Rechenzentrumsbranche trifft sich in Bad Vilbel

Wir nutzen sie jeden Tag – beim Streamen, beim Online-Shoppen oder wenn wir Fotos in die Cloud laden. Doch wo landen eigentlich all diese Daten? In riesigen Rechenzentren. Jetzt hat sich die Branche in Bad Vilbel getroffen – beim größten Treffen in Deutschland ging es vor allem um den Bau neuer Rechenzentren. Denn – das sehen wir auch im Rhein-Main-Gebiet – Bauanträge für Rechenzentren stoßen immer häufiger auf Widerstand.

Die Stadt Maintal, 14 Kilometer östlich von Frankfurt. Hier will die Firma EdgeConneX ein neues Rechenzentrum bauen. Ein eigenes Gaskraftwerk soll die notwendige Energie liefern. Doch das Milliarden-Projekt stößt bei Anwohnern auf Widerstand. Die Umweltbelastung sei zu hoch, der Datencenter schaffe kaum Arbeitsplätze und bringe nur wenig Gewerbesteuern.
Das will der Deutsche Rechenzentrumsverband, die German Datacenter Association, so nicht stehen lassen. In Frankfurt befinde sich der größte Internetknotenpunkt der Welt. Deshalb sei das Rhein-Main-Gebiet für Rechenzentren ein sehr attraktiver Standort.
Martin Kohoutek, German Datacenter Association
„Das Internet wohnt in Rechenzentren. Alles was wir tun, jede Anwendung, jede Applikation, jede E-Mail, jeder Netflix-Stream, jede Datenverarbeitung in der Industrie, alles, was mit dem Internet verbunden ist, funktioniert nur mit Rechenzentren. Und wenn wir uns als Gesellschaft, als Verwaltung und als Wirtschaftsnation entwickelt und digitalisieren wollen, dann geht das nur, indem wir digitale Infrastruktur ausbauen.“
Anwohner machten sich oft zu große Sorgen. Alle Rechenzentren hielten die strengen deutschen Umweltgesetze ein. Ihre Abwärme könne für die Heizung angrenzender Häuser genutzt werden. Und sie würden viel mehr Arbeitsplätze schaffen, als die Zahl der Angestellten vermuten lasse.
Martin Kohoutek, German Datacenter Association
„Ein Rechenzentrum muss geplant werden, es muss gebaut werden, es muss gewartet werden. Es braucht Zulieferer. Es braucht jeden Tag viele Menschen, die ein- und ausgehen im Rechenzentrum, weil Server gewartet werden, weil es neue Server braucht, weil die Kunden im Rechenzentrum ein- und ausgehen. Also das Ökosystem Rechen-zentrum schafft viel mehr Jobs als eigentlich in diesem Rechenzentrum arbeiten.“
Außerdem sehe ein neuer Gesetzentwurf vor, dass sich die Höhe der Gewerbesteuer bei Rechenzentren künftig am Strombedarf orientiere. Von der Politik wünscht sich der Verband vor allem Planungssicherheit, schnellere Genehmigungsverfahren und niedrigere Energie-preise. Unterstützung erhält er in Bad Vilbel vom hessischen Ministerium für Digitalisierung.
Nicolas Sölter (CDU), Staatssekretär Digitalisierungsministerium Hessen
„Wir als Landesregierung bekennen uns ausdrücklich zu den Ausbauzielen des Bundes, das bedeutet konkret, bis 2030 sollen die Kapazitäten im Bereich Rechenzentren verdoppeln, im Bereich KI sogar idealerweise vervierfachen.“
Umso optimistischer plant jetzt auch die Amazon-Tochter AWS in Maintal ein neues Rechen-zentrum. Ein eigenes Gaskraftwerk benötige sie nicht. Denn die Stromversorgung sei bereits durch Verträge mit Netzbetreibern gesichert. Es müsse aber zum Beispiel noch geklärt werden, ob die notwendigen Stromleitungen ober- oder unterirdisch verlegt werden. Ein Datum für den Baubeginn will deshalb in Maintal noch niemand nennen.