Irischer Nationalsport Hurling

Haben Sie schon einmal von Hurling gehört? Die Sportart kommt ursprünglich aus Irland – und ist dort tatsächlich noch populärer als Fußball. Mit einer Geschichte von mehr als 3000 Jahren gilt Hurling als eine der ältesten Feldsportarten der Welt. In Deutschland ist der Sport dagegen noch weitgehend unbekannt. Gerade einmal zwölf Vereine gibt es, in denen Hurling gespielt wird. Eine kleine Hochburg hat sich im südhessischen Darmstadt entwickelt.

Hurling erinnert auf den ersten Blick an eine Mischung aus Feldhockey, Baseball, Fußball und Lacrosse. Doch eigentlich ist es vor allem eines: ein eigenständiger, schneller und ziemlich spektakulärer Sport. Jakob lernt Hurling 2008 während eines Schüleraustauschs in Irland kennen. Zurück in Deutschland will er den Sport weiterbetreiben – doch eine Möglichkeit dazu gibt es zunächst nicht.
Jakob Feldmann
Darmstadt Gaelic Athletic Association
Dann hab ich angefangen in Darmstadt zu studieren und durch den Unisport hat man die Möglichkeit relativ exotische Sportarten zu etablieren. Ich hab den Unisport angeschrieben und der war begeistert und hat uns unterstützt und uns das Feld gegeben einmal die Woche. Und the rest is history.“ 
Und jetzt will ich das auch mal ausprobieren. Das Wichtigste kommt dabei zuerst: der Helm. Denn der Sliotar, wie der Ball genannt wird, kann Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde erreichen. Auch der hölzerne Schläger, der sogenannte Hurley, ist nicht gerade das, was man gerne an den Kopf bekommt. Eine der wichtigsten Regeln: Solange der Ball den Boden berührt, darf er nicht mit der Hand gespielt werden.
„Jetzt legst du den Schläger obendrauf und ziehst den Ball zurück und ziehst dann den Schläger weg und lässt den Ball in die linke offene Hand fallen. Genau. Das machen wir noch zwei drei Mal.“ 
Einfacher gesagt als getan. Den Ball mit dem Schläger aufzunehmen und gleichzeitig mit der richtigen Handbewegung zu koordinieren, braucht einiges an Übung. Ist der Ball endlich in der Hand, darf er zweimal für vier Schritte getragen werden.
„Das wird häufig als Eierlauf bezeichnet, weil man wirklich den Ball auf dem Schläger balanciert oder eben springen lässt. Das ersetzt so ein bisschen das Dribbeln in diesem Sport.“ 
Und dann wird es gefährlich für den Gegner: Denn Punkte gibt es entweder für einen Treffer zwischen die oberen Pfosten oder für ein Tor. Die Torpfosten sind deutlich höher als beim Fußball. Landet der Ball zwischen den Pfosten, gibt es einen Punkt. Überwindet er den Torwart und landet im Tor, sind es gleich drei Punkte. Das bedeutet: Schon ab dem Mittelfeld besteht Punktegefahr. Außer bei mir.
Hurling ist in Deutschland zwar noch eine Nischensportart – in Darmstadt hat sich allerdings eine echte Könner-Mannschaft entwickelt. Viele der Darmstädter Spieler spielen auch in der deutschen Nationalmannschaft. Auch aufgrund einer besonderen Regel: Bei Weltmeisterschaften dürfen nur Spieler für die deutsche Mannschaft antreten, die nicht bereits als Kinder in Irland Hurling gespielt haben.
Jakob Feldmann
Darmstadt Gaelic Athletic Association
„Da sind wir eben das Cool Runnings Team, weil wir keinen einzigen haben, der in Kindertagen in Irland gespielt hat, das heißt an Darmstadt führt kein Weg vorbei, wenn man eine deutsche Nationalmannschaft aufbauen will, das muss man so knallhart sagen. Das sagen wir auch vielen Leuten, die bei uns starten, die den Sport vorher nicht kannten und wir meinen dann immer ‚Wenn du dich anstrengst, kannst du in zwei Jahren Nationalmannschaft spielen.“ 
Jeder, der möchte, wird ins Team aufgenommen. Aktuell bereiten sich die Darmstädter auf ein Turnier der europäischen Runde vor. Am 3. Oktober geht es in Amsterdam um wichtige Punkte. Und wer weiß: Vielleicht beginnt für den ein oder anderen bald der Weg vom Hurling-Neuling zum Nationalspieler.