ESA-Satellit beobachtet Pflanzenleuchten

Hochspannung war heute angesagt in Darmstadt. Denn die Europäische Weltraumorganisation ESA hat eine neue Mission ins All geschickt – und die wird aus dem Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt gesteuert. Besonders spannend diesmal: Die Rakete hatte gleich zwei Satelliten im Gepäck. Beide werden ihren Blick auf die Erde richten – um zu erforschen, wie sich zum Beispiel die Dürre auf die Pflanzengesundheit auswirkt.

Photosynthese: Pflanzen entziehen der Luft Kohlendioxid und setzen dabei Sauerstoff frei. Was auf winzig kleiner Ebene in den Zellen passiert, lässt sich tatsächlich aus dem Weltall beobachten. Genau das ist die Aufgabe von Flex, der neuen Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA, die heute Nacht gestartet ist. Flex misst, wie aktiv die Pflanzen auf unserer Erde Photosynthese betreiben und macht sich dabei ein geheimes Leuchten zunutze.
Timon Hummel, Missionsleiter FLEX
„Wir gehen da einen kleinen Umweg, weil Photosynthese direkt aus dem Weltraum zu messen ist etwas schwierig. Aber wenn quasi Pflanzen CO² aus der Atmosphäre aufnehmen und Wasser, produzieren sie Stärke und Sauerstoff und in diesem Prozess strahlen sie auch noch ein kleines Signal ab, das sogenannte Fluoreszenzsignal. Das heißt, wir messen dieses Fluoreszenzsignal, dieses wahnsinnig kleine Signal, was Pflanzen abstrahlen.“
Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf die Gesundheit der Pflanzen ziehen. Denn selbst wenn sie noch grün sind, können sie bereits unter Stress leiden. Weniger Photosynthese ist das erste Alarmsignal.
Timon Hummel, Missionsleiter FLEX
„Das heißt, wir können dadurch dann besser unsere Ökosysteme monitoren, wir können verstehen, welche Pflanzen sind resilienter im Klimawandel, zum Beispiel manche Pflanzen sind von äußeren Einflüssen nicht so sehr beeindruckt, die machen weiterhin eine sehr gute Photosynthese und wir können besser verstehen, welchen Carboncycle, also wie der Carboncycle funktioniert, also wie CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen wird und eben in Biomasse gespeichert wird über diesen Photosyntheseprozess.“
FLEX nimmt dabei sowohl Wälder als auch Ackerpflanzen ins Visier. Auf dem Weg ins All war der Satellit nicht alleine. Mit in der Rakete: Ein Satellit des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus, Sentinel 3 C sein Name. Die Raumfahrtexperten im ESOC in Darmstadt mussten heute Nacht also gleich zwei Satelliten betreuen. Eine besondere Herausforderung.
Simon Plum, Leiter Missionsbetrieb
„Wir waren alle aufgeregt, positiv angespannt und als es dann geklappt hat und wir die ersten Signale der Satelliten gesehen haben, wirklich begeistert, ich kriege immer noch eine Gänsehaut davon und bin total glücklich und froh, auch nach 20 Missionen oder mehr, die ich schon selber mit bearbeitet habe.“
Nach dem Start um 03:21 Uhr unserer Zeit vom Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana wurde es also spannend. Denn die beiden Satelliten wurden sehr dicht beieinander ausgesetzt. Jetzt zeigt sich, ob die Berechnungen exakt waren und die beiden nicht aneinander driften. Doch es ist alles gut gegangen.
Simon Plum, Leiter Missionsbetrieb
„Ab dem Zeitpunkt des Auskoppelns übernehmen wir dann hier in Darmstadt die Kontrolle des Satelliten und das hat wunderbar geklappt und die ersten Stunden nach dem Auskoppeln sind halt damit beschäftigt, die existenziellen Systeme hochzubringen, vor allen Dingen das Solarpaneel.“
Im Gegensatz zur neuen Technologie von FLEX, die eher ein Experiment ist, umkreisen die Sentinel-Satelliten vom Typ 3 bereits seit zehn Jahren die Erde – und wurden nun durch einen weiteren ergänzt. Sie sammeln unter anderem Daten über die Atmosphäre oder die Oberflächentemperatur. Weil diese Beobachtungen auch für die FLEX Mission wichtig sind, werden die beiden Satelliten im Tandem fliegen – dicht beieinander, mit nur wenigen Sekunden Abstand. Mit vereinten Kräften werden Sentinel 3C wird FLEX uns dann mehr Erkenntnisse über die Pflanzenwelt auf unserer Erde liefern – und aufzeigen, wenn es ihnen nicht so gut geht.