Rheingauer Winzer ziehen Erntebilanz
Der ungewöhnlich heiße und vor allem trockene Sommer hat der Landwirtschaft hierzulande ordentlich zugesetzt. Getreide, Raps, Mais – alles großflächig vertrocknet und verdorrt. Doch es gibt eine Gruppe in der Landwirtschaft, die eine der besten Ernten seit vielen Jahren erwartet: die Winzer.
Sonne, Sonne, Sonne – die Rieslingtrauben im Rheingau sind reif, aromatisch und vor allem gesund. Der Präsident des Rheingauer Weinbauverbands vergleicht den aktuellen Jahrgang bereits mit den ganz großen.
Peter Seyffardt, Präsident Rheingauer Weinbauverband
„Wir haben wenig Pflanzenschutz benötigt und haben jetzt hochreifes und hochgesundes Lesegut und das ist immer so ein entscheidender Faktor heute. Weil wir wollen für unsere trockenen Weine nur gesundes Traubenmaterial haben und das finden wir zurzeit vor. Und wir haben die Möglichkeit einfach zuzuwarten, wenn die Witterung und das Wetter so bleiben wie sie jetzt sind, stehen uns alle Türen offen, einen ganz großen Jahrgang zu erzeugen.“
Mehr Sonne bedeutet aber nicht unbedingt mehr Ertrag. Es bedeutet, dass die Trauben früher und intensiver reifen und damit eine höhere Qualität erhalten.
Peter Seyffardt, Präsident Rheingauer Weinbauverband
„Früher waren wir froh, dass die Trauben überhaupt reif wurden. Und mittlerweile erzeugen sie hier ganz großartige Qualitäten. Insofern, gerade für die Rebsorte Riesling, ist der Klimawandel, so wie er sich hier bei uns darstellt, nicht unbedingt negativ.“
Professor Manfred Stoll leitet das Institut für Weinbau an der Hochschule Geisenheim. Er beobachtet schon lange, wie der Klimawandel zum Beispiel dazu führt, dass im Weinbau weniger Pestizide und Düngemittel eingesetzt werden müssen.
Prof. Manfred Stoll, Hochschule Geisenheim
„In der Vergangenheit brauchten wir jedes Blatt, um maximal die Sonnenenergie in Zuckersubstanzen umzuwandeln. Das wird sich in der Zukunft verändern, dass wir eben auch mit anderen Blattflächen das gleiche Ergebnis erzielen können.“


