Aktionstag Auto der IG Metall

Alarm in der Autobranche! Die IG Metall hat heute zum großen Kampftag gerufen. „Stellenabbau – nicht mit uns“ so die Botschaft. Während die IG Metall also vor allem die Autobosse in den Fokus nimmt, macht die Arbeitgeberseite heute klar: Für viele Punkte ist auch die Politik verantwortlich. Deutschland als Industriestandort sei zu teuer, zu bürokratisch und zu unflexibel. Wir lassen beide Seiten zu Wort kommen und starten bei dem Arbeitnehmern.

 

„Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke“: Unter diesem Motto haben sich heute 800 Beschäftigte von Daimler Truck in Wörth zu einer Kundgebung versammelt. Sie wehren sich unter anderem gegen die Aufweichung der 35-Stunden-Woche und kritisieren den Abbau sozialer Leistungen.
Ayman Akcakoca
„Die wollen, dass wir länger arbeiten und gleich bezahlt werden. Das heißt quasi, dass sie unseren Lohn wegnehmen.“
Ulli Edelmann, Betriebsratsmitglied
„Mich macht es sauer, dass 46 Jahre hier arbeiten und fast keinen Tag krank nicht ausreicht für eine Rente zu haben, für ein gutes Betriebsergebnis. Und dann sage ich da stimmt was nicht im ganzen Staat und bei den Managern. Das ist ein Affront gegen jeden, der arbeiten geht.“
Sebastian Flierl
„Ich hoffe das war ein Zeichen. Das war ein Zeichen von unserer Seite, von den Vertrauensleuten hier in Wörth bei Daimler Truck. Und ich hoffe, dass sich das einige zum Beispiel nehmen und auch raus auf die Straße gehen, damit wir der Politik endlich ein Zeichen setzen.“
Das Zeichen geht nicht nur an Politik, sondern auch an die Unternehmen selbst. Sie dürfen sich nicht aus der Verantwortung ziehen, so der IG Metall-Bezirksleiter Mitte, Jörg Köhlinger.
O-Ton Jörg Köhlinger, IG Metall-Bezirksleiter Mitte
„Wir fordern die Einhaltung der Tarifverträge. Wir fordern vor allem Investitionen und Innovationen in die Standorte. Das ist die Voraussetzung, um auch zukünftig Industriepolitik und Industriebetriebe am Laufen zu halten. Das sind die entscheidenden Voraussetzungen. Nicht die Beschäftigten sind das Problem. Die Verantwortung der Arbeitgeber ist es für Innovation und Investitionen zu sorgen.“
Die Unternehmen hingegen verweisen auf die fehlende Wettbewerbsfähigkeit.
O-Ton Karsten Tacke, Landesvereinigung Unternehmerverbände RLP
„Im internationalen Vergleich sind unsere Arbeitskosten hier am Standort Deutschland nahezu dreimal so hoch wie in Osteuropa und dieses Gap lässt sich mittelfristig nicht mehr überbrücken. Irgendwann wird der zu groß hier und dann droht eben Verlagerung. Wichtig ist, dass wir die Reformagenda zügig anpacken. Heißt wir müssen Sozialversicherungsbeiträge begrenzen, Steuern senken, keine zusätzlichen Abgaben hinzufügen. Vor allem keine Bürokratie, wie zum Beispiel in Rheinland-Pfalz jetzt mit dem Tariftreuegesetz.“
Für Samstag ist ein weiterer Aktionstag angesetzt. Bis zu den Tarifverhandlungen im Oktober gilt dabei die Friedenspflicht. Sollten da die Arbeitgeber den Forderungen der IG Metall nicht entgegen kommen, sind für Anfang November bundesweite Warnstreiks angekündigt.