Weltmeisterschaft der Transplantierten

Mehr als 8000 Menschen warten in Deutschland zurzeit auf ein Spenderorgan. Sandra Hügelschäfer aus Kleinkarlbach im pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim hatte großes Glück. Die Leber eines Organspenders schenkt ihr im Jahr 2021 ein neues Leben und neue Perspektiven. So, wie Teilnahme an der Fußball-WM für Organstransplantierte, die vergangene Woche in Frankfurt, am Stadion des FSV Frankfurt, stattfand. Und das zum ersten Mal überhaupt auch mit einer deutschen Frauenmannschaft.

 

Es sind gleich mehrere Paraden, mit denen Sandra Hügelschäfer Team Deutschland am Ende den 4-zu-2-Sieg gegen Australien sichert.
Sandra Hügelschäfer
lebt seit 2021 mit eine Spenderleber
„Unbeschreiblich! Das ist grandios! Wir sind die erste Frauen-Nationalmannschaft für Transplantierte. Das erste Spiel jemals. Besser kann’s nicht sein.“ 
Doch von vorne. Dass die 57-Jährige heute wieder einem geregelten Leben nachgehen und, wie hier, die Zeit ihren beiden Hündinnen Sina und Annabelle genießen kann, ist alles andere als selbstverständlich. Denn: Im Oktober 2021 wird sie krank und kommt nach 9 Tagen im Krankenhaus auf die Intensivstation. 
Sandra Hügelschäfer
„Am Dienstag morgen kam der Oberarzt von der Uniklinik Mainz. Und er kam zu mir an’s Bett uns sagt: Frau Hügelschäfer, wenn wir keine neue Leber für sie finden, dann sterben Sie.“ 
Doch sie hat Glück. Nur zwei Tage später erhält sie ein Spenderorgan. Den Tag der Transplantation, den 11. November 2021, trägt sie als Tattoo auf ihrem Arm. 
Sandra Hügelschäfer
lebt seit fast 5 Jahren mit einer Spenderleber
„Ich bin einfach unendlich dankbar, dass jemand ja gesagt hat zur Organspende. Und, dass ich heute leben darf.“ 
Die Ursache für das Leberversagen: Bis heute unklar. Doch innerhalb von eineinhalb Jahren kämpft sie sich zurück in’s Leben. Und kann mittlerweile wieder dem Sport, ihrem, wie sie selbst sagt, Lebenselixier, nachgehen. Bei der SG Kerzenheim Grünstadt Sausenheim trainiert sie mehrere Monate mit, um 
beim Transplant Football World Cup in Bestform zu sein. Die WM, bei der 250 organtransplantierte Fußballer aus 15 Nationen mitmachen. 
Chesney Maloney
Team Australien
„Es ist wundervoll, dass man hier mit Menschen in Kontakt kommt, die eine ähnliche Reise wie man selbst hinter sich haben. Wir kommen hier zusammen und schreiben Geschichte! Wir haben uns das eben auch in der Kabine gesagt: Die erste Frauennationalmannschaft für Transplantierte! Das ist großartig.“ 
Stefanie Neuhäuser
Team Deutschland
„Ach, es ist einfach wunderbar! Internationalität. Und einfach dieses Gemeinschaftsgefühl. Und wir haben alle Ähnliches durchgemacht. Und es ist einfach ganz fantastisch heute hier zu sein.“ 
Francisco Luna
Team Spanien
„Die Botschaft lautet: Wir kommen hier zusammen, um das Leben zu feiern! Darum geht es.“ 
Mittlerweile lebt Sandra Hügelschäfer dafür, andere Menschen für das Thema Organspende zu sensibilisieren. Auch durch ihre Teilnahme an der WM. 
Sandra Hügelschäfer
„Wir wollen allen, die drauf warten, leider sind es zu viele in Deutschland, aber wir wollen alle, die warten, motivieren und sagen: Es lohnt sich zu warten. Wir hoffen, dass es zur Widerspruchslösung kommt, dass einfach schneller Menschen zu einem neuen Organ kommen.“ 
Bei der Widerspruchslösung gilt eine Organsspende dann als möglich und erlaubt, solange der Betroffene nicht ausdrücklich widerspricht. Bundestagsabgeordnete, darunter auch einige aus Rheinland-Pfalz, haben vor kurzem einen Gesetzesentwurf mit eingebracht, mit dem sich der Bundestag ab diesem Donnerstag beschäftigt. Dass das deutsche Frauen-Team am Ende auf Platz drei landet – eine sportliche Nebensache. Denn: Gewonnen haben hier alle.