Wie ist die Lage der Bauindustrie?

In Deutschland lebt über die Hälfte der Menschen zur Miete. Zumindest in der Europäischen Union ist das unangefochtene Spitze: In keinem anderen Land der EU gibt es derart wenig Wohneigentum. Das bedeutet auch: Nirgendwo sonst in Europa sind derart viele Menschen von immer weiter steigenden Mieten betroffen. Hauptproblem: Es gibt schlichtweg zu wenige Wohnungen. Zumindest in Hessen kommt aber allmählich Bewegung in den festgefahrenen Wohnungsmarkt.

Vor allem in Großstädten wie Frankfurt ist bezahlbarer Wohnraum knapp. 25 bis 30 Euro Miete pro Quadratmeter werden in der Mainmetropole schon mal fällig – nur Spitzendverdiener können das schmerzfrei ertragen. In den Ballungsräumen ist es inzwischen völlig normal, dass die Bewohner rund die Hälfte ihres Einkommens in die Miete stecken. Für Hessens Wirtschaftsminister Kaweeh Mansoori ist das „sozialer Sprengstoff“.
Kaweeh Mansoori, SPD, Wirtschaftsminister Hessen: „Ich will, dass keiner in Hessen mehr als ein Drittel seines Einkommens für die Wohnung zahlt. Und bis wir dieses Ziel nicht erreicht haben, werden wir auch jeden Stein umdrehen. Und wir sehen auch bei den Baupaketen: Es bewegt sich was. Die Baugenehmigungen entwickeln sich. Die Baukosten sind erstmals seit Jahrzehnten gesunken. Zusammen mit der Rekordförderung in den geförderten Wohnungsbau bekommen wir endlich mehr Sozialwohnungen. Aber: Es bleibt viel zu tun.“ 
Um das Problem mit den hohen Mieten in den Griff zu bekommen, könne am Ende nur eines wirklich helfen: Bauen, bauen und nochmals bauen. Dass das in Zukunft wieder schneller und günstiger geht, ist der hessischen Bauwirtschaft ein großes Anliegen. Laut Verbandspräsident Thomas Reimann sieht die Branche zumindest in Hessen trotz aller Schwierigkeiten auch Licht am Ende des Tunnels.
Thomas Reimann, Präsident Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen: „Der Markt ist schwierig. Die geopolitischen Herausforderungen beschäftigen natürlich auch die hessische Bauwirtschaft. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Aber grundsätzlich sind wir in Hessen auf dem richtigen Weg, weil wir Reformen angegangen sind. Wir sprechen nicht nur darüber, wir stellen das nicht nur fest, was wir ändern müssen, sondern wir ändern auch tatsächlich etwas.“ 
Mit dem „Baupaket 1“ wurden in Hessen bereits im vergangenen Jahr etliche bürokratische Hürden beim Wohnungsbau abgeschafft. Schon bald soll Bauen mit dem „Baupaket 2“ noch einfacher und unbürokratischer werden, und auch „Baupaket 3“ ist bereits in Arbeit. Anders als etwa in Berlin setzt man in Sachen günstige Mieten in Hessen also auf die Kräfte des Marktes, als von der Enteignung ganzer Wohnbaukonzerne zu träumen.
Kaweeh Mansoori, SPD, Wirtschaftsminister Hessen: „Das, was in Berlin diskutiert wird, ist ja eher eine Verunsicherung für Investoren. Deshalb gehen wir in Hessen andere Wege. Politik, Wirtschaft und Mieterinnen und Mieter zusammen. Und ich glaube, das ist der bessere Weg.“ 
Laut einer Studie des Pestel-Instituts fehlen in Hessen zurzeit rund 86000 Wohnungen. Bis zum Jahr 2030 könnte der Bedarf sogar auf bis zu 25000 neue Wohnungen ansteigen.