Situation der Gastronomie im Frankfurter Bahnhofsviertel

Das Frankfurter Bahnhofsviertel sorgt schon lange immer wieder für Negativschlagzeilen, nun gibt es eine neue, kuriose Diskussion: Einerseits will die Stadt in dem Viertel für mehr Sicherheit sorgen und es zugleich beleben – wenn aber andererseits Gastronomen genau dafür sorgen wollen, bekommen sie von der Stadtverwaltung Steine in den Weg gelegt. Wir haben uns den Fall einmal näher angesehen.

Kanwal Gill betreibt seit über zehn Jahren zwei Restaurants mitten im Bahnhofsviertel, zentral an der Kaiserstraße. Wie viele andere Betreiber setzt er auf die Außengastronomie, doch die ist seit einer verschärften Sondernutzungssatzung in Frankfurt stark eingeschränkt. Die Flächen müssen nun kleiner sein, selbst wenn es ein Einverständnis vom Nachbarn gibt. In den Abgrenzungen müssen Lücken als Fluchtweg gelassen werden, mit schwerwiegenden Folgen.
Kanwal Gill, Gastronom
„Noch mehr Probleme mit Leuten, die von der Straße auf unsere Terrassen kommen. Die falschen Leute. Uns wird ins Essen gegriffen, während Sie sitzen. Unsere Messer werden genutzt, um Streitigkeiten auszutragen. Es ist verrückt.“
Nach einem Aufschrei der Gastronomen im Bahnhofsviertel schaut Oberbürgermeister Mike Josef persönlich vorbei. Um festzustellen, dass einige beschlossene Einschränkungen kontraproduktiv sind.
Mike Josef (SPD), Oberbürgermeister Frankfurt
„Es ist natürlich auch nachvollziehbar, dass sich die Verwaltung daran hält. Das ist eine politische Entscheidung. Aber manchmal braucht es auch pragmatische Lösungen. Insbesondere, wenn es darum geht, dass wir ja davon profitieren, dass die Gastronomen mit der Außengastronomie hier für mehr Belebung sorgen.“
An der Außengastronomie entzündet sich ein grundlegendes Problem: Die explosive Mischung aus offener Drogenszene, Prostitution und Gewalt im Bahnhofsviertel. Gastronomie-Betreiber fürchten oft um die Sicherheit ihrer Angestellten.
Mohammad Waseem, Gastronom
„Am meisten schlimm sind die ganzen Junkies, die hier laufen. Die greifen die Mitarbeiter an. Für uns ein sehr großes Problem.“
Kanwal Gill, Gastronom
„Wir müssen wieder dahin kommen, dass dieses Viertel wieder attraktiv wird. Dass der Frankfurter an sich auch wieder in dieses Viertel kommt. Das ist das Eintrittstor nach Frankfurt, vom Bahnhof in die Innenstadt.“
Zuletzt wurde über eine eigene Polizeiwache fürs Bahnhofsviertel diskutiert, ein Standort ist laut Oberbürgermeister Mike Josef bereits gefunden. Bei der Außengastronomie soll es noch diese Woche Gespräche mit der Stadtverwaltung für kurzfristige Lockerungen geben. Dann könnten Kanwal Gill und seine Nachbarn die Kaiserstraße zumindest noch in den letzten Spätsommerwochen mehr beleben.