Integratives Fußballprojekt „Streetbolzer“ in Kassel

In jedem Jahr verleiht der Deutsche Fußball-Bund in Frankfurt den Julius-Hirsch-Preis, der gesellschaftliches Engagement über den Fußball hinaus belohnt. Da geht’s um Werte wie Fairness, Toleranz und Miteinander. Hauptpreisträger in diesem Jahr: Das Projekt „Streetbolzer“ aus Kassel, das sich um sozial benachteiligte Kinder kümmert. Wir haben den Straßenkickern mit unserer Kamera einen Besuch abgestattet.

Anstoß bei den Streetbolzern in Kassel. Ob man gut kicken kann oder nicht ist ebenso wie Alter, Herkunft oder Hautfarbe völlig egal. Heute sind auch Menschen mit Handicap dabei. Hier darf einfach jeder mitspielen.
Janik, 17 Jahre
„Weil ich auch mehr lernen möchte fürs Fußball. Dribbling und so und Schüsse. Was man noch besser machen kann.“
Noel, 11 Jahre
„Die Leute, also Felix und so, sind auch sehr sympathisch. Mit denen kann man Spaß haben und es macht halt sehr viel Spaß.“
Fatima, 11 Jahre
„Dass ich immer mit meinen Cousinen und Cousins hierherkomme, damit wir so Fußball spielen.“
Abdulkadir, 16 Jahre
„Es gibt auch mal Stress, aber am Ende des Tages sind wir nur Menschen und vertragen uns auch.“
Zwar gibt es hier in der Kasseler Nordstadt etliche Fußball-Vereine, die Streetbolzer kicken aber lieber ohne Liga-Zugehörigkeit. Zwanglos und vor allem kostenlos.
Mustafa Gündar, Geschäftsführer Streetbolzer e.V. Kassel
„Solche Formate sind deshalb wichtig für die Jugendlichen, weil sie dann trotzdem spielen können. Ohne diese Strukturen zu haben, die man im Verein hat: Man geht in die Schule, kommt von der Schule, macht Hausaufgaben im besten Fall, Sportverein und dann geht man wieder nach Hause. Die haben wir hier nicht. Wir haben eher die, ich sage mal die ‚Wilden‘, die Unorganisierten, die aber auch Bock haben, Fußball zu spielen.“
Fußball spielen im sozialen Brennpunkt. Kassel Nordstadt – hohe Arbeitslosigkeit, erhöhte Kriminalitätsrate, viele unterschiedliche Kulturen auf begrenztem Raum. Nicht selten wachsen Kinder hier mit Gewalterfahrungen auf. Konflikte werden auf der Straße schnell handfest gelöst. Genau da setzt das Projekt an.
Mustafa Gündar, Gründer Streetbolzer e.V. Kassel
„Wir spielen nach den Straßenfußball-Regeln. Das heißt, wenn Stress-Situationen entstehen, sollen die Kinder das im besten Fall verbal lösen. Also mit reden. Und das ist ja auch das Ziel: Zu lernen, dass man Konflikte auch anders lösen kann. Das ist uns ganz wichtig.“
Wichtig auch: Die Stigmatisierung der Kinder aus der Nordstadt bekämpfen. Mittlerweile bestreiten sie auch Turniere in anderen Stadtteilen.
Leonard Rininsland, Streetbolzer e.V. Kassel
„Als sich dann die Jugendlichen auf dem Fußballplatz begegnet sind und sich dann regelmäßig sportlich bekämpft haben, sind gewisse Vorurteile abgefallen. Und mittlerweile sind Freundschaften auch über die Stadtteilgrenzen hinweg entstanden.“
Finanziell unterstützt wird das Streetbolzer-Projekt durch die Stadt Kassel und private Förderorganisationen. Und auch das gehört jedes Mal dazu: Nach dem Kicken – gemeinsames Abendessen am großen Tisch.
Mustafa Gündar, Geschäftsführer Streetbolzer e.V. Kassel
„Wir versuchen tatsächlich, gesundes Essen zu machen, weil wir auch gemerkt haben, dass die Kinder zu Hause nicht unbedingt gesund essen. Gerade hier in diesem Stadtteil.“
Kicken und einfach Spaß haben. Egal wer man ist, woher man kommt, ob mit Handicap oder ohne. Wenn der Ball hier rollt, sind einfach alle gleich.