Schulstunde gegen Cybermobbing

Die bundesweit größte Online-Schulstunde hat heute stattgefunden – 65.000 Schüler haben daran teilgenommen und haben damit ein Zeichen gegen Cybermobbing gesetzt. „Online gemobbt. Real verletzt“ – so das Motto, das die Medienanstalt Rheinland-Pfalz ausgegeben hat.

Eine Nachricht im Chat, ein hochgeladenes Foto oder gezielte Ausgrenzung. Cybermobbing kann unterschiedlich aussehen und auch unterschiedliche Auswirkungen haben. Denn im Internet ist nichts privat.
Deborah Woldemichael, Leiterin klicksafe und Medienpädagogin
„Was im Kleinen analog beginnt zum Beispiel in der Klasse in der Schule setzt sich dann digital fort und das kann online sehr schnell an Dynamik und Reichweite gewinnen und ja der Unterschied ist auch, dass es nicht aufhört, also es ist nicht, dass man dann einfach das Handy weglegt, sondern es erreicht einen zuhause in seinem privaten Umfeld und man kann gar nicht mehr so richtig abschalten.“
Bei der heutigen Schulstunde von klicksafe wird das Thema aus drei Perspektiven betrachtet: Täter, Betroffene und Zuschauer. Oft werden die Probleme aus Scham, fehlenden Bezugspersonen oder Angst vor Konsequenzen nicht gemeldet. Die anwesenden Schüler haben unterschiedliche Erfahrung mit Mobbing gemacht.
Leandro, 8. Klasse IGS Speyer
„Ich hab es jetzt noch nie beobachtet und hab auch keinen in meiner Freundesgruppe, der es gemacht hat oder betroffen wurde.“
Svea: 8. Klasse IGS Speyer
„Mir wurde schonmal erzählt, das auf einer alten Schule jemand dort bisschen gemobbt wurde, die hat dann glaub ich auch die Schule deswegen gewechselt.“
Thoren, 8. Klasse IGS Speyer
„Ich wurde früher auch sehr viel gemobbt. Ich hatte zwischendurch mal keinen Bock mehr, in die Schule zu gehen. Es war schon seit der Grundschule so, es hat sich halt niemand drum gekümmert. Ich hab jetzt zwischendrin dann letztes Jahr die Schule gewechselt.“
Und das Thema Cybermobbing ist nicht nur in Ludwigshafen im Fokus. Heute hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Straßburg den „Kids Act“, einen konkreten Gesetzesentwurf zum Schutz von Kindern im Internet vorgestellt. Dieser sieht unter anderem ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren vor.
Dr. Marc Jan Eumann hat selbst als Mitglied der Expertenkommission von Bundesbildungsministerin Karin Prien, einen umfangreichen Katalog an Empfehlungen vorgestellt. Er sieht besonders großen Handlungsbedarf bei den jeweiligen Social-Media-Plattformen.
Dr. Marc Jan Eumann, Direktor der Medienanstalt RLP
„Und eins und das adressiert auch Frau von der Leyen in dem ‚Kids Act‘ ist, dass diejenigen, die sehr viel Geld mit diesen Angeboten verdienen ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Die Anbieter können was tun, aber die Erfahrung lehrt eben auch – sie reagieren nur auf enormen politischen Druck und sie reagieren nur darauf, wenn es sie enorm viel Geld kostet.“
Denn auch das Internet ist kein rechtsfreier Raum und Cybermobbing kann angezeigt werden. Aber wie kann man sich gegen Cybermobbing am besten verteidigen? Die Schüler der digitalen Schulstunde sammeln gemeinsam ihre Ideen und tauschen sich aus.
Svea, 8. Klasse IGS Speyer
„Ich hab gelernt, dass man halt laut sein soll, wenn jemand gemobbt wird und nicht einfach nur still danebenstehen soll und was mich überrascht hat, dass auch sozusagen Täter die Nummer gegen Kummer anrufen können und nicht nur die, die gemobbt werden.“
Am Ende zählt, dass jeder Verantwortung für sein Handeln übernimmt. Sowohl analog als auch online.