Multitalente Algen
Wer in einem See baden will, freut sich in der Regel nicht besonders über trübes Wasser voller Algen. Außer man ist Wissenschaftler. Die sind begeistert von Algen – sie produzieren in Süß- und Salzwasser rund die Hälfte des gesamten Sauerstoffs auf unserem Planeten. Und das ist noch nicht alles. Was für faszinierende Multitalente Algen sind, zeigen Forscher der Hochschule Darmstadt.
Hier wird Papier herstellt. Dabei entsteht jede Menge Abwasser, das mit Schadstoffen belastetet ist. Deshalb haben Papierfabriken in der Regel eine eigene Kläranlage. Bevor das Abwasser in Flüsse geleitet wird, erfüllt es alle Grenzwerte. Trotzdem, ein paar Spurenstoffe sind noch vorhanden. Ideal wäre da eine vierte Klärstufe. Forscher der Hochschule Darmstadt haben dafür Algen im Blick. Sie haben eine Süßwasser-Mikroalge gefunden, die Rückstände schädlicher Stoffe im Papierfabriksabwasser auffrisst.
Rüdiger Graf, Biotechnologe
„Es gibt da eine Gruppe, die zeigen eine regelrecht hormonähnliche Wirkung, das können sie auch beim Menschen zeigen und deshalb ist es einfach wichtig, dass wir sagen okay, wir tragen mit dieser Kultivierung der Algen dazu bei, dass wir diese Spurenstoffe aus dem Abwasser herausholen.“
Zwar lassen sich Schadstoffe im Abwasser auch mit gängigen Verfahren mit Aktivkohle herausfiltern. Das besondere bei den Algen ist jedoch: Sie erfüllen gleichzeitig jede Menge andere Aufgaben. Denn Mikroalgen betreiben extrem effizient Photosynthese. Heißt: Sie binden nicht nur Schadstoffe im Wasser, sondern auch das Treibhausgas CO² aus der Luft und stellen dabei Sauerstoff her. Und: Unter bestimmten Bedingungen erzeugen sie Algenöle.
Rüdiger Graf, Biotechnologe
„Das schöne ist, die Energie, die dabei genutzt wird, liefert im Idealfall die Sonne. Die Alge wird gefüttert durch Bestandteile von diesem Abwasser und wir bekommen dann am Ende eben diese Algenöle heraus.“
Vier Fliegen mit einer Klappe. Aktuell tüfteln die Forscher daran, wie sie die Mikroalgen dazu bringen können, möglichst viel Algenöl herzustellen.
Gerd Klock, Biochemiker
„Es ist schon erstaunlich, wie viele Möglichkeiten man hat. Man kann eben die Algen dazu bringen, bestimmte Nahrungsergänzungsstoffe herzustellen, man kann bestimmte Fettsäuren versuchen aus den Lipiden rauszuisolieren oder man könnte auch, was jetzt auch begonnen wird, versuchen, die Algen-Biomasse in die Nahrungskette einzubringen.“


