklichkeit“: So der Titel einer Ausstellung, die ab Anfang Oktober im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt zu sehen sein wird. Mit dabei auch dieses Prunkstück: Ein echter Drachenschädel. Dachte man zumindest Jahrhunderte lang.

Gaaanz vorsichtig öffnen die Spezialisten des Hessischen Landesmuseums diese Kiste aus Österreich. Genauer gesagt – aus der Drachenstadt Klagenfurt. Zum Vorschein kommt der hervorragend erhaltene Schädel eines Lindwurms, wie man Drachen im Mittelalter auch nannte. Damals waren die Menschen davon überzeugt, dass die feuerspeienden Ungeheuer tatsächlich existieren. Und auch in Klagenfurt gab es bereits eine uralte Sage, nach der in der Nähe der Stadt einst ein solcher Drache gehaust haben soll.
Dominik Hennhöfer, Landesmuseum Darmstadt: „Im Jahr 1335 fand man einen Schädel. Und es war natürlich klar: Das ist der Drachenschädel. Und seitdem ist das der Klagenfurter Lindwurmschädel. Er ist aber erst 505 Jahre später korrekt als Wollnahshornschädel identifiziert worden.“ 
Tatsächlich handelt es sich also um den Schädel einer bereits ausgestorbenen Tierart, die bei uns in Mitteleuropa noch bis vor etwa 12.000 Jahren anzutreffen war. Doch das konnten die Menschen im 14. Jahrhundert nicht ahnen. Und so wurde das Nashorn kurzerhand zum Lindwurm. Für die Stadt Klagenfurt ist der Schädel seit jeher heilig – er schaffte es sogar bis ins Wappen der Stadt. Und bislang hatte er Klagenfurt auch noch nie verlassen.
Dominik Hennhöfer, Landesmuseum Darmstadt: „Dieser Schädel ist nicht verleihbar. Der war noch verliehen. Der wurde noch nie außerhalb Österreichs gebracht.“ 
Dass der Schädel nun erstmals außerhalb Österreichs bewundert werden kann, sei auf das hervorragende Verhältnis zwischen dem Hessischen Landesmuseum und dem Kärnten-Museum in Klagenfurt zurückzuführen. Und: Die Drachen-Ausstellung hat auch noch mehr zu bieten.
Dominik Hennhöfer, Landesmuseum Darmstadt: „Wir haben die Moderne. Wir haben ostasiatische Drachen. Wir haben Drachen aus der Antike. Wir haben Drachen aus dem Mittelalter. Wir haben echte Drachen – also Tiere, die nach Drachen benannt wurden. Und wir haben jetzt eben auch den Schädel eines Lindwurms, also eines echten Drachen hier im Haus.“ 
Oder eben eines Wollnashorns – ganz nach Betrachtungsweise. Wer sich den Schädel und den Rest der Ausstellung „Drachen – Mythos und Wirklichkeit“ selbst anschauen mag, hat ab dem 2. Oktober im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt die Gelegenheit.